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Zugleich Auckliches Organ für Kreis nud Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage," und Samstags mit der Berliner Provinzisl-Correspondenz.
Montag den 30» April»
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1877
Amtliches.
Die Arbeiten zum Abbruch der in Kilometer 63 und 64,2 + 80 der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn stehenden zwei Bahnwärter-Wohnhäuser und deren Wiederaufbau in Kilometer 69 und 69,5 zwischen Steinau und Schlächtern, sollen im Submissionswege vergeben werden und ist Termin hierzu auf
Dienstag den 15. Mai er.»
Vormittags 10 Uhr, bei unterzeichneter Stelle bestimmt.
Offerten sind bis zu dem gedachten Termin mit der Aufschrift:
„Uebernahme der Arbeite» zum Abbruch und Wiederaufbau von Bahnwärter-Wohnungen" versehen, frankirt anher einzureichen.
Bedingungen und Kostenanschlag können dahier eingesehen, auf desfallsiges Verlangen auch gegen Erstattung der Copialgebühren bezogen werden.
Fulda am 18. April 1877. (2879)
_______________Königliche Ban-Inspektion II______________
Hanau. Auf die Behauptung, daß eine auf dem Grundeigenthum des Kaufmanns Johann Konrad Friedrich Weber und dessen Ehefrau, Philippme Christine, geb. Weinrank, dahier laut Schuld- und Pfandverschreibung vom 10. August 1836 haftende, ursprünglich von Hutmacher Johann Hanack und desfen Ehefrau, Katharina, geb. Ullmer, dahier, geschuldete Darlehutforderung von 200 fl. durch Zahlung getilgt sei, haben sich die eingetragene Gläubigerin, die Wittwe des Kammerherrn Baron von Sto ck um- Stern fel s von hierüber deren Aufenthaltsort, Leben oder Tod Zuverlässiges dahier nicht bekannt ist, eventuell deren Rechtsnachfolger binnen 4 Monaten bei Mei- dung des Eingeständnisses zu erklären.
Binnen gleicher Frist sind etwaige Ansprüche aus der angeblich verloren gegangenen Schuldurkunde vom 10. August 1836 dahier geltend zu machen, widrigenfalls dieselbe für kraftlos erklärt werden wird.
Hanau am 26. April 1877. (2959) Königliches Grundbuchamt.
_______________________Hahn._______________________
Tagesschau. Zeitbetrachtungen.
A. d. Schw. Merk.
Obgleich wir nie in dem Glauben gewankt, daß an dem Fels der Garantien, welche weder zu messen Rußland, noch zu gewähren die hohe Pforte mit ihrer staatlichen Würde vereinbar halten könne, alle Frie- denshoffnungen scheitern müßten, so hat doch unterdessen die Börsen- presse die Friedensschalmei geblasen; viel Geld ist gewonnen worden und es wäre vergebens gewesen, in dieser Zeit die Aussichten des KriegeS zu erörtern. Inzwischen ist die Zahl der Fciedenkgläubigen sehr zu- sammengeschmolzen — Einzelne soll eS noch am 22. April gegeben haben — und so wollen wir uns einige Bemerkungen erlauben über die umthmaßliche Haltung von Großbritannien in dem bevorstehenden Kampfe. Von englischer Seite sind am lautesten die Beschwerden er» hoben worden wegen der verdeckten Einmischung Rußlands in den Krieg zwischen Serbien und den Diwanen. Für die englische Neutralität sind die Verhandlungen im Oberhaus vom 20. April in Bezug auf Hobart Pascha, den Großadmiral der oSmanischen Marine, vor Allem wichtig. Lord Derby erklärte, Kapt. Hobart sei auS der Mariner an gliste gestrichen, da er eine Abfüllung von ^er türkischen Regierung gegen den Willen der englischen Admiralität angmommen habe. Die Einwilligung sei sr. Z. nicht ertheilt worden, da damals (1868) der Aufstand in Kreta auSgebrochen sei und die englische Regierung die Absicht kundgegeben habe, unbedingte Neutralität zu bewahren. Da indeß Kopt. Hobart l-tzthin gute Dienste (für England) in Unterstützung der Reorganisation der türkischen Flotte gethan habe, sei beschlossen worden, fei* neu Namen in die Liste penstonater Offiziere einzutragen. (Anderweitig wissen wir, daß seine Pension täglich ein Pfund Sterling be
