98 ;
sprechungen das berliner Memorandum als Ausgangspunkt weiteren Gedankenaustausches empfohlen, stimmt zwar mit den Angaben neuerer wiener Corre pondenzen allem Anschein nach überein, doch wird noch immer bezweifelt, daß das offizielle Oesterreich sich schon jetzt einer gemeinsamen Oceupation geneigter zeige, als dies früher der Fall war.
I-ii«. ste.]
— S. M. S. „Kronprinz" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 23. d. Mts. Nachmittags in Plymönth eingetroffen. An Bord Alles wohl.
— Eine Einrichtung, welche bisher in Preußen fehlt, von Sachkennern aber für dringend geboten erachtet wird, ist die Begründung von Försterschulen zur Ausbildung der unteren Forstbeamten im StaatS- und Gemeindedienste. Ein dahin gehender Antrag wird, wie der „Trib." mitgetheilt wird, an daS Abgeordnetenhaus gerichtet werden. Man will der Regierung anheim gebrn, hinsichtlich der Aufführung entweder die Försterschulen mit dem Dienste in den Jägerbataillonen zu verbinden, oder selbstständig in den einzelnen Provinzen zu errichten, und zwar so, daß die Eleven den erforderliche« Unterricht in der Forstwissenschaft und der Feldmeßkunde vor ihrem Eintritt in die Jäger-Bataillon; ab* solvirt haben können.
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 13. Januar 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,097,685,200 Mark Doppelkronen, 337,530,330 Mark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,345,164 Mk.; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark b-Markstücke, 76,718,018 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. 1-Markstücke, 50,193,095 Mark — Pf. 50-Pfennig stücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mk. 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,029,415 Mark 94 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,377,119 Mark 13 Pfennig 1-Pfennig- stücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,435,215,530 Mark; an Silbermünzen: 377,794,295 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,406,535 Mark 7 Pf.
— Bre § lau, 25 Jan. Bei der engeren Wahl in Waldenburg ist Fürst Plcß mit 9365 Simmen gewählt; der socialdemokratische Gegenkandidat Kappel erhielt 7512 Stimmen.
— Arnsberg, 25. Januar, Morgens. Gestern Abend ist bei der Station Oeventrop (der Ruhrthalb ahn) ein kombinirter Güter- und Personenzug auf einen Güterzug gestoßen; 3 Personen haben dabei den Tod gefunden, 15 andere sind verwundet. c«. b. ®»*w>
— Ploen, 24, Jan., Abends. Bei der im neunten Wahlkreise von Schleswig-Holstein (Oldenburg-Ploen) Statt gehabten engeren Wahl erhielt Graf Holst in (conservativ) 11,416, der Gegenkandidat Reimer (Social-Demokrat) 4823 Stimmen. Somit ist Graf Holstein gewählt.
— Haag, 24. Jan. Der Slaatscourant enthält ein königliches Decret, durch welches die Einfuhr und der Transport von Rindvieh, Schafen und Ziegen verboten wird.
— London, 25. Jan. Der Schatzkanzler und der Minister des Innern redeten gestern vor einer conservativen Versammlung von etwa 5000 Personen in Liverpool. Sir S. Northcote sprach auch von der Orientfrage und bemerkte dabei, die Erhaltung deS Friedens sei ein wesentliches Interesse Englands. Die Regierung hege die lebhafteste Sympathie für die Christen im Orient, aber die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei sei ein Schritt, der die ernsteste Erwägung erheische. Die Regierung habe deßhalb eine Einmischung nach Möglichkeit einzuschränken und jeden Zwang zu vermeiden gesucht. Durch unwürdige Eifersucht gegen Rußland habe sich die Regierung niemals beeinflussen lassen, und eben so habe die Regierung niemals die Absicht gehabt, für die Türkei mit den Waffen einzutreten. Die Türkei habe unbedachtsam gehandelt, indem ste die Borschläge der Conferenz abgelehnt habe. CrosS hob hervor, daß die Aussichten auf Erhaltung der FriedenS im gegenwärtigen Augenblick günstiger feien, als sie seit langer Zeit gewesen. <«"» stg.)
