Einzelbild herunterladen
 

380

bezogen haben. Im Uekrigen scheint jetzt wirklich eine gewisse Wendung zum Frieden eingetreten zu sein. Schuwalow in London, wie ich schon telegraphisch gemeldet, sagte, wenn die Türk i keine Unbesonnenheit be­gehe und keine Zwischenfälle in Konstantinopel ein treten, so dürfe man auf Frieden hoffen. Andererseits hat der gestern hier eingetroffene Jgnatieff, seit er Konstantinopel verlassen, sich überall friedlich geäußert. Welche politische Vermuthungen sich an seine Reise knüpfen, wurde schon telegr. in Kürze angedeutet. Jgnatieff soll sich allerdings einer Augep- operation unterwerfen und deßwegen außer den russischen noch andere Aerzte um Rath fragen wollen. Aber er wird hochgestellte Personen sitzen, hat auch hier schon damit begonnen, und so wäre es kindisch, wollte man annehmen, daß seine Reise nicht auch politische Nebenzwecke habe. Man nimmt an, laß er Angesichts der bisherigen Nichtbeant- woriung des Gortschekoff'schen Rundschreibens die Absichten des Kabi- netS insofern erforschen wolle, als dies Rußland Abrüstung und Frieden gestatten würde. Das sind also Friedensaussichten, wenn die Türkei entgegenkommt und Rußland nicht auf Zwangs maßregeln als der einzig annehmbaren gemeinsamen Garantie für eine der Türkei zu gewährenden Frist besteht. Die Thatsache, daß Rußland ernstlich den Frieden sucht, wäre vorerst ein unbestreitbarer Gewinnst. Aber die Voraussetzungen müssen auf beiden Seiten erst noch erfüllt werden. (sesw. M°rk.)

Did Gruppe Löwe hat ihre Mitglieder zur ersten Besprechung auf den 8 März eingeladen. Dieselbe zählt b s j tzt 9 Mitglieder: Löwe, Schmidt-Stettin, Spielberg, Rohland, Dr. Gerhard, Dr. Zinn, Dr. Groß, v. Bockum-Dolffs und Kreutz. Berger ist bis jetzt in die Gruppe Löwe noch nicht zurückgetreten.

S. M. S.Friedrich Carl" ist, telegraphischer Nachricht zu folge, am 7. d. Mt§. in Malta eingetroffeu.

Wien, 8. März. Der Prinz von Oldenburg hat hier be­ruhigende Mittheilungen gemacht und wiederholt versichert, Rußland denke nicht daran, aus dem europäischen Concert herauSzutreten. Wenn Europa die Sache d r Chcistm im Balkan keines Opfers werth erachte, so sehe Rußland nicht ein, daß es allein der Wächter der Humanität sein solle. Die Nachrichten über die Miriditenbewegung stammen aus russischen Quellen und sind übertrieben. Die albanische-Bevölk rung ist durchaus friedlich gestirnt und einem aussichtslosen Kampfe abgeneigt.

(Köw. Ltg.)

Pesth, 7. März. Die Nachrichten über den Aufstand in Bosnien und Albanien sind stark Lufgebauscht und zwar zu dem Zwecke, den Aufstand in der Herzegowina neu zu beleben und Dalmstien auf« KUregLN. l^Köln. gtg.]

Rom , 2. März. Der Kassationshof in Neapel hat sich nach demR.- u. St.-Anz." ei?stimmig gegen die Abschaffurg der Todes­strafe ausgesprochen. Ein einziger Rath hat sich der Abstimmung ent­halten. Die juristische Fakultät hat sich in gleichem Sinne wie der Kassationshof geäußert.

Athen, 7. März. Die Dipulirtenkammer hat in ihrer heu­tig? n Sitzung ein von der Oppositionspartei in einer Pensionsfrage beantragtes Mißtrauensvotum geg*n das Ministerium mit 70 gegen 61 Stimmen angenommen. 12 Deputirte enthielte sich der Abstrmmung. Voraussichtlich wird das Sabines Komunduros seine Demission geben.

Washington, 8 März. Im Senate fand gestern nach demR.> u. St. Anz." anläßlich der neuen Mimsterernennungen eine lebhafte Di-kussion statt. Die Führer der republikanischen Partei ver­weil erten die Bestätigung der Ernennung n. D e Angelegenheit wurde an die bezüglichen Kommissionen verwiesen.

