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M 57.
Donnerstag den 8. März.
1877.
Amtliches.
Gesunder»: Ein Notizbuch.
Zugelaufen: Ein gelber Dachshund, m. Geschl. Ein grau und schwarz gtfleckter Spitz, weibl. Geschl.; Ewpfangvahme bei Herrn Peter Koch 5r in Langensilbold. Ein schwarzer Sptz, m. Geschl.
genau am 8 März 1877.
______________________KönialicheS Landrathsawt.
Edictalen.
Kilianstädten. Auf den Antrag des Schuhmachers Philipp Schmidt von Kilianstädten, welcher dahier vorgestellt hat, daß das nach Schuld- und Pfandverschreibung vom 30. Mai 1838 durch ihn von Johannes Zeh am Eck zu Kilianstädten erborgte, zu 3°/» verzinsliche Darlehen von 180 fl. an den Gläubiger wieder zurückgezahlt, die Original-Schuld- und Pfandurkunde aber verloren gegangen sei, werden alle, welche aus dieser Urkunde Rechte herleiten zu können glauben, aufgefordert, dieselben binnen 6 Wochen dahier geltend zu machen, widrigenfalls die Urkunde für kraftlos erklärt wird.
Hanau den 31. Januar 1877. (1574)
Königliches Kreisgericht.
___________________________Müller.__vt. Nikolaus.
Am Mittwoch den 28. cr. Hat ein Mann, anscheinend ein Arbeiter, einen Andern im Wald bei der Pulverfabrik angetroffen und denselben hierher heimgeliefert.
Ich veranlasse hierdurch den Mann, sich zur Vernehmung bei mir zu melden.
Hanau, 7. März 1877.
Der Untersuchungs-Richter ___________________Reul._________________________
Höhere Töchterschule.
Diejenigen Schülerinnen, welche zu Ostern d. J. in die höhere Töchterschule eintreten sollen, können von heute an, Vormittags von 11 bis 12 Uhr, in dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten (Stein- heimerstraße Nr. 37) unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine angemeldet werden, und eS wird gebeten, die Anmeldungen mögli chst bald erfolgen zu lassen.
Für die Aufnahme in die Elementarklaffe sind Vorkenntnisse nicht erforderlich. (1256)
Hanau den 21. Februar 1877.
Der Schulinspektor Junghenu.
Tagesschau.
— Berlin, 6. März. Die preußischen Abgeordneten sehen dem Unterrichtsgesetz mit großem Verlangen entgegen. Doch werden sie ihre Ungeduld noch etwas zügeln müssen. Das Unterrichtsgesetz selbst ist zwar in 625 Paragraphen soeben im Entwürfe vollendet worden, aber die Motive sind bis jetzt nur flüchtig stizzirt, und der UntenichtS-Mi- nister Falk will die Motivirung sorgfältig in doppelter Lesung fest- stellen. Erst dann kann der Entwurf an die anderen Ministerien zur Prüfung übergeben werden, und diese haben dabei ein gewichtiges Wort zu sprechen; denn dem Finanz-Minister z. B. wird durch daS neue Unterrichtsgesetz eine Mehrausgabe von zwölf Millionen Mark, angesonnen. Dieser Umstand dürfte auch die Ungeduld mancher Abgeord« "bten em wenig abkühlen. — Auf Einladung der Abgeordneten Dr. Löwe, Freiherr v. Varnbüler und^ Stumm hatte sich gestern, wie wir entnehmen, eine Anzahl Abgeordneter zu einer Besprechung über die Eisenzollfrage im Reichstage versammelt. Man ist m dieser Besprechung dahin übereingekommen, selbständig das in der vongen Session von der Reichsregierung vorgelegte ZollauSgleichungS« gesetz, wenn auch in veränderter Fassung, im Reichstage einzubringen. Für gewisse Eisensorten soll wiederum der Tarif inS Leben treten, wie derselbe vor dem 1. Oktober 1873 bestanden hat. In den einzubrin- genden Gesetzentwurf ist daS während der ersten Session in der Com
mission vom Abgeordneten v. Schorlemer eingebrachte Amendement wieder eingefüzt, wonach grobe Eisen- und Gußwaaren mit einem Aus- gleichSzoll von 75 Pf. pro Centner, mit Ausnahme jedoch von land- wirthschaftlichen Maschinen, Locomobilien rc., zu belegen sind. In der Besprechung wurde zu dem in AuSsicht genommenen Gesetzentwurf ein Zusatz angekündigt, wonach die AuSgleichSzölle wegfallen sollen, wenn die von einem andern Staate gewährte AuSfuhrvergütung aufgehoben Wird. a j»öln. gta.]
