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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertaqe, mit belletristischer Beilage, und SamstagS mit der Berliner Provinzial - Correspondenz.
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Samstag den 14. April
1877.
Amtliches.
Dem am 24. Juli 1863 zu Hanau geborenen Hermann Jakob Jeckel zu Niederrodenboch, Sohn der Catharina Magdalena Jeckel, später verehelichten Luborf, zu Hauau ist die Gestaltung zur Führung bei Familiennamens „Ludors" ertheilt worden.
Hanau am 11. April 1877.
Der Landrath.
Für den Lackirer Eduard Kroth zu Bockenheim ist um Entlastung aus dem Preußischen Unterthanmverband, behufs Buswanderung nach Amerika, nachgesucht.
Hanau am 10. April 1877.
Der Landratb.
Gefunden: Ein Rechenbuch mit der Inschrift „Anna Becker". Ein farbiges Taschentuch.
Verlöre»: Ein Dccumrnt (Kaufvertrag). Ein Portemonnaie enth. 3 Mk. 80 Pf. Eine aoldenr Brache.
Hanau am 14. April 1877.
Königliches LandrathSawt.
Für die Knabenbürgerschule II sind 171,50 sj-Mtr. gestemmte Lamperien aus Tannenholz erforderlich, deren Lieferung im Submissionswege vergeben werden soll.
Die Bedingungen sind auf dem Stadthaus ausgelegt und Offer- ten danach bis zum 21. d. M. versiegelt abzugeben.
Hanau am 14. April 1877. (2683)
Der Stadtrath.
—_____________________Cassian.________________
Jagd-Verpachtung.
Mittwoch de» 2. Mai, Nachmittags 1 Uhr, soll im Gasthaus „zum Schützenhof" in Niederrodenboch die der Gemeinde zusteh-nde Jagd, bestehend in 3000 Acker Wald und Feld, den Meistbietenden auf weitere 6 Jahr verpachtet werden.
Niederrodenboch den 11. April 1877. (2520) Der Bürgermeister
_______________________Strutt______________________ Stammholz-Versteigerung.
Mittwoch den 18. d. Mts«, Nachmittags 1 Uhr, sollen im Hailer Gemeindewald, Distrikt Reiferzerhecke:
15 Eichen-Nutzholzabschnitte von 4—13 Meter Länge und 32—65 Emir. Durchmesser an Ort und Stelle öffentlich meistbietend verkauft werden. Hailer den 10. April 1877.
Der Bürgermeister
_________________Herbert.____________________(2523) Lohrinde-Verkauf.
Montag den 16. April d. I., Morgens 10 Uhr, sollen im Habermann'schen Gasthause dahier die Lohrinde-Erträge von etwa 4 Hektar Wald öffentlich meistbietend, unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen, verkauft werden.
Kauflustige werden dazu ein geladen.
Hüttengesäß den 9. April 1877. (2457)
Der Bürgermeister Hofmann.________________ Wochenschau.
H. H. C. Das Ereigniß des Tages, das durch leidenden Ge- sundheitszustand motivirte Peusimmunasgejuch des deutschen Reichs- kanzlerS, bildet auch heute noch eine Affaire, welche in Dunkel gehüllt lst. Auch heute kennt man die wahre Beweggründe noch nicht, trotz der Legion von in die Welt gesandten Vermuthungen, trotz der rosigen Verstcherungen der „Nationalztg.", trotzdem eS jetzt feststeht, daß der Kaiser das Pensionirnngsgesuch abgelehnt und erklärt hat, sich niemals
von BiSmarck trennen zu wollen. Der Kaiser hat dem Kanzler eine «ehrmoratliche Beurlaubung unter vollständiger Entbindung von den amtliaen Geschäften bewilligt und auch bereit» für die Stellvertretung bei Kanzlers Sorge getragen. In der zweiten Sitzung des wiederzu- sammengetretenen deutschen Reichstag» (am 11. April) verlas der Prä- j fident ein Schreiben bei Reichskanzlers, welches seine mehrmoratliche ! Beurlaubung ankündigt mit der Hinzusügung, daß für diese Zeit Reichs» kanzleramtSpräsideut Hofmann die verantwortliche Vertretung für die innern, Staatssekretär von Bülow für die äußern Angelegenheiten tragen ! und Finanzminister v. Camphausen ihn als preuß. Ministerpräsident l vertreten werde. Damit ist jedoch die Kanzlerkrisis keineswegs beseitigt, i wie auS den gleichzeitigen Versicherungen der in solchen Dingen gut - unterrichteten „Nordd. Allg. Ztg." und „Post" zu entnehmen ist. Da-- : nach ist da» BiSmarck'sche PensionirungSgesuch noch keineswegs erledigt. ; und dringe der Kanzler lediglich aus dem Grunde nicht auf sofortige s Entlassung, weil er der „Höchsten Entschließung" Zeit lasten wolle.
