Mo«neme»tI- Preis:
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Hammer Aineiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
^Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstag» mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Donnerstag den 1» März
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Die lspaltige »armondzeile »d. deren Raum
10 Pfg.
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20 W^
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1877.
Amtliches.
Die Steuerpflichtigen werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die directen Staats-Steuern für die Monate Januar, Februar und März 1877 aus Grund der Steuerzettel pro 1876 jetzt 6v entrichten sind, während die neuen Steuerzettel erst vom 1. April 1877 an auSgefertigt und Ende April cr. behändigt werden.
Die Brandsteuer pro 1877 — von 30 Mark Versicherungskapital wiederum 4 Pfennige betragend — ist im Laufe des 1. Quartals 1877 im vollen Jahresbetrage einzuzahlen. (72)
Hanau am 2. Januar 1877.
Königliche Steuerkasse I. Deichmann.
Höhere Töchterschule.
Diejenigen Schülerinnen, welche zu Ostern d. J. in die höhere Töchterschule eintreten sollen, können von heute an, Vormittags von 11 bis 12 Uhr, in dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten (Stein- heimerstraße Nr. 37) unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine angemeldet werden, und es wird gebeten, die Anmeldungen möglichst bald erfolgen zu lassen.
Für die Aufnahme in die Elementarklasse sind Vorkenntnisse nicht erforderlich. (1256) Hanau den 21. Februar 1877.
Der Schulinspektor Junghenn.__________ Tagesscham
Vor dem Sturme.
A. b. Schw. Merk.
Der Augenblick einer schweren Entscheidung im Osten, ganz abgesehen von dem Kriege, scheint unmittelbar bevorstehend. Eine heillose Umgebung des Großherrn hat es wieder einmal verstanden, den ursprünglich mit unzweifilhaft vorzüglichen Eigenschaften ausgerüsteten, aber leider erziehungslosen Abdul Hamid in dem Schlamme wüsten SeraillebenS unterzutauchen, um, während die Fiuthen der Harems- Orgien über dem irrezesühitm Sultan zusammenschlagen, sich in die spärlichen Trümmer zu theilen, welche eine v erhunderijährige und unbeschreibliche Korruption von Hof und Regierung noch übrig gelassen hat von der Plünderung eines ebenso unendlich reichen, als unglücklichen zerrütteten Landes. Ein unfähiger Großvezier führt zum Scheine noch das kaiserliche Siegel, Minister und Generale aber stehen unter dem Banne des von vier Sultanen mit Wohlthaten überhäuften Mahmud Damat Pascha, bissen Palast mit den Brillanten seiner kaiserlichen Schwäger und Letter sich gefüllt und der zum Danke dafür sich zum unheilvollen Regenten von Dolmabaztsche aufgeschwungen het; der B-r- bannte von Neapel aber mag, so lange solche Geister in den Gemächern des Großherrn umgehen, weiter groll; n über den Triumph der H-nter- ltst und Schlechtigkeit, fortträumen über die Herrlichkeiten der Reform seines Vaterlandes unter den Fittigen einer Verfassung, mit welcher ein schlamr Diplomat oder ein überspannter Idealist höchstens vielleicht für die Tage der erbärmlichen Konferenz es gewagt hätte, hervorzutreten, niemals aber der gewiegte Kenner seines Landes, feiner für repräfen- ative BerfaffungSzustände heute wie in Jahrzehnten oder vielleicht mmer gänzlich unreifen Einwohner. Auf einen von stymarotzend-m Tngezlefer bis inS Mark hinein zerfressenen Weidenbaum propft man nne Kamelien. Noch aber ist Sin höchst wichtiger Faktor der türki- chen Bevölkerung dem orientalischen Drama offiziell und öffentlich bis efct ziemlich ferne geblieben; der Vertreter deS einzigen Bandes, welcher
eLunb wMWer Instanz heute noch, wie vor mehr als tausend Jahren schon, alle Muhamedaner in gleicher Kraft umschlingt und zu- sammenhalt: der türkische KleruS, und eS ist mehr als wahrscheinlich, daß der Augenblick nicht mehr ferne ist, wo gerade diele gewaltige Macht, und zwar.der besonnenere und beste Theil derselben an der
Aktion eingreift und mit einem Schlage alle Intriguen und Kabalen deS Serarls vernichtet. Hinter der türkischen Geistlichkeit lieht^aber, und das wissen die Glieder derselben alle sehr wohl, mehr als hinter allen Sultanen, Ministern und Generalen das ganze gläu
