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Fraktion'verzrichniß des Reichstags gehö en an: der konservativen Frak­tion 40, der deutschen Reichsparte'! 38, inks. der Hospitant?«, worunter der deutsche Botschafter in Paris Fürst Hohsnlohe den National-Libe­ralen 126, der Fortschrittspartei 35, darunter die HaSp taut?« Dr. Baumgarten, Wulfrheim, dem Cmtrum 99, darunt-r als Hospitanten die Abgeordneten Dr, Bruch, Graf Bernstorff, Dr. Ni?p?r, Simonis, Wmterer und Gerber, den Sozisldemokcaten 12 Mitglieder, und als Wilde sind aufgeführt 32 Abgeordnete, darunter die Gruppe Löwe mit 9 MitZli cher, und 12 Abgeordnete aus Elsaß Lothn^gen, ein Mandat ist erledigt, das für O?«abrück, durch den Tod des Abg. v. Gerlach. Der LandtagSabgeordn te Stadtgerichtsrath Dr. Eberty feierte gestern das fünfz'gjähnge Jubiläum seines Eintritts in den Justizdienst. Im Lauft der Bormittags erschien bei dem Jubilar eine Deputation seiner Kollegen vom Stadtgericht, an der Spitze der Präsident Krüger, welcher Herrn Eberty im Auftraze des Kaisers den Rothen Adlerorden über­reichte. Ferner erschienen Deputationen aus dem Wahlkreise des-Ju- HilarS, der Loge u. s. w. und brachten Glückwünsche und Ehrmgeschmke; eben so trafen auch von auswärts Gratulationen ein. (K«l».Ltg.)

Es bestätigt sich, daß der Chef der Admiralität, General von Stosch, sein Entlassungsgesuch beim Kaiser eingrreicht hat. Wir sind in der Lage, verbürgt zu melden. daß der Kaiser dies Gesuch nicht bewilligt hat. Man hört, d«ß Differenzen zwischen dem Admiral und dem Reichskanzler seit längerer Zeit bestehen. Wir haben die Richtig­keit oder Unrichtigkeit dieser Gerüchte nicht zu untersuchen, dagegen er- fahren wir, daß eS an Bemühungen um Vermittelung nicht fehlt, und daß u. A. namentlich auch der General-Feldmarschall Graf Moltke nach dieser Richtung hin thätig ist. &&S

Konstantinopel, 15. z. Wie eS heißt, soll dirPforte die Ablehnung bet Forderungen Montenegros aufrecht erhalten, soweit dieselben die Abtretung NiksicS sowie des HafenS von Spizza und des rechten Moracza Ufers betreffen. Dagegen will die Pforte eme Grenz' berichtigung nach Albanien hin zugestehen, w um die mo stenegnnifche Regierung sich v-rpflichtet, eins Straße von Podgouzza nach Kolaschin zu bauen. Einige türkische Journale empfehlen der Pforte, die Forde­rungen Montenegros dem Parlamente zu unterbreiten. In NiksicS beginnt ein Mangel an Lebensmitteln sich fühlbar zu machen.

London, 15. März Der für heute einberufene Ministerrath ist gestern in später Abendstunde abzesagt worden, da ein vorheriger Meinungsaustausch zwischen dem Londoner und St. Petersburger Ka- binet erforderlich schien. Die Mehrzahl der Morgenblätter gibt fort­gesetzt der Hoffnung Ausdruck, daß England dem Protokollvorschlage Jgnatieffs beitreten werde und befürwortet die Annahme desselben. Dir Timer" meint, das Schicksal der Pforte liege in ihren eigenen Hän­den, aber England könne viel thun, um Rußland zu verhindern sich in einen Zroßen Krieg zu stürzen. England könne auch Europa diesen Dienst erweisen, ohne seine eigene Aktiv aSfreiheit einzubüßen.

Aus ©teilten laufen Klagen über den diesmaliZen strengen Winter ein. In der Gegend von Bivona, wo seit Menschengedenken kein Schnee gefallen war, sind letzter Tage so große Schneemassm nie- dergezangen, daß der Eisenbahnverkehr zwischen Bivona und Palermo eingestellt werden mußte. Aus Bari wird berichtet, daß daselbst ein Mann erfroren sei.