Nach diesen beiden Blättern ist auch heute noch die Beurlaubung nur j daS UebergangSstadium zum definitiven Rücktritte. Daß die Ueber« 5 tragung der Verantwortlichkeit für die kaiserlichen Verfügungen und Anordnungen von BiSmarck auf Camphausen und Bülow auf dem Wege der Verordnung bewerkstelligt wurde, dürfte im Reichstage auf Hindsr« nisie stoßen, da die meisten Parteien die Ansicht hegen, daß eine solche wichtige Uebertrag^ng r>ur auf Grund einer BerfassungsbestiMMUng ge« schchen dürfe und daß, da die RrichSverfassung in dieser Beziehung eine Lücke aufweise, der Art. 17 derselben eir en entsprechenden Zusatz erhalten müsse. — In Bremen fand eine Versammlung statt, welche Beschlüsse faßte, die den Reichskanzler auffordern, im Amte zu verbleiben und die Nothwendigkeit auSsprachen, bad der Reichstag, unter Wahrung der e liberalen Prinzipien, die Politik des Kanzler» rückhaltlos unterstütze« müsse. — Die Re chrgerichtSsitzeSfrage ist nun endgültig zu Gunsten Leipzig» entschieden worden. Das ®efe| ging bekanntlich des LaSker'« schen Zusatzes wegen nochmals an den Bundesrath zurück, wurde aber dieser Tage sammt Zusatz g^ehmigt. Letzterem gemäß hat die königl. sächs. Regierung auch bereits die Erklärung abgegeben, das Ob-rappel« lationsgericht zu D-eSden aufzuheben, wenn bei oberste Reichsgericht in Llipzig seinen Sitz erhalte. — Graf Harry Arnim, von dem kurz r vor Beginn der deutschen Reichskanzlerkrisis daS Gerücht durch die Zeitungen ging, daß er erblindet zu Nizza am Tode liege, befindet sich i nach neuesten Nachrichten wieder auf dem Wege der Besserung. Wir erwähnen dessen, weil von einigen Seiten die Kanzlerkrisis mit dem bedauerlichen Zustande bei ehemaligen Günstlings des kaiserlichen Hofes in Bezielung zu bringen versucht wurde.
$ BiSmarck'S Rücktrittsgesuch hat auch auf die österreichisch-ungari- l schen Verhältnisse zurückgewirkt. Die ungarischen Liberalen hatten sich s die slawenfreundliche Politik bei Kanzler» Andrassy ziemlich ruhig ge» fallen lassen, weil sie in BiSmarck das Vertrauen setzten, daß er nie- malS eine Lösung der Orientfrage zulassen werde, welche den Interessen Oesterreich-Un^alns widerspreche, wie sie überhaupt auch der Meinung waren, deß der österreichisch ungarische Dualismus so lange gesichert sei, als BiSmarck am Ruder bleibe. Jetzt, wo nun das Verbleebm des deutschen Reichskanzlers im Amte mindestens sehr in Frage steht, ist man in den genannten Kreisen nicht wenig besorgt um die Zukunft, zumal die slawischen Einflüsse mehr all je Andrassy zu verdrängen und j den Kaiser Franz Josef für eine antitürkische Aktion S Politik zu gewinnen - suchen.
Nach den neuesten aus Italien kommenden Nachrichten ist der Gesundheitszustand des Papstes durchaus kein unbefriedigender. Die Stimmung PiuS IX. soll überdies seit Beginn der Reichs kanzlerkrisis eine sehr gehobene sein, da er triftigen Grund zu der Annahme haben will, daß diese Krisis ihre Ursache in der Absicht deS Kaisers habe, auf kirchenpolit. Gebiete eir Talenten.
In Frankreich hielten die Ultramontanen ihre diesjährige „Katholikenversammlung" ab, unter dem Vorsitze deS Bayonner Schirckenhänd» lers CheSnelong. Sie faßten Beschlüsse wie folgende: Gründung von Schulen für den katholischen (!) Unterricht in der Geschichte der