Einzelbild herunterladen
 

1619

wärtig einen Bestand von 148 Garde- und Linien« und 156 Landwehr- Jnfanterie-Regintentern, 26 Jäger-Bataillonen, 93 Garde- und Linien- und 34 Landwehr-Kavallerie-R-gimentern, 34 Feld« und 17 Festung»« Artillerie-Regimentern, 18 Pionier- und eben so viel Train-Bataillonen. Welcher Unterschied »wischen 1807 und 1877! Welcher Wechsel aller Verhältnisse liegt zugleich aber in diesen zwei Menschenaltern einge­schlossen ! Noch vor 10 Jahren haben sich viele der Truppenkörper, welche jetzt die Bestandtheile des f gesammtdeutschen Heere» bilden, im blutigen Kampfe gegenübergestanden. Hoff-ntlich darf für Deutschland die Zeit, wo dies möglich war, jetzt für immer als abgeschlossen gelten. 191 größere Kämpfe, darunter 53 offene Frldschlachten und einige 30 größere Treffen, nebst vielen Hundert Gefechten, bilden die blutigen Marksteine, vermittelst deren in diesen 70 Jahren die kleine preußische Armee zu ihrer gegenwärtigen Stellung als Kern und Halt der gejammt- deutschen Armee aufgestiegen ist. Unter dem König und jetzigen Kiffer Wilhelm aber sind von derselben im Dänenkriege von 1864 47 Dane- brog« und 209 bei Düppel und auf Alsen mtt stürmender Hand er­oberte Geschütze, im Kriege von 1866 2 Standarten, 11 Fahnen und 208 Geschütze, unb in dem deutschen EinheitSkriege von 1870/71 94 Abler, Fahnen und Standarten, mehr als 1100 Feld- und über 2000 Festungsgeschütze erbeutet worden. Dagegen ist in den erst angeführten beiden Kriegen weder ein preußische» Feldzeichen, noch ein preußische» Geschütz verloren gegangen, während in dem letzten Kriege nur Eine Fahne und insgesammt 6 deutsche Geschütze dem Feind; zur Beute ver­blieben sind. Urberhaupt ab r sind der preußischen Armee seit ihrer Reorganisation von 1808 nur drei Fahnm entrisse« worden (eine bei Dijoa, 21. Jan. 1871, zwei bei StogeS, 13. Febr. 1814), eine Ein­buße, welche bei den Hunderten, seitd-m bestandenen, schweren und ver­lustreichen, oft genug auch schwankenden und wechselvollen Kämpfen in ihrer Geringfügigkeit nicht minder vereinzelt, als die zu Eingang her­vorgehobenen beiden Feste dasteht. (e4». «er»

Berlin, 26. Dez. In der Sitzung deS BundeSrathS am 22. wurden, wie schon mitzethellt, die Justizgffetze einstimmig ange­nommen, mit Ausnahme von Reuß ä. L., welches an der Abstimmung nicht Tqeil nahm. Der gewöhnlich die Stimme desselben führende Hes­sische Ministerialrath Neidhardt war nämlichohne Instruktion". ES scheint, daß man in Reuß ä. L. die Gepflogenheiten des seligen Bun- deslazes noch immer nicht ganz überwunden hat.

