391
— Ragusa, 28. März. Von dem in Nord-Bosnien residirenden Central JnsurrektionScomilö ist eine Proklamation an alle BoSnjaken christlicher Konfession und serbisch'kroatischer Nationalität erlassen worden, worin dieselben zum ferneren Kampf- gegen die Türkn aufgefordert werden. Die serbisch« Regierung habe BoSnien im Stiche gelassen, Serbien habe aber kein Mandat, für die bosnischen Christen Verträge abzustzließen. Montenegro, die Hoffnung der Serben, stehe auf dem Krieksfrße zur Pforte und werde die Bosnjdkm gewiß richt verrathen. Buch der „große slavische Staat" werde dieselben nicht dem Verderben preiSgeben wollen. Dre Devise der Kampfer gegen die Türken sei: „Kampf bis zum Tode, Sieg bis zur gänzlichen Freiheit!"
— A then, 29 März. Die Depuürtenkammer hat heute dm Gesetzentwurf, betreff nd die Aufnahme einer Anleihe von 10 Millionen für militärische Zwecke in dritter Berathung angenommen. Der Minister-Präsident Delegiorgis eiterte danach die Session für beendet.
— Konstantinopel, 29. März. Die Deputirtenkammer hat die Berathung der Adresse auf die Thronrede des Sultans heute beendet und dieselbe nahezu einstimmig angenommen. In Bezug auf die Verhundlungen mit Montenego wird in der Adresse der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß die türkische Regierung bei diesen Verhandlungen den Sitte; essen und der Würde des o-'manischen Reiches entsprechend verfahren werde. Außerdem wird darin die Zustimmung der Versammlung zu der Verwerfung der Bo schläge der Konferenz ausgesprochen. — 30. März. Morgen findet wieder eine Konferenz der montenegrinischen DAkzirten mit bim Minister des Auswärtigen, Safvet Pascha, statt.
— New - Iork, 29. März. Nach hier eivgegangenen Nachrichten aus Mix ko ist der Konsul der Vereinigten Staaten von No damerika in Aerpuldo daielbst am 5. d. auf der Straße von Soldaten verhaftet und in das G sängniß gebracht worden. Derselbe war gegen die Mißhandlung und Beleibipung Angehöriger der Union ausgetreten.
— Washington, 28. März. Der Präsident Hohes sprach bei dem Empfange einer Deputation wiederholt aus. das Z el seiner PoU tik sei, zwischen den verschiedenen Parteien und Racm im Süden solche Beziehungen herbeizufvh en, durch welch; der Friede und die Wohlfahrt des Landes gesichert und den Bürgern dsselben ohne Snteiö ntion der Mckitärgrwalt der erforderliche Schutz gewährt werde. Zu gleich äußerte der Präsident die Hoffnung, daß eine Konferenz der Häupter drr verschiedenen Parteien zu einer Ausgleichung der Schwierigkeiten führen werde. Uedrigens sei es nicht sein Wunsch, daß irgendwer etwas von seinen Rechten aufgeben solle.
Lokales.
Hau-i». 3. April 1877.
— Auf die Anfrage in Nr. 75 d. Bl. wurde uns als approbates Mittel gegen Parasiten aller Art die Jnsektentinktur von R. Kaspar in BreSlau empfohlen, ovwohl von dem Mittheiler in Gärten noch nicht p-obirt, denkt er voch, nach der Gebrauchsanwüsung zu urtheilen, daß diese Tinktur mit Wass-r verdünnt dem gewünschten Zwecke entsprechen dürfte, da sie sonst praktisch und durchaus unschädlich ist. — Wir veröffentlichen dies, da es jedenfalls von allgemeinem Interesse ist.
