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Ausdehnung des Fischereigesetzes für den preußischen Staat vom 30. Mai 1874 auf den Kreis Herzogthum Lauenburg. Bom 4. April 1877z

Berlin, 20. April. Reichstag. (Fortsetzung). In der heutigen (26.) Sitzung des Reichstages theilte der Präsident ein Schrei­ben des Reichskanzler-Amts, betreffend dir Kostenanschläge und Pläne für das Botschaftshotel in Wien, mit. Darauf setzte das Haus die gestern abgebrochene Debatte über den Antrag Becker-LaSker, betreffend den Zeugnißzwang, fort. Es sprachen die Abgg. Dr. Lasier, Dr. von Komierowski und Dr. Reichensprrger (Crefeld). Die Berweisung an eine Kommission wurde abgelehnt. In dritter Berathung nahm hierauf das HauS den Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen, betreffend die Er­richtung von Apotheken, ohne Debatte, und hierzu folgende Resolution der Abgg. Dr. Löwe und Dr. Thilenius an:

Den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag in seiner nächsten Session einen Gesetzentwurf behufs einheitlicher Regelung den Apo- thekerwesenS im Deutschen Reich vorlegen zu lassen.

Ohne Debatte wurden unverändert in dritter Lesung genehmigt: die Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen, betreffend die Abänderung der Gesetzgebung hinsichtlich des WasserrechtS, den Kleinhandel mit Brannt­wein oder mit Spiritus, das Aussuchen von Waarenbrstellunzm und den Gewerbebetrieb im Umherziehen. Er folgte die dritte Berathung des Freundschaftsvertrages zwischen dem Deutsche» Reich und Tonga. Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Direktor im Auswärtigen Amt, von Phrliptzbor«, bezeichnete dir gegen die Redaktion dieses Aktenstückes in zweiter Lesung erhobenen Einwendungen als auf einfachen Druck- resp. Schreibfehlern beruhend.

Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde der Abg. Prinz Radzi- will von dem Abg. von Bunsen darauf vrrwitsen, daß es sich bei dem Freundschaft-verträge mit Tonga um nichts mehr handele, als um eine Kohlenstation. Hierauf nahm der Bevollmächtigte zum BundeSrath EtaatS-Minister von Bülow das Wort.

Der Vertrag wurde schließlich mit großer Mehrheit genehmigt.

Bei der folgenden Fortsetzung der Etat-berathung erklärte bezüglich der Gotthardbahn der Bevollmächtigte zum BundeSrath, Präsident deS Reichskanzler-Amts Staats-Mimster Hofmann:

C Ich bin nicht in der Lage, in dem Augenblicke, wo die Verhand­lungen mit der Schweiz und Italien über die Frage schweben, ob und inwieweit für das Gotthardbahnunternehmen weitere Subventio­nen gezahlt werden sollen, Näheres über die Grundlage der Verhand­lungen und über die Gesichtspunkte mitzutheilen, von denen die deut­sche Regierung ausgeht. Nur das kann ich im Allgemeinen sagen, daß die Kaiserliche Regierung nach wie vor in dem Gotthardtbahn- «nternehmm ein Werk sieht, bei welchem Deutschland mit sehr erheb­lichen Verkehrsbeziehunzen bethriligt ist, und daß wir, so weit dar deutsche Interesse an der Vollendung des GotthardtbahnunternehmenS zeht, bei den jetzt schwebenden Verhandlungen die Hand gern dazu bieten werden, um ein Uebereinkommen herbeizuführen, welches die Mittel zur Vollendung des Unternehmens gewährt.

Der Titel wurde genehmigt.

Zum Umbau des ehemaligen Radziwillschen Hauses wurde dem Anträge des Abg. Frhrn. zu Frankenstein entgegen nach den vom Referenten Abg. Dr. Wehrenpfennig gegebenen Erläuterungen die volle geforderte Summe mit großer Mehrheit bewilligt.

