Einzelbild herunterladen
 

<üJe*a»most*- VreM:

IiqrNch 9 Mark. Halbj. « M. SV P.

Vierteljthrlich - Mark 25 Pfg. Für auswärtig« toonneaten mit dem betreff-»- den Postausschla^ Die einzelne Num­mer 10 Pf,.

N 281.

HMW Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis ««d Stadt Hanau.

.Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstag- mit. der Berliner Provin-ial-Torrespondenz.

Samstag den 2. Dezember.

3*ftrti«a«. »rtUi Sie ifN*<« •e*m*i»l«ä» * kenn Haarn

M Wt

L!« -lP«!t. 3db * Wb-

Ml^<tll|4llk

187«.

wurde bei der Budgetberathung der Antrag gestellt, den Kultu-etat vollständig zu streichen. Bei dieser Gelegenheit trat auch der Abg. Prinz Ströme Napoleon auf und hielt eine jener Reden, die ihm den Ruf großer Freisinnigkeit gebracht haben. Er zog gegen den Klerika« liSmus zu Felde und behauptete, derselbe habe Frankreich die Nieder­lagen von 1870 und den Verlust von Elsaß Lothringen gebracht; wenn Frankreich nicht Rom zur Aufrechterhaltung der weltlichen Herrschaft des Papstes besetzt gehalten hätte, würde eS daS Bündniß Italiens und damit auch Oesterreichs gewonnen, und würde der Krieg einen ganz anderen Verlauf genommen haben. Di- bonapartift. Journale speien seitdem Feuer und Flammen gegen den Prinzen. Der französ. Senat hatte vorige Woche 2 neue lebenslängliche Senatoren zu ernennen: er wählte einen Legitimisten und einen Republikaner.

Nicht wenig Aufsehen erregten die D> peschen über die Unterredun­gen, welche Lord LostuS zu Anfang November in Livadien mit dem Czaren hatte und die von der englischen Regierung erst vorige Woche veröffentlicht wurden. Danach gab der Czar damals sein Ehrenwort, daß Rußland nicht daran denke, Eroberungen zu machen. Die englischen Zeitungen meinen aber, auf dieses Ehrenwort sei nichts zu geben, da des Czaren Ehrenwort schon einigemal gegeben worden sei, ohne daß sich die russische Aktion daran g k<hrt habe. Die englischen Arsenale sind ungemein thätig zur Ausstattung der indischen Armee; auch wird die nordwestliche Grenze Indiens mit großer Ecke in VertheidigungS- zustand gesell und es werden Vorbereitungen getroffen, indische Trup­pen schleunigst nach der Balkanhalbinsel zu werfen.

In Norwegen haben die Neuwahlen für das Stortbing (Volks­vertretung) stattgefunden. Dieselben haben die demok at.»liberale Mehr­heit desselben noch bedeutend verstärkt, so daß das konservative Mini­sterium Stang sich wohl nicht mehr lange wird basten können.

Die Pforte bildet eine Donauarmee von 200,000 Mann regulären und 100,000 Mann irregulären Truppen, deren Oberbefehl Abdul Kerim Pascha übernimmt. Dessen Hauptquartier ist Rustichuck. Die Pforte läßt die bulgarischen Festungen mit ungewohnter Ecke verbessern und armiren. In Kleinasien werden 97 neue Bataillone gebildet. An­dererseits steht die russ. Südarmee (2—300 OOO Mann) bereits marsch­fertig am Pruth, ist ein russ. Atme'ko-ps auf dem W-ge nach Serbien, unter dem Befehle des Generals Semel, der den Oberbefehl auch über die serbische Armee erhalten soll. Der türk. Sultan hat ben Sklaven­handel fürs ganze Reich aufgehoben. Die neue Verfassung bei türk. Reiches soll am Tage der Konferenzeröffnung publiznt werben.

— Berlin, 1. Dezember. Reichstag. (Fortsetzung). Im Weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung wurde der dritte Abschnitt des Entwurfs der Strafprozeßordnung (§§ 149—162), welcher von der gerichtlichen Voruntersuchung handelt, ohne erhebliche Debatte ange­nommen.

Der vierte Abschnitt betrifft in den §§ 163—175 die Entscheidung über die Eröffnung der Hauptverfahrens.

Eine Debatte entstand nur bei § 165a.

Die §§. 166 bis 233 wurden unverändert noch den KomWissionS- beschlüssen genehmigt, worauf sich daS Haus um 4"/i Uhr vertagte.

In der heutigen (22.) Sitzung wurde die zweite Berathanz des Entwurfs einer Strafprozeßordnung fortgesetzt. Eine Debatte veran­laßte zunächst §. 253, welcher von den Geschworenen zu stellenden Ne- benfragen handelt. Die Vorlage des BundeSrachs gestattet eine solche. Nebenfrage auch über Umstände, welche die Strafbarbeit auSschUeßen. Die Kommission hat diese Bestimmung gestrichen, weil, wie die Berthei- diger der Kommissionsbeschlüsse, die Abgg. B cker (Dibeubu g), Dr Volk und der Referer t Abg. Dr. Schwarze geltend machien, diese Umstände schon in der Schuldfrage zur Berücksichtigung kommen und Mrßoer- ständnissen von Seiten der Gefchworkven du ch die Rrchtibelehiung zur Genüge oorgebeugt werden könne. D,e Ab,rg. Sir, ckmann (Diepholz), Miguel und der Bw deSkomw>ssar Geb. Ober Regie unge Ruitz Hanauer befürworteten die Wiederherst llung der Reg e ungrsmia^«> weil die Erfahrung gezeigt habe, daß tu der- b^tr pa. h&sn Fall n häufig Miß­verständnisse Vorkommen, welche burw Sp- z a si ung d-r Frage, wie sie

Amtliches.

