1550
— London, 6. Mai. Das in Korfu stationirte britische Ge- schwader erhielt nach einer Meldung des Reuter'schen Bureaus Befehl, «ach Kreta abzugehen.
— London, 5. Mai. Heute findet ein Ministerrath statt. Die „Morningpost" erfährt, daß die Regierung angesichts der möglichen Eventualitäten im Orient beschlossen habe, mit möglichster Beschleunigung alle kleinen Thmuffchiffe mit Mannschaft zu versehen. — DaS dem Parlamente Vorgelege Blaubuch über die orientalische Frage umfaßt 520 Depeschen vorn 6 Dezember 1876 bis zum 12. Bpr-l 1877. Die «inst» Depeschen beziehen sich auf dir Protokolloerhandlungen. — Die «TiRes" veröffentlicht eine Aufstellung derjenigen Truppentheile, welche, falls des Gang der Ereigniss; im Orient dies erheischen sollte, unverzüglich nach Malte eingeschifft werden sollen. Die Aufstellung umfaßt 7 Kavoll ne Regimenter, darunter 3 Regimenter Garde-Dragoner, 4 Artillerie-Brigaden und 59 Infanterie-Bataillone, darunter 4 Bataillone Garde,
— Mailand, 2. Mai. In der Universitätsstadt Padua, wo die Grbriue biS Heiligen Antonius ruhen, fanden die ersten antikleri- kalen Kundgebungen statt. Am 28. April durchzog ein circa 200 Köpfe starker Zug französischer Pilger die Stadt und begab sich hierauf in Die o^gesanntem Hüligen gewidmete Kirche. Ein Pilger bestieg die Kanzel und bUlt der Menge eine Predigt in ftanzösischrr Sprache, in Welch r er sich erlaubte, starke Ausfälle auf Italien zu machen. Die anw i vd^a Studenten verstanden den Ausdruck wohl: „Man muß die Bri^a-mu vernichten", womit nicht die von der Regierung verfolgten BrigaHm, sondern die Regierung selbst gemeint war. Am Bahnhof fanden sich denn die Studenten Massr«aaft ein und verabschiedeten sich vos den unwerthen Gästen mit Schreien und Pfeifen und unter ohren« zerreißenrer Musik ging der Zug ab. Die von den Behörden getrof- feneu BsrsiHt^maßrsgeln, besonders die Zusammenziehung der Polizei- soldaten in Rom, aus Mailand und and ren Plätzen, wurde als un- «öthig, gegenüber einer wehrlosen Schaar angesehen; aber man hält doch dafür, daß Vorsicht geboten ist gegen diejenigen, welche zwar nicht selbst mit Hub und Stich verletzen, dafür aber durch giftige Reden Andere dazu aufmuntern, und dem Staate ebenso lästig und noch lästiger werden können, als Internationale und Republikaner. Das Komite der katholischen Angelegenheiten verkündet offiziell, daß am 3. Juni 90,000 Pilger in Rom sein werden; der Vatikan ließ 60,000 Gedenkblätter in Chlomolithographie anfrrtigen, um den Pilgern zeitlebens eine Er« irmerung an das Jubiläum und an Rom zu geben. Die physischen Kräfte des Papstes aber werden durch die außerordentliche Thätigkeit und Aufregung schon jetzt sehr angegriffen; d-ßdalb war vorgestern im Vatikan eine ärztlich? Berathung über den Gesun-Heitsstand der Ober- Hirten, welche um so dringender erschien, da derselbe beim Empfang der savoyardischen Pilger von plötzlichem Uebelbefinden befallen wurde. Die Aerzte riechen von weitere» Empfängen ab, der Papst aber will all seine K-aft vereinen, um sämmtliche Pilger persönlich zu empfangen.
cschw.M-rr.)
