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der angeblich zum ottomanischen Botschafter am hiesigen Hofe auSer- ßehene Saadullah Bey ungefähr 35 Jahre alt und genießt den Ruf ei­nes vortrefflichen Beamten. Bei der Thronbesteigung Murad Effendi'S wurde er Geheimfecretär des Sultans und später zum Handels-Minister ernannt. Als Präsident der mit der Untersuchung der Greuel in der Bulgarei betrauten Kommission soll er eine rücksichtslose Strenge gegen die eigenen Land-leute entfaltet und sich die Anerkennung der auslän­dischen Vertreter erworben haben, die ihn auf seiner Rundreise begleite­ten. Das Befinden der in Nizza verweilenden Grafen Harry v. Arnim hat sich telegraphischer Meldung zufolge etwas gebessert. Die Sehkraft des einen Auges ist durch die Gesichtsrose zwar völlig ver­nichtet, doch hoffen die Aerzte, das zweite Auge erhalten zu können.

(Köln, ßtg.)

Agram, 5. April. Heute Nacht fand hier ein heftiges Erd- Leben statt. Es wurden zwei Stöße von vier Sekunden Dauer in der Richtung von Südwest nach Nordost verspürt.

Pari-, 5. April. DerTemps" ist in der Lage, den Wortlaut der von dem Polizei« Präfekten gegen das katholische Comitö erlassenen Verfügung mitzutheilen. Dieselbe lautet:Wir, der Polizei- Präfekt, verfügen, im Hinblick auf unseren Erlaß vom 4. April 1874, auf die Weisungen des Herrn MwisterS des Innern vom 28. März 1877, auf die Art. 291 und 292 deS Strafgesetzbuches und auf das Gesetz vom 10. April 1834: Art. 1. Unser Erlaß vom 4 April 1874, durch welchen die zu PariS, Rue de l'Universiiö 47, unter dem Namen «Katholische- Comits" ins Leben gerufene Genossenschaft ermächtigt wurde, sich zu bilden und regelmäßig zu funktioniren, wird hiermit außer Kraft gesetzt. Art. 2. Die unter dem NamenKatholisches Comiiö" bestehende Genossenschaft wird aufgelöst und hat ihre Thätig­keit unverzüglich einzustellen." Die gesetzlichen Bestimmungen, aus welche dieser Erlaß sich beruft, handeln den Genossenschaften von mehr als zwanzig Personen, deren Existenz, selbst wenn sie vorgeblich in Sektionen von weniger als zwanzig Mitgliedern zerfallen, verboten ist. Dieselben Bestimmungen sind schon häufig gegen weltliche Genossenschaften aller Art angewendet worden. DaSSiecle" schreibt:Die Organisation der katholischen Comiiä! war nicht nur eine ungeheuerliche Verletzung des Gesetzes, sie enthielt in der Entwickelung auch alle Elemente deß Bürgerkrieges. Seit 1870 schien es wirklich, als ob eS für die kleri­kale Partei keine Gesetze mehr gebe. ES ist Zeit, Männern, die nur den Mantel der Religion benutzen, um ihren Hauptzweck, die Wieder­herstellung des alten Regimes auf Umwegen, zu verbergen, Halt zuzu- rufen. Die Regierung verhindert kraft des Gesetzes die Sy«dikat»kam- Mern der Arbeiter, sich untereinander zu verbinden; kraft bleiben Ge­setzes muß sie den katholischen ComNöS verbieten, untereinander zu korrespondiren und ein gemeinschaftliches Centrum in PariS zu besitzen."