— Im Laufe dieser Woche wird Herr Emil Richter aus Frankfurt einen Vortrag über die wirthschaftliche Krisis halten, der, dem uns vorliegenden Programm nach zu urtheilen, deS Interessanten vieles bieten dürfte, da derselbe an der Hand der HandelSzesch'chte die Ergebnisse der wirthschaftlichen Reaktion und die stattlichen Aufgaben klarlegt. Die „K. Ztz." schreibt über diese Vorträge unterm 17. März: „Gestern Abend hielt Herr Emil Richter auS Frankfurt a. M. im großen Saale der Wolk-nburg einen Vortrag über die wirthschaftliche Krisis oder vielmehr die Geschichte der wirthschaftlichen Keifen. Herr Richter begann mit der Entwick lung Amerikas, welche den Weltverkehr aus seiner altgewohnten Bahn über Italien und Deutschland ein bedeutendes Stück Wi tter westwärts verlegte, und schloß mit den Theorien Adam Smith's. Bei dem allgemein interessanten und dabei allgemein verständlichen Inhalte dieser geschichtlichen Rückblicks wollen wir eS nicht unterlassen, auf den zweiten Voitrag, der am Montag Statt findet, hinzuweisen, und der die neuere Zeit mit ihren Eisenbahnbauten, ihren Weltausstellungen, ihren großen Kriegen, ihren Münzrefo,men, ihrem Krach und ihrem langwierigen Streit um Freihandel oder Schutzzoll behandeln wird."
— Morgen fiadet in der „Centralhalle" die Frühjahrs Conferenz des Kreit-LehrervereinS Hanau statt und zwar von Nachmittags 1 Uhr ab, worauf wir Interessenten und Freunde dieses SnfütmS aufmerksam machen wollen.
Versteigerungs« «nd Berpachtungs-Kalender.
Kr Mittwoch öen 4. äp tl 1677
r^rmittagS 9 Uhr sollen im Büdmg-r Ata »twalde D stritt Stein« Woe, Taubcarain und Lettkautenhang mehrere hundert Etten-, Lärchen- und Fichten-Stämme und Wellen üüsteig;.t wsco-n (f. Nr. 72 „Hm. §lt?j."). Bocm. 10 Uhr ist bei Königl. Amtsgericht II dahwr orit-
ter öffentlicher freiwilliger Verkaufstermin deS den Erben des Kaufmanns Ernst Karl Hartenbach und dessen Ehefrau, Karoline, geb. Kaiser, von hier, gehörigen Wohnhauses Eck der Markt- und Metzgergasst.
— Mittags 12 Uhr werden in der Wirthschaft von Jakob Carl tn Hörstein die von Phil. Gresser in Rauschberg erzielten und in Hörstrin lagernden 1876-r Weine versteigert. Die Crescenz besteht in 16 Halb- stück und 6 Viertelstück Riesling und 2 Halbstück Traminer (s. Nr. 75 „Han. Anz.").
— Raffel, 29. März. (Waldkappeler Eisenbahn.) Am 26. b. M. versammelten sich die Herren Regi rungsräthe, der Herr Landrath W'yranch, die technischen Beamten der Bahn, der Bürgermeister und Gemeindttäth von Niederzwehren und andere dabei interessirte Persönlichkeiten bei den Grundstücke des Fabrikanten Haurand, um die Fahr« Übergänge u. s. w. für den daselbst bestimmten Bahnhof Schönftld« NiederzwchM, sowie für den Bahnhof Bettenhausen anzuorönen. — Den 26. und 27. März ist die ganze tracirte Bahn bis nach Wald« kupvel von deu kgl. Reuier-ingsdeamtsn begangen und die Einzelheiten bestimmt worden. — Zwilchen der Aus und der Neuen Mühle ist eins eiserne Brück- über die Fulsa bestimmt und wird der verkehrsreiche NordShä.ffer-Elger?häus<r Weg durch das Grundstück des Fabrikanten Haurand binft nach bem neuen Bahnhof geführt werden. — Herr Mühlrnbrsitzrr Osthelm beabsichtigt Schienen bis zum Bahnhof zu legen und mit den sehr zweckmäßigen und billigen komprimirten Lüft-Be- wegungsMaschinen bis zu seiner Mühle zu fahren. — Um der jetzigen Ardeiisnoth abzuhelkeu, würde ein schleuniger Anfang der allgemeinen Eisenbahn-Atbrten sehr erwünscht se-n.
