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schloffen, den bezüglichen übereinstimmenden Entscheidungen deS Ober- Tribunals prinzipielle Folge zu geben, und find deshalb die Stempel- fiskäle angewiesen worden, Erinnerungen nicht mehr aufzustellen, wenn sie wahrnehmen, daß für sogenannte pacta de cavendo ein besonderer Stempel nicht berechnet und berichtigt worden ist.
— St. Petersburg, 30. Dezember. Der „Golos" weist bei Besprechung der augenblicklichen politischen Lage darauf hin, daß der Sultan recht wohl im Stande sei, die von den Mächten geforderten Konzssionen zu gewähren ; die türkische Regierung sei bisher nicht von dem Fanatismus der türkischen Bevölkerung beeinflußt worden, sondern habe vielmehr diesen Fanatismus erst künstlich heroorqerufen, wie solches zeitweiig ihren Plänen entsprochen habe. TArch weise Nachgiebigkeit werde Sultan Hamid seinen Thron mehr befestigen, als durch starren Widerspruch, der unzweifelhaft schwere Konflikte herbeiführen werde.
— PariS, 31. Dezbr., Abends. Der Conseilspräsident JuleS Simon hat, wie die Agencs Havas erfährt, bei Gelegenheit des Empfangs des Makler-Syndicats erklärt, daß er die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der orientalischen Frage aufrecht erhalte und in dieser Beziehung der Weisheit der europäischen Mächte vertrauen zu dürfen glaube. («öl«. Ztg.)
— Eine bessere Anerkennung ist Gambetta von deutscher Seite kaum jemals zu Theil geworden, als sie ihm in der neuesten Nummer des offiziellen „Militär-Wochenblattes" wird. Bei Besprechung des zweiten Bandes von Fontases: „Krieg gegen Frankreich 1870—71" wird nämlich folgender Satz aus der Charakteristik des großen Feindes mit ausdrücklicher Billigung hervorgehoben: „Gambetta war in erster Reihe nicht Republikaner, sondern Patriot, und von dem kleinlichen, eitlen Eigensinn oder beschränkten Prinzipienreiterei durchaus frei. Voll großen Sinnes einem großen Ziele, der Befreiung des Vaterlandes, hingegeben, hat seinem aus der Schlammfluth der Angriffe fleckenlos hervor gegangenen Thun nichts gefehlt, als das eine, das freilich in den Augen der Menschen zumeist entscheidet — der Erfolg." Sechs Jahre nach einem Kriege auf Leben und Tod ein anerkennenswerthes Zeugniß für die Objektivität, mit welcher der Deutsche auch des Gegners guten Seiten gerecht wird.
— New-Aork, 29. Dezember. Der Dampfer „Helvetia" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffm.
Lokales.
' Hana«, 2. Januar 1877,
— (Stadt-Theater.) Am 26. Dezbr. „Die Erbin von Mau- rach", von E. Pirazzi. Die Ankündigung, daß das „Drama" in Frankfurt 2C. mit Beifall gegeben worden sei, ließ unS hoffen, etwas Gutes zu sehen, selbst wenn eS eine Bearbeitung einer Gartenlaubenerzählung ist — aber gleich allen früheren, ja wir möchten fast sagen noch weniger als die bisher gesehenen, ist auch diese Bearbeitung ein Nichts, denn sie entbehrt jedes dramatischen Lebens. Der einzige Moment, welcher Interesse für sich in Anspruch nehmen könnte und Handlung auf die Scene bringt — nämlich die Nachricht von der Ermordung der Wirth- schafteriu Herbold, der eigentlichen Erbin, basirt nicht nur auf der irrigen Voraussetzung des Bearbeiters: das Publikum könnte auch nur einen Augenblick glauben, Graf Wilderich sei der Mörder, sondern mit dem Tode der Herbold ist überhaupt das zweifelhafte Interesse für die Erbin von Maurach geschwunden, das Publikum weiß, daß die Er- mordete die von dem Vicomte und Melusine so oft erwähnte Erbin war und eS bedarf nur noch dieser Eröffnung den Beiden gegenüber und das Stück ist — aus. Der tragische Conflict, welcher sich erst im 4. Akte entspinnt, ist eine Sache für sich und daher die vorangehenden 3 Akte eine Erzählung, welche nöthig ist ein Verständniß für: „Den Mord auf Schloß Maurach" herbeizuführen. Unklar und oft widersprechend sind die Charactere der Personen und undankbar bis auf nur wenige Momente alle Rollen. Die Darsteller thaten wahrhaftig mehr für diese Eintagsfliege als dieselbe werth ist und mag der Dichter sich dafür bei der Regie, wie den Darstellern bedanken. Namentlich sind es Frl. Röttger (Melusine), (Graf Wilderich) Herr Bert hold und Herr Güldenstein (Vicomte), welche wir um ihreHerculesarbeit nicht beneideten.