Baltimore, 13. März. Das PostdampfschiffBaltimore" vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 21 Februar von Bremen und am 24. Febr. von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.

Lokales.

Hanau, 16. März 1877

Eingesandt.

m. In unserer Zeichnenakademie ist eine größere Anzahl Schmucksachen ausgestellt, welche verschiedene Länder und Zeiten reprä- sentiren. Die Sammlung ist aus dem Gewerbemuseum zu Berlin und unserer Akademie zur Ausstellung freundlichst überlassen worden. Wir sind unserm verehrten Herrn Direktor Hausmann, der jeden­falls den größten Antheil an dem Zustandekommen dieser Ausstellung hat, sehr zu Dank verpflichtet, daß er uns diese Arbeiten vorgesührt. Der Werth derselben ist zwar nicht von so großer Bedeutung, allein mau findet doch hier und da Manches, was besonders in der Technik gut und brauchbar. ErwähnenSwerth und theilweise ganz ausgezeichnet find die Filigranarbeiten in Silber und einige Dossndeckel, deren Aus­führung beinahe unübertrefflich ist.

Beim Beschauen oll' dieser Arbeiten wirft sich Einem unwillkür­lich die Frage auf: Warum legt man einen so großen Werth auf die Erzeugnisse früherer Jahrhunderte? Ist denn unsere gegenwärtige In­dustrie gegenüber dieser früheren Zeit so weit zurück, daß man diese stets hinten ansetzt? Unsere Gewerbemuseen scheinen aber von dem Gedanken auszugehen, daß man von unseren Vorfahren noch viel zu lernen habe. Dies mag wohl in manchen Theilen seine Richtigkeit haben, aber in unserer Bijouterie durchaus nicht, und es wäre je'en* falls rathsamer, wenn die Herren Direkivren der Gewerbemuseen mehr

unsere Zeit b -rücksichtigten, aT3 das unermüdlich- Suchen nach antiken Mustern. Die Lüstuagsfähigkeit urftrrr heutigen Fabriken ist jeden- fall - derart, daß sie in ih eu E zeugnissen unseren Nachkommen als ein Vorbild dienen können. Von viel größerem Nutz n wäre eS deßhalb für unsere Industrie, wenn neuere Muster, welche Anspruch auf wahre Kunst haben, von den Gewerbrmuseen anzekauft und zur Ausstellung gebracht würden; denn nur dann hätten wir Gelegenheit davon Nutzen zu ziehen und etwas zu lernen, und was speziell unsere Stadt betrifft, so wissen wir recht gut, daß hier schon manches Stück fabrizirt wurde, dem auch ein Platz in einem Mu^eun mit Recht gebührt hätte.

W nn uns auch diese Ausstellung nicht als mustergültig bezeichnet wird und werden kann, so sind wir dadurch doch zu der Ueberzeugung gelangt, daß wir auf dem Gebiet; der Kunst bedeut nd vorwärts ge­schritten sind und wir durchaus nicht nöthig haben uns vor den Er- zmgniffen der Vorzeit zu beugen.

(Schwurgericht.) In gestriger Schw rrgerichtssitzung wurde Karl Bayer von Droseheidau wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg zu 5 Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht v?r- urtheilt.

Für heute. Königl. Zeichen-Akademie: Nachmittags von 1 bis 5 Uhr Ausstellung einer Sammlung von Schmuckgegenständen in Silber, Gold rc. aus dem deutschen Gewerbe-Museum zu Berlin Hanauer Stadttheater: Zum zweiten Male:Brunhild", Tragödie aus der Nibelunzensage in 5 Akten von Emanuel Geibel (die erste Auf­führung dieser Tragödie wurde sehr günstig rec nsirt).

