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Hammer Ameiaer.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M 78.
Mittwoch den 4. April
1877.
Amtliches.
Für Jean Friedrich Anton Pelissier dahier, 16 Jahr alt, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthauenoerkand, behufs Auswanderung nach England nachgesucht worden.
Hanau, am 28. März 1877.
Der Landrath.
Tagesschau. Der von Rom geplante neue Kreuzzug.
A. d. Echw. Merk.
Die Meinung, die man bis vor Kurzem noch zuweilen auSsprechen hörte, daß man in Rom geneigt sei, mit dem modernen Staat Frieden zu schließen und demzufolge auch dem „Kulturkampf" in Deutschland durch virsöhnlichs Instruktionen an die Bischöfe ein Ende zu machen, wird sich sobald nicht mehr an das Licht der Okffentlrchknt wagen. Nach den neueren Nachrichten aus Rom unterliegt es im Gegentheil keinem Zweifel mehr, daß man im Vatikan einen neuen Kreuzzug gegen die gesammte moderne Welt plant. Von Bedeutung war in dieser Beziehung zunächst der päpstliche Erlaß über die Abänderung des von den Bischöfen, Professoren der Theologie rc. geforderten Eides. Wenn man eS jetzt, 7 Jahre nach dem vatikanischen Konzil, plötzlich für nöthig erachtete, den kirchlichen Würdenträgern eine feierliche positive Zustimmung zu den neuen Lehrsätzen vom Primat und dem unfehlbaren Lehramt deS Papstes abzuverlangen, statt sich wie mit der passiven Unterwerfung zu begnügen, so setzte man damit den bisher neutral gebliebenen Regierungen, wie Oestreich und Bayern, Daumschrauben an, um sie zu einer deutlicheren und zwar günstigeren Stellung zur Kurie zu zwingen. Weit rückhaltSloser sprach sich indeß der Papst in der Allokution aus, die er am 12. März an die neu ernannten Kardinale richtete. Hier überbot er sich förmlich in Angriffen auf die Regierung des Kömgr. Italien: er verurtheilte ihre Gesetzgebung aufs Schonungsloseste und erhob vor den Ohren der ganzen Welt Klage darüber, daß er der Freiheit und Unabhängigkeit in seinen geistlichen Funktionen beraubt fei. Das Bezeichnendste aber war, daß er die Hirten der Kirche in der ganzen Welt geradezu aufforderte, ihre gläubigen Schafe zu veranlassen, daß sie in ihre Regierungen dringen möchten, in wirksamer Weise da- für zu sorgen, daß die Hindernisse beseitigt würden, welche gegenwärtig der vollen Unabhängigkeit des Papstes entgegkuständen. War es damit offen ausgesprochen, daß der „Stellvertreter Christi" auf einen totalen Umsturz des bisherigen Standes der Dinge in Italien sinne, so ergibt sich aus einem dritten Moment, daß er mit der Wiedergewinnung der weltlichen Herrschaft auch zugleich eine weitere Ausdehnung seiner geistlichen Macht in Aussicht genommen hatte. Mag es auch von gewisser Seite her noch in Abrede gestellt werden, eS steht doch fest, daß der Papst gegenwärtig ernster als je an die Wiedereinberufung deS im 3ah" 1871 bekanntlich nur vertagten vatikanischen Konzils denkt. Nicht nur die leibliche Himmelfahrt der Maria, die unbefleckte Empfängniß ihrer Mutter Anna u. dergl. Dinge sollen dort zu GlaubeuLsätzen erhoben, vor allen Dingen soll daS im SyllabuS vorgelegte Lehrsystem im Gegensatz zu der gesammten modernen Weltanschauung mit allen seinen Konsequenzen ausgebildet, die Lehre von der persönlichen Unfehl- barkert der Papstes noch näher bestimmt und alle die HerrschaftSansprüche, welche die Kirche zur Zeit deS MittelalterS der weltlichen Macht gegen- ll«" kkhob, feierlich bestätigt werden. Kurz, PiuS IX,, der von feiner „Mission" auf Erden eine hohe Meinung hat, wünscht das von ihm errichtete Gebäude zu krönen und den Triumph der römischen Kirche über den ganzen Erdkreis dadurch herbeizuführen, daß er der Welt daS ganze Lehr- und Herrschaftssystem der Kurie zur vollen Anschauung bringt. Die Auswahl, welche er bei dem neuesten KardinalSschub getroffen, indem er die verhältnißmäßig gemäßigteren deutschen, östreichischen und französischen Bischöfe wegen ihrer einstmaligen Opposition gegen daS UnfehldarkeitSdogma überging und nur solche Männer wählte, deren Verbindung mit den Jesuiten ihm für ihren kirchlichen Eifer Bürgschaft leistete, beweist, daß er seinen Plan mit allem Ernst verfolgt und die Ausführung desselben, falls er selbst vor der Zeit durch den Tod dahingerafft werden sollte, durch seinen Nachfolger sicher zu stellen sucht. 1
— Nach dem „R.- u. St.-Anz." fand zu Berlin am 1. April ein Eheversprechen zwischen Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Victoria Elisabeth Auguste Charlotte von Preußen, Tochter Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin, mit Sr. Hoheit dem Erbprinzen Bernhard zu Sachsen- < Meiningen statt.
