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DirSipalttzaS-ib, SO B^
M 86.
Frettag den 13. April
1877.1
Amtliches.
Nachdem die Rinderpest erloschen, wird die Anordnung vom 19. Februar d. I., „Hanauer Anzeiger" Nr. 43, über die Revisionen der Viehbestände hiermit aufgehoben.
Hanau, am 13. April 1877.
, _______________________Der Landrsth._____________________________
Proclam.
Samstag den 14. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, sollen im Lokal des Königlichen Amtsgerichts nachfolgende Gegenstände:
1 Küchenschrank, 1 Kleiderschrank, 1 Spiegel, 2 Stühle und 1 kleiner Wagen, gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Hanau, 12. April 1877.
Kämpfer, Executor.
(2533)
Tagesschau. Die Entscheidimg.
A. d. Schw. Merk.
Die Entscheidung der Pforte aus den letzten gemeinsamen Schritt der Mächte ist erfolgt Am 9. oder 10. April hat sie auf telegraphischem Wege ein Rundschreiben an ihre Vertreter im Ausland versandt, worin sie ihre in zwei Ministerräthen gereifte Entschließung auf das europäische Protokoll zur K nnlniß der Mächte bringt. Der Sinn ihrer Antwort ist ausweichend und ebendomit ablehnend. Man scheint sich zwar noch Mühe zu geben, auch diese Kundgebung der Pforte noch nicht als definitive und allerletzte Entscheidung aufzufassen; aber es^wird das ein vergebliches Beginnen sein. Nach all' den diplomatischen Verhand-
langen und Formulirungen spitzte sich dar Ansinnen an die Pforte vollends auf die zwei Punkte zu: Friedensschluß mit Montenegro und Mfendung eines besonderen Botschafters nach St. Petersburg zur Verhandlung der Abrüstungsfrage. Gerade in diesen beiden Punkten hat die Pforte nicht naSgegeben, obwohl noch in den letzten Tagen England und ebenso, wie es heißt, Rußland und Oestreich noch all ihren Einfluß aufgeboten hatten, um die Pforte zur Nachgiebigkeit zu stimmen. Dre Pforte stellt in dem Rundschreiben, das sie soeben erlassen hat, ihren ernsthaften FriedenSwunsch voran, spricht auch den festen Willen aus, die ausgesprochenen Reformen durchzuführen, lehnt aber alle diejenigen Punkte deS Protokolls ab, die als eine fremde Einmischung in die Angelegenheiten der Türkei gedeutet werden können. Sie knüpft die Abfindung eines Gesandten nach St. Petersburg an eine Bedingung, die von Rußland im Voraus verworfen ist, und sie gibt die Friedensver- Handlungen mit Montenegro noch einmal an die Kammer zurück, wo der entschiedene Widerstand gegen jede Gebietsabtretung sofort aus's Neue proklamirt worden ist. So weit übrigens bis jetzt ein Urtheil über die türkische Antwort vorliegt, ist ihr Ton keineswegs schroff zu- rückweisend, man könnte im Gegentheil eher eine gedrückte, wehmüthige Stimmung, eine letzte Appellation an die Gnade Europas aus ihr herauslesen. ES kann der Pforte nicht leicht geworden sein, eine Entscheidung zu treffen, welche die Dinge nunmehr rascher ins Rollen bringen muß. Die Gründe zum Widerstand waren zuletzt ausschlaggebend, aber auch die Gründe zur Nachgiebigkeit waren ernst und triftig genug und mögen lange mit jenen um die Oberhand gestritten haben. ES ist vor Allem die finanzielle Noth, die schwer in die Waagschale deS Friedens fallen mußte und, wenn der Timeskorrespondent in Pera recht berichtet ist, in der That es bewirkte, daß bis zuletzt die einfluß- reichsten Männer, der Sultan selbst, sein Schwager Mahmud Damad und Sard Pascha ernstlich, ja ängstlich bemüht waren, den Frieden zu erhalten. Sie haben auch gute Gründe dafür, bemerkt der genannte o p""b?nt, „in Betracht einmal, daß die Regierung nicht mehr als ausgeben darf, womit die bereits genehmigten 12 wu. erschöpft sind, wenn nicht das Papiergeld allen Werth verlieren soll, ln Betracht ferner, daß die Erhaltung deS Heeres allein, die sich übrigens auf Mehl und Reis beschränkt, monatlich 700,000, ober
^'^00 ^00 T. L. jährlich verschlingt, eine Summe, die den Boranschlag ! Bevollmächtigte zum BundeSrath, General-Postmeister Dr. Stephan, daß mit 6,500,000 für das Jahr, von März an gerechnet, übersteigt, und | über den früheren Beschluß des Hauses. '"‘"»ffenb die Ermäßigung der
endlich, in Betracht, daß sie mehr als doppelt so groß ist, als die letztjährige, die nur 3 Mill. betrug; während sich kein Weg findet, auch nur die Million Herbeizuschaffen, um eine von Sultan Abdul Aziz hinterlassene Schuld von 200,000 und eine von Sultan Murad von 800,000 T. L. abzubezahlen. Ja, der Gedanke, daß Rußland, wenn es auch aus Achtung vor Deutschland nicht wagen sollte, in die Donau- läuder einzmücken, iw Monat April sich zu einem Angriff auf bis Ostgrenzr entschließen könnte, und daß nach einer oder zwei von ihm gewonnenen Schlachten, Persien und Griechmla«d und andere geheime Feinde der Türkei von allen Seiten darüber herfallen könnten, ist allein schon geeignet, einen jeden für den Krieg Begeisterten zu ernüchtern, der weiß, wie gänzlich von allen Hülfsmitteln für den Krieg dieses Land schon bei der Eröffnung des FeldzugS wäre." Ist diese Schilderung der türkischen Finanzlage der Wahrheit gemäß, so geht das Reich freilich unter üblen Vorzeichen den kommenden Ereignissen entgegen.
