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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

! Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Dienstag den 17. April

1877.

Amtliches.

Zur Ergänzung der Hanauer Begräbniß. Ordnung vom 13. No­vember 1834 ist Seitens des SkadtrathS unterm 17. Juni 1846 die nachstehende Bestimmung getroffen und veröffentlicht:

Diejenigen, welche die Begräbniß-Anstalt benutzen, machen sich verbindlich, den Anordnungen derselben nachzukommen und namentlich dafür zu sorgen, daß nicht mehr Mieihkatsche» dem Leichenzuge folgen, als die Klasse, nach welcher das Begräbniß stattfinden soll, vorschreibt. Wird hiergegen achandelt, so ist von den die Anstalt Benutzenden der Unterschied der Taxe zwischen der bestellten Begräbnißklasse und derjenigen, welcher die Zahl der mitfahrenden Mieth- kutschen entspricht, nachzuzahlen."

ES ist Anlaß gegeben, die Bestimmung in öffentliche Erinnerung zu bringen, und es wird, indem solches hiermit geschieht, die Erwartung ausgesprochen, daß die anerkannt? Wohlthätigkeit der Begräbsißordnung durch bereitwillige allseitige Beobachtung ihrer Bestimmungen ferner gewahrt bleibe.

Hanau am 10. April 1877.

Der Stodtrath.

(2621)________________________Cassiav.____________________________~

Für die hiesigen städtischen Schulen werden zwei Elementarleh­rer, wovon einer katholischer Confession, und eine geprüfte Lehrerin gesucht. Bewerbungsgesuche sind spätestens innerhalb drei Wochen einzureichen.

Hanau am 14. April 1877. (2645) Der Schulvorstand.

Cas s ia n.

Tagesscha«.

Der Krieg.

A. d. Schw. Merk.

Im Augenblick, da der deursche Reichskanzler in die Einsamkeit von Varzin sich zurückzieht, geht der Vorhang im Osten auf und die Bühne zeigt, wie die Völker hinten in der Türkei sich anschicken auf* einander zu schlage». Der Termin, der schon vor Monaten für den Beginn des Krieges vorausgesagt wurde, trifft fast auf Tag und Stunde ein. Diese Woche wird nicht zu Ende zu gehen, ohne die Entscheidung gebracht zu haben. Am Samstag ist der Waffenstillstand mit Montene­gro zu Ende und an diesem Tage sollten die Unterhändler, nachdem sie ihren ablehnenden Bescheid erhalten, Konstantinopel wieder verlassen. In Cettinje ist alles bereit, den Tanz wieder zu beginnen; nur wird diesmal der Kampf in den schwarzen Bergen zu einer kleinen Episode und Diversion innerhalb eines größeren Dramas zusammenschrumpfen. Die Zurückweisung deL europäischen Protokolls durch die Türkei hat der russischen Politik vollends den Pfad geebnet. Berliner Nachrichten zu° folge wäre bereits am 12. April Vormittags von St. Petersburg der Befehl an den russischen Bevollmächtigten in Konstantinopel zur Kriegs­erklärung an die Pforte abgegangen. Wahrscheinlicher klingt eine an­dere Lesart, die aus Wien gemeldet wird : Das St. Petersburger Ka- binet habe am 12. April beschlossen, in einem Rundschreiben zu erklären, nachdem die Note der Pforte als Ablehnung der Protokolls zu betrach­ten fei und Graf Derby erklärt habe, das Protokoll fei nach Mißlinge» der AbrüstungSversuche für England hinfällig, so sei Rußland genöthigt allein vorzugehen, um das, was das Protokoll als Europas Forderung anerkannt habe, von der Türkei zu erzwingen. Der Pforte werde eine btägige Frist gestellt werden. Wenn die Antwort abschlägig lautet, soll die Kriegserklärung am 19. erfolgen. So wie fo ist die Frage blo» die, ob das Unvermeidliche heute oder morgen geschieht. Diejenigen, welche den Frieden noch immer nicht für ganz aussichtslos halten, sind auf einen überaus dünnen HoffnungSfaden angewiesen. Sie sagen: auch wenn man von beiden Seiten zum Krieg entschlössest" sei, könne dieser doch nicht von einem Tag zum anderen altgefangen Werben. ES müssen ihm immer noch Erklärungen, Manifeste, Maßregeln zum Schutz der Neutralen, endlich militärische Bewegungen vorauSgehe», was alles mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehme, und während dieser Zeit