Bei der PositionSofien der Prüfung eines neuen Verfahrens zur Ermittelung des Zuckergehalts" wurde vom Abg. von Behr-Schmoldow die Frage der Zuckersteuerreform angeregt und erörtert, während der Abg Sombart sich für Beibehaltung des erprobten Verfahrens verwen­dete. Der Pla« des BotschaftShotels in Wien gab den Abgg. Dr. Reichensperger (Crefeld), von Miller und Römer Gelegenheit zu Be- merkangen über den Baustyl; auch der StaatS-Minister von Bülow be- thriligte sich an der Diskussion. Nach dem Vorschläge der Kommission wurde in den diesjährigen Etat nur die Hälfte der geforderten 300,000 Mk. eingestellt. Ebenso wurde von den einmaligen Ausgaben für die Post- und Telegraphenverwaltung fast 1 Kill. Mk. in den außerordent­lichen Etat versetzt, nachdem der Abg. Demmler die dahin gehörigen Baupläne kritffirt hatte. Hierzu sprachen noch die BundeSkommissarien Geheimer Ober-Postrath Kramm und Direktor im Reichtkanzler-Amt Dr. Michaelis. Die Verhandlung wurde um 41/» Uhr vertagt.

(Fortsetzung folgt.) (* « st»s.)

Berlin, 21. April. Der Kaiser wird heute Abend von hier abreisen, morgen Vormittag in Wiesbaden eintreffen, am 28. d. Wies­baden verlassen und über Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe (wo er über­nachtet und bis zum folgenden Mittag verweilt) nach Straßburg reisen, wo er am 30. Nachmittags um 2 Uhr 50 Minuten auf dem Stadt­hahnhof ankommt. Empfang und Begleitung finden auf der Reise nach Wiesbaden und Karlsruhe nicht Statt. Gerüchtweise verlautet, Oesterreich wolle noch FriedenSversuche unternehme». In welcher Rich- tung, falls das Gerücht Anhaltpunkte hat, wird abzuwarten sein. Wie eS unverbürgt heißt, wurde Graf Schuwalow gestern oder heute hier erwartet. Danach würde er sich wahrscheinlich nach Petersburg begeben,

wie die Morning Post gemeldet hatte. Wen« sich dies bestätigt, wird es an Konjekturen über die Reise nicht fehlen. Die Vermuthung, er habe London verlassen, weil England Rußland gegenüber den Separat­vertrag von 1876 angerufen habe, ist,' wie man weiß, schon durch die Erklärungen Lord Derby's im Parlament widerlegt. [»»u gtg.j

Der Umstand, daß Jemand unter Beobachtung der in dem Gesetz vom 14. Mai 1873 vorgeschriebenen Formen seinen Austritt aus der katholischen Kirche erklärt hat, berechtigt nach einem Reskript deS Ministers der geistlichen rc. Angelegenheiten vom 20. Februar d. I. noch nicht ohne Weiteres zu dem Verlangen, auch auS dem katholische» Schulverbande seines Wohnortes ausgeschult und von den Hausväter- Beiträgen zur Unterhaltung dieser Schule freigelassen zu werden. Nach §. 3 a. a. O. bewirkt die gedachte AuStrittkerklärung nur, daß der Ausgetretene zu Leistungen, welche auf der persönlichen Kirchen- oder Kirchengemeinde-Angehörigkeit beruhen, nicht mehr verpflichtet wird. I« der Angehörigkeit zu dem katholischen Schulvrrbande ist durch den Aus­tritt aus der katholischen Kirche allein daher keine Aenderung eingetre­ten. Nach §. 29 Th. II. Tit. 12 deS A. L. R. liegt die Unterhaltung der Volksschulen den sämmtlich?» Hausvätern des Orts ohne Unterschied des GlaxbeArbekenntnissts ob. Von diesem Grundsatz gestattet drr §. 30 a. a. O. eine Ausnahme dahin, daß, falls an einem Orte für die Einwohner verschiedenen Glaubensbekenntnisses mehrere Schulen errichtet sind, jeder Einwohner nur zur Unterhaltung der Schule seiner Reli- gionSpartei beizutraZen verbünde» sein soll. Da der Betreffende der katholischen Kirche nicht mehr angehört, sich auch einer anderen ReligionS- gesellschaft, für welche in seinem Wohnort eine Volksschule errichtet ist, nicht angeschlosst« hat, so ist die Frage, welchem der mehreren Schu!- Verbände seines Wohnortes derselbe angehört, eine Frage deS öffentlichen Rechts und «ach §. 18 Litt. k. der Regierung-Instruktion vom 23. j Oktober 1817 von der Rezierung z» entscheiden.