— Berlin, 2. April. Die Ruhe und Sammlung der Öfter- tage wird den hiesigm politischen Kreisen verkümmert durch die Gerüchte über einen wenigstens zeitweiligen Rücktritt des Reichskanzlers, über dessen Deuer und dessen Anlässe noch keine unbedingt zuverlässigen Aufklärungen vorkiegen. Alle Kombinationen, wie eS werden soll, sobald Fürst Bismarck seinen längeren Urlaub angetreten hat, beruhen auf bloßen Vermuthungen. Sicher dagegen ist, daß der Reichskanzler sich auf längere Ztir von allen Geschäften frei zu wachen wünscht, und nur darüber wird gestritten, ob er um seine Entlassung eingi kommen sei, die ihm keinenfalls bewilligt werden würde, oder nur Urlaub auf ein Jahr verlangt habe. Nach der Ruhe zu schließen, mit welch-r Fürst BiSmarck's Gesuch in hohen Kreisen ausgenommen ist, könnte man vermuthen, daß die Hoffnung noch nicht aufgegeben ist, den Für st-n zur Abkürzung seines Urlaubes zu bewegen. Er selbst scheint auf Gewährung des einjährigen Urlaubes zu rechnen. Seinem persönlichen Auftreten sieht man gerade keine Erschöpfung an; aber Personen, die ihn genau lernten, versichern, daß er jetzt nicht mehr als zwei oder höchstens drei Stunden hintereinander zu arbeiten im Stande sei und so die Arbeitslast für ihn zu groß werde. — 3. April. Die Mir eichen Gerüchte über Bismarck's Rücktritt haben vorläufig nur den thatsächlichen Anhalt, daß dem Reichskanzler allerdings ein Urlaub auf ein Jahr ertheilt ist, den er in diesen Tagen antritt. Er geht zunächst nach Barzm. Im preußischen Ministerium übernimmt Campgausen, im Reiche bezüglich der auswärtigen Angelegenheiten Bülow, bezüglich der inneren Angelegenheiten Hofmann seine Vertretung. [»»«- 8tga
— Berlin, 3. April. Der Minister des Innern hat die Königlichen Regierungen und Landdrosteien durch Cirkülarsrlaß vom 8. v. M. auf das in der Untersuchungssache wider Kopelowitz ergangen?, in „OppenhoffS Rechtsprechung", Band 17 Heft 6 S. 572 abgedrucke Erkenntniß deS Ober Tribunals vom 20. September v. I. aufmerksam gemacht, nach welchem die strafrechtliche Verfolgung wegen Führung eines von einer amerikanischen Universität erkauften Loktor-TiteP auf Grund deS §. 147 der Gewerbe-Ordnung schon jetzt solchen Personen gegenüber gesichert ist, welche gewerbsmäßig ärztliche Handlungen unternehmen. Der Minister spricht dabei die Erwartung auS, daß damit dem Unfuge, der mit den amerikanischen Doktordiplomen getrieben wird, in der Hauptsache werde gesteuert werden können, denn die Fälle, in denen andere Personen, als solche, welche sich der Kurpfuscherei hingeben wollen, nach jenem Titel streben, würden wohl nur vereinzelt vorkommen. Gleichwohl seien auch die Fälle der letzteren Art, und zwar aus dem Gesichtspunkte des §. 360 Nr. 8 des Strafgesetzbuchs, zur strafgerichtlichen Verfolgung zu ziehen.
— Berlin, 3. April. Der General der Infanterie, Staats- Minister von Stosch, Chef der Kaiserlichen Admiralität, hat sich, in Begleitung der Korvetten-KepitänS Schering vom Admiralstabe, behufs Jnspizir unzen auf einige Tage nach Wilhelmshaven begeben.
— München, 3. April. Wie von unterrichteter Seite versichert wird, hat die sächsische Regierung hier bereits erklärt, dem LaLker'schen Anträge Nachkommen zu wollen. l«sin. stg.]
— In Oesterreich ist ein „Schulgarten" für jede Schulanstalt gesetzlich vorgeschrieben.
— Paris, 3. April. Der zeitweilige Rücktritt des FürstenBis- marck macht hier großes Aufsehen und gibt zu allerlei Bemerkungen Anlaß; doch glaubt man allgemein, Fürst Bistum ck werde nicht lange von fernem hohen Posten fern bleiben. Mit großer Spannung werden nähere Nachrichten aus Berlin erwartet. Die „Agence Havas" erklärt das Gerücht für grundlos, daß Fürst Hohenlohe nach Berlin gehen werde, um den Reichskanzler Fürsten BiSwarck zu ersitzen; sie glaubt versichern zu können, daß Fürst Hohenlohe auf seinem Posten bleiben werde. — Der Erlaß, durch den das katholische Somit 6 in Paris aufgelöst wird, wurde gestern den leitenden Personen mitgetheilt; der .