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gegenwärtigen ReichSverf. haben sich gerade Sei dieser Gelegenheit besonders fühlbar gemacht. Ohne diese Mängel wäre eS ja niemals möglich gewesen, daß Preußen, obgleich es im Verein mit einigen kleinen Staaten 29 Millionen vertrat, von den Vertretern einer Bevölkerung von nur 12 Millionen im Bundesrath überstimmt worden wäre, daß der Reichskanzler einen Gesetzentwurf, der gegen seinen Willen genehmigt war, dem Reichstag zur Beschlußfassung vorlegen und durch den Präsidenten des ReichSjustizamteS, wiederum gegen desirn Ueberzeugung, vertheidigen lassen mußte; ohne diese Mängel wäre es endlich nicht möglich, daß der Kaiser ein solches Gesch nach dessen Billigung durch den Reichstag ohne Weitere- sanktioniren muß. Nicht bloß in Preußen, auch im auß ^preußischen Deutschland wird ein solcher Verhältniß vielfach als ein Uebelstand gefühlt. Man fängt schon an einzusehen, daß eS so nickt lange mehr bleiben darf, daß der Kaiser, der Reichskanzler und die Reichsämter überhaupt viel mehr zu der Geltung und Bedeutung kommen müssen, die ihnen im Jrteresft deS Ganzen gebührt. Und die Zeit, wo dieser Einsicht durch Verbesserung der Reichsverfassung Rechnung getragen werden muß, wird kommen; vielleicht schon bald. Fürst BiSmarck weiß natürlich als ein praktischer, realistischer Politiker wohl, daß der gegenwärtige Augenblick für eine Verfassungsänderung keineswegs günstig ist. Wahrscheinlich will er der jetzigen „rückläufigen Reiche sirth" ungestört ihren Lauf lassen, um den Freunden deS Reichs die schädlichen Wirkungen derselben recht drastisch vor Augen zu führen; aus diesem Grunde hat er sich wohl auch nicht veranlaßt gefühlt, in die Verhandlungen deS Reichstages persönlich einzugreifen. Zudem lehrt ja die Geschichte des D. Reiches, so kurz sie sein mag, daß die Schwierigkeiten einer Lage im richtigen Augentlick mit Leichtigkeit überwunden werden. Wartm wir also ruhig, biS die Reichrfluth wieder von selbst »ach vorwärts drängt.
— Die von der Reichsregierung geforderten 105 neuen Haupt« mannkstellen sind in der ausländischen Presse vielfach so aufgefaßt worden, als bedeuteten dieselben zugleich die Vermehrung der deutschen Armee um ebenso vi le Compagnien Soldaten. Ein findiger Berliner Correspondent der „Daily Telegraph" hatte sogar ausgerechnet, daß die deutsKe Armee hiervurch um 450,000 — schreibe vierhundert und fünf« zigtausmd Mann vermehrt werden solle. Fast sämmtliche Zeitungen druck n diesen Unsinn nach und knüpfen auch je nach ihrer Parteifarbe ihre Bemerkungen über die Gefahr für den Weltfrieden und den deutschen Militärehrgeiz an. errib.)
— Die Freude der Sachsen über den Sieg Leipzigs in der Frage, betreffend den Sitz des Reichsgerichts, ist, nach der „Trib.", natürlich groß. Die Leipziger beschäftigen sich schon lebhaft mit dem Bauplatz für den deutschen Justizpalast. Der Reichsregierung sind bereits verschiedene Mundstücke zum Ankauf angeboten. Von einer Seite ist der botanische Garten mit dem anstoßenden Wiesrnterrain in Vorschlag gebracht. Sollte bis zum 1. Oktober 1879 der Bau sich nicht fertig stellen lassen, so wird die Georgenhalle zum Unter kommen für das Rerchsgericht vorgeschlagen. Es herrscht allgemein die Ansicht, daß zu dem Termin, an welchem das Reichsgericht in Function tritt, die meisten älteren Mitglieder deS Berliner Ober-Tribur-als, unter denen auch der Abg. Reichensperger genannt wird, sich prüsioniren lassen dürften.