bige Volk, das ganze Militär. Die Tage der heute noch herrschenden Dynastie, ob sie nun die Namen Abdul Hamid und seiner vier Brüder oder Jussuf Jzzedin u. s. w. tragen mögen, ob der feurige Midhat von Neapel oder sein Rivale, der fanatische Mahmud von Tscheschme wieder auf kurze Zeit aus Ruder gelangen mögen, sie sind offenbar gezählt: eine Palast- und Thronfolge-Intrigue muß. kaum durchg-führt, der anderen weichen, bei solch' fett-mörderischen Zuständ-n aller Boden unter den Füßen deS Volkes, der Beamten und namentlich der bewaffneten Macht, vollends schwinden und, schließlich das ganze große und reiche Land vom Palaste des Kalifen aus und doch ohne dessen Schuld dem Einzigen zugeschleudert werden, was roch übrig bleibt, ehe die Geschicke s der Türkei sich erfüllt haben: der Anarchie; eine Anarchie aber, gegen deren Schrick n die Gräuel des rothen Quartals erblassen müssen. Man muß es erlebt und gehört haben, mit welchem Ingrimm der ächte biedere Alttürke im Innern des Landes, wohin glücklicherweise Straßen | u» d Eisenbahnen das Fcotzenbilo der sogenannten Zivilisation noch nicht getragen haben, über Stambul und seine verkommene diebische Bande, ! selbst Franken gegenüber sich ausspricht, um zu wissen, daß ein vierter : September 1870 von der ganzen alttürkischen Bevölkerung mit Jubel ausgenommen würde. Der Scheich von Koniah, nicht aber der Scheich ' Islam, übt seid alten Zeit n das auf seinem Stamme ruh nde heilige Vorrecht aus, dem neuen Herrscher in der Moschee von Ejub daS - Schwert Othmans zu umgürten, und den jetzt erst durch die Zeremonien ’ geheiligten Großherrn dem versammelten Volke als Sultan vorzustellen. , Auch der Scheich von Kon ah leitet gleich der heute regierendn Kaiser- ! familie seine Abkunft von denselben Vorfahren ab, wie Abdul Hamid i und wie sie alle heißen: sollte er, der die Gewalt hat, zu binden, nicht • auch eines Tages berufen sein, zu lösen?; ist es undenkbar, daß der Wille eines über die schweren Sünden seines Herrscherhauses ergrimm« ! ten Volkes, die verhaßte Dynastie von Dolmabagdsche mit Einem Rucke : auf die Seite schiebend, die heiligste Rel quie deS Islams und die [ höchste Auszeichnung des Kal fen dem Manne zuspricht, der seither allein und autschließlich befähigt war, sie zu berühren? Der unzweifelhaft rapide Niedergang der Dinge in Konstantinopel, der unläugbare Zerfall der kaiserlichen Frmilie läßt solche Gedanken nicht so ganz unbegründet erscheinen; aber wie dem auch sein möge, EmeS und das Schlimmste: die thatsächliche Entfesselung der ohnehin schon so hoch gehenden Wogen i religiöser Leidenschaften muß um jeden Preis vermieden werden; hiezu gehört vor Allem die Herstellung stabilerer Verhältnisse am Hofe deS Großherrn, eine kräftige Faust, die all diese erbärmlichen Kreaturen deS SerailS und der Regierung zu Boden schlägt, um Reformen einzuführen, wie sie daS Land nicht nur braucht, sondern auch im Rückblick auf sei- s nen jetzigen Zustand, seine Tradition und Geschichte auch vertragen kann. Diese Bedingungen sind aber in den Palästen am BosporuS völlig aussichtslos und, machen wir unS ja keine Illusionen, auch die t Energie und das Talent eines Midhat, deS feurigen, aber Alles überstürzenden Patrioten, welcher der wirklich gediegenen Zivilisation deS ; Abendlandes nicht viel näher steht, als der Erkenntniß des für sein । eigenes Volk wahrhaft Nutzbringenden, auch diese wird nicht auf die i Dauer andere Zustände schaffen können. Sollte e», wie alle die schlim- I men Vorzeichen schon andeuien, zum Aeußersten kommen, dann hat ; Europa und die klägliche Harmonie seiner Diplomaten nur EineS noch s zu bieten: volle Frerheit der Aktion an Rußland, und daS wird umso I rascher sich vollziehen können, wenn kein energischer oberster Wille mehr die Zügel fühlt, wenn Volk und Militär nur noch Individuen unb keine zusammenhängende Macht mehr sind. Die Furcht Europa! vor den Folgen russischer Herrschaft am BosporuS und in Asien ist unserer Ansicht nach lange nicht in dem Maße begründet, wie sie erscheinen mag. Rußlands größter Feind ist Rußlands Größe und, um ein bekanntes Wort zu benutzen: e» ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
— Berlin, 28. Februar. Abgeordneten-HauS. (Fortsetzung.) In der heutigen (34) Sitzung wurde zunächst die dritte Berathung deS Staatshalts haltS-ElatS für 1877/78 fortgesetzt. Im Etat des Ministe-