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welche die Verantwortlichke't für die wichtigsten Angelegenheiten von sich abwälzen wollen. t®»*- »«w

München, 19. Dez. In der Kommission, welcher die Frage wegen des Wegfalls der Kürasse unserer Kürassiere zur Berathung vor­gelegt wurde in derselben hatte der Generalinspekteur der Armee, Se. k. Hoh. Prinz Luitpold, den Vorsitz geführt ist, wie man in militärischen Kreisen vernimmt, auch über eine andere Kopfbedeckung der Kürassiere berathen worden. Nach dem nun angeordneten Wegfall des KürasseS erscheint der bisherige Metallhelm auch nicht als passende Kopfbedeckung, noch weniger aber als zweckmäßig, da die Mannschaft jetzt bekanntlich mit dem Karabiner bewaffnet wird, ein sicheres Anlegen dieser Waffe zum Feuern aber nicht möglich erscheint, so lange die Mannschaft noch diesen Helm trägt. Man erwartet deßhalb, daß für die Mannschaften der beiden Kürassier-Regimenter in nächster Zeit eine

andere Kopfbedeckung bestimmt werden bürste.

(811185. Abdztg.)

Straßburg, 16. Dez. Die bevorstehende Reichstagswahl in Eis.-Lothr. wird eine nach allen Seiten hin vollkommen freie Hand­lung sein. Von titrier Behörde, von keinem Verwaltungszweige, von Linm einem solchen angehörigen Beamten ist auch nur der Versuch zu gewärtigen, baß sie der Wahlfreiheit in irgend einer Weise zu nahe treten, daß sie Wahlen nach dem Sinne der R gierung zu veranlassen oder auf Grund ihres amtlichen Charakters zr fördern suchen werden. Sogenannte offizielle Kandidaturen, wie sie vor dem Jahre 1870 die Bevölkerung kannte, existiren sogar dem Namen nach nicht. Aus Allem erhellt, daß die Reichsregierung gleichwie die Landesverwaltung nicht nach dem Ziele strebt, ihr gefügige, der persönlichen Unabhängigkeit verlustig gegangene Abgeordnete als Vertreter Elsaß-Lothringens rm nächsten Reichstage zu sehen. Dagegen möchte man hoffen und erwar­ten, daß in den zu wählenden Volksvertretern des Volkes wahre Stimme zum Ausdrucke komme, wobei es durchaus im Interesse des Volkes selbst gelegen ist, Besonnenheit, richtige Erwägung der Sachlage und nicht die Antriebe blinder Parteisucht, unselbstständiger Meinungen und Leiden« schiften, oder ein vergebliches Ankämpfen gegen feststehende Prinzipien des Staates und der Gesellschaft walten zu sehen.

Wie aus Bassersdorf (bei Zürich) gemeldet wird, hat sich dieser Tage auf dem dortigen Kirchthurm der Storch wieder einge­funden. Aus anderen schweizrrischen Orten wird berichtet, daß die Ziegen wieder weiden und auf den Wiesen die Schneeglöckchen blühen.

