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Himmler Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

^Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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JE 19.

Dienstag den 23. Januar.

1877.

Amtliches.

Seitens des Herrn Reichskanzlers ist die Aufstellung einer statisti­schen Uebersicht des Ergebnisses der am 10. d. Mts. vollzogenen Wahlen zum Reichstag angewdnet.

Die Gemeinde- und GutSvorsteher wollen aus den bei ihnen be­findlichen Wählerlisten (Hauptexewplar) ermitteln und bis zum 27. Januar cr. arzeigen, wie viel Wahlberechtigte evangelischer, wie viel katholischer Konfession, wie viel Juden und wie viel Dissidenten find.

Hanau, am 20. Januar 1877.

Der Landrath.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Notiz­buch nebst anderen Papieren, sowie ein Reisepaß auf den NamenNi­kolaus Schleich auS Lichenroth" ausgestellt.

Verloren: Eine Parthie Stickrosen. Ein Wechsel-Attest.

Hanau, am 23. Januar 1877,

Königl. LandrathSamt.

Bekanntmachung. Erhöhung des Meistbetrages der Postanweisungen im Verkehr mit Konstantinopel.

Vom 1. Februar ab wird der Meistbetrag der Postanweisungen zwischen Deutschland und Konstantinopel auf 300 Mark erhöht.

Die Gebühr für Postanweisungen nach Konstantinopel beträgt von dem gleichen Tage an:

für Summen bis 100 Mark.......40 Pf.

über 100 bis 200 Mark ... 80 Pf.

über 200 bis 300 Mark. . 1 M. 20 Pf.

Im Ucbrigen bleiben die bisherigen Bestimmungen bezüglich des Postanweisungsverfahrens im Verkehr mit Konstantinopel, über welche die Postanstalten auf Verlangen Auskunft ertheilen, unverändert in Kraft.

Berlin W., den 25. Januar 1877.

Kaiserliches General-Postamt.

Bekanntmachung. Einheitlicher Packetportotarif im Verkehr zwischen Deutschland und der Schweiz.

Vom 1. Februar 1877 ab tritt im Verkehre zwischen Deutsch­land und der Schweiz ein einheitlicher Portotarif für Packete bis zum Gewichte von 5 Kilogramm in Wirksamkeit.

Darnach beträgt das Deutsche und Schweizerische Porto für ein frankirtes Packet bis zum Gewichte von 5 Kilogramm insgesammt 80 Pfennig oder 1 Frank; dagegen im Grenzverkehr, d. i. im Ver­kehr derjenigen Deutschen und Schweizerischen Postorte, welche in ge­rader Linie nicht mehr als 30 Kilometer von einander entfernt sind, 40 Pfennig oder 50 Centimen.

Für unfrankirte Packete bis 5 Kilogramm tritt den vorstehen­den Portosätzen ein Zuschlag von 20 Pfennig oder 25 Centimen hinzu.

Bei Sperrgut wird die Einheitstaxe von 80 bz. 40 Pfennig oder 1 Frank bz. 50 Centimen um die Hälfte erhöht.

Berlin W., den 22. Januar 1877.

Der General-Postmeister.

Tagesschau. Am Schluß der^Kouferenz.

Die Konferenz ist zu Ende. Samstag der 20. Januar ist der entscheidende Tag. an dem die Pforte ihre letzte Antwort auf die letzten Vorschläge der Mächte ertheilt. Man weiß, wie diese Antwort aus-