Gefunden: Ein ooldener Ohrring mit schwarzem St'inchen. Ein zerbrochener Fensterflügel von einer Chaise. Ein Hundemaulkorb. Zwei Knaben» Mützen mit Pelz besetzt. Eine graue wollene Pferdedecke. Ein Brillenfutteral nebst Zirkel.

Angelanfe« r Ein kleiner schwarzer Dachshund, m. Geschlechts; der Eigenthümer kann denselben bei Ziegler Michael Klein zu Rüdig» heim in Empfang nehmen.

Hanau am 2. Dezember 1876.

Königl. LandrathSamt.

Wochenschau.

H. H. C. Der deutsche Reichstag hat in der vergangenen Woche nicht nur das GerichtSverfassungSgesetz, das EinführungSgesetz zu diesem, sowie zur Civilprozeßordnung in zweiter Berathung erledigt, resp, nach den KommissionSbeschlüssen angenommen, sondern er hat auch die 2te Lesung der Strafprozeßordnung in Angriff genommen und die allge. meinen Bestimmungen derselben ohne Debatte genehmigt. ES scheint, daß auch die ganze Strafprozeßordnung vom Reichstage in der Kom­mission Sfassung genehmigt werden wird. In Bezug auf die GerichtS- Verfassung ist vornehmlich anzuführen, daß sich das Haus mit 212 gegen 105 Stimmen für Verweisung der Preßvergehen an die Schwurgerichte ' entschied, daß es dagegen den Antrag AuSfeld'S, auch die politischen 8 Vergehen dahin zu verweisen, sewie den Eberiy'S, auch die Fälle des ’ Hoch- und Landes-Verraths, anstatt an daS Reichsgericht, den Schwur» ; gerieten zu überantworten, verwarf. Seitens der Regierungen war i Alles aufgeboten worden, um jenen Beschluß betreffs der Preßdelikte * zu verhindern. Auch Mutige Nativnalliberale, wie Gneist, sprachen gegen denselben; die Ausführungen Frankenburger'S aber verscheuchten bei der ; Mehrzahl der Abgeordneten viele Vorurtheile gegen die Schwurgerichte, i — Kaum hatte SaliLbury, der britische Bevollmächtigte für die Kon- stantinopeler Konferenz, welcher brkanntlich nach Berlin gekommen war, i um des Kaisers und des Kanzlers Ansichten und Absichten betreffs der t Orientfrage auSzukundschasten, der Reichshauptstadt den Rücken gekehrt, : so brachten Wiener und Londoner Blätter sofort telegraphische Nach­richten über die vom Fürsten BiSmarck dem englischen Diplomaten ge« gkbemH Antworten. Dieselben waren gleichlautend und sind bis jetzt nicht nur nicht' dementirt, sondern vielmehr von allen Seiten durchaus ; bestätigt worden. Der Kanzler hat wirklich irklärt: die Friedensschritte ! Englands zwar unterstützen zu wollen, Deutschland sei aber durch seine intimen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu Rußland, sowie durch! Gefühle der Dankbarkeit verhindert, sich an einer Aktion Englands gegen Rußland zu betheiligen, ja. es könne sich nicht einmal dazu verstehen, I dem östlichen Nachbar Rathschläge zu ertheilen; ebensowenig werde eS i einer Besetzung Bulgariens durch russische Truppen hinderlich in den s Weg treten, zumal es nur in einer solchen Besetzung eine hinlängliche ' Garantie für die türk. Reformen erblicken könne. Damit ist Lord Sa» lirbmy gewiß ins Klare gekommen über die Orientpolitik Deutschlands, i Darüber, ob er in der Folge auch in Wien und in Rom solch reinen i Wein eingeschenkt bekommen hat oder nicht, liegen noch keine Nachrich- i ten vor. Die „Daily NewS" behauptet aber bereits: „Die Absicht ‘ Lord Beacoufield's, das Dreikaiserbündniß zu sprengen, ist vereitelt worden.-

In Frankreich ist eine ganz ernstliche Spannung zwischen der - republikan. Mehrheit der Deputirtenkammer und dem Ministerium ein­getreten. Erstere verlangte Abstellung des Mißbrauchs, daß den civilster s beerdigten Mitgliedern der Ehrenlegion die gesetzliche militärische Ehren» s begleitung versagt werde. Der Premier Dufaure aber trat für den 5 Usus ein, nur da, wo Geistliche Mitwirken, die Militär. Ehrenbegleitung zu gestatten. Zur Aussöhnung dieses.Gegensatzes brächte der Minister; des Innern einen Gesetzentwurf ein, nach welchem nur den aktiven Mi- i litärS jene Begleitung gewährt werden falle. Dieser Lüsttugsvorschlag s gefällt aber weder den Republikanern noch den Klerikalen; er wurde einer Kommission zur Vorberathung überantwortet; möglicher Weisef aber führt er eine Ministerkrisis herbei. In der Deputirtenkammer