— Heidelberg, 27. März. Das „Mannh. Tagbl." schreibt: Einer uns heute zugegangenen Nachricht zufolge soll am Sonntag Nachmittag in Wiesloch ein 12jähriger Knabe seinen Vater, der ihm das Kartenspiel verbot, erschlagen haben.
— Brüssel, 27. März. DaS Journal „Le Nord" äußert lebhafte Zweifel über die Richtigkeit der von dem „Daily Telegraph" gebracht n Mittheilung, daß die Protokollverhandlungen in London auf der Basis der sofortigen Abrüstung Rußlands wieder ausgenommen werden sollten.
— London, 28. März. DaS Kabinet tritt heute zur Berathung über die von Rußland betreffs des Protokolles gemachten Vorschläge zusammen. Die „Morningpost" äußert sich sehr hoffnungsvoll, da Ruß- land augenscheinlich geneigt sei, den Wünschen England- in der Ab» rüstungrsrage so weit möglich zu begegnen.
— London, 28. März. Der Ministerrath ist für heute Nachmittag berufen, angeblich bchufS der Erörterung neuer russischer Vorschläge. D-mzufolge sind neue Friedenshoffnungen aufgetaucht. Die Morning Post glaubt, daß Rußland wichtige Zugeständnisse gemacht habe und den englischen Wünschen in Sachen der Demobil.sirung ent- gegrnkommm wolle. (Indessen macht dem Daily Telegraph gegenüber, der erfahren haben wollte, daß die Protokollverhandlungen in London auf Grundlage der sofortigen Abrüstung Rußlands wieder ausgenommen werden sollen, der offiziös russische Nord die Bemerkung, das genannte englische Blatt nehme seine Wünsche für Wirklichkeit, werde aber seine Angaben durch die Ereignisse keinetwegS bestätigt finden.) («»m- Sta-)
— Die Polit. Corr. bringt aus PeterSbu-g eine Darstellung der letzten Vo gänge, die in mehreren Punkten von den bisher beglaubigten aowcicht « iv der Kontrole durch die unausbleiblichen Mittheilungen im englrschm Parlamente jedenfalls behülfen wird. — Unter den Jgnatiesi« schen sogenannten E twaffnungS-Kombinationen soll sich auch daS Zu rückz'thm der Truppen von der Grenze befinden, womit schwerlich viel gewonnen wäre.
— Rom, 28. März. Im Vatikan ist eine amtliche Mittheilung von der holländischen Regierung eingelaufen, daß dieselbe aus polizeilichen Rücksichten die an den Häusern der päpstlichen Ex-Konsuln in Amsterdam und Rotterdam beibehaltenen Wappenschilde abgenommen. Die Maßnahme habe keinerlei feindselige Bedeutung gegen den päpstlichen Stuhl. In Folge deS Gerüchts, die Curie gedenke das Vorrecht bei der Papstwahl abzuschaffen, haben die betheiligten Regierungen vertraulich beim Vatikan Einspruch erhoben. Simeont erwiderte im Namen deS Papstes, eS sei keinerlei Neuerung beabsichtigt, obschon die Lage der Kirche besondere Vorsicht erheische. Mi». «tg-l
— Konstantinopel, 27. März. Der Minister des AuSwär- tigen hat heute folgendes Telegramm an die diplomatischen Vertreter der Pforte im Auslande gerichtet: Die von den Zeitungen verbreiteten Gerüchte, betreffend die angeblich hier herrschende Aufregung, sind durch- auS unbegründet, es herrscht in der Hauptstadt die vollständigste Ruhe.
— Der „New Aork TimeS" vom 24. d. M. zufolge ist der gegen Mr. Tweed schwebende Prozeß niedergeschlagen worden, nachdem vereinbart worden, daß Tweed, da er die Summe von 250,000 DollarS der Munizipalität von New Aork zurückerstattet, am näs sten Mittwoch aus der Haft entlassen werden soll. — Der frühere Präsident Grant hat Washington verlassen, um eine Reise nach dem Westen anzutreten. Am 10. Mai wird sich derselbe in Philadelphia nach Liverpool ein- schiffen.
— Washington, 27. März. Der Schatzsekretär Sherman hat weitere 10 Millionen 5/so er Bonds zur Rückzahlung einberufen.