| fällt. Der Große Rath hat einstimmig, auch die Vertreter der christ­lichen Gemeinschaften eingeschlossen, für Verwerfung der Forderungen der Krnferenz sich entschlossen. Lieber Tod, als Entehrung, war die ein- müthige Losung der Großwürdenträger. Auch die letzte, erheblich ge­milderte Fassung des Programms wird also verworfen, die Pforte nimmt die Verantwortung für alle Folgen eines runden non possumus auf sich. So geht denn die Konferenz unverrichteter Dinge aus ein­ander, die Botschafter und Bevollmächtigten schnüren ihre Bündel und der aufathmende Türke wird ihre Abfahrt mit Feuerwerk und Illumi­nation begleiten, zum Schaden noch den Spott fügend. Gleichwohl würde es einen hohen Grad von Kurzsichtigkeit verrathen, wenn man in der beendigten Arbeit der Diplomatie nichts sehen würde, als ein klägliches, den Hohn herausforderndes Fiasko. Eine Verständigung mit der Pforte ist nicht erzielt, ihr Widerstand nicht gebrochen; aber ein wichtiges Ergebniß hat die Konferenz gleichwohl gehabt: sie hat die Einmüthigk-.it des gesitteten Europas gegenüber dem Islam ans Licht gestellt. Alle Befürchtungen von einem unheilvollen Konflikt zwischen den Mächten Europas sind zerstreut. Welche Verschiedenheit der Inte­ressen unter ihnen herrschen mag, größer ist immer noch die Verschie­denheit, welche ihre Sache insgesammt trennt von derjenigen des Tür­kenvolks. Um sich zu vergegenwärtigen, wie wichtig dieses Resultat ist, braucht man sich blos der verkehrten Rathschläge zu erinnern, die noch vor einem halben Jahre von einflußreichen, aber in veralteten Gleisen der Politik sich bewegenden Organen der öffentl. Meinung mit Eifer verbreitet wurden. Rußland wurde hier dargestellt als jeden Tag zum Sprung aus die türkische Beute bereit, England sollte dem unschuldigen Opferlomme unter die Arme greifen und von Deutschland wurde nicht- geringeres verlangt, als daß es eine europäische Liga gegen die uner­sättliche Eroberungssucht des Moskowiters auf die Beine bringe. Glücklicherweise ist von allem dem nichts eingetroffen. Weder hat Ruß­land heftige Neigung gezeigt, sich über die Donau hinüber auSzubreiten, noch England, mit Gut und Blut für ein hinfälliges Reich einzustehen, und am wenigste» hat die Regierung Bismarcks daran gedacht, unS Deutsche in Händel zu verwickeln, an denen wir nicht daS mindeste Interesse haben. Ihre Aufgabe hat sie vielmehr darin gefunden, zu­nächst unter den östlichen Kaiserreichen und dann wieder zwischen diesen und den anderen Mächten die Einigkeit aufrecht zu erhalten, und daS ist ihr auch vollkommen gelungen. Das Ergebniß der Konferenz besteht darin, daß die Türkei glücklich isolirt ist. Sie ist vorläufig we­nigstens moralisch aus dem europäischen Völkerkonzert ausgeschieden. Bis wann der Spruch Europa'- seine praktischen Folgen haben wird, ist freilich eine andere Frage; es scheint zunächst, als ob der Abbruch der Konferenz noch nicht den unmittelbaren Ausbruch des Kriegs zur Folge haben werde, obwohl die beiden Gegner gleichmäßig in einer finanziellen Lage sich befinden, die ihnen die Aufrechthaltung der Kriegs­bereitschaft nicht für lange Zeit gestattet. Kurz, die Lage am Schluß der Konferenz ist die: Europa hat sein Verdikt über die Osmanen ge­than, und es ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Vollstreckung der Urtheils erfolgen wird.

Berlin, 22. Jan. Im weiteren Verlaufe der Sitzung. deS Hauses der Abgeordneten am 20. d. M. erklärte, nachdem der Abg. Dr. v. Gerlach gesprochen, der Abg. Windthorst (Bielefeld), daß dem Ge- setzentwurf. betreffend eine anderweitige Einrichtung deS Zeughauses zu Berlin, in der neuen Gestalt prinzipielle Bedenken nicht entgegenstehen. Die finanziellen Bedenken des Abg. Biesenbach, sowie die politischen des Abg. Dr. v. Gerlach wieS der Abg. Dr. Wehrenpfennig durch eine Berufung auf den preußischen Patriotismus und das große Beispiel von Opferwilligkeit der den Befreiungskriegen folgenden Jahre zurück. Nach­dem noch der Abg. Windthorst (Meppen) gesprochen, wurde die Vor­lage an die Budgetkommission verwiesen. Zum Schluß erledigte daS HauS in erster Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die UmzugSkosten der Staatsbeamten. Die Abgg. Windthorst (Bielefeld) und Schröder (Königsberg) erhoben Bedenken gegen die Vorlage, nichtsdestoweniger beantragte ersterer die Weiterberathung im Plenum. Nachdem noch der