sei eS immer noch möglich, daß Europa so vielen Einfluß auf die Ka- binete von St. Petersburg und Stambul gewinne, um das Aeußerste abzuwenden. Allein was der Einfluß Europas vermag, das ist in der Geschichte der diplomatischen Verhandlungen von der Andraffynote an bis zum Londoner Protokoll hinlänglich ins Licht gestellt. In einer Reihe von Aktenstücken haben sämmtliche Großmächte ihre Verurteilung der türkische» Mißregierung, ihr Verlangen nach Verbesserung der Lage der Christen auSgedrückt, aber ohne daß sie von der Pforte etwas an­deres erlangt hätten, als Versprechungen, wie sie schon oft gemacht wurden, verbunden mit der entschiedenen Weigerung, den Großmächten eine wirksame Kontrole der im OSmanenreiche einzuführenden Verbesse­rungen zuzugestehen. Was in der Türkei zu geschehen habe, um den periodischen Stampfen ein Ende zu machen, unter denen der ganze Welttheil leidet, darüber hat sich allemal ein leidliches Einverständniß unter den Mächten gewinnen lassen; auch England hat sich nicht aus- schlteßen können; ihm fiel sogar auf der Konferenz daS Geschäft zu, die Beschwerden Europas ausführlich zu formuliren. Die Wirkung aus die Pforte war aber jedesmal Null. Wenn nun die wegen Gemeinschaft des Glaubens und der Rasse den christlichen Stämmen der Türkei nächststehende Großmacht endlich sich anschickt, jene Forderungen von der Pforte mit Gewalt zu erzwingen, so handelt sie zwar auf ihre eigene i Verantwortung und ohne förmliches Mandat, aber der moralische Rück- ; Halt, den sie an jnen mehrmals formulirten europäischen Protokollen besitzt, ist ganz unbestreitbar. Sie unternimmt den Krieg für ein Pro­gramm, das im Voraus von Europa gebilligt, von England selbst for- mulirt ist. Selbst die Zusatzerklärung, die in seiner Schlauheit das britische Kabinet zum Protokoll hinzugefügt hat, wird von dem noch schlaueren Kabinet zu St. Petersburg jetzt geschickt für sich verwerthet. Graf Derby erklärte das Protokoll für null und nichtig, falls die Ab- rüstungsversuche mißlängen. Um so besser, erwidern jetzt die Staats­männer des Czars, die Abrüstung ist gescheitert, folglich hat das Pro­tokoll keine bindende Kraft mehr, jede Macht erhält die Freiheit seiner Aktion zurück. Rußland ist also ungehindert, aus dem Konzert der europäischen Mächte herauszutreten, und es hat das höhere Recht für sich, daß es nur zu dem Zwecke Heraustritt, um zu verwirklichen, was alle Mächte ohne Ausnahme als dringlich und unerläßlich anerkannt haben. Den diplomatischen Feldzug hat Rußland ohne Frage gewonnen. Es muß sich nun zeigen, ob seine Generale so geschickt sind als seine Diplomaten.

DerR. u. St.-A." enthält: Gesetz über den Sitz des Reichs­gerichts. Vom 11. April 1877.

Berlin, 16. April. Reichstag. (Fortsetzung). Im wei­teren Verlaufe der Sitzung am 14. d. M. wurden bei den ordentlichen Ausgaben des Marine-EtatS (Sap. 60, Tit. 15, zum Bau einet Kor­vette zum Ersatz für die KorvetteHertha" erste Rate) auf Antrag der Budgetkommission, NamenS welcher der Abg. Rickert referirte, von 725,000 Mk. 600,000 Mk. abgesetzt.

ES folgte die Berathung der einmaligen Ausgaben. Zu Titel 1 (Herstellung einer Wasserleitung von Feldhausen nach WilhelmShaven, einschließlich Terrainerwerb 2. Rate 500,000 Mk.) fragte der Abg. Jacobs an, weshalb der Bau dieser Wasserleitung, die ein dringender Bedürfniß sei, so langsam betrieben werde.

Der Bevollmächtigte zum BundeSrath, Staats-Minister und Chef der Kaiserlichen Admiralität von Stosch entgegnete darauf.

Bei Titel 818 beantragte die Budgetkommission die ersten Rate» für eine Panzerkorvette, 1 Panzerkanonenboot und 1 Aviso im Betrage von 1,731,000 Mk. zu streichen, und außerdem für die schon im Bau begriffenen Schiffe 2,226,000 Mk. weniger, im Ganzen also 3,957,000 Mk. weniger zu bewilligen. DaS HauS nahm den Antrag an. Die Summe von 1,000,000 Mk. (Tit. 19) für einen Transportdampfer zu oceanischen Reisen wurde mit 124 gegen 102 Stimmen abgelehnt. Der Chef der Kaiserlichen Admiralität Staats-Minister von Stosch hatte sich über diese Position geäußert.

Angenommen wurde zu Tit. 24 ein Antrag bei Abg. MoSle, nach