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Gesetzen. So z. B. hat der Pfarrer von Sarron im Departement der Oise eine Trauung vollzogen vor der Civiltrauung auf der Mairie; dergleichen ist auch in einigen Orten der Bretagne vorgekommen, ist aber dort weniger bemerkt worden, weil die klerikalen MaireS im Ein« Verständnisse sind. Der Pfarrer von Sarron ist indessen bei dem KorrektionS» Tribunal von Clermont angeklagt worden, welches ihn wohl lehren wird, daß in Frankreich die Civiltrauung der kirchlichen Trauung vorhergehen muß. Der Deputirte der Jsöre und Maire von AveniLreS, Herr Marion, hat einen Priester der Diöcrse von Lyon bei dem Justiz- Minister angeklagt wegen einer Predigt, die derselbe in Aveniöres gehalten hat. Dieser fromme Redner sagte nämlich seinen Zuhörern über die Mitglieder der Deputirtenkammer: „Ihr habt Vertreter gewählt, denen ihr nicht einmal euren Geldbeutel anvertrauen würdet. ES ist Koth, den ihr auS der Gosse genommen, es sind Lumpen, die ihr vom Miste arfgklesen habt. Warum weiß ich doch in der französischen Sprache nicht noch schmählichere Bezeichnungen zu finden, um diese Leute zu brandmarken!" Dergleichen Ausfälle find aber gar nicht so selten, und die Deputirten der Linken vieler Departements haben während der ParlamentSferien konstatiren können, daß viele Landpfarrer in ähnlichem Tone gepredigt haben, weil die Liberalen in der Deputirten- kammer sich den Uebrrgriffen des UltramontavismuS widersetzen.
— PariS, 12. Mai. AuS Agram, 12. Mai, wird der „Köln. 3^ " K-weldet: Gestern beim großen Fackelzuge zu Ehren deS Erzher- zo^s Albrecht wurde gerufen: „Nieder mit den Türken! Die Russen sollen leben!" Der Erzherzog empfing die Deputation der BoSniaken, deren Führer um Fortsetzung der Unterstützungen für die Flüchtlinge bat und dann hinzufügte: „Es sei uns auch noch gestattet, unsere Hoff- n«ng auszudrücken, baß der Augenblick herrannahe, wo auch die wäch- tige österreichisch-ungarische Monarchie unseren unglücklichen Brüdern, die unter dem grausamen Joche der hundertjährigen Feinde unseres Glaubens und unseres Herdes schmachten^ zu Hülfe kommen werde." Der Erzherzog entgegnete, er habe Mitgefühl mit den Leiden der Bosnier und werde fortfahren, ihre Sachen bei dem Kaiser zu befürworten. Der Erzherzog hatte eine zwei Stunden lange Unterredung mit dem Bischof St-oßmayer. Heute als der Erzherzog die Abreise von Agram antrat, war eine unabsehbare Menschenmergr trschienen, welche rief: „Nieder mit den Türken! Laßt uns BoSnien retten!"
— Pari«, 12. Mai Das „Journal officiel" veröffentlicht eine amtliche Bekanntmachung, wonach die Ein- und Durchfuhr von s. g. Gtepp^nvirh sowohl vom Land, wie von der See her nach wie vor vrr- botW bleibt; ebenso bleibt die Ein- und Durchfuhr von Wiederkäuern und Hätten auS England, Rußland, dcr TSrksi und den Donaufürsten, thümern v'rboten. Alles aus anderen Ländern kommende Bieh soll einer strengen Prüfung unterliegen.
— Bukarest, 12. Mai. Die Kammer verhandelte in der gestrig gen Kbendsitzung über die Juterw llation StolojanuS, betreffend die Maßnahmen gegen die türkischen Bombardements. Nach längerer Debatte wurde mit 58 gegen 29 Stimmen folgende Tagesordnung angenommen : In Erwägung, daß die Tü, lei durch ihr aggressives Verhalten die Bande zerrissen hat, welche Rumänien und die Türkei mit einander verbanden, in fernerer Ermägung. daß die TürkA die Feindseligkeiten gegen Rumänien eröffnet hat und daß die rumänischen Kanonen bereits die türkische Kriegserklärung beantworten, und gestützt auf das Gerecht tißkMKßrfKhl der Garantiemächte, welche durch den Pariser Vertrag die politische Entwickelung Rumäniens gewahrt haben, ermächtigt die Kammer die Regierung, alle Maßnahmen zu ergreifen, welche die Existenz RuMmens sichern und demselben gestatten, nach dem Frieden eine wohl- präzisirte politische Stellung einzunehme», die ihm die Möglichkeit die- ret, frei von jedem AbhängigkeitSvrrhältniß seine historische Mission im Orient zu vollenden.