— Man hat sich (schreibt die Köln. Z) in weiten Kreisen so sehr daran gewöhnt, von den Abendgesellschaften des Reichskanzlers jedes Mal ein geflügeltes Wort oder einen die politische Lage kurz und scharf zeichnenden Ausdruck des Reichskanzlers zu vernehmen, daß es wenigstens geboten scheint, eine „Fehlanzeige" zu machen. In der That soll dar Orakel in der Wilhelmsstraße gestern (3. März) bei aller freundlichen Redseligkeit gegen die zahlreichen Neulinge der Reichstags über brennende Fragen sehr schweigsam gewesen sein. Alte Habituös deS Hauses behaupten, daß es bezüglich der allgemeinen Weltlage keineswegs ein düsteres Schweigen war, welches die Gemüther hätte beunruhigen können. Auch bezüglich einer viel weniger politisch inS Gewicht fallenden, aber da und dort sehr tragisch genommenen Frage, wo nämlich das deutsche Reichsgericht seinen Sitz ausschlagen soll, habe der Reichskanzler den allerbesten Humor an den Tag gelegt. Dies würde mit früheren Andeutungen stimmen, daß der Reichskanzler im Unterschied von sonst lautgewordenen Urtheilen in der vom BundeSrath getroffenen Entscheidung keine Kapitalfrage der deutschen Reichspolitik steht. Die Soiree war, obgleich die vorübergehende Stockung der ReichS- togSgeschäfte eine große Anzahl der Reichstag«mitglieder in die Heimath gerockt hat, doch zahlreich besucht. Unter den Anwesenden bemerkte man auch drei Herren von der Gruppe der elsässer Autonomisten (zwei andere sind auf einige Tage nach Hause gereist), die sich sowohl vom Reichskanzler, als von ihren Kollegen der freundlichsten Aufnahme rühmen konnten. Winn früher berichtet worden ist, .daß diese Herren zu der nationalliberalen Fraktion in ein ähnliches Verhältniß wie die Gruppe Löwe getreten seien, so ist dies ein wenig zu viel gesagt. Die ; Nationalliberalen haben zuvorkommend für die zu besetzende Patentkommission Herrn Bergmann von Straßburg, der mit Recht als Autorität auf diesem Gebiete gilt, einen ihrer Plätze eingeräumt und werden ohne Zweifel bei den freundlichen Beziehungen, welche, zwischen Mitgliedern der rat.-lib. Fraktion und den Herren Schneegans und Genossen bestehe», bei anderen Gelegenheiten sich ähnlich verhalten; aber irgend bindende Verabredungen sind nicht getroffen worden und würden auch nach dem derzeitigen Stande der Dinge kaum am Platze sein, <«$»• »«w
— Der erste Zusammenstoß im neuen Reichstage erfolgte nach der „KarlSr. Z." zwischen Freihändlern und Schutzzöllnern in der Generaldebatte über das Patentgesetz. Der Vorgang ist charakteristisch genug, um schon jetzt erkennen zu lassen, daß die Schutzzöllner durch die Zusammensetzung des Hauses und mehr noch durch die Unterstützung, welche ihnen von einflußreicher Seite wird, ihr Selbstbewußtsein wieder gewonnen haben. Man konnte heute im Reichstage sehen und hören, mit welch' lebhaften Beifallsäußerungen die Herren auf der Rechten Hrn. v. Kardorff auf seinem schutzzöllnerischen Exkurse begleiteten. Daß sie eS nicht nur bei diesen Aeußerlichkeiten bewenden lassen, sondern ihre parlamentarische Organisation so einrichten werden, daß die alte schutz- zöllnerische Garde sich wieder zusammenthut, um neue Kräfte zu gewinnen, das geht aus den uns gewordenen Mittheilungen unzweifelhaft hervor. Diesen zufolge wird die sog. wirthschaft!. Gruppe im Reichstag wieder gebildet werden, deren bekanntes Programm auch den Anhängern des ProhibitivsystemS den Beitritt ermöglicht. In den nächsten Tagen wird die „wirthschaft!. Gruppe" bereits mit dem Anträge hervortreten, einen Gesetzentwurf über Wiedereinführung des ErsenzollS vorzulegen, wie er bis zum 1. Okt. 1873 (somit kein Roheisenzoll) erhoben wurde. Ferner wird sich die Gruppe eingehend mit der Aukarbeitung eines Gesetzentwurfs beschäftigen, der gegen die „Weinfabrikation" gerichtet ist. Die humanitäre Seite dieser legislatorischen Arbeit kehrt sich allerdings gegen das gesundheitsschädliche Gebräu der Weinfälscher, welche