— Rom, 6. Mai. Auf von Hochgestellter ausländischer Seite eingegangene Anfrage, ob der Papst einverstanden sei, daß seine Stellung und Freiheit unter den Schutz der Mächte gestellt werde, worüber man Mit der italienischen Regierung auf Grundlage der gegenwärtigen Lage des Papstes unterhandeln würde, antwortete der Papst entschieden ablehnend, weil dies einem Verzichte auf die Rechte der weltliche« Macht gleich käme. Der Papst unterbreitete vor geraumer Zeit einigen Cardinal» die Frage, ob der päpstlche Stuhl rücksichtlich der Controversen mit verschiedenen Regierungen ganz oder theilweise die bisherige Haltung Ludern soll. Die Cardinäle antworteten, fünf gegen einen man müsse die Polltik des Widerstandes fortsetzen. irm*. gts-i
— Odessa, 5. Mai. Nachrichten aus WladikawkaS zufolge ist Kars vollständig cernirt, die Russen hatten bereits 24 Belagerungsgeschütze in Position, die Beschießung sollte sofort beginnen.
— Der Commandant der türkischen Festung Tultscha hat angesichts der Wahrscheinlichkeit einer Belagerung angeordnet, daß alle 8e* wo ner, die nicht hinreichend mit LebenSmitteln versorgt seien, binnen drei Tagen die Festung verlassen sollen.
— Konstantinopel, 5 Mai Der Minister deS Auswärtigen hat den Vertretern der Pforte im AuSlande unter dem 3. d. folgende Mittheilung zugeheu lassen: „Ich beeile mich, Ihnen mitzutheilen, daß in Folge der Konvention zwischen der Fürstlich rumänischen und der Kaiserlich russischen Regierung vom 16. April, welche den Zweck ver- folgte, die Besetzung deS rumänischen Territoriums durch den Feind, W lcheS am 24. April erfolgt ist, vorzubereiten, ich dem hiesigen Agenten der Fürstlich rumänischen Regterung angezeigt habe, daß seine Funktionen vom heutigen Tade suspmdüt sind, daß indessen die Moldo- Wallachen, welche sich in der Türkei befinden, nach wie vor den Schutz iej Gesetze und der Kaiserlichen Behörden, ebenso wie die getreuen Unterthanen Sr. Majestät genießen werde. Die moldo wallachischen Schiffe werd» ebenso unter dem Schutze der Kaiserlichen Behörden in der Türkei und der oSmanischen Konsuln im AuSlande verblrivnr. Sie wollen diese Entschließung zur Kenntniß der Regierung bringen, bei der Sie beglaubigt sind und wollen den Konsul« an den Plätzen, die ihrer Jurisdiktion unterstehen, die diesbezüglichen Instruktionen ertheilen."
Lokale».
Hans«, 7. Mai 1877,
§3. In der letzten Vorstandssitzung des hiesigen Thierschutz-Vereins wurde der praktische Beschluß gefaßt, in der Regel solche Sachen in hiesigen Blättern zu referiren, die geeignet sind dem humanen Bestreben deS Vereins Vorschub zu leisten, und wollen wir über einige Punkte berichtend damit den Anfang machen.
Es wurden in den jüngsten Tagen Jahresberichte an eine große Anzahl auswärtiger Vereine gesandt ebenso an unsere hohen Behörden in Casfel und Hanan, und empfingen wir wechselseitig schon verschiedene Berichte zugesandt, wie auch uns von Casstl eine Zeichnung für einen Tränkbrunnen überreicht wurde.
Mit dem Thierschutz Verein in Dresden sind wir in Correspondenz getreten wegen Beschaffung von auf unser Interesse Bezug habenden Kinderschriften und Bilderbogen nützlicher sowie schädlicher Vögel.
Im Namen des hiesigen Vereins ist in einem Fachblatte (Androklus) zur Concurrenz aufgefordert worden, einen Hunde-Maulkorb zu erstellen, der den behördlichen Vorschriften genügt, indessen aber nicht die Thiere so plagt, als die bis j tzt bekannten Maulkörbe, und wird der Vorstand s. Z. von einem etwaigen Erfolge öffentlich Kenntniß geben.
Es wurden Gratifikationen bewilligt einem Manne, der Nachti« gallenfäng?r zur Bestrafung gebracht hat, und für Zerstörung von Elster- nestern.
Bei dieser Gelegenheit richten wir an das geehrte Publikum die dringende Bitte namentlich in der jetzigen Brutzeit unserer kleinen Sänger ein scharfes Auge auf Vogelsteller zu haben, da dem Vorstände bekannt ist, daß einige Leute scharf auf der Jagd nach Nachtigallen und Schwarzköpfchen sind.
