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Zugleich Amtliches Organ für Kreis nnd Stadt Hanau.
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Dienstag den 1. Mai
1877.
Amtliches.
Jagd-Verpachtung.
Dienstag den 15. Mai er, Vormittags 11 Uhr, soll auf dem Gemeinderathhaus dahier das der Gemeinde Ostheim zustehende Jagdrecht auf einem Flächengehalt von 46801/» Acker, in Wald und Feld bestehend, unter den im Termin festzustellenden Bedingungen vom 1. August ab auf 6 weitere Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Ostheim den 30. April 1877. (2996)
Der Bürgermeister S ch uffert.
Tagesschan. Der Krieg und die europäische« Mächte.
A. d. Schw. Merl.
Die Sprache der englischen Blätter ist so unwirsch als möglich: schändliche Selbstsucht, schlimmste Muster kaiserlicher Logik, barbarische Eroberungspelüste, heuchlerischer Blutdurst, teuflische Heuchelei, das ist eine kleine Auslese ou» den Prädikaten, mit welchm jenseits drS KanalS die russische Rechtfertigung des KriegS überhäuft wird. Man würde wohl irren, wenn man aus dieser heroischen Sprach? auch auf heroische Entschlüsse schließen wollte. Im Gegentheil. Viel wahrscheinlicher ist, daß, weil man sich vorläufig die Hände gebunden sieht, die schriftstel- lerischm Ergüsse um so schrankenloser überschäumen. Man will sich wenigstens diese Genugthuung nicht versagen. Die Türkei gegen die Auguste Rußlands zu vertheidige», wie dies im Krimkriege der Fall war, ist viermal unmöglich gemacht durch den erfolgreichen diplomatischen Feldzug, mit welchem Rußrand sein Unternehmen eingeleitet hat. Erst dann könnte eine Aktion Englands in Frage kämmen, wenn wirklich seine Interessen bedroht wären, und ab eine solche Bedrohung würde England es betrachten, wenn die Russen Absichten auf Konstantinopel verriethen, oder der Krieg in Asien sich in unvorhergesehener Weise ausdehnen würde. Bis dahin aber wird noch eine geraume Zeit Der« fließen, während deren die Gemüther sich abkühlen und, im Bewußtsein der vollständigen Jsolirunz Englands, in Ruhe ihre Entschlüsse zur Reife bringen können. Die Hauptsache ist, daß Oestreich, der bei einem orientalischen Zusammenbruch am meisten betheiligte Staat, mit ver- hältnißmäßiger Ruhe den dortigen Eventualitäten entg?g?nsehen kann, seitdem es das deutsche Reich hinter sich weiß. U-berhaupt springt immer mehr in die Augen, wie sehr durch die Aufrichtung unseres Reichs die Machtverhältnisfe seit dem Krimkrieg sich verändert haben. Seitdem besteht in der Mute Europas ein ponderirendeS Schwergewicht, das stark genug ist, die Lokalisirung des Krieges an der Peripherie zu erzwingen. Auf die starke Militärmacht des deutschen Reiches gerade heute Angriffe zu richten, ist nur dem Leichtsinn oder dem holden Un> verstand möglich. Auch die Mißgunst deS Auslandes kann heute nicht in Abrede ziehen, daß das deutsche Reich durch seine Existenz, durch seine Politik, durch seine gesürchtete Macht den Frieden unter den europäischen Mächten erhält. Mit Recht ist im Reichstag von Neuem der Dank des deutschen Volkes für die auswärtige Politik der R-ichS- regierung auSgedrückt worden. Sie sichert vor allem unserem Volke die Wohlthaten des Friedens und das angenehme Gefühl, als bloßer Zuschauer dem großen Kulturkampf an der unteren Donau anwohnen zn könne», aber sie hat, indem sie das Dreikaiserbündniß zusammenhält, zugleich daS weitere Verdienst: sie hindert England an unüberlegten Schritten, welche daS Kriegstheater in unberechenbarer Weife auSdehnen würden, und sie hindert ebenso Rußland an einem selbstsüchtigen Mißbrauch seiner gegen 1856 so günstig veränderten Stellung, der im Widerspruch mit den europäischen Interessen wäre. Ein neues Anzeichen für die durchaus selbstständtge Politik unserer Regierung darf man in dem Umstand erblicken, daß sie sich entschlossen hat, eine so hochstehende und gewichtige Persönlichkeit, wie Prinz Heinrich VII. Reuß, den früheren deutschen Botschafter in Petersburg, als außerordentlichen Gesandten nach Konstantivopel zu entsenden. Damit ist deutlich genug kundgegeben, daß Deutschland bereit ist, da« Gewicht seines Ansehens in die Wagschale zu werfen — nach jeder Seite, j
— Der „R. u. St.-A." Nr. 100 enthält: Gesetz, betreffend die Feststellung des Haushalts Etats des Deutschen ReichS für das Etats« jahr 1877/78. Vom 28. April 1877.