Der Engländer Rose erzählt über seinen Aufenthalt unter den Briganten auf Sizilien folgende Einzelheiten: Nachdem mich der Räu- b?rhauptmann Leone am 4. Nov. gefangen genommen, ging es in einem 16stündigen Marsche, während dessen ich nicht vom Rücken mein-s Pferdes kam, ins Land hinein. Endlich versagten die Kräfte des armen Thieres und eS brach zweimal unter mir zusammen. Beim dritten Sturze befahl Leone, oder wie er bei seiner Bande genannt wird, Don Antoniuo, das Thier liegen zu lassen, bemerkend, eS würde mir Ersatz dafür geleistet werden. Um 2 Uhr Nachm. »reichten wir eine Höhle, in welcher wir die nächsten 7 Tage zubrachtm. Es fehlte uns weder an Hühnern, noch an Ziegen, noch an anderen Lkbmsmitteln. Am 4. Nov. trug sich ein Zwischenfall zu, der mir bemerkmswerth scheint. Es war gegen Abend, als wir einen Gießbach überschritten, während gleich- zeiug eine aus 4 Mann bestehend; Carabinieri-Patrouille vom jenseitigen Ufer herüberkam. Als der Patrouillenführer unser ansichtig wurde, that er einen Pfiff, den Don Antonio mit einem gleichen erwiderte. Dann schwang dieser seine Büchse im Kreise um den Kopf und rief mit lauter Stimme:Kavalleristen!" woraus die Carabinieri ebenso laut Gute Nacht!" herüber riefen und beide Theile ihres Weges zogen. Am 7. Tage unseres Aufenthaltes in der Höhle erfuhr Don Antonio, daß ihm die Polizei auf die Spur gekommen. Ja Folge dessen ließ er sofort aufbrechen, ob nun ging es die Nacht hindurch zu Fuß weiter (wir marschirten nämlich immer nur des Nachis), bis wir an einen kleinen Buschwald kamen, in welchem wir Halt machten. Allem An- schein nach fühlten sich die Briganten nichts weniger als sicher, denn sie krochen auf allen Bieren, bedeckten sich mit Zweigen und vermieden jedes Geräusch, so daß sie selbst einen Hund, der zu uns herlief, mit Stein- Würfen tödteten. Offenbar kam uns die Polizei immer näher und um» Hab unS auf allen Seiten. Eines Tages war uns eine Abtheilung Bersaglieri so nahe, daß wir das Signalpferfchen ihres Führers hören konnten. Bei dieser Gelegenheit gab mir Don Antonio ein; Pistole in die Hand und befahl mir, mich zum Schusse fertig zu halten, denn Wir müßten uns Alle ohne Ausnahme schlagen. Die ganze Zeit über war die Verbindung der Bande mit Palermo ununterbrochen und Don Antonio bezüglich der Verzweiflung meiner Familie auf dem Laufenden. Deßhalb nahm er denn auch als sich» an, daß fb sich dazu verstehen Würde, das geforderte Lösegeld bei Heller und Pfennig zu bezahlen; wußte sie doch, daß mein Leben davon abhing. Im Gespräche mit m» machte Don Antonio kein Hehl aus seinen politischen Ansichten, und wh merkte, daß er seine Hoffnungen auf die Republik setzte. Die Unter­handlungen über mein Lösegeld zogen sich in die Länge, da Don An­tonio, seinem Prinzip getreu, jede Summe zurückwies, die nicht der von ihm geforderten gleiKkam. Schließlich schien er die Geduld zu ver­

lieren, was begreiflich genug war, da er wohl wußte, daß der militärische Kreis, der uns umgab, täglich enger gezogen wurde. S ließ er denn am 23. Nov. um 23 Uhr italienischer Zeit sein Ultimatum überreichen und zugleich erklären, vos nun an würde er für jeden Tag tausend Unzen (12,750 Fr.) mehr fordern. Indeß konnte das Geld nicht so­fort überschickt werden, weil die Unterhändler die militärische Kette nicht zu durchbrechen vermochten. Unmittelbar nach meiner Aufhebung war ich in die Nähe von Collesano, dann nach BoSco S. Giorgio gebracht worden. Von da ging es die Gegend von Petralia und zuletzt in die Umgebung von Cerda, bis ich auf dem Bahnhöfe von Sciarra freige- laffen wurde, nachdem man mir den Hut und das Scapulier eines der Briganten gegeben und mir auf die Seele gebunden, mich nicht zu er­kennen zu Heben und augenblicklich mit einem Billet 3 Klaffe nach Palermo zurückzufahren. Während meines Aufenthalts bei der Bande konnte ich mich überzeugen, daß Don Antonio nicht nur in Palermo und überall auf der Insel seine Emissäre und Agenten hatte, sondern auch alle Bewegungen und Operationen der bewaffneten Macht, ja so­gar ihre geheimsten Signale genau kannte.

Wien, 20. Dez, Vormittags. DasTelegraphen-Korrespon- denz-Bureau" veröffentlicht folgendes Telegramm aus Belgrad vom heu­tigen Tage:In Folge eines bedauerlichen gestern stattgehabten Bor­falls zwischen der Festungsschildwache ob einem austro-ungarischen Monitor hat das Ministerium seine Entlassung eingereicht."