Paris, 7. April. In der gestrigen Katholrkenversammlung wurde der B richt deS Barons Chamborand betreffend die Vermehrung der frommen Volksbücher genehmigt. Auf Antrag deS BaronS Avril faßte die Versammlung vier auf diekatholische Kunst" bezügliche Be­schlüsse : 1) eine Konferenz zum katholischen Unterricht in der Geschichte der schönen Künste zu bilden; 2) höhere katholische Schulen der Archi­tektur, Malerei, Bildhauerei und Musik zu gründen; 3) einen berufs­mäßigen Unterricht im Orgelspiel und in der Begleitung bei Chorge- langes für Frauen einzurichten; 4) in allen Schulen den Unterricht im Ehorgesang herbeizuführen. Ein anderer Bericht verbreitet sich über die Wirksamkeit der Gesellschaft zur Unterstützung militärischer Invaliden. Abb^ Millaud spricht alsdann über die Colonisirung von Algerien, welches theilweise mit Eljässern und Lothringern bevölkert werden solle, die Franzosen zu bleiben wünschten. Chesnelong wendet sich gegen die von der Republique Frartzrise ausgegangknen Angriffe und meint, die­jenigen, welche solcher Maßen die Religion beschimpfen, würden nie eine so französische Sprache führen und ein so französisches Herz zeigen können, wie der Abbe Millaud, als dieser für Elsaß-Lothringen in die Schranken trat. Heute findet die Schlußsitzung unter dem Vorsitze des Bischofs Frrppel statt. [asm. 84.1

London, 7. April. DaS Gerücht, daß Rußland der Pforte ein Ultimatum bis zum 15. d. M. gestellt habe, ist, nach derKöln. Ztg.", falsch. Es entstand wahrscheinlich daraus, daß der russische Ge­schäftsträger bei der UeberKabe des Protokolls den nah n Ablauf der Waffenruhe betonte. Den Daily Telegraph ausgenommen, beurtheilen die heutigen Blätter die Lage wenig hoffnungsvoll, wofern die Ent­scheidung dem türkischen Parlament überantwortet würde. Die Times, welche das Protokoll als eine russische Errungenschaft auffaßt, erwartet von jenem Parlament wenig Nachgiebigkeit. Der Standard bezweifelt angesichts der beleidigenden Form der Schuwalow'schen Erklärung die Abfindung eines türkischen Unterhändlers nach Petersburg und die An­nahme des Protokolls durch die Pforte; auch fitzt das genannte Blatt neuerdings Zweifel in die friedlichen Absichten Rußland» und spricht den Verdacht aus, daß Rußland bisher bestrebt gewesen sei, Zeit zu gewinnen, um zu günstiger Zeit loSzuschlagen. Daily NewS kündigt einen von der Opposition ausgehenden Tadelsantrag gegen das Cabinet wegen deS Protokolls und der Erklärung Derby'S zu demselben an.

, Ein solcher würde jedoch gewiß durchfallen; deßhalb ist eS zweifelhaft, > ob die Führer der Opposition ihn einbringen werden. Die Wochen­blätter Spectator, Saturday Review und Economist bringen dem Fürsten BiSmarck warme Anerkennung-artikel und geben ihre Ueberzeugung kund, daß seine Führerschaft dem Baterlande gesichert bleibe.

St. Petersburg, 7. April. Gutem Vernehmen nach wird Kaiser Alexander in diesem Jahre nicht zum Kurgebrauch nach EmS gehen. Es ist nicht überflüssig, hinzuzufügen, daß diese Entschließung mit den schwebenden politischen Fragen nicht» zu thun hat, der Nicht- besuch von Em» also auch nach keiner Richtung politisch zu interpre- tiren ist. Es handelt sich vielmehr um eine Folge adoptirter ärztlicher Rathschläge. Im Uebrigen darf versichert werden, daß der Gesundheits­zustand deS Kaisers Alexander ein recht befriedigender ist. <w. --. st.-».,

Rom, 7. April. Im Vatikan glaubt man, der Rücktritt BiSwarck's entspringe einer neuen Sera der deutschen Kirchenpolitik; ; wenigstens liefen derartige Mittheilungen dort ein. Bestätigen sich die­selben, waS in deutschen Kreisen hier allerdings wenig Glauben findet, i so werden die deutschen Bischöfe sofort Weisung erhalten, der Lösung der zwischen dem Vatikan und Deutschland schwebenden Streitfragen kein Hinderniß entgegenzustellen. cssln. sta.i

Lokales.

