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Samstag den 10. Februar.
1877.
berget wurde wiederum zum Präsidenten des LandeSausschusses ernannt, ! von dessen Gesinnnna nur zu wünschen ist. daß sie von der Mehrzahl ■ der reichSländischen Bevölkerung getheilt werde. — Weniger erfreulich ist die »un noch den ReichStagSstickwablen feststehende Thatsache, daß der Reichstag wohl noch eine schlechthin reichkfreundliche, ober keine liberale Mehrheit mehr hat. Letztere sckwand dadurch dahin, daß die nationolliberale Partei ca. 23 Sitze verlor. Betreffs der Fortschritts- ! Partei bestätigt eS sich, daß sie, trotz der anfangs für sie wenig günsti- ! gen Aussichten, ihre alte Stärke von 35 Mann beibehalten hat. Außer verschiedenen weniger wichtigen Vorlagen wurde vom preuß. Abg.-HauS i auch in der letzten Zeit vornehmlich der Etat pro 1877 behandelt, wo« bei von d-r Centrumspartei mannigfache Gelegenheiten ergriffen wurden, ! um Exkursionen auf daS Gebiet des Kulturkampfes zu machen. Bei | der Position für allgemeine polit. Zwecke, wozu auch die Ausgaben zur : Erhaltung der offiziösen Presse gehören, machte die Fortschrittspartei, : namentlich durch Birchow's Mund, ihrem Grolle gegen die „Provinzial- Correspondenz" Luft, von der sie ja im vorigen Jahre wiederholt in schroffster Weise anaepriffen worden war. Gleichwohl wurde die betr. ; Position von 93,000 Mark mit 213 (Nationalliberale u. Konservative) ; gegen 157 St. genehmigt. — Im preuß. Herrenhaufe intetpeßirte der Graf von bet Echul-nbura im Interesse der Aufhebung der Beschlagnahme des königl. hannoverffchen Vermögens. Der Regierungskommissär antwortete mit einem „non possumus!“ da die Welsen alle ihnen zur i Verfügung stehenden Geldmittel zu Hetzereien und Feindseligkeiten gegen - Preußen verwendeten. — Zu Anfang dieser Woche traf der russische ; Großfürst. Thronfolger Constantin in Berlin ein; sein Besuch am kaiserl. ; deutschen Hofe steht ohne Zweifel mit der Orientfrage in Verbindung.
Der liberale und der republikanische Theil der französischen Be- ' völk rung befindet sich seit 8 Tagen in nickt geringer Aufregung, nicht : nur weil die Regierung, den immer mehr sich steigernden Anmaßungen i der Ultramontanen gegenüber, sich auffällig gleichgültig verhält, sondern i auch, weil ein Theil des unabsetzbaren R'.chterstandes mit den Feinden der Republik gemeinschaftliche Sache zu machen scheint. Während man die ultramontanen und monarchischen Zeitungen alle Exzesse ungestraft i begehen läßt, gehen die Gerichte gegen die radikalen Organe aufS Energischste vor und haben soeben 2 der Letzteren auf 6 Monate suSpendirt, auf Grund eines GesetzeS aus dem Jahre 1868 das längst außer Ge- = brauch gekommen war. Noch mehr aber erzürnte sich die öffentliche Meinung darüber, daß der Pariser KassationShof ein die gemischten Kommissionen deS Napoleonischen Staatsstreiches gutheißendes Urtheil abgegeben hat. Ein Blatt in Besar con hatte den Appellrichter Willemot beschuldigt, Mitglied e ner solchen Kommission gewesen zu sein und ihm : das als ein Verbrechen vorgeworfen. Das Blatt wird verklagt und i wegen Verleumdung verurtheilt, und der Gerichtshof lobpreist die ge- z mischten Kommissionen alS Einrichtungen zum Schutze der Moral und ' der Sicherheit. Die Depütirtenkammer empört sich, der General-Alvokat, ! der die Sache plaidirt hatte, wird abgesitzt, der Justizminister hält eine ! donnernde Rede gegen die gemischten Kommissionen und ihre Vertheidiger, das verurtheilte Blatt ergreift Rekurs, und der KassationShof bestätigt ; im Wesentlichen das Erkenntniß des Gerichts ersters Instanz. Der Kas« i sationlhof hat sonach einen Beschluß gefaßt, der dem Justizminister, i dem Präsidenten der Republik, der Depututenkammer und der öffent- ; kicken W.inun-r gecenüber eine Herausforderung ist, wie der gemäßigte 1 .Courrier de France* sehr richtig sagt. — Der französ. Unterrickts- ; minister Waddingron hat einen Gesetzentwurf erngebracht, der den Gemeinden das Reckt gibt, den Volksschulunterricht unentgeltlich ertheilen zu lassen, wenn sie die Kosten tragen.
