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verbreiteten Gerüchte entgegen, daß eS sich hier um eine Koalition der Mittelstaaten zum Zwecke der Majorifirung Preußen- im reichsfeind' litten Sinne handle. Weder habe die bayerische Regierung irgend welche offizielle oder vertrauliche Unterhandlungen über diesen Gegen­stand mit den betheiligten Staaten geführt, noch seien derselben von ir­gend einer mittelstaatlichen Regierung einschlägige Anerbietungen ge­macht worden. Rein objektive Erwägungen, welche nicht hauptsächlich politischer Natur gewesen, hätten die Majorität zur Entscheidung für Leipz'g geführt. Der Justiz-Minister Dr. Leonhardt hob hierauf her­vor, daß die Natur des Rechtsmittels, über welches das Reichsgericht zu entscheiden haben werde, dem des französischen Kassationshof s völlig gleich, dieser aber nach der französischen Konstitution ein tribunal um et södentaire aupres du Corps legislatif sei. Wie aber auch immer die Entscheidung des Reichstages auSfallrn möge, dieselbe werde keine Rückwirkung auf Preußens reichstreue Gesinnung haben. Beim Schlüsse des Blattes hatte der Abg. von Helldorf das Wort.

(Fortsetzung folgt.) iR. u. St..«.)

Berlin, 21. März. Der Kaiser hat, wie im Gegensatz zu anderen Nachrichten verlautet, nach derKöln. Ztg." dem Chef der Admiralität, Staats-Minister v. Stosch, noch nicht die Entlassung, son­dern nur einen Urlaub ertheilt. Die Lage ist bezüglich der Haupt­frage, nämlich der Abrüstung, seit Ende voriger Woche wenig verän­dert. Ueber eine etwaige Lösung der beiderseitigen Forderungen Eng­lands und Rußlands, wie sie in unserem Telegramm vom 17. März Abends bezeichn!t waren, ist Zuverlässiges noch immer nicht bekannt. Die Hoffnung der politischen Welt, daß auch diese Schwierigkeit der Abrüstung eine friedliche Lösung finden werde, erhält sich, aber sie be­half nach wie vor der thatsächlichen Bestätigung.

Dem BundeSrath ist eine im Reichs-Eisenbahn-Amt aufgestellte Denkschrift nebst Nachweisung der auf den Eisenbahnen Deutschlands, ausschl. BayeruS, gegenwärtig noch vorhandenen Abweichungen vom Normalprofil des lichten Raumes, deren Beseitigung vorerst als unihun- lich zu erachten ist, vorgelegt worden.

Dem Reichstag ist eine Petition deS Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller zugegangen mit dem Anträge:Hoher Reichs­tag wolle 1) dir schleunigste Wiedereinführung der Eingangszölle auf Eislu- und Stahlwaaren, ebenso auf Maschinen, wie solche durch das Zollgesetz vom 7. Juli 1873 festgestellt waren, beschließen; 2) gleich­zeitig dafür seine Zustimmung ertheilen, daß ein Roheisenzoll von 50 Markpfennigen pro 50 Kilo wieder eingeführt werde."

Berlin, 20. März. Der Post zufolge ist der Marine- Minister v. Stosch auf längeren Urlaub gegangen und heute nach seiner Villa in Oestrich am Rhein abgereist. Wie heute verlautet, ist der Beginn der Verhandlungen betreffs Erneuerung des Zoll- und Handels­vertrages zwischen Deutschland und Ocsterreich-Ungarn auf den 15. April festgesetzt worden. Doch soll noch immer unentschieden sein, ob die Ver­handlungen in Wien oder in Berlin Statt zu finden haben. (Ksin.Ztg.)

