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C M-rl 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem tetreffen« den Postausschlag.

: Sie ein teilte Num­mer 10 Psg.

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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanarr.

'.Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

M 4.

Freitag den 5. Januar.

1877.

Amtliches.

Frucht-Verkauf.

Montag den 8. d. Mts., Bormittags 11 Uhr,

sollen im diesseitigen Geschäftslokal:

9,834 Hectoliter Korn und

7,874 Gerste, öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden, was Kauflustigen zur Nachricht dient.

Hanau am 3. Januar 1877. (142)

Königliche Steuer lasse II.

Küch, Rentmeister.

Tagesschau. Zur Situation im Orient. A. d. Trib.

Die Pforte hat den in den beiden letzten Tagen aufgetauchten friedlich angehauchten Zweifeln über ihre Haltung glücklicherweise ein schnelles Ende gemacht. In dieser Beziehung wenigstens herrscht volle Klarheit. Schon jetzt ist die Lage derart zugespitzl, daß ein Weiter­tagen der Konferenz in Konstantinopel zur Unmöglichkeit geworden zu sein scheint. Der Kölnischen Zeitung wird auS Pera gemeldet:Die türkischen Gegenvorschläge vom Sonnabend enthalten die Durchführung deS Bilayetgesetzes vom 1. Februar 1867 für daS ganze Reich unter völliger Jgnorirung der von der Konferenz gemachten Vorschläge und betonen, daß künftig alle Gesetze der Genehmigung durch dieAbgeo-d- netenversammluug" bedürfen. Diese Ablehnung der Konferenzbeschlüsse hat in einer bei dem Botschafter Jgnatieff stattgehabten Besprechung daS Zusammenhalten der europäischen Delegirten bekräftigt und dazu geführt, die Verlegung der Konferenz nach Athen oder Spizza inS Auge zu fassen."

In wesentlicher Bestätigung dessen meldet auch dar Bureau Reu­ter aus London:Nach einer Pivatdepesche aus Konstantinopel vom 81. v. M. wird in den von der Pforte gemachten Gegenvorschlägen die Errichtung einer internationalen Kommission, sowie einer Gendarmerie gänzlich ignorirt, die Ertheilung einer Amnestie an die Aufständischen von Bulgarien und die Annahme anderer wichtiger Vorschläge der Konferenz verweigert und in Bezug auf die Reformen eine Garantie überhaupt nicht vorgeschlagen. Es hätten in Folge dessen qhie Bot- schafter Rußlands, Deutschlands, Oesterreich-UngarnS und Frankreichs in einer nicht-formellen Sitzung erklärt, mit der Pforte nicht weiter verhandeln zu können. Der russische Botschafter Jgnatieff habe ein Telegramm des Reichskanzlers, Fürsten Sortschakoff, verlesen, welcher ihn anweise, keinerlei Gegenvorschläge der Pforte anzunehmen. Am Schluß der Privatdepesche heißt eS, daß, wenn die Pforte die Annahme des ReformprogrammS ferner verweigern sollte, sämmiliche Botschafter Konstantinopel verlassen dürften. Nach einer weiteren Meldung deS Bureau Reuter hätte dagegen die Pforte sich bereit erklärt, christliche Gouverneure eiuzusetzen, da daS der neuen Reichsverfassung nicht zu­wider wäre.*

Nach einem andern Telegramm auS Konstantinopel hätte der dortige griechische Gesandte CondouriotiS Lord Elliot gegenüber erklärt, Griechenland werde seine Haltung der Türkei gegenüber von derjenigen Englands abhängig machen. Wenn England in Bezug auf die Türkei nur eine wohlwollende Neutralität beobachte, so werde auch Griechen­land sich neutral verhalten; sei daS aber nicht der Fall, so werde Griechenland nur seine eigenen Interessen zu Rathe ziehen.

DaS Journal de St. Peters bourg bespricht die Verlängerung deS Waffenstillstandes bis zum 1. März c. und hebt hierbei den wesent­lichen Unterschied zwischen der gegenwärtigen Situation und der Lage der Dinge im Oktober v. I. hervor. Der damals durch den Abschluß deS Waffenstillstandes gebotene Friede fei ohne jede Garantie gewesen, jetzt aber habe sich Europa durch die Konferenz über die Garantien und die vorzunehmenden Reformen ausgesprochen. Wenn daher jetzt ein Frieden abgeschlossen würde, so würde es ein ernsthafter und ehrenhafter fein. Es fei aber leichter, Bedingungen niederzuschreiben, als sie durch-

zuführen; da die Reformen nur im Prinzip? formulirt seien, so bleibe noch viel zu thun, ehe sie in8 Leben treten könnten; dazu wären kaum 2 Monate out reichend. Der Friede, wie ihn Rußland wünsche, könnte aus der verlängerten Waffenruhe hervorgkhku, wenn die Mächte fort* führen, einig zu bleiben. Die MoSkauer Zeitung dagegen führt auS, deß England und Otfierwdj sich einer Täuschung aussetzen würden, wenn sie etwa meines sollten, daß Rußland nur drohen, diesen Dro­hungen aber nicht auch den erforderlichen thatsächlichen Nachdruck geben wolle.Zu bloßen Drohungen gegen die Türkei habe Rußland keine mobile Armee ausgestellt."