Raffel, 13. März. Die Prüfung derjenigen jungen Leute, welche sich durch Ablegung derselben das Recht zum einjährig-freiwilligen Dienst im H-ere erwerb n wollen, fand nach derC. Tpst." vom 5. März d. I bis zum 13. einschließlich vor der Kaiserlichen Kommission statt. Di? Zahl der zur Prüfung zugelaffmen Kandidaten betrug 36; von diesen waren 33 erschienen, 2 von ihnen wurden nach dem unge­nügenden Ausfall der schriftlichen Prüfung zurückgewiesen, 1 trat auS demselben Grund freiwillig zurück, 22 bestanden die Prüfung, 8 nicht.

Fulda, 12 März. DieFuld. Ztg." schreibt: Bekanntlich war der verantwo etliche Redakteur derFuldaer Zritung" anläßlich ei­nes Artikels über die Feier des vorjährigen FrohnleichnamSfrsteS in Mainz, in welchem von einer Sühne für gewiss?Sacrilegien" die Rede war (Nr. 73 derFuld. Ztg." v. J. 1876), wegen angeblicher Be­schimpfung der (alt"-) katholischen Kirche augeklazt, aber von der Strafkammer des hiesigen KreisgerichteS freigesprochen worden, indem dasselbe das Lesen der hl. Messe durch einen von der Kirche ausge- sch'.osftnen bezw suSpmdirten Priester als ein wirkliches Sacrilegium in kirchenrechtlichem Sinne erklärte, ganz abgesehen davon, daß aus dem Artikel nicht deutlich genug zu ersehen sei, ob unter den in Rede ste­henden Sacrilegien überhaupt Einrichtungen oder Gebräuche derAlt- katholiken" zu verstehen seien oder nicht. Gegen dieses freisprechende Erkenntniß legte die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Berufung ein und ist in Folge dessen vom AppNationLgerichte zu Kassel Termin in dieser Sache auf Samstag, den 24. d. MtS., angesetzt worden, in welchem der Angeklagte persönlich zu erscheinen hat und daS BeweiS- vrfahren wieder ausgenommen werden wird.

Da in manchen Gegenden nach dem AuSfalle der letzten Heu- Und Strohernte Futternoth zu besorgen steht, so soll die Zulassung zur Waldweide und der Verkauf von GraS in den Staatksorsten soweit ausgedehnt werden, um einem Nothstände der Vieh haltenden Einwohner nach Möglichkeit rechtzeitig abzuhelfen. Die deSfallsigen Gesuche der Anwohner der Wälder sind daher, soweit es ohne überwiegenden Scha, den für den Wald geschehen kann und den Servitutverhältnissen nach zulässig ist, zu berücksichtigen. Die entsprechenden Anordnungen sollen so zeitig getroffen werden, daß die Benutzung der Waldweide schon zeitig im Frühjahr beginnen kann.

DerFrankfurter Anzeiger" schreibt unterm 15. März au, Frankfurt am Main: Seit 4 Tagen ist man auf dem Pfarrthurm mit dem Aufschlagen des für dieKaiserspitze" bestimmten G-rüstes beschäf­tigt und wurde dasselbe heute fertig gebracht. Das auf der Straße den Arbeiten der Zimmerleute zuschauende Publikum stand staunend da, wie die Gesellen hoch oben in der Luft auf schmalen Balken liefen, um das ihnen auf getragene Werk zu vollenden. Gleichzeitig wurde das Süd- Portal des Thurmes, das sich durch architektonische Schönheit auszeich- net, in Angriff genommen. Dar Werk eilt zur Ballendung. Heute fiel beim Dombau ein Steinbrockm aus der Höhe herab, dicht neben 4 Arbeitern nieder, ohne solche zu verletzen.

Offeubach, 15. März Dienstag Abend sprang ein junger Mann an der Tanner'schen Mühle in den Main und konnte leider nicht mehr gerettet werden, trotzdem man Rettungsversuche anstellte.

Die von Schülern des In- und Auslandes zahlreich besuchte Handelsschule zu Miltenb^rg a. M. eröffnet ihr 20. Semester am 16. April d. I. und bietst eine gediegene Vorbildung sowohl für dsn kauf­männischen Beruf, als für das Examen zum Emjähcigen-Freiwilligen-