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Himmler Anjetger

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

.Erscheint täglich mit Ausnahme der tzsus- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliuer Provinzial-Torrespondenz.

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Samstag den 13. Januar

1877

Amtliches.

Holzverkauf.

Die hinter der gelben Mauer datzier stehenden 11 Papp'.lbäume werden

Mittwoch den 17. d. M.. Nachmittags 2 Uhr, an Ort und Stelle nach dem Meistgebot öffemlich versteigert; bei an­nehmbarem Gebot wird der Zuschlag im Termin ertheilt.

Hanau, 12. Januar 1877.

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Der Stadtkämmerer Weidert.

Realschule zu Hanau.

Auf daS mit dem 9. April beginnende Schuljahr 1877/78 können Anmeldungen neuer Schüler für die unterste Elementarktasse unter Vor­lage deS BeburtS- und JmpfzeugnisseS im Laufe des Monats Januar, täglich von 1112 Uhr im Geschäftszimmer des Unterzeichneten be­wirkt werden.

Hanau, am 8. Januar 1877.

Der Realschul-Direktor Becker

(204

Wochenschau.

H. H. C. Die abgelaufene Woche war eine überaus wichtige für Deutschland, nicht wegen des am 12. d. MtS. erfolgten erstmaligen Zusammentritts deS neugewählten preußischen Landtags, sondern wegen der am 10. Jauuar stattgehabten Reichstagswahlen, welche diesmal von ganz besonderem Interesse waren, da zu bm alten Parteiunterschieden noch die deutsch, konservative Agitation und der durch das b-i der dritten

nie standen sich die beiden Fraktionen der liberalen Partei so schroff gegenüber, wiewohl in manchen Wahlkreisen, rameptlich in solchen, wo von Seiten der Ultramontanen oder der Sozialdemokratin, ja, auch der VolkSpartei bedrohliche Konkurrenz gemacht wurde, das alte Büud- uiß der liberalen Richtungen aufrecht erhalten blieb. Am 7. Januar fanden in der deutschen Reichshavptstadt die kirchl. Gemeindewahlen statt. Es nahmen gegen 5O°/o der Wahlberechtigten daran Theil. In den meisten Kirchen. Gemeinden siegten die Liberalen mit Zweidrittel­mehrheit, die »extremen Parteien" siegten nur in einigen wenigen.

In Oesterreich erwartet man täglich den Befehl zur Mobelisirung mehrerer Armeekorps zur Besetzung DalmatienS, Kroatiens und Siebm- bürgens. Der betreffende Befehl wird jedenfalls sofort erlassen werden, wenn die Nachricht zum weiteren Vormärsche der russischen Südarmee eingetroffen sein wird.

Betreffs Italiens ist als bemerkenSwerth zu verzeichne«, daß Kö­nig Victor Emanuel beim letzten NenjahrSempfang den ihm Gratulireu« den mehrfach die Versicherung ertheilt hat, daß er zwar lange geschwankt, bevor er das jetzige radikale (fortschrittliche) Kabinet berufen, daß er sich jetzt aber freue, es gethan zu haben und daß er sich jetzt erst recht, mehr denn je, als konstitutioneller Monarch fühle. DaS neue Kabinet DepretiS-Nicotera hat übrigens auch Erbarmen mit dem tief in Schulden steckenden Be galantuomo, dessen Einkünfte von den unumgänglichen Repräsentation-kosten sta k mitgenommen werde», und beabsichtigt, ihm eine ausreichende »Theuerungszulage" zu erwirken.

Froh über daS beim Jahresschlüsse noch erlangte Kompromiß zwischen den beiden Kammern über verschiedene Budgetpositionen, wobei auch di-jemge für die Armeegeistlichen gerettet wurde. ging der franzö- stsche Premierminister Simon nach Neujahr sogleich daran, eine ganze Reihe reaktionärer Präfekten durch Republikaner zu ersetze« und den staatschrs zur Begnadigung einer weiteren Anzahl von KommunardS

Die Republikaner sehen freilich auch dies nur für eine Abschlagszahlung an und verlangen dringend noch ern weiteres Aufräu- L wen unter dem republikstindlichen VerwalmngLpersoaale. Sehr auf- ' gefallen ist, daß sowohl Thiers als auch die Gambelta'scheRöpublique frangaise in neuester Zeit, für die Pforte Partei ergreifen vnb die an . sie gestelltm Forderungen der Mächte als ungerechtfertigte bezeichnen; auch die ossizröse Presse bläßt, M» auch in MikdAr Weise, in das- 1

selbe Horn. Man darf wohl daraus den Schluß ziehen, daß es bis jetzt Rußland nicht eingefallen ist, Frankreich die bekannten Zugeständ­nisse zu machen und daß das Petersburger Kabinet mit Deutschlands und Oesterreichs Haltung, der Orientfrage gegenüber, zufrieden ist. Am 9. Jansar traten die franz. Kammern wieder zusammen.

