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JtrrNch 9 Mark. Halbj. a M. V- vierteljährlich

2 Mark 25 Pf^ Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffeit- d«l Poftaufjchlag. Sie einzelne Num­mer 10 ¥fg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

^Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,) und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Prei«:

Die Ijpaltlge GarmondzeLle ob.

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10 Ps»

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20 Pfg.

DieSspaltig-Zeil«

SO Pfz.

M 273.

Donnerstag den 23. November

1876.

Amtliches.

Bekanntmachung.

In der hiesigen Hauptwache soll eine Latrinen-Einrichtung nebst Abtrittsgrube hergestellt und zu diesem Zweck die betreffenden Arbeiten an den Mindestfordernden vergeben werden.

Unternehmungslustige wollen ihre in Prozentsätzen ausgedrückten Forderungen uns versiegelt mit der Aufschrift:

Submission auf Bauarbeiten" unter Couvert portofrei bis zum

25. November er., Vormittags 10 Uhr, zugehen lassen.

Die bezüglichen Bedingungen können in unserem Büreau, Schloß­straße Nr. 9, eingesehen werden.

Hanau den 20. November 1876. (7675) _____________ Königliche Garnison-Verwaltung._________________

Proklam.

Freitag den 24. d. M18., Nachmittags 2 Uhr, sollen 1 Eckschrank, 1 Spiegel im Lokal des Königl. Amtsgerichts, Abth. II., gegen baare Zahlung verkauft werden.

Hanau den 22. November 1876.

Sturm.

(Berli n, 22. November. Reichstag. (Fortsetzung). Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung entspann sich in der zweiten Berathung über den Entwurf eines G-richtrverfasiungsgesetzeS eine län­gere Debatte über den § 58, welcher die Errichtung detachirter Straf­kammern zuläßt. Die Abgg. Dr. LaSker, Thiel und der Referent Abg. Miguel traten für den Paragraphen ein, der Abg. Dr. Häml machte Bedenken dagegen geltend. Der BundeLkommiffar, Geheimer Ober-Re- gierungs Rath Hanauer, sowie der BundesrathS- Bevollmächtigte, Justiz- Minister Dr. Leonhardt, wandten sich gegen den zweiten Absatz deS Paragraphen, nach welchem die Besetzung der detachirten Strafkammern aus Amtsrichtern und Mitgliedern deS Landgerichts erfolgen soll. Der §. 58 wurde jedoch unverändert nach den Beschlüssen der Kommission angenommen.

Der 5. Titel (§§. 58a.80) handelt von den Schwurgerichten. §. 58a. bestimmt:

Für die Verhandlung und Entscheidung von Strafsachen treten bei den Langerichten periodisch Schwurgerichte zusammen."

§ 59 lautet:

Die Schwurgerichte sind zuständig für die Verbrechen, welche nicht zur Zuständigkeit der Strafkammern oder deS Reichsgerichts ge­hören."

Hierzu beantragte der Abg. AuSfeld, dem §. 59 folgende Fassung zu geben:

Die Schwurgerichte sind zuständig für die Berbrechen und Ver­gehen, welche nach den Bestimmungen dieser Gesetzes nicht zur Zu­ständigkeit der übrigen Gerichte gehören."

§. 59a (von der Kommission neu eingeschaltet) lautet:

Die Schwurgerichte sind ferner zuständig: 1) für die durch die Presse begangenen Vergehen, mit Ausnahme der Beleidigung, wenn die Verfolgung im Wege der Privalklage geschieht; 2) für alle durch die Presse begangenen Verbrechen. Die Bestimmungen der §§. 14, 5355 kommen bei diesen den Schwurgerichten überwiesenen straf­baren Handlungen nicht zur Anwendung."

Zunächst ergriff der BundesrathS«Bevollmächtigte, Justiz-Minister Dr. Leonhardt das Wort.

Hierauf sprach der Abg. Frankenburger für die Aburtheilung der politischen und Preßverbrechen durch Geschworene, woraus sich daS HauS um 4/* Uhr vertagte.

In der heutigen (14) Sitzung theilte der Präsident das Resultat der Wahl und die Koastituirung der Kommission für die Vorberathuuiz der vom Abg. Schulze-Detitzsch vorgelegten Gesetzentwurfes, betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der WirthschaftS-Genossenschaften mit.