London, 21, April. Ueber den Inhalt des russischen Mani­festes liegen demReuter'schen Bureau" auS Bukarest Privatmeldungen vor, deren weitere Beglaubigung abzuwarten sein wird. Danach soll das Manifest geltend machen, daß, nachdem die Anstrengungen des Kai­ser Alexander zur Erhaltung des FriedenS in Folge der Hartnäckigkeit der Pforte gescheitert seien, die Lage der Christen in der Türkei sich verschlimmert habe. Leben und Eigenthum der Christen sei in Gefahr. Der Kaiser sei im Name» der Humanität und im Bollbewußtsein seiner Pflichten als natürlicher Protektor der Slaven im Orient zu dem Ent­schlüsse genöthigt, durch Waffengewalt diejenigen Garantien für seine, leidenden Glaubensgenossen auf türkischem Boden zu erlangen, die für" , die Sicherung ihrer künftigen Wohlfahrt unumgänglich nothwendig seien. Die militärische Intervention Rußlands verfolge keine Ziele der Erobe­rung, werde vielmehr nach Erreichung der erwähnten Resultate endige«.

St. Petersburg, 21. April. DerRegierungSbote" mel­det: Der Kaiser ist gestern um 5Vx Morgens in Begleitung deS Groß­fürsten-Thronfolgers auf der Warschauer Bahn nach Kischeneff abge­reist. Im Gefolge deS Kaisers befindet sich Prinz Sergej Maximiliano- witsch von Leuchtenberg.

Madrid, 21. April. Die amtliche Gaceta bringt einen königlichen Befehl, wonach die Soldate« und Offiziere aller Grade, welche der karlistischen und der kantonalistischen Sache gedient haben, begnadigt werden sollen, wenn sie sich von heute ab binnen 30 Tage» den Behörden stellen.

Buenos-Aires, 20. April. Der Präsident von Para­guay, Juan Bautista Gill, ist nach der ,köln. Ztg." ermordet worden.

L k a l e ».

Hemm», 23. April 1877.

(Göthe'S Fax st.) Direktor Wauer, dessen meisterhafte Recitation der Faust-Tragödie wohl noch in schönster Erinnerung aller Derer lebt, welche sie, wenn auch bereits vier Jahre darüber hinge­gangen, gehört haben, wird auf Veranlassung hiesiger Göthe- Verehrer daS unerreichte Meisterwerk jetzt noch einmal vortragen und zwar scho« morge«, Dienstag, ohne Buch, völlig frei aus dem Gedächtniß. Seit fünf Jahren hat der Künstler die Recitation des Faust zu seiner Hauptaufgabe gemacht und von Petersburg bis Bern, von Amsterdam bis Krakau nicht nur das Publikum sondern auch die namhaftesten Kri­tiker zur Bewunderung hingerissen. So berichtet zum Beispiel die Düsseldorfer Zeitung": . . . . BewundernSwerth ist es, wie Herr Mauer seine Stimme im allerschsellsten Wechsel so verändert, daß der augenschließende Hörer mehrere Personen vor sich wähnt; bewundernS« werth, wie er sowohl die ernsten und hochtragischen als auch die humo­ristischen Scenen zu vollster Wirkung bringt; bewundernSwerth, mit welcher unerschöpflichen Kraft und Ausdauer er die enorme Anstrengung dieser Recitation bis zum letzten Worte nicht nur ohne nach zulassen er* trägt sondern mit vollendet sicherer Steigerung im Tempo, Wärme und Stärke durchführt; am bewundernSwerthesten aber bleibt die hinreißende Weichheit, mit welcher sein mächtige-, oft donnergleicheS O gan die Frauenstimmen in allen Gefühlt Wandlungen wiedergidt." Und diesen AuSspruch durch einfache Anführung kaum glaublicher Thatsachen be-