466
in so grellen Farben gemalt. Wie der ultramontanen Köln. VolkSztg. jetzt von einem ihrer Korrespondenten mitgetheilt wird, ist in dem Befinden des Grafen Harry v. Arnim eine wesentliche Besserung eingetreten. Der Kranke fühlt sich selbst bester; die Schmerzen und die Entzündung haben nachgelassen. Danach kann sein Zustand als weniger beunruhigend erscheinen. Die Krankheit dauert nun 5 Wochen. Es bestätigt sich nicht, daß Graf Arnim auf einem oder auf beiden Augen erblindet sei. Sollte der Patient diese KristS überstehen, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dieselbe auch auf sein anderes Leiden (Diabetes) von günstiger Wirkung ist.
— Sr. Majestät Schiff „Ariadne" ist behufs Ueberführung nach Kiel am 14. d. in WilhelmShaven in Dienst gestellt. Briefsendungen für Sr. Majestät Schiff „Arcona" sind bis auf Weiteres nach Kiel zu richten.
— Dem für den kaiserlichen Besuch festzustellenden Straß- bürger Festprogramm gibt man bisher folgenden Rahmen: Montag, 30. April, 2^2 Uhr Ankunft in Kehl und Begrüßung durch die Staats- und Gemeindebehörden des badischen sogen. Hanauerländ- chenS; 3 Uhr Ankunft in Straßburg, Empfang und Begrüßung durch den Oberprästdenten, Bezirkspräsidenten, Gouverneur, die Stadt- und Universttätsbehörde rc., Absteigequartier in der ehemaligen Präfektur, Vorstellung der Mitglieder des Landes ausschusteS; Abends Frstvorstel« lung im Theater, Feuerwerk, Illumination (auch des Münsterthurms). Dienstag 1. Mai: Truppenschau, Besichtigung der Forts, Besuch des Münsters, der Hochschule. Abends wie gestern. Mittwoch 2, Mai: Ausflug nach dem Odilienberg. Donnerstag 3. Mai: Abfahrt nach Metz.
— Dem Eisäff. Journ. wird aus St. Amarin vom 10. d. geschrieben : „Seit dre; Tagen durchziehen täglich Hunderte von Italienern, von der französischen Grenze kommend, unsern Ort. Dieselben kommen von den französischen FestungSbauten an der nahen Grenze, von welchen im Ganzen über 2000 Arbeiter im Laufe von acht Tagen entlassen wurden. Ob diese Entlassung nur die italienischen Arbeiter betrifft, oder ob die Festungsbauten nicht mehr so beschleunigt fortgeführt werden sollen, konnte man bisher nicht erfahren."
— Bonn, 15. April. Im Rheinbacher Kreise hat ein eben erst aus der Schule entlassener Schlingel, der alle Anlagen zu einem Taugenichts besitzt, die abergläubische Bevölkerung der ganzen Umgegend in Bewegung gesetzt dadurch, daß er behauptet, auf einem Acksrstücke des Dorfes Merzbach (zwischen Rheinbach und Neukirchen) sei ihm die Mutter Gottes erschienen und habe ihm gesagt, die Marpinger Quelle thue keine Wunder mehr, weil sie verunreinigt sei u. s. w. Tausende von Menschen haben seitdem das Feld besucht und zertrampelt, L-hm auS dem Boden mit nach Hause genommen und das neue Wunder weiter verkündet. Der Landrath hat das Grundstück einzäunen und durch Gendarmen bewachen lassen, um dem Unfug zu steuern. Vergebens! Solch: Maßregel verfangen nicht und wirken weit eher das Gegentheil. Die dumme Masse erblickt in der Umzäunung gewisser Maßen eine Anerkennung der Thatsache der Wundererscheinung und meint, man gönne ihr nur die Wirkung deS Wunders nicht. Den Schlingel selbst aber kann das Gesetz nicht packen, so lange ihm keine eigennützigen Absichten nachgewiesen werden können. Min. ßtg.i