— In Gj-svaer in Norwegen wurde am 7. d. M. eine Telegra- phenstation eröffnet. ES ist dies gegenwärtig die am nördlichsten gelegene Telegraphenstation, welche existirt, da sich dieselbe in 71° 51* nördlicher Breite befindet.
Lokales.
Ha««» 29. März 1877.
— Stadt-Theater. Sonntag den 25. März: „Dr. Wespe", Lustspiel von R° Benedix.
Die Aufführunz dieses drastischen Lustspiels war eine sehr gelungene und wurde von allen Darstellern mit sichtlichem Eifer gespielt.
In der Titelrolle führte sich unS Herr Bert hold als Geck vor und lieferte in seinem „Wespe" eine gelungene und fein nüancirte Cha- racterstudie. Sein Aufwä-ter „Adam", Herr Schwarz war eine urkomische Figur, welche den ärgsten Hypochonder zur Heiterkeit bringen wußte. Da wir schon bei den Herren sind, wollen wir nicht vergessen Herrn Güldenstein „Zündorf" und Herrn Herrmann I „Well- stein" zu nennen, welche den Kaufmann von ächtem Schrot gut charak- terisirten und brächte der Letztere die Wandlung zum feurigen Liebhaber wirkungsvoll zur Anschauung. Auch die Herren Gehring „Honau" und Willert „Christoph" waren an ihrem Platze.
Von den Damen ist vor allen Frl. Rionds „Theudelinde" zu . nennen. Sie spi lte animirt und bewies aufs neue, daß sie vorzugsweise derartige Rollen gut zu erfassen versteht Frl. Röttger „Elisabeth" und F>l. Otto „Thekla" spielten gleichfalls recht anerkennenS- werth und verdienen unser Lob. Dar Zusammenspiel war ein exacteS und verfehlte deshalb das Lustspiel seine Wirkung nicht.
Montag wurde zum 7. Male „Die Reise durch Berlin" gegeben und war daS Theater wieder sehr gut besucht.
— (Musterung.) Sonnabend den 31. März findet für die Militairpflichtigm die Loosung statt; an derselben Theil zu nehmen bleibt ihnen über (offen.
Versteigeruugs- und Verpachtungs-Kalender. für Samstag den 31. März 1877
Nachmittags 4 Uhr verpachtet Herr Taxator W. Geifert an Ort und Stelle 38 R. Gartenland im Kinzigdorf, anstoßend an Nr. 11, auf 6 Jahre.
— Für heute. Hanauer Stadttheater: (Letzte Vorstellung dieser Saison): 2. Gastspiel der ersten Großherzoglichen Hof-Solotänzerin Frl. Jungmann und des ersten Hof-Solotänzers Herrn Thieme vom Großh. Hof-Theater in Darmstadt: „Die Darwinianer". Lustspiel in 3 Akten von J. B. v. Schweitzer; nach dem 1. Akt „Grand pas de deux“, nach dem zweiten Akt: „Russischer Nationaltanz"; am Schluß: „Polka comique“; Anfang 7 Uhr.
DflgE* Im UnterhaltungSblatt der nächsten Nummer deS „Hanauer Anzeiger- (76) findet sich ein Preisräthsel abgedruckt. Berehcl. Abonnenten ober deren Angehörige, die sich hierfür tniecessiren, werden gebeten, die Lösungen unter Couvert in unserem RedaktionSzimmer abzu- geben. Die Eröffnung ders-lben erfolgt Mittwoch den 4. April und entscheidet unter oen vier ersten richtigen Eingängen dar Loot.
Auszug aus dem Ceutral-Handelsrrgtster.
Eintragungen bei Kgl. Kreisgericht, erste Abtheilung, Hanau.
Nach Anzeige vom 16. März 1877 sinn als VolstandSmitglieder deS Hanauer Kl'dUvereinS, eingetragene Genoff nlchaft, für die Zeit vom 1. April 1877 bis zum 1; April 1882; 1) der Kaufmann Heinrich Herold zu Hanau als Direktor, 2) ver Kaufmann H mrW Nickel , zu Hanau als Kassiber, 3) der Kaufmann August Horn zu Hanau alS ! Controleur, sowie August Hoffmaan da hier als St-lloertretcr eines der