Washington, 8 März. Das Cabiuet ist, nach derKöln. Ztg/, in folgender Weise zusammengesetzt: Will-am M. EvartS aus New Aork Staatksecrelä, John Sherman aus Ohio Schatzamt, George W. McCrary aus Iowa Kr-eg- Richard M. Thompso? aus Jndiana Marine, Charles Devens aus Massachusetts GeneralstaatSanwalt, David M Key aus Temffee Generalpoftmeister, Karl Schurz aus Missouri Inneres.

Washington, 6. März. In der vom Präsidenten HayeS bei der Einführung in sein Amt erlassenen Botschaft kündigt derselbe die Grundsätze an, von denen er sich in allen Hauptfragen leiten lassen werde. Es heißt diesbezüglich: er werde keine unwiderruflichen Prin- zipicn und BerwaltungSmaßregeln aufstellen, sondern woll; hauptsächlich von den Gesinnungen sprechen, welche die Staatsbürger beseelen müßten, und zur Erreichung gewisser wichtiger Ziele anregen, welche den ameri­kanischen Einrichtungen entsprächen usb für die Wohlfahrt des Landes wesentlich seien. Jetzt, wo aller Grund zu falschen Vorspiegelungen verschwunden sei, wolle er wiederholen, was von ihm bereits vor den Wahlen ausgesprochen sei, inbm er hoffe, daß seine Mitbürger diese Eröffnungen aufrichtig prüfen und erwägen und sich danach überzeugt fühlen würden, daß die bei Annahme seiner Kandidatur aüsgesp.ochenen Gesinnungen auch die Norm seines künftigen Verhaltens sei; würden. Die dauernde Pazifizirung des Landes auf Grundlage solcher Prinzipien und Maßregeln, welche geeignet seien, allen Bürgern vollen Schutz in dem freun Genuß ihrer verfassungsmäßigen Rechte zu sichern, sei die eine Aufgabe der StaatSleitung seitens der neuen Regierung, Ml he alle

besonnenen patriotischen Bürger als höchst bedeutungsvoll ansehen wür­den. Viele unheilvolle Folgen der südstaatlichen Revolution seien noch nicht beseitigt, die unermeßlichen Segnungen, welche früher oder später der aufrichtigen allgemeinen Annahme der legitimen Resultate der Re­volution sicherlich folgen würden, noch nicht verwirklicht, und noch zahl­reiche schwierige, mit Verlegenheiten aller Art verknüpfte Fragen in dieser Beziehung zu lösen. Die Bevölkerung jener Staaten sei verarmt und genieße noch nicht die unschätzbaren Segnungen einer weisen, ehr­lichen, friedlichen lokalen Selbstverwaltung. ES sei klar, daß im Ver­lauf der Ereignisse die Zeit gekommen sei, wo eine solche Selbstver­waltung eine gebieterische Nothwendigkeit geworden. Die verschieden­artigen Interessen der betreff. Staaten erheischten indeß nur eine lokale Verwaltung, welche die Rechte Aller unverletzt anerkenne und aufrecht erhalte. Es empfehle sich deßhalb eine sorgfältige und gleichmäßige Wahrung der Interessen beider Rassen und eine loyale und aufrichtige Unterwerfung unter die Verfassung und die StaatSgesetze als die sicherste Grundlage einer solchen Selbstverwaltung. Auch sei dieser Frage ge­genüber jeder Parteihader zu vermeiden. In den Südstaaten handle ei sich lediglich ban m, die Herrschaft der sozialen Ordnung wieder herzu­stellen oder zur Barbarei zurückzukehren; Republikaner und Demokraten müßten in dieser Frage vereint Hand in Hand gehen, um die Wohl­fahrt des Landes weiter zu entwickeln. Zur Verbesserung der morali­schen Lage der Bevölkerung erscheine bb Errichtung von Freischulen bai geeignetste Mittel. Seme, des Präsidenten, Politik sei darauf gerichtet, den Unterschied der Rasse und Farbe zwischen Norden und Süden für immer wirkungslos zu machen, um das ganze Land zu größerer Einheit zu führen. Ein ferneres Ziel seiner Reg. sei eine radikale Reform bei bureauk at. Systems, sowie eine Abänderung der Staatk Verfassung in der Richtung, daß der Präsident künftig auf 6 Jahre gewählt werde, und nach dem Ablauf seiner Amtszeit nicht w'eder wählbar sei. Dar Darniederliegen der Industrie, mit welchem das Land seit dem Jahre 1873 zu sümpfen habe, baute noch immer fort, iadrß feien doch einzelne Zeichen erkennbar, die ein Wiederaufleben derselben erhoffen ließen. Durch das uneinlösbare Papiergeld sei eine Unsicherheit im Handel her- vorgerufen worden; als das einzige sichere Papiergeld sei das auf Hart­geld begründete anzusehen, ti sei daher eine Gesetzvorlage zur Wieder­aufnahme der Hartgeldzahlungen ganz unerläßlich. In Bezug auf die auswärtigen Angelegenheiten erwähnt die Botschaft des Präsidenten die internationalen Verwicklungen, durch welche der europäische Friede be­droht werde, und betont, daß die Politik der nordamerikanischen Union, sich in die Angelegenheiten anderer Mächte nicht einzumi chen, aufrecht erhalten werdrn müsse. Der Präsident gedenkt dabei rühmend der Po­litik seines AmtZvorgängerL, der ernste Streitigkeiten durch Schiedsge- ri^te habe zum Austrag b.ingen lassen, eine Politik, die andern Na­tionen als nachahmmswertheS Beispiel dienen könne, und eine Politik, die er selbst zur Anw ndung bringen werde, falls während seiner Ver­waltung irgendwelche Streitigkeiten entstehen foKien. Dir Botschaft schließt mit einer Ermahnung zur ShigMt, damit Religion, Friede, Glück, Wahrheit und Gerechtigkeit für immer in der Nation zur Herr­schaft gelangen möchten. cschw. Merl.;

