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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und SamstagS mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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DteSIPolligeOM, JO Ps,
M 83. Dienstag den 10. April.
1877.
Amtliches.
Holzversteigerung.
Freitag de« 13. April, von Vormittags 11 Uhr ab, sollen im Rückinger Gemeindewald:
74 Eichen-Stämme von 6—12 Meter Länge und 26—63 Cmtr. Durchmesser, 3 Hainbuchen von 4—6 Mtr. Länge u. 26—34 Cmtr. Durchmesser, öffentlich an Ort und Stille meistbietend verkauft werden.
Rückingen den 9. April 1877. (2459)
_______________________Bürgermeister Dietz._______________________ Lohrinde-Verkauf.
Montag den 16. April d. J., Morgens 10 Uhr, sollen im Habermann'schen Gasthause dahier die Lohrinde-Erträge von etwa 4 Hektar Wald öffentlich meistbietend, unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen, verkaust werden.
Kauflustige werden dazu eingeladen. Hüttengesäß den 9. April 1877.' (2457)
Der Bürgermeister Hofmann.
Tagesschau. Das Protokoll. «. d. Schw. Merk.
DaS am 31. März von den Vertretern bet 6 europäischen Großmächte zu London unterzeichne Protokoll hat nun das Licht der Welt erblickt. Es ist dem britischen Parlamer t bei besten Wiederzusammen- tritt nach den Fnien vorgelegt worden und stellt sich somit als ein Meisterstück diplomatischer Kunst vor das öffentliche Urtheil. Jnd«ssen fällt dieses Urtheil schon jetzt verschieden auS. Am Vorabend der Parlamentssitzung vom 5. April versicherte in einer Tischrede ein Mitglied des KabinetS, der Staatssekretär für Irland, das Protokoll werde den nachdrücklichen Beifall des Landes finden, und die Times hat sich in der ersten Freude sogar soweit verstiege», dieses Aktenstück das größte Ereignitz der zeitgenössischen Geschichte zu nennen. Leider steht aber zu befürchten, daß daS „g ößte Ereigniß der zeitgenössischen Geschichte" sehr bald aus dem Gedächtniß t er Zeitgenossen wieder verschwinden werde. Auch die wärmsten Bewunderer dieser Leistung diplomatischer Geschicklichkeit sind von ihrem ersten Eindrücke rasch zurückg kommen und haben wieder bedenklichen Zweifeln Raum gegeben. Man darf unbedingt anerkennen, daß eS eine wirkliche Kunstleistung war, noch im jetzigen Stadium der Dinge einen Wortlaut ausfindig zu machen, unter den England sowohl als Rußland ihre Namen setzen konnten, in den alle Mächte ihre offenen wie ihre Hintergedanken hineinlegen konnten, dessen Annahme man auch der Türkei zumuthen durfte, nachdem er die einmüthige Zustimmung Europas gefunden. Gerade diese Vielseitigkeit deS Protokolls ist aber seine Schwäche. Alle diese Uebereinkünfte der Diplomatie in der Onentfrage leiden an einer Zweideutigkeit, die in der Natur der Sache liegt. Sie stellen die Einmüthigkeit der europäischen Mächte fest und versperren damit einer einzelnen Macht den Weg, auf eigene Faust vorzugehen. In sofern pflegen sie als ein Erfolg britischer StaatSkunst gepriesen zu werden. Andererseits aber wird auf diese Weise immer wieder daS Verwerfungsurtheil Europas über die Türkei erneuert und damit ein moralischer Rückhalt für diejenige Macht geschaffen, welche sich entschließen wird, auS den platonischen Wünschen Europas endlich Ernst zu machen. Ueber diese Zweideutigkeit führt auch das Londoner Protokoll nicht hinaus. Graf Derby laßt der h. Pforte einreden, das Protokoll enthalte nichts, was sie vernünftigerweise beanstanden könnte. Allein in Stambul betrachtet man das Protokoll
Sieg Jgnatieffs, als eine Demüthigung der Pforte, und ehrlich gestanden kann man dar den türkischen Staatsmännern gar nicht t Erhält zwar keine offenbaren Drohungen und keine eigentliche Einmischung, spricht aber dar, was die christlichen Mächte in der Türkei wünschen, doch in sehr dringlicher und unmißverständlicher Weise aus, gleich als ob der Geduldsfaden nach so vielen nicht gehal