— Koblenz, 13. Apil. Die Polizei hat nach dem „Schw. Merk." nunmehr auch dem Schwindel mit der MuttergotteSerscheinung in der Gappenacher Mühle ein Ende gemacht. Die Müllerin hatte sich im Keller versteckt. Ebendaselbst wurde die Wunder flasche gefunden und konsiszirt. Die Haussuchung ergab ferner drei schwere Kisten mit Geld, meistens Silbermünzen, darunter sehr viele Thalerstücke, dir Spenden der bethörten Pilger, sowie ganze Lasten von Kerzen der verschiedensten Größen. Die Müllerin und mehrere andere verhaftete Personen sind nach Koblenz abgeführt, wohin der überschuldete Besitzer der Mühle schon bei der Konfiskation der ersten Wunder flasche abgelie- sert worden war. Die Geistlichen der Gegend sind zum Tyeil jetzt mit mehr oder minderer Entschiedenheit gegen den Schwindel ausgetreten, vermögen aber nicht mehr mit vollem Erfolg durchzudringen. Die Geister, welche der Jesuitismus und UltramontanismuS gerufen haben, werden sie nicht mehr los. Schon ist eine neue Wunderflasche seit emigkn Tagen in dem benachbarten Heimbach- Weis der Gegenstand für dre Wallfahrt von Hunderten geworden, so daß an vier Orten in der Umgegend von Koblenz sich die MuttergotteS in der Flasche ge- L^lgt hat. Es steht wahrscheinlich schlimm mit den verdrehten Köpfen Vieler. Wen die Schul» trifft, ist unschwer zu erkennen. Dennoch hält man von der schuldigen Seite den Marpinger Schwindel noch aufrecht: wegm der angeblich „unzweifelhaften" Wunder!
„ . Wien, 18. April. Der Neuen Freien Presse zufolge ist im von Ooessa der Landsturm organifirt und der dortige Handelsstand von Seiten der Behörden aufzeforsect worden, die im Hafenzollamt« lagernden Waren zu beziehen, weil dass-lbe am 17. auf die tereS- poler Stadtseite verlegt werde. [HMtt. 8tgJ
— Nach den letzten Nachrichten von der Insel Kreta haben da- selbst neuestens nach der „^rib." die deutsche Panzrrfregatte „Friedrich Karl" und der Dampfer „Gazelle" Station genommen. Bon ger öster
reichischen EScadre liegt gegenwärtig das Casemattschiff „Custozza" dort vor Anker. Diese Besuche sind wohl ein Anzeichen, daß man hier im Westen Europas den Verhältnissen auf jener Insel nicht ganz traut.
— London, 18. April. Wie die Morning Post bestätigt, ist der Vermittlungsversuch Oesterreichs in der orientalischen Angelegenheit als gescheitert zu betrachten. Dasselbe Blatt erfährt, der russische Botschafter Graf Schuwalow werde, sobald die noch schwebenden Unterhandlungen zu Ende gelangt seien, London auf einige Zeit verlassen. In diesem Schritt, fügt die Morning Post hinzu, liegen jedoch keinerlei Veränderungen in den Beziehungen zwischen England und Rußland, vielmehr dürfte diese Reise zu einer schließlichen Verständigung führen. Daily News empfiehlt eine Besetzung KonstantinopelS durch England, falls Rußland Absichten auf dessen Besitz offenbaren sollte. Eine solche Besetzung dürfte indeß nicht mit Konstantinopels Rückgabe an die Türkei enden, wenn die Besetzung im Interesse Englands unternommen worden sei. (»8Im 8tg.)
— Bukarest, 17. April. Es ist Befehl ergangen, alle Depeschen anzuhalten, in welchen Truppenbewegungen signalisirt werden. — Zwischen den Regierungen der Garantiemächte und deren hiesigen diplomatischen Vertretern findet über die der rumänischen Regierungen angesichts der bevorstehenden Ereignisse anzurathende Haltung eine lebhafte Korrespondenz statt; keine der Garantiemächte hat indeß bis jetzt ihrem Agenten bestimmte Instruktionen ertheilt, auch die rumänische Regierung hat ihre Entschließung noch nicht sormulirt.