Ha«a«, 9. April 1877.

f Gestern Nachmittag um 4 Uhr fand im Bürgerverein die alljährliche Generalversammlung zur Genehmigung des Rechnungs­abschlusses statt. Eine besondere Bedeutung hatte dieselbe dadurch, daß in dieser Versammlung nach Bestimmung der Statuten der Aufsichtsrath und Vorstand auf 3 Jahre neu gewählt werden mußte. Die Decharge wurde von der Versammlung alsbald ertheilt und darauf schritt man zur Wahl deS Wahlcollegiums, welche, da Stichwahl über 3 Mitglieder stattzufinden hatte, bis gegen 9 Uhr dauerte. In das Wahlcollegium, aus welchem Direktion und Aufsichtsrath hervorgehen, wurden gewählt die Herren: H F. Ziegler Landtagsabgeordneter, Lerpp, HenW- berger, Aug. Hoffmann, C. Zimmermann, H. Herold, Stadtbaum-istrr Thyriot, C. Steinheuer, Pfarrer KnieS, E. Böhm, Dr. Duncker, Aug. Deines, G. Siepermann, I. Gioth, Akademie-Director Hausmann, W. Stengel, C. Kehl, I. Hartmann, A. Schleißner, Leonh. Huber, Justtzrath Eber­hard, M. Wirth, Wilh. Eberhard, Lehrer Lucas.

Versteigerungs- und Verpachtung--Kalender. für Dienstag dW 10. April 1877.

Morgens 9 Uhr kommt auf der kleinen Wirthschaft zu WilhelmS- bad folgendes Gehölze aus der landgräfl, Fasanerie zum Verkauf: 2 Raumm. Eichen-Scheith., 9 do. Lsubholz-Erdstöcke, 6675 Stück Welle» Laubholzreisig, 675 Wellen Dornen (s. Nr. 81Han. Anz.").

Für heute- Brandwache und Rettungscorps: Abends 9 Uhr Zusammenkunft,

Jmmobilien-Umsatze. Das Oekonom Bierschenk'sche HauS, Altstädter Horpitalstraße Nr. 11, ging um die Summe von 20,000 fl. an Herrn Oekonom Theodor Stettner über.

Die Gebrüder Karl und August Röhrke, Gesanglehrer und Concertsänger aus Würzburg, beabsichtigen im Laufe dieser Woche im Kronensaale dahier zu concertiren, worauf wir aufmerksam zu machen nicht versäumen wollen. Ueber die Leistungen der Genannten schreibt unter = andern dieWürzburger Presse" vom 28. März v. J.:DaS am vorigen Montag, den 20. d. M., im hiesigen Schrannensaale Statt ge­habte Concert der Herren Gebr. Röhrke, Grsaiglehrer dahier, bot zwar selbstverständlich keine so reiche Abwechslung, wie eines der Hofmann- schen Künstlet concerte, war aber immerhin angethan, den Zuhörern ei­nen Genuß zu bereiten, dessen sie noch lange in dankbarer Verehrung für die Herren Co»certgeber gedenken werden. Dieselben sind nicht blos im Besitze vortrefflicher Stimmmittel, sondern auch einer correctm Schule. Schon die Wahl ihrer Piecen bekundet die Meister vom Fach, deren edlem Streben in Pflege und Ausübung deutscher Sangeskunst wir auch fernerhin die besten Erfolge wünschen." .

Aus einer Zusammenstellung der im Jahre 1876 in den Ge­meinden und Städten des Regierungsbezirks Cassel, abgedruckt in Nr. 24 desAmt-blatt", zur Erhebung gekommenen Gemeindeabgaben, ist zu ersehen, daß im Kreise Hanau sich die größte Anzahl von Hunde« brfindet, vorausgesetzt daß der Steueransatz überall der gleiche ist. Stadt und Landkreis Cassel figuriren mit der Summe von 11,289 Mk., der Kreis Gelnhausen mit 5225 Mk , während der Kreis Hanau 16,928 Mk. rinbringt. Direkte Gemeindeabgaben überhaupt, als Real- und Personalgeschoß, Schulgeld, Bürzer- und B-tfitzergeld, Hundesteuer, Wachtgeld, Hirtenlohn und sonstige Abgaben repräsentiren für den Kreis Hanau 193,027 Mk., für Stadt und Landkreis Cassel 244865 und für Kreis Gelnhausen 93134 Mk. Indirekte Gemeindeabgaben, als: Berbrauchsabgabe von Fleisch, Mehl, Bier, Branntwein, Aepfelwem, Essig; Marktstandsgeld, Wege-, Pflaster- und Brückengeld wurden m Kreise Hanau 147,479 Mk., in Stadt und Landkreis Cassel 409578

I Mk. und im Kreis Gelnhausen 15160 Mk. gezahlt.