DaS spanische Parlament hat um die NeujahrSzeit seine Winter­ferien angetreten. In der VerabschiedurgSrede betonte der Premier Canova», daß er seineVersöhnungkpolitik" fortsetzen werde. Diese Versöhnung! Politik besteht nun aber darin, daß man Diejenigen, welche als karlistische Offiziere Jahre hindurch sich an den empörendsten Gräuel« thaten bei Heiligten md sich deS grassesten VaterlandSverrathS schuldig machten, nicht nur begnadigt, sondern wieder in Amt und Ehren ein­gesetzt wurden und daß andererseits diejenigen Beamten und Ossiziere, welche nur im Verdachte freiheitlicher Neigungen stehen, trotzdem sie im Kawpfe gegen die Karlisten und die Kantoi alifien Gut und Blut in die Schanze schlugen, auSgkvmzt, ch'canirt und verfolgt werden.

Wenn diese Zeilen gedruckt sind, ist ohne Zweifel die Entscheidung in Konstantinopel längst gefaHtn. Trotz bet mehrmaligen Aschwächung der Forderungen der Konserenzmächte verbleibt die Pforte in ihrer ab­lehnenden Haltung, beruft sie sich auf ihre jetzige Eigenschaft eines Set* fassungSstaateS, welche ihr verbiete, ohne die Bewilligung der zu beru­fenden Kammern, irgend etwas mit der Verfassung nicht Uebereinstim« mendeS voizusehw'N. Ohne Zweifel trägt zu dieser Schroffheit der Glaube der türk. Staatsmänner bei, daß Rußland sich fürchte, sich gar zu gerne aus der Schlinge ziehen möchte und es auf keinen Fall zum Kriege kommen lassen würde. Die russ. Diplomatie hat diesen Glauben den Türken beizubringen verstanden durch die von ihr auSgesprengten Gerüchte über den schlechten Zustand der russ. Südarmee und über die K.ankheit deS Oberstkommandirenden und durch die auffallende Nach­giebigkeit Jgnatnff'S in der Konferenz. Rußland hat die Pforte in solchen Wahn versetzt, um sie zur Verwerfung der Konferenzvorschläge zu bestimmen, um sie zu isoliren und um den Zwerkampf mit ihr mög­lich zu machen. Des russ. Botschafters Abreise kann jeden Tag er-

ier, womit der Bruch fertig geworden sein würde. Auch Lord Ea«

t foiger, womit oer «ruch fertig geworoen fein wuroe. Aucy moio ea< i lisbury hatte sich schon am 8. Januar eine Jacht behufs event. Abreise i gemiethet.

Rumänien hat Protest eingelegt gegen verschiedene Bestimmungen der türk. Reichsverfassung, unter Anderem gegen diejenige, welche die Rückgabe der rumän. Telegraphen an die türk. Verwaltung verlangt. Die Pforte besteht aber auf sofortiger Anerkennung dieser Verfassung und weist darauf hin, daß sie ohne die Kammern die Verfassung nicht ändern könne. Darob große Erregung unter den Rumäniern, geheime Kau mersitzungen in Bukarest und wir halten e» wenigstens für wahrscheinlich Bündniß mit Rußland und Ultimatum an die türk. Regierung.

Berlin, 12. Jan. Heute Mittag 12 Uhr wurden die beiden Häuser des Landtag« durch S. Maj. den Kaiser und König mit nach­folgender Ansprache eröffnet:

»Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern bei Landtage»!

Die Session, zu welcher Sie zunächst berufen sind, wird sich im Hinblick auf den bevorstehenden Zusammentritt deS Deutschen Reichs­tage» aus die Erledigung der dringendsten Aufgaben beschränken müssen.

Dennoch war i3 Mir Bedürfniß, nachdem das Hau» der Abge­ordneten durch Wahlen erneuert ist, Sie bei dem Beginne eine» neuen Abschnittes der parlamentarischen Thätigkeit persönlich zu begrüßen und zugleich die Hoffnung auSzusprechen, daß Meine Regierung in dem Vertrauen und Entgegenkommen der beiden Häuser des Landtages auch während der neuen Legislaturperiode eine sichere Stütze bei ihrem Be­streben für die segensreiche Entwickelung der Gesetzgebung und für die Erfüllung der Bedürfnisse des Landes finden werde.

Die nunmehr gesicherte regelmäßige Folge der parlamentarischen Session ^m Deutschen Reiche und in Preußen wird, wie Ich hoffe, demnächst einer ruhigen und stetigen Arbeit auf beide» eng verknüpften (gebieten, zu Stätten kommen.

- Die Siaatseinnahmen für das nächste Etatjahr haben im Ganzen