— Bukar est, 12 Mai. AuS der Bebatte'über die Interpellation StolojanuS in der gestrigen ®>§ung der Kammer ist noch hervor- zuhebem daß der Minister Cogalnieeanu die Erklärung abgab, die Pforte habe den Bruch selbst hrrbeigeführt und den Krieg erklärt, indem sie die diplomatischen Beziehungen abbrach. Der Deputirte Jonekco sprach sich gegen die Interpellation auS, indem er auSführte, Rumänien habe kei« Geld, keine bereite Armee und keine Alliirten, denn es könne die MuUn nicht als solche betrachten; daher sei eS unnöthig den Krieg zu erkiäre». Der Minffter-PkästSent Bratiano erwiderte, Rumänien habe sich an die Großmächte gewandt, aber k-ine Antwort erhalten; eS müsse daher, a es verlassen sei, zu seinen eigenen Sb ästen seine Zuflucht nehmen. Rumänien hbbe eine gute Armee und gute Offiziere; eS könne fe« Lebensfähigkeit beweisen und müsse sich vertheidigen, nachdem die Pforte Rumänien dm Krieg erklärt habe. («. u. st^«»,.
— Die türkische Donauflottille bestand nach dem „Milit-Wochenbl/ Ende März d. J. aus 17 Kriegsschiffen mit 60 Kanonen und wird voÄ dem V^- Admiral Hussein Pascha befehligt. Seitdem find zur Perstärkung noch zwei Monitors und vier Panzer kor v tten zur Sulma von KonMmiroptt abgegangen. Vor ersteren 17 waren die beiden Ko:V'tten an der GullM-Mündung verblieben, zwei größere Kanonenboote bei Mais hin, zwei kleinere bei Tultscha. Der Rest war auf dem Strome so vertyrilt, daß im Verlauf von 6—8 Stunden je zwei sich vereinigen können.
— New-York, 11. Mai. Der Dampfer der Norddeutsche« Lloyd „Rhein" ist hier eingetroffen._____________
Lokale».
Hau au, 14. Mai 1877.
Während das Blatt unter der Presse, ist soeben, halb 2 Uhr Nach«: im hiesigen Postgebäude Feuer auSgebroSes.
— Vergangenen Hiwmelfahrttag Morgen wurde im Altstädter Schloßgarten während des Concertes der Müller'schen Kapelle eine Nach- tigallenfalle gestellt, jedoch aufgefunden und an den Schloßdiener Pfeffer- mann abgeliefert. Dieser Bubenstreich rief unter den zahlreiche Spaziergängern gerechte Entrüstung hervor und bedauerte man allgemein, daß der Thäter nicht aufzufinden war.
Berfleiger««gS- und Verpachtung».Kalender. für Dienstag den 15. Mai 1877.
Sorm. 9 Uhr werden in den unteren Räumen deS SH- Schlosses zu Aschaffenburg 166 Hektoliter Most Riesling und ea. 28 Hektoliter Most Schwarzklävner auS den Srarialischtn Weinbergen zu Hörstein öffentlich verkauft (s. Rr. 99 „Han. Anz.") — Vorm. 10 Uhr soll auf dem Rathhauß zu Erbstadt die Lieferung von 50 MW. schwarz. Kalk, 500 lauf. Fuß Mauerdeckplatten, 2 steinernen Thorpfosten und einem eisernen Thor mit zwei Flügeln an den Mirttestfordernde^ vergeben werden (s Nr. 106 „Hau. Anz"). — Borm 11 Uhr kommt auf dem Gemeinderachhause zu Ostheim die dortige Jagd mit einem Flächmge- halt von 46801/* Acker Wald und Feld auf 6 Jahre zur V? Pachtung (s. Nr. 110 „han. Avz "). — Offerten für Lieferung von 3000 Ctr. Steinkohlen, sowie 2000 Meter Leinen an das hiesige Landkcankmhaus sind spätestens im Laufe des Tages an den Dirigenten Herrn Dr. Roll ei-zureichen. — Nachm. 2 Uhr versteigert Herr Taxator August Berg im Hause Glockengüsse 22, wegen WohnortSvr Sicherung: Kleiderschrank, Küchenschrank, zwei Nußbaumbtttst.llen mit Matratzen, sonstige Möbel, Porträts, großer; Plüschteppich rc gegen PaarzMung.
