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HMMer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.
^Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.
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M 13.
Dienstag den 16. Januar
1877.
Amtliches.
Polizei- Verordnung.
Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen wird nach Berathung mit dem Stadtrathe, nachfolgende Polizei-Verordnung erlassen:
Von den zur Reinhaltung der Straßen verpflichteten Einwohnern der Stadt Hanau ist dafür Sorge zu tragen, daß nach jedem Schneefall von dem Bürgersteig vor ihren Häusern der Schnee alsbald, auch an Sonn- und Festtagen, entfernt werde. — Wenn in der Nacht Schnee gefallen, ist derselbe vor 8 Uhr von den bezeichneten Stellen zu entfernen. Ebenso muß bei entstandenem Glatteis alsbald längs der Häuser ein Pfad für Fußgänger mit Sand, Sägemehl oder Asche bestreut werden.
Für Unterlassungsfälle wird eine Strafe bis zu 9 Mark oder entsprechender Haft angedroht.
Hanau am 4. Dezember 1876.
Der Landrath.
Zugelaufen: Ein kleiner grauer Affenpinscher mit geschnittenen Ohren und Ruthe; Empfangnahme bei Herrn Gastwirih Peter Schmidt zu Rüdighnm.
Entlausen: Ein gelber Doggenhund. Ein weiß und braun gefleckter Hühnerhund, auf den Namen „Poskc" hörend.
Gefnnden: Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Iltispelz. Eine Peitsche. Ein karrirteS wollenes Halstuch. Ein Militärpaß, ausgestellt auf den Namen „Törkmmey-r".
" Hanau am 16. Januar 1877.
Königliches LandratbSamt.
Am 1. März cr. tritt ein Nachtrag 26 zum Lokalgütertans in Kraft, welcher Ergänzungen der Tarifbestimmungen, sowie der Spezial- bestimmungen des Betriebs Reglem-nts enthält.
Näheres ist bei unseren Expeditionen zu erfahren.
Frankfurt a. M., den 9. Januar 1877.
_______________Königliche Eisenbahn-Directio».___________(400)
Proclam.
B au er gegen Rang.
Mittwoch den 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr,
soll im hiesigen G-richtSgedäude 2 Waarenschränke aus'S Meistgebot gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Hanau, den 16. Januar 1877. (408)
_____________Temme, Executor. __________
Proclam.
Tissot gegen Rang.
Mittwoch den 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr,
soll im hiesigen Gerichtsgebäude eine Decimalwaage aus'S Meistgebot gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Hanau, den 16. Januar 1877. (407)
—_____ Temme, Executor. ____________
Proclam.
Mittwoch den 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr,
soll an Gerichtsstelle 1. Bierwagen, 1 Pferd öffentlich meistbietend verkauft werden.
Hanau, den 12. Januar 1877. (409)
Der AuctionScommissar
St ro hm ey er.
TageSscha«.
Rußlands Rückzug.