Lokales.

Ha»a« 9. März 1877.

Anmeldungen zur untersten Elementar-Clasie der Realschule sind spätestens b 6 zum 10. März zu bewirken, weil für spätere An­meldungen keine Berücksichtigung mehr zugesagt werden kann, für die übrigen Klassen können solche bis zum 7. April erfolgen.

Für heute. Hanauer Stadttheater: Zam zweiten Male: Verlorene Ehre", Charakterbild in 3 Akten von Bohrmann-Riegen.

DerHess. Beob." schreibt aus Fulda: Es ist leider die Aus­sicht vorhanden, daß das hier in Garnison liegende Füsilier-Bataillon des 81. Infanterie-Regiments über lang oder kurz nach Frankfurt a. M. verlegt wird. Ueber Dislokation--Aenderungen innerhalb des 11. Korps äußerte sich unlängst der Kriegsminister wie folgt:Die Garnison von Frankfurt a. M. entspricht ihrer Stärke nach der Bedeutung und den Gesammtverhältnissen der Stadt nicht. Dasselbe soll daher durch Heran­ziehung des in Fulda garnisonirenden Infanterie-Bataillons verstärkt werden. Die am letzteren Orte befindliche Kaserne, eh ehemalige- Kloster, eignet sich wenig für ihren jetzigen Zweck und leidet an bau­lichen Mängeln, deren nothwendige Beseitigung Kosten verursachen würde, welche der sonstige Zustand des Gebäudes nicht verlohnt. Der Exerzierplatz und zwei Schießstände find ermiethet, andere kleine fis" kalische Garnionsemrichtungen Wache, Pulverhaus, Girnisonsver- waltuags-Dienstgebäude, Lazareth rc. geben zu Ausstellung >n keinen Anlaß und werden zum Thei für das Landwehrbezirkskommando Ber- wendung fiaden." Ja Frankfurt soll eine Kaserne für acht Kompagnien Infanterie hergestellt werben.Die vorhandenen beiden fiskalischen Kasernements so haßt eS in den offiziellen Darlegungen mit einem BelegungSraum für ein Bataillon sind in Folge ihres schlechten baulichen Zustandes, der ihre Bmitzua§ kaum noch gestattet, durch Vertrag vom 4. Febr. 1873 an die Stadtgemeinde verkauft worden.