Bezeichnend für da» Verhältnis Englands zur Pforte ist eine Aneksote, die der B-richterstatler der N. Fc. Pr. von der Konferenz erzählt: AlS der Marquis v. SaliSbury dieser Tage in einem offiziellen Eaton Die Meinungen ors ottomanischen Kubinets sondiren wollte, wen­dete er sich auch an Mibyat Pascha. Der Präsident des StaatSratheS erwiderte ihm:Ihre Act, sich für uns zu oemühen, indem Sie sich in unserer eigenen Hauptstadt versammeln, um ohne unS über unsere Au- gelegenheitru zu entleiben, um über uns bei verschlossenen Tgüren zu Gericht zu sitzen und uns erforderlichenfalls zu exrkutiren, ist nicht da­nach angethan, unS zu veranlassen, auf Ihre Rathschläge zu hören." DaS Gespräch über diesen G ^enstaud dauerte fort, und der MalquiS V. SaUsouly, in der Meinung auf Miohat Pascha einen ganz bejon* beten Eindruck hervorzubrinzen, li ß die Andeutanz fallen, daß Eng and Nicht geneigt sein würde, der Türkei in einem Stiege gegen Rußland irgend weichen materiellen Beistand zu leisten. Midhat entgegnete: Wir wffs n dies seit Langem, aber was Sie, Myloro, nicht wissen, uno was man bei Ihnen zu Hause vergess n zu haben scheint, ist, daß wir in diesem Lande seit 600 Jahren geoteten und unsere Stellung bis zum Ä ußersten vertheidigen w-rden. Die Türkei ist entschlossen, an der ersten Ko-ff renzsttzung zu erküren, daß ihr kein Opfer, keine Gefahr zu g, wtva es die Währung ihrer Unabhängigkeit gilt." Als Mar- quis o. Sausbmy den tückischen Staa smann unterbrechen wollte, fuhr dieser fort:Wir werden allen Böllern des Reiches die Freiheit und ausreichende bürgerliche und poitiiche Rechts, durch eine ehrliche Ber« sosiang verbürgt, gewähren. Aber wir sind auch unerschülterlich ent- schloss n, wenn Ruß,and an dar K uz app Hirt, die grüne Fahne des Pcophrten durch das ganze Land zu tragen. Will Europa den Unter­gang der Türkei, so werden wir sümpfen bis zum letzten Athemzuge, und d.e Welt wiid sehen, wie ein gläusigeS tapferes Volk sich zu weh. ren versteht. Gleich unserer Herrschaft wird unser Untergang Jahr­hundert: ubrrdauern."

Bremen, 27 Dez. Der LloyddampferFrankfurt" war laut Kavelleiegramm aus New OrleanS am 25 d. M. wohlbehalten dort etngtituffen.

Die Erkrankung des russischen Großfürsten NicolauS sen., Bruders deS KafferS Alexander, welcher zum Führer der russischen Operationslruppen gegen die Türken ersehen war, ist nach hier ringe- gangenen Privat- Nachrichten ernster als eS nach Den Telegrammen den Anschein hat. Der Großfürst liegt an einem Darmübel bnnieoer, ähnlich demjenigen, welche» der deutsche K-onprinz tm Winter 1873 in Karlsruhe zu üb-rstehen hatte. DaS Befinden deS Gloßfürsten ioll zu Besorgnissen Anlaß geben, und einer seiner Brüder, der im Kau­

kasuS commandirt, bereit» designirt sein, daS Truppen-Commando gegen die Türken zu übernehmen. (Sta.)

St. Petersburg, 27. Dez. Nach einer Meldung der Internationalen Teleqraphen-Aqentur" aus Pera vom heutigen Tage hat Midhat Pascha sich gestern bei dem russischen Botschafter, General Jgnatieff, in Gegenwart sämmtlicher Mitglieder der Konferenz in ent­schiedener Weise dahin ausgesprochen, daß die tückische Regierung ent- schlossen sei, in keinem Punkte nachzugeben.

Moskau, 28 Dez. DieMoskauer Zeitung" nennt die türkische Verfassung eine bloße Verspottung der Mächte, durch welche die bedrängte Lage der Christen gleichsam legalisict und die Verant­wortung der Regierung beseitigt werde. Nur eine ernstliche Okkupation, sowie daS Reckt der christlichen Bevölkerung, auch im Frieden Waffen zu tragen, falls den Türken dieses Richt nicht entzogen werden könnte, wären im Stande, die Lage der Christen zu bessern.

London, 28 Dez. Nach einer mit anderweitigen Nachrich­ten in Widerspruch stehenden Mittheilung der heutigenMorning Post" hätte die englische Regierung, wie auch ihre Entscheidung in der orien­talischen Frage ausfallen möge, zu keiner Zeit die Absicht gehabt, die englische Flotte aus der Bestkabay nach England zurück zu berufen oder die diplomatischen Beziehungen mit der Pforte abzubrechen. Aller­dings werde sich die englische Flotte in der Kürze nach Solonichi ober nach dem PiräuS gegeben, dies hab; seinen Grund jedoch lediglich in dem Umstände, daß die Bestkabay roäheud bet W nrerzeit ein gefähr­licher Ankergrund sei.