— (Hanauer Stadt-Theater.) Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, findet nächsten Freitag den 5. d. Mts. die erste Benefice- Vorstellung im Theater und zwar die des Herrn Geh ring statt. Der Beneficiant, ein beliebtes Mitglied unserer Bühne, hat mit Schil- ler's „Don Carlos", welches Stück fiit vier Jahren in unserem Theater nicht zur Aufführung gekommen, jedenfalls das Richtige getroffen und glauben wir Herrn Geh ring in Anbetracht seiner Beliebtheit und seiner guten Wahl ein volles Haus versprechen zu können.
Eingesandt.
Kapelle der Wiener Tonkünstleriunen.
Wenn in der zuletzt ausgegevenen Nummer dreseS Blattes durch einen Artikel aus Münster die Kapelle der Wiener Tonkünstlerinnen schon Vortheilhaft eingeführt war, so konnten sich die zahlreichen Be
sucher deS gestern in der „großen Krone" abgehaltenen Concerts (beidS Säle waren bis auf den letzten Platz besetzt) überzeugen, daß obener" wähnte Notiz nur Wahrheit enthielt und daß die Leistungen der Kapelle volles Lob und Empfehlung verdienen. Folgte schon nach jeder einzelnen Nummer stürmischer Applaus, so steigerte sich derselbe noch bei dem seelenvollen Spiele der beiden Solistinnen Frl. A. Barbi und Frl. A. Steinhart. Es wird gewiß mit Vergnügen vernommen werden, daß heute Abend nochmals Gelegenheit geboten ist die Kapelle, und zwar in der „Centralhalle", zu hören. Zu dieser Gelegenheit findet Restauration bei Wein und Bier statt, so daß sich auch der minder gut Situirte diesen Genuß verschaffen kann. — An zahlreichem Besuche wird eS nicht fehlen.
— Wir constatiren mit Vergnügen, daß die vorgestige NeujahrL- nacht im Vergleich mit denen früherer Jahre Verhältniß ruhig vorüber- ging. ES herrsche weder ein so wüster Lärm auf den Straßen noch war von dem unsinnigen Schießen viel zu hören, und sind auch, so viel wir vernehmen konnten, in den Wirthschaften keine Ausschreitungen vorgekommen.
Eingesandt.
—s: Das Trottoir nach Kesselstadt ist in anerkennenswerther Weise in der Weihnachtswoche so hergerichtet worden, daß der Weg dorthin auch bei schlechter Witterung trockenen FußeL begangen werden kann. Um so mehr ist ein eingeschtichener Mißstand zu rügen, der ei- neStheils daS Trottoir beschädigt als anderntheils das verkehrende Publikum belästigt. Die täglich zur Stadt gebrachten Milchwägelchen befahren größtentheilS das Trottoir und verursachen mit ihren schmalen Rädern Geleise, in denen sich das Wasser zum Schaden der Verbesserung ansammelt, weiter muß der Spaziergänger, wenn er solchen Fuhrwerken begegnet, in vielen Fällen nach der schlammigen Chaussee hin aus- wrichen, was gerade nicht zu den Annehmlichkeiten gehört. Auch in diesem Falle könnte vielleicht Abhülfe geschafft werden.