Dann wurde die zweite Berathung deS GerichtSverfassungSa-setz-S fort­gesetzt. Der BundesrathS Bevollmächtigte, Königlich sächsischer Justiz- Minister Abeken, erklärte sich entschieden gegen die von der Kommission beschlossene Ueberweisuuß der Preßdelikte an die Geschworenen, da damit der oberste Grundsatz der Justiz umgestoßen und die subjektive politische Meinung der Geschworenen über daS Gesetz gestellt werde. Der Redner widerlegte dann die einzelnen von dem Abg. Frankenburger, dem letzten Redner in der gestrigen Sitzung, zu Gunsten der Aburtheilung der Preßdelikte durch Beschworene geltend gemachten Momente; die Ueber» Weisung der Beleidigungen, welche durch die Presse begangen werden, an die Geschworenen zur Aburtheilung, sei eine Privilepiruns der ge­druckten Beleidigungen vor den gesprochenen, und er müsse sich gegen jede Ausnahme von bim allgemeinen Strafprozeß erklären. Diesen Ausführungen schloß sich der Abg. v. Schöning an. Den einzelnen Ausführungen des Abg. Dr. Bölk zu Gunsten der Kompetenz der Ge­schworenengerichte in Preßdelikten trat in ausführlicher Rede der Justiz« : Minister Dr. Leonhardt entgegen worauf bei Schluß deS Blattes der Abg. Dr. Meist das Wort ergriff.

(Fortsetzung folgt.) cm. «- st -s»

Berlin, 21. Nov. Fürst BiSmarck ist heute Abends 6 Uhr mit Gemahlin und Tochter aus Barzin hier eingetroffen. Der Fürst begab sich sofort in daS auSwä^tiZe Amt.

Be rlin, 22. November. DieTrib." schreibt: Ein Haupt- ; motiv für die beschleunigtere Rückkehr deS Reichskanzlers bildet die von uns gemeldete Herkunft des Sozialbevollmächtigten Englands auf der Conferenz in Constantinopel Marquis von Salisbury. Es ist für die Gesammisituation von Wichtigkeit, daran festzuhalten, daß die englische Regierung selbst den Wunsch geäußert hat, der Ma'quiS möze seine Reise über Berlin nehmen und sich dem Kaiser und dem Fürsten BiS- ; marck Vorsteven. Man legt dieser Mission um so größeres Gewicht bei, ! als einerseits die britische Regierung, indem sie den Staatssekretär für ? Indien zur Conferenz entsendet, zu erkennen gibt, daß sie die zu ver- i handelnden Dinge vom Standpunkte der indischen Interessen auffaßt. : Andererseits ist man auf die Darlegungen deS Marquis von Salisbury f gespannt, von welchem zur Genüge bekannt ist, daß Sympathien für s Deutschland nicht eben seine stärkste Seite sind!

Wie die Vojsische Zeitung hört, soll in naher Zeit mit AuS- , Prägung von Fünfmackstücken in Gold vorgegangen werden, die nach der jetzt eingesühiten Terminologiehalbe Kronen" heißen würden. i Zunächst wird beabsichtigt, deren bis auf die Höhe von 80 Millionen Mark prägen zu lassen.

Brirfsendungen für S. M KanonenbootComet" sind von heute ab bis auf Weiteres nach Salonichi zu dirigiren.

Schwelm, 15. Novbr. Gestern Morgen gegen ^9 Uhr ist das Pulver- und Dynamit Magazin der Rheinischen Eisenbahnen bei Langerfeld in die Luft geflogen. Zum großen Glück ist Niemand bei der Katastrophe verunglücke, doch ist dabei eine große Anzahl nichtexplodirder ter Dynamit-Patronen in die Luft geschleudert und auf die umliegenden Grundstücke niedergefallen. Das explodirte Pulverquantum betrug 14 Ctr., während die im Magazin gelagerten 17 Ctr. Dynamit sich nur zum geringen Theil entzündet haben.

Osnabrück, 19. Nov. Gestern Abend brach auf demOSna« brücker Stahlwerke das große Schwungrad an der Walzwerkmaschine, ü während dieselbe in voller Thätigkeit war. Die einzelnen Theile des - Rades flogen weit weg, zum Theil ziemlich senkrecht in die Höhe und zerstörten durch ihre Gewalt das Dach des Gebäudes, welches theilweise herabstürzte und leider zwei Menschen erschlug. Von den vielen in dem Raume beschäftigten Menschen sind sonst nur einzelne leicht beschädigt, und selbst der Maschinist, welcher dem Schwungrade zunächst seinen Standpunkt hat, ist ohne Schaden davon gekommen. An der Maschine, welche unter besonderer Lontrole stand, ist vor dem Unglücksfall nichts Verdächtiges entdeckt worden. Lobend anzuerkennen ist die Bereitwillig­keit, mit der mehrere unserer Aerzte sofort auf der Unglücksstätte er­schienen und Hülfe leisteten.

Königsberg i. P., 22. November. Nach einer in der