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Hummer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

^Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,^ 'und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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JE 15.

Donnerstag den 18» Januar.

1877.

Tagesschau.

Das Reichskanzleramt macht unterm 17. Januar folgendes im | R. u. St.-T." bekannt: Laut telegraphischer Meldung der Königlich preußischen Bezirksregierung zu Breslau ist der Ausbruch der Rinder« ; Pest unter dem Viehstande der Zuckerfabrik Konkordia bei Brieg amtlich = festgestellt. Der AuSbruch der Seuche ist bei einem Transport Ochsen erfolgt, welche auf dem Schlachtviehmarkt zu Breslau von einem Händ­ler aus Beuthen mOberschlrsim angekaust waren. Weitere Nachrichten fehlen noch.

Berlin, 17. Januar. Man will, trotz aller pessimistischen Nachrichten, die Möglichkeit, daß der Friede gewahrt werden könnte, auch heute noch festhalten. Die Nachricht der wiener Polit Corresp., Herr v. Radowitz sei in Konstantinrpch eingetroffen, ist irrthLmüch und wahrscheinlich eine Verwechslung mit dem Legations-Sekretär Hirsch­feld, dessen Abreise von Athen nach Konstantinopel die Blätter gemeldet haben. In Folge der Ausschreitungen bei den ReichttagSwohien sind vielfache Denunciat-onen Seitens der Wahlvorstände gegen einzelne, zumeist den unteren Ständen angehörige Personen eingegangen und zum Theil vom Magistrat an die Staatsanwaltschaft weiter befördert worden. In einem Bezirk wurde z. B. die Wahlurne gewaltsam heruntergerissm und eine größere Zahl von Zetteln von einem Individuum auf einmal hineingesteckt. In einem andern Falle stimmte Einer für einen Andern, obwohl dieser Andere zum Urbersluß sich dies auschWich. verbeten. Auch Seitens der Wahlvorstanbe sind kleine Verstöße häufig vorgekom- wen. So ist, wenn zwei oder drei Zettel ineinandergekniffm unbemerkt hineingesteckt worden waren, nicht selten einer als gültig mitgezählt worden, Während nach dem Wahlreglement alle zwei, resp. drei als ungültig verworfen werden mußten. Die vom Reichskanzler- Amt ge­lieferten Gegenlisten-Formulare erwiesen sich für den Gebrauch, sobald mehr als drei Wahl- Candidäten vorhanden sind, als zu eng gedruckt.

kKöln. Ztg.)

Ein steuerpflichtiges Rechtsgeschäft, über welches verschiedene Urkunden ausgenommen sind, unterliegt nach einem Erkenntniß des Ober- Tribunals, Senats für Strafsachen, vom 7. Dezember 1876 nur einer einmaligen Stewpklabgabe- Enthalten die Urkunden verschiedene Werths­angaben des Geschäftsobjekts, und wird von denselben diejenige Ur­kunde mit einem Siemprl versehen, welche einen geringeren,

thatsächlich unrichtigen Werth angidt, so wird die unrichtige; Werthsangabe nur als Steuerdefraudation nach Maßgabe

des hinterzogenen Steuerbetrages geahndet.Im Vorliegend Falle", führt das Erkenntniß des Ober-Tribunals aus,hat der ältere Vertrag alle wesentlichen Erfordernisse eines Kaufvertrags enthalten. Der tarif­mäßige Stempel zu demselben war mithin von dem vollen Betrage des darin festgesetzten Kaufpreises von 8800 Thlr. mit 88 Thlr. und zwar binnen 14 Tagen vom Tage der Ausfertigung ab, zu verwenden. Da aber zu dem bei der Auflassung überreichten Vertrage der Interessenten über dasselbe VeräußerungSgeschäft (innerhalb der vierzehntägigen Frist) bereits 68 Thlr. Stempel verwendet worden sind, so ist von dem An- geklagien der Stempel von nur 2000 Thlr. hinterzogen worden."

Das kgl. Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Ange­legenheiten hat für die Turnlehrerprüfung, welche in Gemäßheit deS Reglements vom 29. März 1866, während des laufenden Jahres zu Berlin abzuhalten ist, Termin auf Freitag den 23. und 24. März d. I. festgesetzt. Meldungen zu derselben können bis zum 15. Febr. d. I. bei dem genannten Mimsteriym angebracht werden.

Der Reichranzeiger veröffentlicht den sehr ausführlichen Be- ncht, welchen der Vorsitzende der Kommission für die Herstellung eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches, Präsident Pope, an den Reichskanz-

""?* hat. Der Bericht stellt das im Wesentlichen aus den Be­schlüssen des Bundesraths bekannte Material übersichtlich zusammen und resumrrt schließlich den Stand der Arbeiten bei dem letzten Zusammen-- trrtt der Kommission im Sept. v. I. Der Bericht erwartet, daß die ersten Entwürfe der Haupttheils des Gesetzbuches: Allgemeiner Theil, Sachenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Obligationenrecht, deren Ausar« Lettung den 5 Redaktoren übertragen ist, Ende 1878 oder Anfang 1879

i der Durchberathung durch das Plenum der Kommission unterzogen wer- I den können. Dos Resultat dieser Berathung, der erste Entwurf deS Gesetzentwurfs, soll alsdann den Bundesregierungen mitgetheilt und j vetöffintlickt werden. Erst wenn dieser vorliegt, soll die Kommission für die Revision des Handelsgesttzbuches beim Bundesrath eingesetzt werden.