— Berlin, 12. April. Reichstag. (Fortsetzung). Hierauf s trat das Haus sodann in die erste Berathung des Gesetzentwurfs, ' betr. die Feststellung deS Landeshaushalts-Ttats von Elsaß-Lothringen für daS Jahr 1878. Nach einem einleitenden Bortrage des Bevoll« i Nächtigten zum Bundesrath, Unter-StaatSsekretärs Herzog, ergriffen oaS Wort die Abgg. Guerber und Schneegans, worauf die Vorlage an eine : KoMmission von 21 Mitgliedern verwiesen wurde. Derselben Kommission wurde ohne Debatte die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen für das Jahr 1875 zuge- i theilt. Die Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothrinqen, b-trrffmd die Abän- | derung der Gesetzgebung hinsichtlich deS Wofferrechts, den Kleinhandel mit Branntwein oder mit Spiritus und betr. das Aufsuchen von Waa- ; renbestellungen und den Gewerbetrieb im Umherziehen wurden ohne ! wesentliche Diskussion in erster und zweiter Lesung genehmigt.
Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung wurde der Freund- schaftSvertrag mit Tonga in erster und zweiter Lesung nach einer längeren Debatte genehmigt. An derselben beteiligten sich die Abgg Dr, Kapp, Schmidt (Stettin), MoSle, Dr. Lasksr, Dr. Reichensperger (Cre- felS) und bös Bunfen. Auch der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Direktor im Auswärtigm Amte, Wirkliche Geheime Rath von Philips- born, griff mehrere Male in die Diskussion ein. Dem Abg. Dr. Kapp, der zu erfahren wünschte, welcher der beiden Texte des Vertrags ver maßgebende sei, entgegnete der genannte Bundes-aths-Bevollmächtigte.
Darauf wurde die zweite Berathung deS Reichs Haushaltsetats fort
gesetzt, und zwar mit dem Etat der Zölle, Aversen und Verbrauchssteuern. Bei dem Tit. 1 (Rübenzuckersteuer) entspann sich eine kurze Diskussion zwischen den Abgg. Grumbrecht undSombart einerseits und dem Bundeskommissar, Dirrklor im Reichskanzler-Amt, Geheimen Ober- Regierungs-Rath Dr. Michaelis andererseits über die Methode der Veranschlagung des Rübenzuckersteuecertrages. Der Titel wurde bewilligt. Bei Tit. 5 (Branntweinsteuer) veranlaßte die Frage der Fabrikatsteurr eine längere Debatte. Der genannte Bundeskommissar erklärte, sein Urtheil in Rücksicht auf die bezüglichen Erörterungen im Bundesraihe zurückhalten zu müssen. Die Adgg. Dr. Schröder (Friedberg), Frhr. Nordeck zur Rabenau und Grumbrecht traten für die Fabrikatstmer ei», während die Abgg. von Kardorff, Dr. Braun, Günther (Sachsen) und Frhr. von Schorlemer-Aist dieselbe bekämpften. Dieser Titel, sowie die übrigen dieses Etats wurden bewilligt. Schluß 4 Uhr.
In der heutigen (19.) Sitzung fetzte das Haus die zweite Berathung deS ReichshaushaltsEtats mit dem Etat der Wechselstempelsteuer fort. Nachdem, auf eine Anregung des Abg. Sombart, vom BundeS- rathStische aus die Erklärung abgegeben worden war, daß die Regie- rungen über kurz oder lang die Nothwendigkeit nicht würden von der Hand weisen können, eine einheitliche Regelung deS Wechselstempeltarifs in Angriff zu nehmen, wurde dieser Etat genehmigt. Es folgte der Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltung. Auf eine Anfrage deS Abg. Dr. Schröder (Friedberg) erwiderte bei Schluß des Blatt- der