Von dem Abg. Schulze-Delitzsch ist mit Unterstützung der gesammten Fortschrittsfraktion und der hervorragendsten Mitglieder fast aller anderen Fraktionen dem Reichstage ein Gesetzentwurf, betr. die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, zugegangen. Ein solcher Entwurf war schon im vergangenen Jahre dem Reichstag unterbreitet worden; derselbe wurde schon damals einer Komm, zur Borberathung überwiesen und fern aus dieser nicht mehr an das Plenum zurück, ja die Komm-Verhandlungen wurden nicht ein­mal zum Abschluß gebracht. Gleichwohl sind in dem neuen, diesjährigen Entwurf die in der Komm, gemachten VerbesserungSvorschläge beachtet worden. AnderntheilS sind in der Zwischenzeit richterliche Entscheidun- gen ergangen, welche so tief in Hauptb-stimmungen des Gesetz-s ein- schneiden, daß eine Klarstellung dieser letzteren unabweisbar war.

Der Cultus minister hat an die Provinzial-Schulcollegien und an die BezirkSregierungen einen Erlaß gerichtet, welcher die Zulässigkeit der Führung der philosophischen DocortitelS betrefft. Die Collegien sind angewiesen worden, den an öffentlichen und privaten Lehranstalten angestellten Lehrern, welche nicht bereits im rechtmäßigen Bksitz der Würde eines DoctorS der Philosophie find, im amtlichen Berk-Hc den Doctortitel nur baun beizulegen, wenn sie ihn von einer preußischen Universität oder von der Akademie in Münster erhalten, oder wenn der an einer nichtpreußffchen Un versität Promovirte nachweist daß er auf Grund eines mündlichen Examens und einer gedruckten Dffrtat'vn den Titel erlangt habe. Ausnahmen machen j-doch die honoris causa zu Doctoren ernannten und dujenigen Lehrer, welche aus fremdem SiaatS- oder Schuldienst in den preußischen Übergrtreten sind und bereits vor­her den Doctortitel besaßen. (irte.)

Die Fernhaltuvg eines schulpflichtigen und die Volksschule besuchenden Mädchens SritenS des Sätet 8 oder Vormundes von dem obligatorischen Unterricht in weiblichen Handa be'ten in der Volksschule ist nach einem E kennt»,sie d-s Rtpimschen Strafsenats des Ober-Tri- bUNülS vom 15 Februar 1877 fitafour, selbst w an dieser Unterricht »ach Zeit oder Olt getrennt von dem sonstigen Elementarunterricht nur durch eine besonders btfhHie Lehrerin ertheilt wird. Diese Stmfbar-

keit wird auch nicht dadurch auSgeschloss m, daß die Eltern ihre Tochter spezitll für den Handarbeitsunterricht an dem Unterricht einer andern Schule Theil nehmen lassen.

In den deutschen Münzstätten sind bis zum 10. März 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,097,700,280 Mark Doppel- krönen, 337,530,330 Mark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,423,459 Mk.; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 82 642,172 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 SKI. 1-Markstücke, 56,267,184 Mark 50 Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mk. 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,121,991 Mark 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,377,119 Mark 13 Pfennig 1-Pfennig. stücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,435,230.610 Mark; an Silbermünzen: 389,792,539 Mark 30 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,499,110 Mark 57 Pf.

In Stettin starb am 14. d. M. nach nur biäyigem Kran­kenlager, als Opfer der dort in diesem Winter besonders stark auftre- tenden Diphtheritis, der Landes »irektor Herr v. Heyden-Linden im Alter von 35 Jahren. Bei den großen Verdimsten des Verstorbenen um die im Gange befindliche Durchführung d r Selbstverwaltung in Pommern wird, so sagt die Ostsee-Ztg, dieser Todesfall in weiten Kreisen lebhafte Theilnahme hervorrufen.

Der Herausgeber derRheinischen Wochenschrift", Herr Dr. i Rullmarm in Wiesbaden, hat sein Blatt an die Verlagshandlung von C. Hildebrand u. Comp. in Leipz'g verkauft, die das Unternehmen ; unter dem TitelDeutsche Wochenschrift", Zeitschrift für Politik, Volks- ; Wirthschaft, Kunst und Literatur fortführen wirb. Der Sitz der Re« ; daktion wird Berlin sein.