BerstetgernngK- ««8 Derpacht»«gK-Kale«deN für Mittwoch den 3 Januar 1877
Nach«. 2 Uhr kommen im Ktssüstädter Gemeindewald 35 Eichen- stämme zum Verkauf; Zusammenkunft an Station Wilhelmsbad (s. Nr. 303 „Han. Anz").
— Testamentseröffnung. Mittwoch den 3. Januar, Morgens 11 Uhr. mub beim Amtszericht zu Bergen das Testament des verstorbenen Oberlehrers dahier, Herrn Georg Eisenbach, eröffnet.
— Kgl. Regierung zu Gaffel macht im „Amtsblatt" folgendes bekannt: Von der „Nationalbank des Großherzogthums Luxrmburg" zu Luxemburg sind neuerdings auf Reichswährung lautende Banknoten, und zwar in Abschnitten zu 5, 10 und 20 Mark, ausgegeben worden. Die Verwendung dieser Banknoten zu Zahlungen innerhalb des Reichsgebiets ist nach §. 11 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 (R-ichs- gesktzblatt S. 177) verbeten, und wird nach §. 57 a. a. O. mit Geldstrafe von fünfzig bis zu fünftausend Mark, im Falle gewerbsmäßiger Verwendung daneben mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. Der Versuch ist strafbar.
— Der Kreisbaumeister Maurer zu Schlächtern tritt auf sein Nachsuchen vom 1. Februar d. I. ab in den Ruhestand. Die Geschäfte desselben werden von dem Bauinspektor Spangenberg zu Geln- Hausen mitversehen werden.
— Der Baurath Rndolph zu Cassel ist zum Mitglieds der Königlichen Eifenbahn-Direkt ou zu Elberfeld unter Versetzung dahin ernannt worden.
— Kassel, 31. Dezember. Am Freitag Abend fand eine kleinere Versammlung von Mitgliedern des Handels- und Gewerbe-Vereins, der kaufmännischen VereinS und des Vereins selbstständiger Handwerker und Fabrikanten in dem neuen Saale der „Stadt Stockholm" dahier statt, in der Hr. Obertribunal-Rath Dr. Bähr eingehend seine Stellung zu den, auf dem Cölner Delegirtentag des „Vereins selbstständiger Handwerker und Fabrikanten Deutschlands" vereinbarten Grundzügen klarlegte und gleichzeitig auf Befragen seine Ansicht über die jetzt beschlossenen Handelsgerichte, sowie über die angestrebte Verbesserung des Creditwesens mittheilte. Nach dieser sehr beifällig aufgenommenen Beantwortung wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Wahl Herrn Dr. Bähr's unabhängig vom politischen Standpunkt zu empfehlen und wurde der Wortlaut sofort von einem großen Theil der Anwesenden unterzeichnet. (Fr. Hess. Ztg.)
— Fulda, 30. Dezember. Ueber die Rhönbahn können wir aus früheren Quellen mittheilen, daß die bayerische Regierung eine solche unbedingt bauen wird und zwar hauptsächlich zum Wohle der Rhön- bewohner. Dieselbe hat die Rhön durch Sachverständige wiederholt untersuchen lassen und eS geht aus dem Gutachten des UniversitätsProfessors Dr. Sandberger in Würzburg unzweideutig hervor, daß wenn die Bahn so angelegt wird, daß sie den enormen Kohlenfeldern, welche vorzügliche Qualitäten Kohlen enthalten und die sich in der östlichen Abdachung der Rhön befinden, thunlichst nahe gerückt wird und wen« i man die übrigen Export-Artikel, Torf, Kalkstoffe, Schwerspath, Basalt, [ Sandstein, Glassand, Eisensteine, Töpferthyn, Porzellan-Erde, Schlacht-