— In einer der letzten Sitzungen der Strafkammer zu Frankfurt wurde ein Milchhändler der gewöhnliche verdünnte Milch für Kindermilch verkaufte und diesen Betrug längere Zeit fortfetzte zu 4 Monaten Gefängniß und dem Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren bestraft. — Wir können es nur mit Freuden begrüßen, daß überall in den deutschen Staaten endlich einmal energisch angefangen wird, Front gegen die Verfälschungen der Lebens-, Nahr- ungs- und Genußmitteln zu machen. Wir erinnern nur daran, daß in Frankenthal eine Anzahl Kaufleute bestraft wurden, welche „Pfeffer- surogate" (Gries, Welschkorn, Wicken mit Pfeffer gemischt ic. rc.) für Pfeffer verkauften. Gewöhnlich find unter 100 Pfuuv verarbeiteten gemahlenen Pfeffer 90 Pf. Zusatz, 8 Pf. Pfeffer, und 2 Pf. spanischer Pfeffer. — In Würzburg wurde der Inhaber einer bedeutenden Weinhandlung zu 8 Monaten Gefängniß und 4000 Mark Geldstrafe ver- urtheilt; auch in Stuttgart wurde eine Weinhandlung wegen Verfälschung ganz bedeutend in Strafe genommen. '— Schon öfters in der letzten Zeit sind Metzger bestraft worden, welche der Wurst Stärkemehl, (Kartoffelmehl, Weck rc.) zufetzten. — Wir Hoffen, daß in ähnlicher Weise wie im Königreich Sachsen für ganz Deutschland eine Anzahl Centralstellen errichtet werden, welche theils aus freien Stücken, theils anf Verlangen einzelner Privaten gegen eine geringe Vergütung (in Sachsen beträgt diese 50 Pfennige) jede Analyse annehmen werden.
In Darmstadt ist der bei der Ober-Medicinaldirection angestellte Chemiker Hallwachs außerordentlich thätig in dieser Richtung. — Eine Anzahl Kaufleute sind in Strafe genommen und auch die Fabrikanten sollen herangezogen werden.
Im Regierunsbezirk Oppeln hat eine Polizeibehörde gebeten, doch den Begriff „Bier" richtig zu stellen; denn ans den vorgenommenen Untersuchungen habe sich ergeben, daß die Getränke die als Bier verkauft werden, aus den verschiedensten Stoffen zusammengesetzt seien. Auch Bismarck sagte in der Motivirung über die Nothwendigkeit eines eignen chemischen Laboratoriums für das Reichs-Gefundheitsamt, daß schon nach den bis jetzt vorgenommenen Untersuchungen oft ein Bier nichts weniger als Hopfen und Malz enthalte und vielfache Verfälschungen des Weines nachgewiesen seien. — Wir waren auf dem besten Wege jeden Begriff von Moral und Ehrenhaftigkeit in dieser Richtung verschwinden zu sehen; denn was ist nicht alles dem Volke geboten worden, unter dem Begriff „GeschäftsVortheil" — doch es wird anders werden. —ar.
Der „Fianisurcer d^cinu* bleibt entern 31. März an» Frankfurt am Main: Gestern Abend wurde ein Frauenzimmer verhaftet, das in einem Spezereigeschäft in der Fahrgasse ein falsches Zweimarkstück auSzugeben versuchte. Dem Commit war beim Herausgebra das G-lostück aufg'falleo, w-syalb er das Frauenzimmer bis zur Ankunft eines Schutzmanns ftfthielt. — Eia Milchhändter, welcher seinen Kunden. gewöwUche gemäss-rw Miich für Kindermilch verkaufte, und längere Zeit rnesea Burug zum Schaden des damit genährten Kmdes fortfetzte, wurde verhaftet. — D-r Äkaüng Rink im Palmengarten wird morgen unter e»tjpr--chender Feierlrchkeit eröffnet. — Am Donnerstag Nach- m-tlag wurde ein reicher ©aber aus Zimmern auf dem N-ickarbahnhof vergastet. Dersildr wurde bezichtigt, eurem jungen Mann; zwei Billete nach Conlenj ym oezgeaommen mib solche am Schalter wieder in G-ld umgeusr zu hibeu. Bis zur Abfahrt des Zuges hatte er sich im Ab- ott oe.steckt, wurde anet beim ®insteigen vom Expedienten erkannt und