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und Samstag» mit der Berliner Provinziell- Correspondenz.
M 1.
Dienstag den 2. Januar.
1877.
Herzlichen Glüekwnnsch zum neuen Jahr.
Die Redaction und Expedition des „Hanauer Anzeigers
Amtliches.
Die Steuerpflichtigen werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die directen Staats-Steuern für die Monate Januar, Februar und März 1877 auf Grund der Steuerzettel pro 1876 jetzt zu entrichten sind, während die neuen Steuerz-ttel erst vom 1. April 1877 an ausgefertigt und Ende April cr. behändigt werden.
Die Brandsteuer pro 1877 — von 30 Mark Versicherungskapital wiederum 4 Pfennige betragend — ist im Laufe des 1. Quartals 1877 im vollen Jahresbetrage einzuzahlen. (72)
Hanau am 2. Januar 1877.
Königliche Steuerkasse I.
De ichmann.______________________
Holzverkallss-Bekanntmachung.
Aus der Königlichen Obeiförsterei Salmünster sollen am 8.
Januar 1877, Vormittags 9 Uhr, im Gasthofe zum Löwen in Salmünster öffentlich meistbietend und zwar aus den Schutzbezirken Meines (Hundsrain), Alsberg (Haselsgraben und Steinküppel), Hausen (Gretenberg und Waldweiser) und Häuserdick (Kuppe) verkauft werden.
530 Eichen-Stämme mit 630 Festmeter, 30 Eichen-Derbholz- Stangen, 50 Rmtr. Eichen-Müsselholz, 1060 Rmtr. Eichen- Scheit- und Knüppelholz, 5 Buchen-Stämme mit 11 Festmtr., 15 Rmtr. Buchen Müsselholz, 440 Rmtr. Buchenscheit- und Knüppelholz, M0 Rmtr. Nadelholz-Scheit- uhb Knüppelholz, 100 Rmtr. Nadelholz-Reiserknüppel, außerdem vom vorjährigen Einschlag 840 Rmtr. Kicfern-Stammknüppel und 465 Rmtr. Kiefern- Reiserknüppel.
Es wird mit dem Verkauf des Nutzholzes begonnen und gegen 11 Uhr zum Verkauf des Brennholz°s überuegangen werden. Nähere Auskunft ertheilt der unterzeichnete Oberförster. (8627) Salmünster den 23. Dezember 1876. (209/XII) ।
Der Königliche Oberförster ____________________Hinh.____________________
Rückblick aus das Jahr 1876. (Fortsetzung.)
In der letzten Woche des Jahres kam er denn doch noch zur eigentlichen Konstantinopeler Konferenz, welche sogar einen Türken zum Vorsitzenden ernannte. In der ersten Sitzung, während Kanonendonner den feierlichen Moment der Verkündigung der neuen Verfassung einlei- tete, theilte einer der türk. Vertreter den Konferenzmitgliedern den Wortlaut der Verfassung mit, deren erster Artikel lautet: „Das türkische Reich ist untheilbar." Einige Zeitungen haben einen Druckfehler in dem letzten Worte finden wollen und behauptet, eS müsse heißen: „unheilbar". Doch ist dies wohl nur ein schlechter Witz, der allerdings den Nagel auf den Kopf trifft. Die Verfassung will das türkische Reich zu einem VerfassungSstaate mit 2 Kammern machen, von denen die Mitglieder der einen vom Volke gewählt, die Mitglieder der andern vom Sultan ernannt werden sollen. Die Mächte wollen sich jedoch mit der Publikation der Verfassung nicht abspeisen lassen, verlangen nach wie vor Garantien für die Durchführung der Reformen in den „aufständischen" Provinzen und haben in der obenerwähnten Sitzung den türk. Vertretern ihre mit Rußland vereinbarten Forderungen unterbreitet und gedroht, Konstantinopel verlassen und die Pforte ihrem Schicksale überlassen zu wollen, wenn sie sich nicht füge. Zu diesen Forderungen gehört die Ueberwachung der Reformen durch von britischen Offizieren befehligte bulgarische und bosnische Milizen. Sultan Hamid und der Großvezier eik-ärten aber aus'S Bündigste, daß die Pforte nicht die geringsten Konzessionen mehr machen werde und einen Krieg der Zulassung der Okkupation vorziehe. In Folge dessen soll '
tue englische flotte bte Besikabar bereits verlassen haben. Lord Salis- bury hat dem Sultan die Versicherung ertheilt daß, wenn er die Ueber« wachung der Reformen durch einheimische Milizen nicht zulasse, die Okkupation unfehlbar eintreten werde, und zwar Bulgariens durch russische und BoSniens und der Herzegowina durch österreichische Truppen. Es muß sich bald zeigen, ob dies ernst gemeint war. Der österreich. Kaiser hat bereits einen großen M>nisterrath abgehalten, zu welchem auch Graf Karolyi aus Konstantinopel gekommen war und auf welchem die OkkupationSfrage berathen worden sein soll. Der russ. Vormarsch dürfte vielleicht durch die E-krankung des Oberbefehlshabers einige Tage verzögert werden. Alles in Allem: Das Jahr 1876 schließt mit der Aussicht auf einen baldigen ruffischtürk. Krieg, an dem sich übrigens auch Rumänien, Serbien, Montenegro und Griechenland betheiligen werden. Rumänien hat mobilisirt, Serbien und Montenegro stehen wieder schlagfertig da und die griechische Kammer hat soeben die Mobilmachung von 120000 Mann und die zugehörigen Kredite bewilligt.