Die europäischen Staats'künstler in TerShanö haben, wie eS scheint, daS aus dem Leben gegriffene französische Sprüchwort nicht beachtet: „Zeig dem Schlingel die Faust, so wird er dich salben, salbe ihn, so wird er dir die Faust zeigen!" Für's Erste haben die Bevollmächtigten
dem türkischen Verlange» eines zweimonatlichen Waffenstillstands viel zu bereitwillig entsprochen, nachdem sie schon in den Vorkonferenzen ihre ursprünglichen Forderungen erheblich herabgemindert. Aus Furcht, zu schreckhaft zu erscheinen, nahm das diplomatische Europa die Geberde deS Königs Klotz an und wurde dafür als solcher behandelt. Sodann waren zwar die Herren unter sich über die der Pforte zu unterbreitenden Vorlagen völlig einverstanden, hatten aber versäumt, sich im Voraus über die im Falle der Ablehnung zu ergreifenden Maßregeln zu verständigen. Daß jedoch Rußland dann der Türkei den Krieg erklären werde, durfte man nach allen Kundgebungen jener Macht bestimmt erwarten. In diesem Augenblick aber unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß der große Trumpf sich entpuppt hat als gar kein Trumpf: die ganze von dem Kabinet in St. Petersburg und dem General Jgnatieff in Konstantinopel angenommene Haltung weist darauf hin, daß Rußland sich scheut Krieg anzufangen. Dem Schreiben des russischen Botschafters an den Großvezier merkt man an, daß jener den Fehdehandschuh aus- und die Glaces angezogen hatte. Wiederholt hat er erklärt und wird darin vom Nord und anderen eingegebenen Blättern unterstützt, daß man auf den ursprünglichen Vorschlag des Kaisers Alexander zurück« greifen müsse, d. h. daß der Zweck der Konferenz sich nicht anders als durch Aufbietung der vereinigten Streitkräfte der Großmächte erreichen lasse. Durch diese Unentschlossenheit Rußlands und Europas sind die Türken versucht auf ihrer Halsstarrigkeit zu beharren. Sie schmeicheln sich beim Auseinandergehen der Konferenz Herren der Lage zu bleiben und unter keinem anderen Gesetz, als der Midhat'schen Verfassung zu stehen. „Der russische Revolver hat versagt!" schreibt eines der hervorragendsten Mitglieder der Konferenz und mit diesem Worte ist wohl j die Lösung des orientalischen Räthsels getroffen. Von den 6 Mächten konnten oder wollten 5 keinen Krieg führen, nur einen moralischen Druck konnten sie auf die Pforte üben. Rußland war auf dem Punkt mit den Waffen vorzugehen; aber welche Enttäuschungen hat es erlebt! Wie vor 25 und 75 Jahren ist Rußland heute wieder das Paradies gewissenloser Unternehmer und Lieferanten, welche prächtige Paläste in den feinsten Quartieren von Paris aus den Vorräthen bauen, welche sie dem russischen Heere nicht lieferten. Der Soldat wurde schlecht gekleidet, schlecht genährt, schlecht bewaffnet. Namentlich zeigte sich, nach englischen Berichten, das Schießpulver unbrauchbar. Der Kaiser Nikolaus würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er erfahren müßte, was aus feinen schönen Truppen geworden, wie er sie einst mit gerechtem Stolze gemustert. DaS weiß man Alles in der Türkei. Man weiß, daß Rußland Jahre braucht, um ein wirklich furchtbarer Gebier zu werden. Ein türkischer Diplomat sagte vor wenigen Tagen dem Pariser TimeLkorrespondenten: „wenn wir hie Vorschläge abweisen, was wird geschehen? Wird man uns Rußland gegenüberstellen? Gut, lieber jetzt als in 5 Jahren." Durch eine merkwürdige Verkettung der Umstände, bemerkt derselbe Berichterstatter, hat die militärische Lage Rußlands, auf dessen Niederlage an der türkischen Grenze eine innere Umwälzung folgen würde, die Waffe zerbrochen, welche die Konferenz gegen die Pforte gebrauchen wollte. Die Letztere bleibt für den Druck unempfindlich, gleichgültig gegen Zank und Schelten und wenn Europa Miene macht sie ernstlich zu bedrohen, so ruft sie 'hm ins Gedächtniß zurück, daß ihr heutigen TagS allein, einem von Zweifelsucht augefres- fenen Europa gegenüber, jene blinde Macht, Fanatismus genannt, zu Gebot steht. Sagt es auch die Pforte nicht mit denselben Worten, so gibt sie doch zu verstehen, daß sie wohl weiß, daß der russische Revolver für den Augenblick versagt hat.
— Berlin, 15. Jan. In der heutigen (2.) Sitzung deS Hauses der Abgeordneten theilte der Alterspräsident von Bonin ein Schreiben des Präsidenten des Herrenhauses mit, welches dem Hause das Resultat der Konstituirung deS Herrenhauses mittheilt. An Regierungsvorlagen sind eingegangen: vom Finanz-Minister die Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1875 und die Nachweisung über die Resultate der Veranlagung zur Klaffen- und klassifizirten Einkommensteuer für daS Jahr 1876; ferner der Rechenschaftsbericht über die