Pest, 19. Dezbr. Das Oberbaus nahm in seiner heutigen Sitzung die Borlage der Regierung, betreffend den Ankauf der ungari­schen Ostbahn, an, nachdem der Minister-Präsident Tisza sein Bedauern darüber ausgesprochen hatte, daß das Unterhaus die strafgerichtliche Verfolgung der Konzessionäre, Bauunternehmer und DirektionSräthe der Ostbahn beschlossen habe.

London, 20. Dez-'mber. Der Staatssekretair der Kolonien, Carnavon, hat gestern in Dulverton eine Rede gehalten, in welcher er hervorhob, daß die Regierung das größte Vertrauen in die Mission deS Marquis von Zalisbury setze. Der gegenwärtige Augenblick sei aller­dings ein kritischer, aber das Ziel der Regierung sei, den Frieden trotz aller Kriegsvorbereitungen zu erhalten. Die Regierung hoffe, daß die Konferenz eine friedliche Lösung der schwebenden Fragen herbeiführe» werde.

St. Petersburg, 20. Dezbr. Ueber die Verlängerung des türkisch serbischen Waffenstillstandes, welche durch auswärtige ZeitungS- telegrsmme hierher gemeldet wird, ist hier an maßgebender Stelle nichts bekannt. Ebenso ist die Nachricht Don einer bevorstehenden Zollerhöhung auf Eisenbahnschienen unbegründet.

Konstantinopel, 19. Dezember. Nach einer Meldung derAgence Havas" ist Ruschdi Pascha jemtS Postens entsetzt und an seiner Statt Midhat Pascha zum Großvezier ernannt worden.

Aus der Pforte wurde heute der Kaiserliche Hatt verlesen, in welchem die Ernennung Midhat Paschas zum Großvezier motivirt wird. In demselben wird ausgeführt, daß die Kaiserliche Regierung beseelt sei von dem Wunsche nach einer guten Verwaltung der Angelegenheiten des Reiches und nach einer befriedigenden Lösung der schwebenden Fra­gen durch eine Bethätigung der Rechte ob der legitimen Interessen des Reiches vor den Augen der gavzm Welt, sowie von dem Wunsche, die Finanzlage des Reiches zu verbessern. Der Sultan hat heute die Bevollmächtigten Frankreichs zur Konferenz, die Grafen Chaudordy und Bourgoing, in Privat-Audienz empfangen.

New Iork, 20. Dezbr. Die aus den demokratischen Abge­ordneten bestehende Legislatur von Südkarolina hat M. C. Butler zum Senator der Bereinigten Staaten gewählt.

Lokales.

Hanau, 21. Dezember 1876.

Vergangenen Sonntag, Nachts gegen 12 Uhr wurden auf dem Markte zwei junge Leute, welche durch den SchreckensrufFeuer" die Nachbarschaft ohne Ursache beunruhigten, verhaftet, am Montag Morgen jedoch wieder freigelassen. Das Weitere wird sich finden.

Gestern Abend wurde eine ganz sinnreiche Maschine gefunden, die aber leider nur einem unsauberen Zwecke zu dienen bestimmt ist. Der Bursche einer Bierbrauerei in der Altstadt befand sich Geschäfte halber im Keller, bemerkt?, daß ein Gegenstand von der Straße^herun- trrgeführt wurde, ergriff denselben und hielt in der Hand eine Stange, an der sich unten ein reichlich mit durchgestoßenen Nägeln versehenes Brett befand, dazu dienend, die Kartoffeln aufzuspießen und aus dem Keller zu schaffm. S.listredend ließ der Karloffetmarder, das Weite suchend, sein Instrument im Stich, so daß hier der Lohn für die An» Wendung seinersinnreichen" Erfindung vorerst nicht ertheilt werden kann. Der Fall dürfte jedoch zur Vorsicht mahnen.

Versteigern«-»- und BerpachrnngS-Kalender für Freitag den 22, Dezember.

Vorm. 9\s Uhr kommen in der Haupt'scheu Wirthschaft zu Nie-

I derrodendach große Partieea Ratz« und Brennholz, lagernd in den ! Distrikten Beinholz, RibbeS, Plechhütte, Alterwald, Mittelweg und