trägt). Auf die Erklärung des Ministers erwiderte Lord Granville, Seeoffiziere würden auf diese Weise ermuthigt, dem Beispiel Kapitän Hobarts gemäß die ausdrückliche Warnung der Admiralität unbeachtet zu lassen und hohe Stellung und Vage in fremden Diensten anzuneh- men, in der Aussicht, nachdem sie diese Vortheile für eine Reihe von Jahren genossen, als pensionsberechtigt wieder in die englische Marine aufginommen zu werden. In Verbmöung mit der Erklärung des Unter- fiaaissekretälS des Auswärtigen Herrn Bourke, daß Rumänien schlechtweg ein Theil deS türkisches Reiches sei, wirft die obige Aeußerung deS Minister Derby ein eigenthümliches Licht auf die Neutralität der englischen Tm y Regierung. Zuar trägt man in englischen Kreisen eine große Zuversicht zu Schau hinsichtlich des Ausgangs deS russisch- türkischen KampfeS. Während der Kern deS türkischen HeereS Woche» brauchte, um den Widerstand der Milizen deS serbischen StaateS zu brechen, der wenig über eine Million Einwohner zählt, soll nun die seit 21 Monaten nicht bezahlte türkische Armee ohne Reiterei und Feldartillerie, ohne geregeltes Tränt Portwesen, aber verstärkt durch alle waffenfähige Männer ohne Disziplin und Kriegsübung weggeschüppte Ernährer ihrer Familien aus allen Provinzen des weiten türkischen ReicheS: dieses Heer soll der organisirten Macht deS größten Milümstaates siegreichen Widerstand leisten. Begründet wird diese Hoffnung besonders durch die Unwegsamkeit deS türkischen Kriegsschauplatzes und die Schwierigkeit der Verpflegung auf demselben, als wenn diese Umstände nicht den türkischen Bewegung'» dieselben Schwierigkeiten in drn Weg legten, ja noch größere, da sie rbm deS Transportwesens entbehren, dessen Besitz ihren Gegne n das Ueberwinden solcher Schwierigkeiten erleichtert. England hat bis jetzt die Rolle der Doxge gespielt, welche den anvertrauten Fleischkorb nach Kräften gegen die Mitbewerber vertheidigte. Sobald diese Vertheidigung sich als unhaltbar erweisen wird, wird eS bei der Theilung selbst zugreifen und nicht das kleinste Stück erwählen; möglich, daß dann auch die alte entente eordiale Schaden leidet und wie vor 30 Jahren in Paris die Klage erschallt über la perfide Albion.
— Berlin, 28. April. Reichstag. (Fortsetzung). In der gestrigen Sitzung nahm in der zweiten Berathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Erhebung einer AusgleichungSgabe, der Bevollmächtigte zum BundeSrath HandelS-Minister Dr. Achenbach nach dem Abg. Dr. Braun das Wort.
Nach dem Abg. Frhrn. von Schorlemer-Alst ergriff dasselbe der Bevollmächtigte zum BundeSrath Vize-Präsident deS StaatS-Ministe- riumS, Finanz-Minister Camphausen.
Nachdem noch die Abgg. Graf Udo zu Stolberg, Graf von Frankenberg und Dr. Bamberger gesprochen hatten, griff der Bevollmächtigte zum BundeSrath StaatS-Minister Dr. Achenbach noch einmal in die Debatte ein.
Hiermit wurde die Dilkussion geschlossen, und nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen zur Abstimmung geschritten, zunächst über die Amendements zu 8 1 (von denen das Löwe-Kardorff'sche, statt „AuS- gleichungSabgabe" zu setzen „Zoll", zurückgezogen wurde), und dann über den §. 1 der Regierungsvorlage. Abgelehnt wurden mit erheblicher Majorität die Anträge von Löwe-Karvoff, angenommen dagegen die von Scip-o-Spielberg beantragten Streichungen, so daß von der Regierungsvorlage nur Folgendes übrig blieb:
§. 1. Die folgenden Gegenstände werden bei der Einfuhr in das deutsche Zollgebiet mit einer AuSgleichungSabgabe von 75 Pf. für den Centner belegt: 1) Eisenbahnschienen, 2) ganz grobe Gußwaaren in Oesen, Platten, Gittern u. s. w.
Der so reduzirte § 1 der Regierungsvorlage wurde in namentlicher Abstimmung mit 211 gegen 111 Stimmen abgelehnt. (6 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung.) Schluß 4 Uhr.
(Fortsetzung folgt.) (R. «. st.«.)
— Ein schon mehrfach besprochener Gesetzentwurf liegt dem Reichstag jetzt in folgender Fassung vor: „Aus dem Reingewinn der von dem großen Generalstabe redigirten Werkes „Der deutsch-französische