Konstantinopel, 27. Dez. DaS Dekret vom 6. Oktober 1875, betreffend die Reduktion der Zinszahlung der Staatsschuld, ist osfizcell aufgehoben. Das Bairamfest ist mit großer Feierlichkeit be­gangen. Der Sultan wurde bei seinem Erscheinen mit großem Enthu­siasmus begrüßt. Mehrfach wurde auch der Ruf:Es lebe die Ver­fassung !" vernommen. Im Gefolge deS Sultans befand sich ein Theil der Nationalgarde von Solonichi. In Betreff der Haltung der Pforte den Beschlüssen der Vorkonferenz gegenüber oerlautet der Agence Havas" zufolge, daß die Pforte dieselben nicht en bloc zu­rückweisen, sondern, um Z'.it zu gewinnen, zunächst gegen mehrere Punkte Einwendungen machen werde; auch sollen die Bevollmächtigten geneigt sein, über gewisse Details sich in Erörterungen einzulasse«, wenn nur die ausgesprochenen Prinzipien aufrecht erhalten bleiben. Außer der auf Donnerstag anberaumten Sctzung wird voraussichtlich auch am Sonnabend eine solche stattfinden.

Cettinje, 26 Dez. Da der Waffenstillstand zu Ende geht, haben sich die Oberkommandanten Petcov'c und Bukotic auf ihre frühe­ren Posten begeben.

New- Dork, 27. Dez D-r Hamburger PostdampferPom- merania" ist am 23. d. Nachts hier eingetcoffm.

Lokales.

Haua«. 29. Dezember 1876. Stadttheater in Hanau.

Mittwoch den 20. Dezimier. Sch!aumey;r & Co., Posse in

3 Akten v. Rosen. Wmn gleich daS Süjrt an schon oft DageweseneS erinnert und die Erbschaft des verstorbenen alten Onkel Ichlaumeyer mit der fatalen conditio sine qua non eine ber Töchter zu heirathen, mit welcher Vater Roien die v-coen alten, sich stets ärgernden Com­pagnons und Testamentsvollstrecker beglückt hat, sehr oft. namentlich in Possen da war, lachen muß man doch, ja sogar manchmal recht herzlich lachen über dieVerrücktheiten" und auch harmlosen Scherze und Wort­spiele, welche vo-kommen. Der Zweck einer Posse aber ist ja doch eigentlich nur: Heiterkeit zu schaffen. Streng genommen sind eS nur drei Rollen, welche hervorragend oder als Hauptrollen zu bezeichnen sind: Schulze (Hr. Schwarz), Müller (Hc. Gärtner), Piesecke (Hr. Roland) Das Compagnondaett Schulze-Müller wurde von den beiden Darstellern recht ocastisch-wlckuugsooll g-geben uad H;rr Roland war als Dritter im Bunde gleichfalls recht ergötzlich. Die Darsteller des Schlaum yer H . B-rthold, Dr. Lebrecht Hr. Gehring, Grunow Hr. HerrmM ', waren bemüht ihren Rollen das Beste abzvgewinnen, jedoch sind die Rollen an sich zu unbedeutend, um groß wirken zu können. Frl. BelgradCoyn" schien sich in der Rolle nicht recht zu behagen und sah auch nicht sehr vortheilyast aus.

Wir können mit gutem Gewissen, bei etwaiger Wiederholung der Posse, Lachlust gen zum Besuche der Vorstellung nur rathen.

Die rel-gcrien Studenten, Lustspiel v. Benedix, brächte unS die am F eitag den 22. gegebene BocftQang. Trotz der Nähe deS Corinfestes war das Haus doch ziemlich gut besucht, was wieoerum bewies, doß dre Benedix'jche Muse ihre zahlreichen Verehrer hat. We­nige Dichter verstehen eS aber auch solche reizende Situationen und naturwayce Cgaraktere zu schaffen, wie oies Benedix vecstaad. Nehme» wir z. B. den aufgeblasenen auf feine Itadtratyrwücde stolzen und dabei tomd4 sich aasbiähenden, kleinstädtischen Kornhändler Keonau, den geckenhaften Stadtbaumeister und damit daS Kleeblatt voll ist, dem