Obwohl die Vorarbeiten, welche sich auf das Projekt einer in Berlin zu errichtenden Polytechnischen Hochschule beziehen, beendet sind, und zwar überall unter Berücksichtigung der im Abgeordnetenbause kundgegebenen Ansichten und Wünsche, so ist doch, wie die Post hört, im laufenden Etat des Handelsministeriums ein bezüglicher Betrag noch nicht aufgeworfen, weil üaf Bauprojekt selbst noch nicht völlig festge­stellt ist.

Es dürste sich die Schwierigkeit dieser Feststellung leicht erklären, wenn bedacht wird, daß es sich dabei um sehr bedeutende Summen. um Summen» die, wie wir weiter hören, nahe an 11 Millionen Mark be­tragen, handelt.

Es ist eben in Betracht zu ziehen, daß das projektirte Institut für annähernd so viel Hörer berechnet ist, als die Berliner Universität aufwefft, und daß bei den technischen Unterrichts- und Bildungszwecken des Polytechnikums jedem Einzelnen ein wesentlich größerer Platz eine geräumt werden muß, als in den Hörsälen der Universität. crne,.) (Strandung der Saxonia.) Ueber d<n Verlauf der Strandung theilt den H. Nachr. ein Anger zeuge der Katastrophe, welcher sich am Bord des Dampfers befand, nachstehendes Nähere mit: Von den Weih- nachtsfeiertagen bis zum 1. Jan. war die Fahrt eine sehr stürmische, so daß die Saxonia häufig genöthigt war, beizudrehen, einmal fast 8 Stunden lang. Von Plymouth ab, das der Dampfer am 1. Januar püssirte, verlief die Fahrt über Haine bis Dover bei günstiger Witte­rung gut, nur hin und wied.r machte sich leichter Nebel bemerklich. Bon Dover ab trat der Nebel mit zunehmender Stärke auf; Dxel kam gar nicht in Sicht. Den 4. Jan. über wurde der Nebel, vermischt mit Regen, immer intensiver, so daß der Kapitän sich genöthigt sah, beständig zu lotsen und von 6 Uhr Nachm. ab langsamer zu fahren. Kurz nach Mitternacht wird ein Schuß vernommen, den man sich an Bord nicht zu erklären vermochte, man wußte nicht, ob derselbe von Helgoland, von einem Lootsen- oder einem Feuerboots oder irgend einem Dampfer i herrührte. In Folge dessen ließ der Kapitän die Maschine stoppen und i alle Vorsichtsmaßregeln anwenden, zumal aber unaufhörlich auf das Sorgfältigste lochen. Da, gegen halb 1 Uhr Morgens am 5. Januar stieß die Saxonia heftig auf Grund, nachdem noch wenige Sekunden vorher 20 Faden gelothet worden. Mit Anwendung der vollen Dampf­kraft wurde sogleich versucht, von dem Riff, auf dem die Saxonia aus­gelaufen, abzukommen, aber alle Anstrengungen erwiesen sich als ver­gebens. Die See ging sehr hoch, und der Nebel war undurchdringlich; das Licht von Helgoland war nirgends zu entdecken. Während der Arbeit, den Dampfer wieder flott zu machen, vernahm man an Bord in Intervallen noch einige entfernte Schüsse. Man löste Signalschüsse, ließ Raketen steigen und die Dampfpfeife in unausgesetzter Thätigkeit sein. Alles vergebens. So nahte der Morgen. Erst gegen halb 10 Uhr Morgens erschienen zwei Helgolander Boote längssert der Saxonia, die furchtbare Brandung und die Fluth, welche den Dampfer immer fester auf das Riff trieben, machten aber jeden Annäherungsversuch der Boote unmöglich. Von den Hrlgoländern erfuhr man jedoch, daß sie nur die Dampfpfeife der Saxonia gehört, da der Wind aber abgestan­den, hätten sie die Nothschüsse nicht vernommen. Seit fünf Uhr Mor­gens hätten die Helgoländer jedoch im Nebel die Saxonia gesucht. Sie theilten ferner mit, daß die telegraphische Verbindung zwischen Helgoland und dem Festlande unterbrochen. Somit war schleunige' Hülfe durch Schleppdampfer nicht zu beschaffen. Glücklicherweise lag aber auf der Helgolander Rhede der kleine Bremerhavener Dampfer Tell. Dieser erschien Nachmittags segen halb 3 Uyr. Unter den größten Anstreng­ungen war der Dampfer sodann im Vereine mit der Maschine der Saxonia etwa 4 Stunden unausgesetzt thätig. Leider ohne Erfolg. Der Kapitän der Saxonia ordnete darauf die Ueberführung der Passa-