— Berlin, 28. April. Reichstag. (Fortsetzung). In der heutigen (32.) Sitzung des Reichstages stand folgender Antrag des Abg. Freiherr« von Barnbüler und Genossen, betreffend die Untersuchung der Produktions- und Abfatzverhältnisse der deutschen Industrie und Land- wirthschaft, zur Berathung:
Der Reichstag wolle beschließen:
In Erwägung, daß die Zollgesetzgebung des Deutschen ReichS den Grundsätzen gerechter und zweckmäßiger Besteuerung vielfach nicht entspricht, worunter Industrie und Landwirthschaft leiden, daß 1) namentlich die Zollsätze für hochwerthige Güter nicht im richtigen Verhältnisse zu denjenigen für die minder werthigen stehen, daß 2) die Zollsätze des deutsch-n Tarifs der Forderung nicht entsprechen, dem Werthe der auf die Zollgüter verwendeten Arbeit angepaßt zu sein; 3) durch die bestehenden Handelsverträge die erwünschte Freiheit der Beweguug in der Zollgefitzgebung grhemmt war und am Schlüsse der zwölfjährigen VeitcagSperiode eine gründliche Revision des Zoll- tarifeS geboten erscheint; daß 4) über den Einfluß der bestehenden Zollsätze auf die einzelnen Industriezweige ein? genügende Klarheit nicht besteht, für die Beurtheilung dieses Eirflusses die Berichte der Geweibr- und Handelskammern und die öffentlichen Kundgebungen der Bstheiligten allein eine ausreichende Grundlage nicht bilden; daß 5) ohne genaue Kenntniß der verschiedenen das Erwerbsleben beeinflussenden thatsächlichen Verhältnisse ein sicheres und ersprießliches Vorgehen in der Handelspolitik nicht möglich ist;
die Reichsregierung zu ersuchen:
1) kommissarisch die ProduktionS- und Absatzverhältnisse der deutschen Industrie und Landwirthschaft untersuchen zu lassen, 2) vor Beendigung dieser Untersuchung und Feststellung der sich aus derssl- bm ergebenden Resultate, Handelsverträge nicht abzuschließen.
Nachdem der Antragsteller seinen Antrag motivirt hatte, erklärte der Präsident deS Reichtkanzl?r«AmtS, StaatS Minister Hofman», daß die R-gierungen über die Bedürfnisse und Wünsche des Handels vielfach Erwägungen angestellt hätten und daß dieselben vollständig über diese Materie informirt seien, theils durch die Erhebungen des deutschen Handelstages, theils durch die zahlreichen Petitionen, theils endlich durch die Statistik. Die Regierungen könnten jetzt nicht ihre Verhandlungen wegen Erneuerung deS Handelsvertrages mit Oesterreich sistiren, da ihre Position dadurch insofern sich ungünstig gtftahen würde, als inzwischen durch den Ausgleich mit Ungarn die Aktionsfreiheit Oesterreichs gehindert werden konnte. Der Abg. Feustel berichtet« über eine Reihe von Petitionen, welche sich auf den Antrag Barnbüler beziehen, und welche er durch die Verhandlungen und Beschlüsse deS Hauses über den Antrag für erledigt zu erklären beantragte. Der Abg. Dr. Buhl zog hierauf Namens der übrigen Antragsteller den Antrag zurück, der Abg. Rickert nahm jedoch denselben wieder auf. An der Debatte betheiligten sich die Abgg. Dr. Braun und v. Kardorff, nach welch Letzterem der StaatS- Minister Hsfmann nochmals in die Diskussion eingriff.
Hierauf zog auch der Abg. Rickert den von ihm wieder aufgenommenen Antrag zurück. Es folgte die zweite Berathung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Untersuchung von Seeunfällen, die von dem Referenten Abg. Dr. Wolffson durch eine kurze Darlegung deS von der Kommission zu den wichtigeren Bestimmungen der Vorlage eingenommenen Standpunktes eingelötet wurde. Die Abgg. Dr. Kapp und Genossen beantragte», die Bor läge für die zweite Lesung durch eine Ge- sammtabstimmung in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung anzunehmen. Das HauS trat diesem Anträge ohne Widerspruch bei und erklärte nach dem Vorschläge des Referenten die zu dem Gegenstände ein gelaufenen Petitionen durch die Beschlußfassung über die Vorlage für erledigt. Hierauf wurde der Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen wegen Abänderung deS Gesetzes über die Wetrstruer ohne wesentliche Debatte nach dem Anträge des Referenten Buhl unverändert genehmigt. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Lesung deS