Auszug auS dem Seutral-HaudelSreatster.
Eintragungen bei Kgl. Kreisgericht, erste Abtheilung, Hanau.
Zufolge Verfügung vom 5. Mai 1877 ist auf Anzeige von dem nämlichen Tage am 7. Mai in das Handelsregister eingetragen worden, daß das seither unter der F rma I. Diehls & Co. dahier betriebene Geschäft nach dem Tode deS Inhabers, Kaufmanns Philipp Heß, von dessen Wittwe Maria Louise, qeb. Hehner, als gesetzlicher Nutznießerin deS Nachlasses ihres Mannes fortbetrieben wird.
Zufolge Anfügung vom 7. Mai 1877 ist auf Anzeige vom 5. d. MtS. am 8. Mai in das Handelsregister eingetragen worden, daß auS dem Vorstände der dahier unter der Firma: „Aktiengeftllfchaft Bürgerversiu" bestehenden Aktiengesellschaft die bisherigen Mitglieder Rechtsanwalt Manns II. und Gustav Horn von hier ausgeschieden und an deren Stelle Jean Gioth und Julius KnisS von hier als BorstaudS- mitgli-der auf die statutenmäßige 3jährige Zeit ein getreten sind.
+ Gelnhaufe«, 11. Mai. Das an Ehren und auch Einnahmen reiche Gastspiel rmserer Hanauer Schauspielgäste fand gestern mit dem Moser'schen Lustspiel „Ultimo" einen glänzenden Abschluß. Mit größtem Dank müssen wir es anerkennen, daß das DirectoriUm des „Geselligen Vereines" (EUstvo) eS möglich machte die Schauspieler in einem ihren Leistungen würdigeren Rühmen zu sehen, als die» bei den ersteren Vorstellungen der Fall war und so xestülteten sich die beide« letzten Abende — namentlich der gestrige — zu ganz besonderen Ehren- abenden. Wenn wir in diesen Zeilen eM allgemeine Merkenmmg für die Gesammtleistungen der hier überall gern gesehenen Gäste-auSsprechen, so gebietet unS die Pflicht vor allen Dingen dem Regisseur Herr« Bert hold unsern Dank aussprechen, denn seiner großen Mühe nur haben wir alle diese genußreichen Abende zu danken. Hoffentlich wird uns — wenn nicht früher — im nächsten- Frühjahr daS Vergnügen zu Theil ihn und mit ihm die anderen uns lieb gewordene« Künstler hier zu sehen. Soviel ist sicher und dürfen mir mit Gewißheit auSspreche«, daß eS keiner der sonst hier gewesenen GesellschaMy^ mehr möglich sein wird, hier ru reussirtNM
— Der AppellationSgerichtSrath Mertz in Gaffel erhielt den Charakter als Geheimer Justiz,Ratb.______________
Der „Frankfurter Anzeiger" lerntet unterm 12. Mai auS Frankfurt am Main: Der diesjährige Wollmarkt wird in der Land- wirthschaftlichen Halle am 9. und 10. Juli abgehalten werden. — Die hnsige Polizei wird nun den ersten Schritt zur Prüfung der LebenS- Mittel insofern thun, als sie die zu Markt kommende Milch auf ihre» Prozentsatz prüfen lassen wird. Die neuen Milchmeffer sollen äaszö- zeichnet sein.
— Offeubach, 12. Mai. Unweit Offenbach, auf Bürgeler Ge- markurg. warf sich gestern Abend ein seither in Bürget beschäftigt gewesener Arbeiter vor dem daherbrausenden Zug auf die Schienen und ltlß sich übersatten; der Kopf wurde vom Rumpfe vollständig getrennt, so daß der Tod sofort eintreten mußte. Der Lebensmüde hatte vorher seine Kappe, Heimathschein und einige Briefe enthaltend, neben hin gelegt und m*i einem Stein beschwert, die Ankunft des ZugkS erwartet und sich dann, als derselbe so nahe war, deß der Lokomotivführer, der eine Gestalt wahrgenommen hatte, den Zug nicht mehr zum Stehen bringen konnte, aus die Schienen gelegt.