— Washington, 15. April. Der Dampfer „Leo" von Sa- vannah nach Nassau bestimmt, brannte am 13 d. M. auff offener See nieder. Drei Passagiere werden vermißt. Achtzehn Personen der Mannschaft, die sich in einem Rettungsboot einschifften, haben, wie man vermuthet, ihr Leben verloren. Die übrigen an Bord befindlichen Personen wurden gerettet.
L o k « l e &
Ha«a« 19. April 1877.
Eingesandt.
Q Da durch Pfuscher, Händler und gewissenlose Uhrmacher sich in Deutschland nach und nach eine Sorte von Uhren eingenistet hat, welche den Namen einch Zeitmessers in gar keiner Weise verdienen und die Signatur billig und schlecht in ausgesprochenster Weife an sich tragen und nicht leicht in anderen Ländern in solcher Masse gefunden werden, so haben die rekle» Uhrmacher Deutschlands Vereinigün- gen gebildet, um dem Schacher und ehrlosem Treiben in ihrem Geschäft zum Nutzen des Publikums im Allgemeinen und der Uhrmacherkunst insbesondere einen Damm entgegenzusttzen und dadurch dieselbe wieder in solide Bahnen hineinzulenksn Nächsten Sonntag wird nun hier in der „Centralhalle" ein BerbandStag des Rhein- und Majngau- Verbander deutscher Uhrmacher (welcher bis jetzt die Vereine von Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, WormS und Hanau in sich schließt) abgehalten und wird derselbe allem Anschein nach sehr stark besucht werden, da auch nach Offenbach, Aschaffenburg, Gelnhausen, Fried« berg, Gießen, WächterSbach, Schlächtern, Fulda und Werthheim Ein- laduagen ergangen sind.
— Vergangene Nacht suchte wahrscheinlich und fand ein Fremder den Tod, indem er sich bei der hiesigen Station von dem Zuge der Ludwigsbahn überfahren ließ. Der Kopf wurde vom Runp^e getrennt und lag der Leichnam heute Morgen noch in der Güterhalle der Ludwigsbahn.
— Vergangene Nacht wurde in die Wilhelmsbader Burg eilige« brochen und die Betten rc. durch ruchlose Hände der Roßhaare beraubt sowie sonstiger Unfug getrieben.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender.
für Freitag den 20 April 1877.
Holzversteigerungen: Borm 9 Uhr bei Gastwirth Am- rhrin zu NeuwirthShaus, aus der Oberförsterei Wolfgang: 280 Eichen-, 4 Hainbuchen-, 15 Erlen-, 4 Eschen-, 726 Kiefern- und 7 Birken« Stämme, 600 Kiefern-Stangen und mehrere kleinere Parties» sonstiges Nutzholz (s. Nr. 80 „Han. Anz"). — Norm 9 Uhr im Gasthaus zum „grünen Baum" in Bieder, aus der dortigen Oberförsterei: 2 Eichen-, 72 Buchen-, 50 Birken, 2 Erlen-, 19 Fichten und 70 Krefern- und Lärchen-Stämme, 4940 Fichten-Stangen, 120 Raumm Buchen Werkholz 1r Cl., 220 Kiefern Stangen, 3100 Raumm. Buchen-, 66 so. Birken- und 1800 do. Kiefern- und Lärchen Scheit und Knüppel (f. Nr. 81 „Han. Anz."). — Vorm. 9 tytyc in der Domänen-Wirthschaft zu Marjoß, aus der Oberförsterei Altengronau: Eichen: 47 Stämme» 6 Stangen, 18 Raumm. Nutzholz, 58 do. Scheitholz; Buchen: 6 Stämme, 7 Raumm. Nutzholz. 1145 do Scheitholz, 143 do. Knüpp-l; Birken: 31 StamM, 146 Raumm. ScheA, J10 do. ©tmnmLüp- M; Aspen: 1 Stamm, 18 Raumm. Brennholz; Kiefern: 2 Stämme, 2 Stangen, 195 Raum«. Scheit und Stammprügel n. Nr. 8£ „Han. Anz"). — Borm. 9 Uhr im Büdinger Slamwald, Zusammenkunft im Zrilstein, am Michelauerweg: Buchen: 663 Raumm. | Scheich., 27 do. Knüppll, 94 do. Stockholz, 2229 Stück Wellen; N a-