Die russische Regierung hat ein Rundschreiben an die Mächte er» i lassen, welches dieselben auffordert, nun auch dafür Sorge zu tragen, i daß die Pforte die Korferenzbeschlüffe acceptire und zu vristehrn gibt, i daß, wenn diese Aufforderung abschlaglich beschieden werden sollte, Rußland allein Vorgehen würde. Man hält diese Note für das Borspiel der russ. firie^iHikung an die Türkei. Der Lbrrstkommaudirende der russ. Südarmee, die bald 400,000 Mann stark sein soll, ist wieder genesen. Große Quantitäten von Flußtoipedos sind nach Kfchenew
Amtliches.
Bekannlmachung.
Herr Heinrich Friedg^, Kaufmann, Schirnstr. 6, hat eine amtliche Verkaufsstelle für Postfreimarken, Postkarten rc. übernommen. Dieselbe wird am 15. d. M. eröffnet werden.
Hanau den 8. Februar 1877.
Kaiserliches Postamt.
Lins.
Am 1. Februar c. kommt der 40ir Nachtrag zum Mttteldeurschen Verbands'Gütertarife zur Einführung, welcher neben einigen Berichti- gun en früherer Nachträge, Tarifsätze für die Station Wernigerode und den Verehr zwischen den Stationen der Frankfurt« Bebraer Bahn und den Stationen Span bau, Rathenow, Stendal, Wittenberge, Salzwedel und^Gardelegen enthält.
Näheres ist in unseren Güter-Exveditionen iu erfahren.
Frankfurt a. M., den 31. Januar 1877.
(973)___________Königliche Eisenbahn-Direktion.________________
Proklam.
Hanau. Zum Zwangs verkauf nachstehend beschriebenen, auf den Namen des Heinrich Wilhelm Metz dahier katastrirten Grundvermögens :
Brandvers. Nr. 8 der Glockengüsse
(bisher Nr. 377 im 2. Quartier):
Nr. 58 963/ioo Rth. Wohnhaus, Querbau, kleine Halle,
59 8,3 „ Remise und Hofraum in der Liliengasse,
werden andere Termine
auf den 3. April, eventuell
1. und 29. Mai d. I.,
Vormittags 9—10 Uhr, an Gerichtsstelle bestimmt.
Hypothekar-Gläubiger werden aufgefordert, im ersten der obigen Termine ihre Ansvrüche anzumelden und zu begründen.
Hanau am 4. Februar 1877.
Königliches Amtsgericht II. C öfter.
(968)___________________________________________________vt. Winkler.
Dienstag den 13. d. Mts.
wird in dem hiesigen Lankrankenhause eine Partie getragener Kleidungsstücke gegen baare Zahlung uerRptgert werden.
Hanau am 9. Februar 1877.
Der Landkrankenhaus-Jnspektor (969) S ck a f er.
Anmeldungen in die unterste Elementar klaffe der R ealff chule auf das am 9. April beginnende Schuljahr, bet welchen GeburtS- und Impfscheine der Aufzunehmenden vorzulegen sind, werden von dem Unterzeichneten täglich von 11 bis 12 Uhr in seinem Geschäftszimmer entgegen genommen. *
Hanau, am 2. Februar 1877. s
Der Realschul-Direktor
_______________________Becker.___________________(783) ;
Wochenschau.
H. H. C. Am 5. Februar wurde die Session des elsaßlpthrin- gischen LandesauLschusses eröffnet, der diesmal vornehmlich den Landes- ^at zu berathen haben wird. Von großem Interesse und nicht oeringer Bedeutung ist die Rede, mit welcher der AltkiSpräsiüknt die Eröffnungsrede erwiderte. Letzterer betonte die „VersöhnungSprinzipien", in welche i die Anwesenden sich hinein gelebt hätten, und gedachte der Reichstags- Wahlergebnisse, welche eine glückliche Umwandlung der öffentlichen Mei- | nung konstatllten, und bewiesen, daß die resultatlosen Protestationen sich überlebt haben, und zum Schlöffe sprach der Altert Präsident die Erwartung aus, daß nun bald dem Reichslande eine SBerfoffung gewährt Werbe, die es den „übrigen deutschen Staaten" gleichstelle. Schlum- 5