tenen Versprechungen doch endlich reißen wolle. Und am empfindlichsten muß eS für die Türkei sein, daß sie durch daS Protokoll zur Abrüstung aufgefordert wird, während Rußland blos in einer Erklärung außerhalb deS Protokolls sich dazu verstanden hat, mit der Türkei über die Abrüstung zu vergandeln, und zwar unter Bedingungen, welche ihm jeder Zeit erlauben würden, die Abrüstung wieder einzustellen. ES ist darum durchaus glaublich, wenn eS heißt, der Ministerrath in Stambul am 4. April habe sich ungünstig für daS Protokoll und gegen die Abrüstung wie gegen die Abfindung eines Gesandten nach St. Petersburg ausgesprochen. Tamit stimmt eS, daß die Friedensverhandlungen zwischen ber Pforte und Montenegro nach wie vor aussichtslos sind und die Rüstungen im türkischen wie im russischen Heere »ach wie vor fortdauern. Höchst bezeichnend ist aber, daß die Times für den Fall, daß der Krieg zum AuSbruch kommt, den Fürsten BiSma ck bereits wieder aus seinem Varzin herbeiruft. Nächst der Frage: Weßhalb ist er gegangen, sagt die Times, erhebt sich die nicht minder wichtige: Wann wird er zuück- kehren? „ES hängt das von den unberechenbaren Elementen der orientalische» Frage ab. Wenn trotz Protokoll re. Krieg im Südosten auS- brechen sollte, so muß Fürst BiSmarck wieder an das Steuerruder zu« rücktreten. Er weiß was er will und wie er es auSzuführen hat" re. Das klingt ungefähr wie ein hilf, Samiel, hilft Schon jetzt macht sich die Lücke fühlbar, die BiSmarck nicht blos als deutscher Kanzler, sondern als der Kopf im Rathe Europas zurückläßt.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 83 vom 9. April enthält eine Bekanntmachung deS Herrn Reichskanzlers, betreffend die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 10,000,000 Mk. Vom 8 April 1877. Weiter veröffentlicht dasselbe Blast: Besitz. betreffend die Thei- , lung der Provinz Preußen. Vom 19. März 1877.
i — Berlin. 5. April. Es ist unrichtig, wenn hin und wieder । behauptet wird, daß der Kanzler selbst auf dem EntlassungSgesuch bestehe. Taß derselbe die Möglichkeit einer längeren Beurlaubung von ; vornherein nicht geradezu auSschließen wollte, geht wohl daraus hervor, ■ daß er diejenige Einrichtung der Stellvertretung, deren Annahme die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat, mit den Ministern als die angemessenste selbst vorher besprochen hat. Diese Einrichtung setzt aber de» Zweck einer dauernden Stellvertrelnng voraus. Wenn nun nach allseitigem Einverständpiß nur die Beurlaubung in Frage steht, wen« alle national gesinnten Kreise wünschen, daß dem Kanzler die Rückkehr in seine Stellung offen bleibe, so ist eS nicht verständlich, wie die Nat.Z. zu dem Wunsche kommt, daß während der Abwesenheit deS Fürsten die Organisation der ReichS behörden eine Vervollständigung erfahre und zwar nach einer Richtung, welche der Kanzler wiederholt als im Wider- ■ spruch stehend mit den Bedürfnissen deS Reiches und als unverträglich mit feiner persönlichen Stellung bezeichnet hat. Eine solche Aenderung jetzt treffen, hieße geradezu dem Fürsten die Thür zur Rückkehr verschließen. Es ist daher auch von einer solchen Aenderung an maßgebender Stelle nicht die Rede. Wiederholt ist endlich darauf hinzuweisen, daß in der Personenfrage eben nur die Beurlaubung in Betracht kommt
■ und daß alle Gerüchte, welche Personen namhaft machen, die nur vielleicht als Nachfolger, nicht als Stellvertreter in Betracht kommen könn- ! ten, aus der Luft gegriffen sind. — Die Kanzlerkrists hat die Wendung ' genommen, daß vorerst nicht mehr nach einem Nachfolger, sondern nur nach Stellvertretern Bikmarcks gesucht wird. Dennoch ist eS noch von
■ Interesse, was ein Berliner Korr. deS Frkf. I. von der Idee schreibt, ; BiSmarck durch Bennigsen zu ersetzen. „Bennigsen stand schon einmal, ; bei der Kanzlerkrists im Jahr 1875, in Rede, und zwar äußerte sich damals über ihn der Kanzler bei einem parlamentarischen Diner. Bis- ' marck hält eS für gewissermaßen selbstverständlich, daß Bennigsen fein ' Nachfolger würde, denn Bennigsen wäre als Hauptmitglied und Be- ‘ gründer deS NationalvereinS ein Mitschöpfer des Reiches und ein treuer Pfleger des deutschen Gedankens sein Lebtag gewesen; auch habe keiner so wie Bennigsen ihn, BiSmarck, immer verstände«. Bei allen kritischen Anlässen sei auf ihn Verlaß gewesen wie aus keinen andere» sonst; er habe vorzüglich zu vermitteln verstanden, ohne feinen Grundsätzen etwas