— Rom, 24. Jan. Die Deputirtenkammer hat heute, nach der „Köln. Ztg.", den gesammten Gesetzentwurf betreffend die Mißbräuche bei der Geistlichkeit mit 150 gegen 100 Stimmen angenommen.
— Aus Konstantinopel wird der „Agence Havas" gemeldet, die Pforte beabsichtige, von Frankreich einige Offiziere behufs Einrichtung der Gendarmerie und von England einige Fmanzcrpacitäten behufs Rrorganifirung der Finanzen zu erbitten.
— Washington, 25. Januar. Die Mepräsentantenkam ner hat eine Kommission ernannt, welch; prüfen soll, ob der P.ästdent Grant die ihm verfassungsmäßig zustehenden Befugnisse überschritten habe, als er bei den letzten Wahlen im Süden Truppen intern miren ließ. — Der Senat ist mit der Berathung des Comite-AntrageS, betreffend die Präsidentenwahl, Beschäftigt. — Der Schatzsekretär macht die demnächst erfolgende Einberufung von 10 weiteren Millionen 5Aoec BondS zur Amo tisicuag bekannt. y ^ («■ «• ®t*«»w
Instruktion für die Kassenverwaltuugen der Gerichtsbehörden im Geltungsbereiche der Verordnung vom 2. Januar 1849 aus dem Jahre 1875 dahin abzuändern: daß freiwillig und ohne besondere Bestimmungen gezahlte Geldb'träge mit den im Wege der ZsangS- [ Vollstreckung beigetrisbenen Geldbeträgen nach dem Grundsätze für freiwillige Zahlungen bei der Verrechnung auf Geldstrafen und Koste» gleichgestellt werden." . MW H
ES ergriffen hierüber das Wort die Abgg. Dr. Roeckerath, Dr. Eberty, Löwenstein und die RsgierungSkommiffare Geheime Ober-Justiz- Räthe Rindfleisch und Starke. Eins lebhafte Debatte entspann sich bei der Ausgabeposition „Gehalt deS Justiz-Ministrrs", welche von den Abgg. Schröder (Lippstadt) und Windthorst (Meppm) dazu benutzt wurde, gegen die ProxiS der StaatSanwälte bei der Handhabung der Kirchengefetze Angriffe zu richten, die jedoch von dem Justiz-Minister Dr. Leonhardt, sowie von den Abgg. Dr. Lasker, Drescher, Dr. Petri und Dr. Hänel energisch zurückgewiesen wurden.
(Fortsetzung folgt.) («• u. ®t>3j
— Berlin, 22. Jan. Der Streit mit den französischen Blättern wegen der vor einigen Tagen gegen die deutsche Polirik im Orient erhobenen Anklagen wird allem Anschein nach noch fortgesetzt und ruft die verschiedenartigsten Veimuthungen hervor. Man wollte denselben sogar hier und dort mit den Gerüchten in Verbindung bringen, die der Regierung die Absicht einer Mehrforderung in dem nächsten Mrlitäretat zuschreiben, Andere erinnern wahrscheinlich mit größerem Recht an die Vorgänge in Konstantinopel, auf welche ich schon vor mchreren Tagen aufmerksam gemacht hatte. Dort gingen Chaudordy und Jgnatieff häufig zusammen und vereinbarten scheinbare Konzessionen, die vor der Konferenz angenommen wurden und selbst die Regierungen vielfach um so mehr überraschten, als die telegraphische Verbindung mit Konstanti- nopel häufig unterbrochen war. DaS Verlangen BikmarckS, welchen die Bemühung Chaudordys um ein Einverständniß mit Rußland ohnehin mißtrauisch gemacht haben mochte, daß ihm jene vermeintlichen Zugeständnisse von der Annahme mitgetheilt würden, war daher wohl begreiflich. Daraus mag das Mißverständnis als ob Deutschland sich den Konzessionen