Das türkische Reich hat im verstrichenen Jahre zweimal seinen Herrscher gewechselt. Um die Krisis beschwören zu können, setzte die Reformpartei den unfähigen, entnervten, geistesschwachen, despotischen und allen Reformen abgeneigten Sultan Abdul Aziz ab und erhob sie dessen N ssen Murad (V.) auf den Thron. Bald zeigten sich jedoch auch an Diesem die Spuren unheilbarer Geisteskrankheit und mußte auch er wieder beseitigt werden. Während man aber den bösartigen Sultan Aziz sich den Tod durch Ausschneiden der Pulsader geben ließ, schenkte man dem ungefährlichen Murad das Leben, zu dessen Nachfolger man den jüngeren Bruder desselben Abdul Hamid machte. Dieser Abdul Hamid scheint nun wirklich ein Mann zu sein, wie lange Z it Keiner den Thron der Chalifen innegehabt. Er ist zu liberalen Reio men geneigt und entschlossen, alle möglichen Prärogative der Krone p> riSzugeben, nur um das Reich zu retten. Allein, Abdul Hamid kommt wohl zu spät. Das rechte Mittel nützt nichts, wenn es nicht I zur rechten Zeit angewendet wird. Er scheint vom Schicksale auserlesen zu sein, zu büßen für die Missethaten und Unterlassungssünden feiner Vorgänger, trotzdem er den besten aller Türken an die Spitze des Staates gestellt, der die großherzigsten Ideen hegt, die je im Kopf eines Osmanen entstanden.___________________________________________
Tagesschau.
— Berlin, 31. Dez. Bis zum 1. März ist, nach der „Köln. Ztg." der türkisch-serbische Waffenstillstand verlängert und, wie man wohl annehmen darf, auch die russische Ueberschreitung des Pruth bis dahin wenigstens vertagt. Die Türkei hat demnach sich wohl bereit er« klärt, auf Grund der Vereinbarungen der Vorconferenz weiter zu verhandeln. Daß eS dem deutschen Reichskanzler gelingen wird.^den Frieden im Orient noch über das kommende Frühjahr hinaus zu erhalten, ist nur dann wahrscheinlich, wenn Rußland sich in seinen bisherigen Forderungen herabstimmen läßt — in Erwägung der Zusagen, die sein Kaiser noch kürzlich durch Lord Augustus Loftus von Llvadia aus förmlichst ertheilt hat, die zu halten unter Umständen zu schwierig, die zu verletzen aber, als die NeutralitätS-Zusagen der übrigen Großmächte auflösend, sehr gefährlich werden könnte. — Dem ReichStagS-Präsiden« ten v. Forckenbeck ist mit der jüngsten Ordensverleihung ein schmeichelhaftes Schreiben des Kaisers zugegangen, in welchem seiner Verdienste um die Führung der anstrengenden Arbeiten der kurzen aber an Ergebnissen reichen Session des Reichstages mit Befriedigung gedacht wird.
— Der erste und der fünfte Senat des Ober-Tribunals haben sich übereinstimmend dahin ausgesprochen, daß Reben-Berträge, in welchen Jemand sich zur Bestellung einer Kaution nur verpflichtet, ohne sogleich schon eine Kaution wirklich zu bestellen, dem besonderen Stempel für Verträge nicht unterliegen. Der Finanz Minister hat im Einver- ständniß mit dem Justiz-Minister und der Ober-RechnungSkammer be-