Darmstadt, 21. März. Pnnz Karl, des GroßherzvgS Bruder (geb. 23. April 1809, bisher muthmaßlicher Thronfolger, seit 22 Okt. 1836 vermählt mit der Prinzessin Elisabeth von Preußen), ist gestern Abend gestorben. (Muthmaßlicher Thronfolger ist nunmehr sein ältester Sohn Prinz Ludwig von Hffsm, geb. 12. Sept. 1837, s königlich preußischer General-Lirutenant und Kommandeur der groß- herzoglich hessischen (25.) Division, vermählt seit dem 1. Juli 1862 mit der Prinzessin Aller von Großbritannien und Irland.) Min. «t,.;

München, 19. März. Es bestätigt sich, daß König Lud­wig seinen Oheim, den Prinzen Luitpold, beauftragt hat, zur Feier deß bmhnbefen 80. -Leben« jahres des deutschen Kaisers sich nach Berlin zu begehen und ein königl. Glückwunschschreiben dort zu überreichen.

Würzburg, 20. März. Das hiesige Bezirksgericht hat den katholischen Prediger Hoerschel in Kitzingen wegen Beleidigung des bayerischen Gesammt Ministeriums zu einem Monat und 8 Tagen Ge­fängniß und den LandtagSabgroebneten Dr. Mittler wegen desselben Vergehens zu einem Monat Gefä-gniß verurtheilt.

Wien, 20. März. In der ersten ordentlichen Sitzung des türkischen Parlaments sollen Dkputirte von Konstantinopel, Brusia und Jerusalem den Antrag auf Erlaß einer Adresse als Antwort auf die Thronrede stellen, um darin den Dank für die Gewährung der Verfas­sung und Wünsche für die Erhaltung des Friedens auszudrücken. Eine MoZkaser Meldung derPresse" zufolge hat das slawische Wohl- thätigkeits-Comite beschlossen, falls die Feindseligkeiten wieder eröffnet würden, Montenegro noch Bedarf und Möglichkeit zu unterstütze» und dem General Konsul Jonin in Ragusa sogleich für alle Fälle eine Un­terstützung von 20,000 Rubel zu überser-den. Die Polit. Corr. meldet auS Belgrad vom 20.;Pertew Effmdi ist heute mit dem für den Empfang fremder Vertreter bestehenden Ceremonie! vom Fürsten Milan zur Uebergabe des kaiserlichen FermanS empfangen worden. Dadurch ist der Friede evdMtig hergestellt." Ein Konstantinopeler Brief desselben Blattes schreibt: Der Name Midhat'S ist auf Aller Lippen. Sowohl die Mohamedaner wie Andersgläubige sagen, es gebe seinen anderen Menschen als ihn, der das Land aus der kritischen Lage retten könnte; man wird sonach gar nichts Erstaunliches darin finden, daß der Sultan, wenn es der Bevölkerung in Stambul gelingt, Mah­mud Damat Pascha zu stürzen, Midhat zurückberuft und neuerdings mit der Leitung der Staats geschäfte betraut. [«»m. st«.]

In Stockholm herrscht eine sehr auSgebreitete Lungenseuche unter den Pferden, welche jedoch in den meiste» Fällen keinen tödtlichen Ausgang hatte.

Rom, 17. März. Antonelli, der verstorbene Staatssekretär PiuS IX., hat eine große Anzahl ungeordneter und nicht registrirter . Aktenstücke und Schriften hinterlassen und es hat deßhalb der Papst dieser Tage angeordnet, jene Akten einer sorgsamen Sichtung und Prü­fung zu unterziehen und ihm sodann Bericht über alle die interessanteren Entdeckungen zu erstatten, welche diese Enquete zu Tage fördern könnte. Zu dem am 3. Juni b. J. vom Papste zu begehenden 50jährigen Bischofsjubiläum haben fich bisher die nachstehenden Massenwallfahrte« «»gesagt: Eine Karavane von 1200 frommen Pilger» aus Amerika, über 1000 Wallfahrer aus Belgien, eine Prozession, 400 Köpfe stark, 1 aus Deutschland, 10,000 Katholiken aus Frankreich, 600 Pilger aus