DieKöln. Ztg." schreibt: Der Reichstag besteht in der Haupt­sache aus zwei großen Hälften, von denen die eine dem Reiche und sei­ner Weiterentwickelung freundlich, die andere ihm feindlich geZMübe-steht. Die erstere, bei Weitem größere Hälfte, wird gebildet aus der Fort- schrittsfraction, der dieser zunächst stehenden Gruppe Löwe, den National- Liberalen, den Frei- und Altconservativen und einigenWilden" die andere aus den Ultmmorttm en, Polen, Elsassern, Socialdemokraten und einem (wilden) Mitgliede der sog. deutschen Volkspartei. An der Schluß und Hauptentscheidung über die Justizgesetze betheiligterr sich nach AuSweis der stenographischen Berichte 294 Mitglieder, von denen 194 für, 100 gegen dieselben stimmten. Die Mehrheit wurde zusammenge­setzt auS: 138 Nationalliberalen, 26 Freiconservativen, 17 Anconserva- tiven, 9 von der Gruppe Löwe, 4 Wilden, zusammen 194 Stimmen. Die Minderheit bestand da alle Polen, Etsässer und Seciatdemokra- ten sich entfernt hatten aus: 67 Ultramontanen, 32 Fortschritt, 1 Wilden (Sonnkmann), zusammen 100 Stimmen. Von den Eingangs bezeichneten reichsfreundlichen Froctionen die Ultramontane» und ihr Anhang scheiden bei unserer Berechnung ganz aus, da sie alle großen organischen Gesetze des Reichs bekämpfen haben mithin: 194 für und nur 32 (Fortschrittsfrüction) gegen die Justizgesetze gestimmt, also in dem Verhältnisse von 86 zu 14. Wenn Zahlen beweisen, so thun es diese.

Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Frhr. von Werthern, von welchem es schon vor längerer Zeit hieß, daß er eine Urlaubsreife antreten werde, trifft nach derTrib." in nächster Woche in Berlin ein. Es heißt wie weit mit Grund, sei dahingestellt Herr von Werthern werde nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren. Die friedlichen Nachrichten aus Konstantinopel sollen in diplomatischen Krei­sen zu Berlin wenig Glaube» gefunden haben. Man hätt den Krieg für unvermeidlich und glaubt, daß die Bevollmächtigten zur Konferenz Konstantinopel vielleicht schon in den nächsten Tagen verlassen werden.

Privatdepeschen aus Eydtknhnen zufolge ist der Beginn der Einherung der russischen Zölle in Gold um 10 Tage, d. i. bis 23. d. M., hinausgeschoben worden. Die Verzögerung dieser Maßregel dürste nach Ansicht der Böls. Ztg. auf die große Ansammlung von Waaren an den russischen Grenzstationen, die noch nach dem alten System ver­zollt werden müssen, zurückzuführen sein. (**«)

Königsberg den 28. Dezember. Der Schade, welcher durch den großen Brand in dem Gebäude der Hartung'schen Druckerei angerichtet worden, ist, wie die Hart. Z. berichtet, auch heute noch nicht zu übersehen. Der reiche Verlag des Geschäftes ist gänzlich vernichtet, und es wird geraume Zeit dauern, bis die gangbarsten Artikel wiever- hergestellt werden können. Die zur Löschung des Brandes verwandten Wassermassen waren so enorm, daß nicht nur alle Räume des Gebäu­des unter Wasser standen, sondern daS Wasser auch wie ein reißender Strom die Treppen hinab und wieder auf die Straße stürzte, auf seinem Wege sich in Eisberge verwandelnd. Die Mannschaften der Feuerwehr glichen bald beweglichen Eisklumpen; man sah am Nach­mittag den Branddirektor v. Bernharty in einem Zustande, der es ihm unmöglich machte, sich zu setzen oder eine Hand zum Munde zu führen; er starrte vollständig in Eis, von seiner Dienstmütze hingen mächtige Eiszapfen herab. Bei dem großen Schaden, den das Feuer angerich­tet hat, ist doch ein Unglücksfall nicht vorgekommen. In ernstlicher Gefahr schwebten der im Hanse wohnhafte Chefredacteur der Zeitung