widersetze, entstanden sein. Dies wurde dann von den französischen Blättern zu der Anklage zugkspitzt, daß Deutschland wegen anderweitiger Zwecke zum Kriege dränge. Daher der Streit, der, wenn er wirklich keinen anderen Ursprung hatte, seinen Höhepunkt wohl schon überschritten haben wird. — Ueber die weitere Haltung der Mächte ist man nach dem Scheitern der Konferenz vorerst auf Vermuthungen angewiesen. England zieht sich zunächst für jetzt zurück und der Zwischen- raum, bis die Jahreszeit günstig und die Vorbereitungen vollendet sind, wird wohl noch mit FriedmFversuchen oußgefüllt werden, die, wenn man den Gerüchten glauben darf, Serbien und Montenegro gegenüber ernsthaft werden könnten. Serbien hätte auch nach dem 1. März aus bekannten Gründen, die mit seiner Niederlage zusammenhäugen, schwerlich die Offensive ergriffen. Umgekehrt ließ neulich ein russisches Blatt, dessen Nachricht indessen der Bestätigung bedurfte, Serbien durch die Türkei mit einem Angriff für jenen Zeitpunkt bedrohen auf Grund der Ankündigung, daß die Pforte dm Waffenstillstand jedenfalls nicht wieder verlängern würde. Jetzt will man nicht nur Anzeichen haben, daß Serbien für sein Theil zu einem Separatfrieden bereit ist, sondern daß Rußland ganz damit einverstanden wäre. Man wollte dies aus Aeußerungen des serbischen Agenten Marinowitsch vor dessen Abreise aus St. Petersburg schließen. Dies ist indessen noch nicht zuverlässig festgestellt. Jedensalls wäre es gewagt, daraus auf eine Wendung der Lage zum Frieden im Allgemeinen schließen zu wollen. Rußland könnte sehr wohl auf Serbiens militärische Hülfe geringen Werth legen, wofür auch die Abreise des russischen Generals Nikitin nach Kischeneff allem Anschein nach ein Fingerzeig ist. UeberdieS liegt Serbien in der Machtsphäre Oestreichs und wird daher von Rußland nicht gern in den Kreis seiner Berechnungen gezogen. Das letztere gilt auch von Montenegro und ein Wolff'jcheS Trl. erwähnt ähnliche Gerüchte mit Bezug auf einen Separatfrieden zwischen Montenegro und der Türkei. Doch fehlen nach jener Seite hin beglaubigte Andeutungen. Näheres wird darüber wohl noch verlauten. Rußlands Zustimmung vorausgesetzt, fragt es sich, ob die Türkei selbst wirklich zu einem solchen Abkommen geneigt ist, und ob sie ncm ntlich Montenegro gegenüber zu einem Frieden die Hand bietet, der durch billige Bedingungen Dauer verspricht. — In der Korr. vom 18. läßt mich ein Druckfehler sagen, wenn der Waffenstillstand ablaufe, werde Serbien aus bekannten Gründen mit dem An- griffe vorgehen. Ich schrieb: nicht Vorgehen, wie dies auch aus dem Zusammenhänge ersichtlich ist. — Die Vorbereitungen Rußlands werden, wie man sich denken kann, aufmerksam beobachtet. Hiesize Militärs berechnen, daß eS jetzt 320,009 Mann am Pmth konzentrirt habe. (Schw. M«rU
— Berlin, 25 Jan. Das KcönungS- und OcdmSfsst findet auf Brfehl des Kaisers nicht am 28. d., sondern am 11. Febr. Statt; Samstag, 27. Januar, wird ein OrdenSkapitel abgehalten, zu welchem die Erbgroßhrrzöze von Weimar und Baden hier eintreffen. — Die gestern erwähnte Nachricht, Graf Andraffy habe bei den letzten B:-