Der Vorstand selbst hat entsprechende Leute zu gewinnen vermocht, die diesem unsaubren Treiben auf die Spur gehe«, und soll es sehr erwünscht sei«, wenn dieser Wink genügen würde, die Betreffenden abzu- halten.
— Da die Verhandlungen mit Münche« nicht realisirbar waren, so wurde von der Commission für Begießung der Anlagen dahier vergangenen Freitag in Frankfurt a M. zu dem Preis von 1190 Mark ein zweites Gießfaß von 2500 Liter Rauminhalt, lieferbar am 1. Juni d. J., in Bestlllung gegeben. Die Commission ist redlich bestrebt, das nun einmal übernommene Werk nach besten Kräfte« zur Ausführung zu dringen und wird es ihr hoffentlich auch in diesem Jahre an der nöthigen Unterstützung Seiten» der verehr!. Einwohnerschaft nicht fehlen.
— Heute Morgen 10 Uhr fand die Vorstellung deS hiesigen Bataillons vor Sr. Excellenz bem Herrn Generallieutenant v. Thiele statt.
— Die in Philadelphia prämierten Aussteller haben gestern ihre Certifikate erhalte», die Medaillen stehen noch aus.
Versteigerung». und BerpachtungS-Kalender.
für Dienstag den 9. Mai 1877.
Holzversteigerung im Büdinger Stadtwald, Zusammenkunft Morgens präcis 9 Uhr auf dem Sandhof: Buchen: 186 Raumm. Scheith., 19 do. Knüppelh, 62 do. Stockh., 1000 do. Wellen; Nadel: 26 Raumm. Scheith., 310 do. Knüppelh., 54 do. Stockh., 8735 Welle» (s. Nr. 104 „Han. Anz."). — Nachm. 2 Uhr kommen durch Herrn Taxator W. Seiffert gegen Barzahlung im Hause Herrngasse Nr. 22: Möbel, B-ttwerk, Portraits, 2 Oefen und verschiedener Goldarbeiter« Werkzeug zum Verkauf. — Nachm. 3 Uhr sollen im GerichtSgebäude: Pfeilklkommode, 3 Strohstühle und Wanduhr gegen Baarzahlung versteigert werden.
— gär heute. Spritze Nr. 5: Beschlußfassung wegen der Land« parthie.
— Roteuburg, 2. März. Dem „Cass. Tagbl." wird geschrieben: Vorgestern, gestern und heute kam vor dem hiesigen Schwurgericht eine höchst seltene Anklage zur Verhandlung, denn es muß wohl zu den seltensten Fällen gerechnet werden, daß ein Taubstummer in Konflikt mit den SraatSgesetzen kommt und ist deshalb wohl der fragl. Gegen« stand von so allgemeinem Interesse, daß man etwas ausführlicher darauf eingehen kann. — Die taubstumme Ehefrau des TaglöhnerS Heinrich Hett aus GerSdorf war angeklagt, ihren eigenen 36 Jahre alten kränklichen und ebenfalls taubstummen Bruder, Konrad Ajchenb»ch, zu dem Zwecke ermordet zu haben, um dessen Vermögen, ca. 600 Thlr., auf diese Weise früher erben zu können. Da jedoch nach einem Gut« achten der wissenschaftlichen Deputation zu Berlin die in Frage stehende Frau insofern all unzurechnungsfähig zu betrachten sei, daß eS ihr an der nöthigen Einsicht über die Tragweite und Bedeutsamkeit ihres Verbrechens fehle, und dieselbe, wie eS sich später ergab, von ihrem Manne zu dieser That veranlaßt worden war, so wurde Letzterer, als der in* telliktaelle Urheber dieses Verbrechens, in Anklagezustand versetzt. —■ Dersetbe leugnet jedoch kurz und entschieden, mit einer nicht zu verkennenden Frechheit, sowohl feine Mitwissenschaft, als auch seine Urheber« schuft, und war alle und jede Konfrontation mit den erschienenen Zeugen fruchtlos. Die Zeugenaussage seines eigenen 11jährigen SohneS, der — wenn auch mit vielen Abweichungen und ängstlichen Wider- । sprächen — die ganze Thatsache, bei der er theilweise zugegen war, mit « allen Nebenumständen erzählte, schien dennoch einigen Eindruck auf den