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überwiesenen Capitel, und im Reichstag selber soll die zweite Lesung der für das Plenum bestimmten Theile womöglich tm Laufe der näch- sten Woche beendet werden. Auf diese Weise wird eS zu ermöglichen sein, den Etat bis zum ersten Apul k. 3. etwa in 14 Tagen gänzlich fertig zu stelle». Um so schwieriger aber werden sich die Budgetarbeiten des neuen Reichstags gestalten, die jedenfalls vor dem 1. April k. 3- abgeschlossen sein müssen. «*»)

Die Vorarbeiten für ein Gesetz über die gleichmäßigen Normen der SerichtSkosten für das ganze Deutsche Reich sind im preußischen Justizministerium bereits in Angriff genommen worden. Ebenso werden in dem gedachten Ministerium Arbeiten vorbereitet, welche auf schnellere Einführung der Jastizgesetze in Preußen nach deren Annahme durch den Reichstag gerichtet sind. Sehnliche Arbeiten sind übrigens auch in an­deren BundeSstaaten in Angriff genommen. Überall scheint man von der festen Voraussetzung getragen, daß die Justizgesetze in der erwarte­te» Frist trotz aller Befürchtungen sicher zu Stande kommen.

In Bezug auf die Zollv'rhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich bringen verschiedene Berliner Blätter folgende sich als offi­ziös ankündigende Notiz:3n Bezug auf. die Aeußerungen der Eröff­nungsrede des Reichstages über die Handels-Verträge erfahren wir, daß die Verhandlungen mit Frankreich wegen Erneuerung des Handels- Vertrages j tzt unvrrweilt wieder ausgenommen werden sollen." Dazu bemerkt dieNat. Ztg.": Diese Mittheilung mußte um so mehr auf­fallen, als sie eine vollständige Frontänderung in der Haltung der Reichsregierung bezüglich der Behandlung der internationalen Handels« Verhältnisse in sich schließt. Nach von kompetenter Stelle ertheilter Versicherung ist j doch die angeführte Nachricht vollständig unrichtig und der Abschluß eines Handelsvertrags mit Frankreich in keiner Weise in Aussicht genommen. Unsere Zollverhältmsse mit Frankreich sind be­kanntlich durch den FriedenSvertrag mit der Klausel gegenseitiger Ein­räumung der Stellung dermeistbegünstigten Nation" geordnet und eine Veranlassung zur Aenderung dieses Zustandes ist gewiß zur Zeit unerfindlich.

Stuttgart, 4. Nov., Mittags. Die Kammern sind heute durch den König geschloffen worden. 3» der Thronrede heißt es u. A.: 3ch sehe mit Genugthuung die Stände versammelt jetzt, wo eine be­deutsame Periode pflichttreuen und fruchtbaren Schaffens schließt. Sie haben von Neuem 3hr patriotisches Interesse für die Befriedigung der außerordentlichen Bedürfnisse meiner Truppen bethätigt. Ich gedenke gern bei diesem Anlässe der Thatsache, daß mein Armee-Corps vor Kurzem die Probe tüchtiger Ausbildung und pflichtmäßiger Disciplin vor seinem Kaiserlichen Oberfeldherrn mit vollen Ehren bestand. Für die einheitliche Leitung der StaatSgeschäfte sowohl in den inneren An« gelegenheiten deS Landes, als auch in den Beziehungen zum Reich ist eine werthvolle Gewähr geschaffen durch daS Verfassungsgesetz über die Bildung deS StaatS-MinisteriumS. Die BerwaltungsrechtSpflege wird vermöge der erzielten Einigung weiter vervollkommnet werden durch Ein­führung eines öffentlichen mündlichen Verfahrens, durch Verminderung der Instanzen, sowie durch eine Umgestaltung der obersten Spruchbe­hörde im Sinne einer vermehrten richterlichen Unabhängigkeit. Das nahende Ende der sechsjährigen Wahlperiode mahnt mich, einen Rück­blick zu werfen auf Alles, was diese Jahre an schwerwiegenden Ent­schlüssen, Mühen und Erfolgen umfassen. Unter dem Eindrücke, welt­bewegender Ereignisse zum erstmaligen Zusammentritt? berufen, haben Sie durch 3hre Zustimmung die Verträge besiegelt, kraft welcher mein Land seine Stelle in dem Neubaue des Deutschen Reichs eingenommen hat. Von damals bis heute haben Sie in unermüdetem Zusammen­wirken mit der Regierung eine Fülle mannigfacher bedeutender gesetzge­berischer Aufgaben gelöst, wie sie in solchem Maße kaum einer früheren Landesvertretung beschieden waren. Empfangen Sie meinen warmen Dank für Ihren Rath und 99« Arbeit." (« * s^«»,.;

Heidel.berg, 29. Oktbr. Vorgestern starb hier der Groß­herzoglich badische StaatS«Minister Alexander v. Dusch.

Wien, 4. Nov. In diplomatischen Kreisen räumt man ein, daß die Art, wie die Pforte die Verhandlungen wegen deS Waffenstill­standes in die Länge zog, um mittlerweile auf dem Kriegsschauplatze eine veränderte Situation zu schaffen, ganz darnach angethan war, die höchste Mißstimmung der russischen Regierungskreise hervorzurufen und so daS Ultimatsm zu rechtfertigen. Es fällt zudem auf, daß türkischer- seitS verbreitet wird, Abdul Kerim Pascha wolle sich in seinem Sieges­laufe nicht Halt gebieten lassen und jedenfalls in Deligrad und Alexi­natz Winterquartiere beziehen. Hierdurch droht der Vorbedingung deS Status quo ante eine nicht zulässige Alterirung.

Schweiz In Pruntrut hielten am 19. Okt. die Altkatho­liken des KantonS Bern ihre dritte Synode. In Möhlin und Lau« tenburg im Frickthale firmle der altkatholische Bischof Herzog 525 Firmlinge. Die Katholiken in Schaffhausen haben am 29. Okt. mit atofiet Majorität ihren Anschluß an da» NationalbiSthum (Herzog) angekündigt.

^" toe deutschfeindlichen Kundgebungen in Part» sagt die Rat.-Z.:Auf die Beleidigungen, deren Gegenstand

ein harmloser Kunstjünger in Person oder ein deutscher Komponist in seinem Kunstwerk waren, wird man in Deutschland keinen besonderen Nachdruck legen und wenn der deutsche BotschaftSrath Graf WeSdehlen, wie berichtet wird, sich darüber mit dem Herzog Decazes unterhielt, so wird eS wohl zu einer tiefer gehenden Auseinandersetzung nicht gekom­men sein ; eS find eben Ungezogenheiten, welche die französische Regie­rung nicht vertreten wollte und wiederum kann eS in Deutschland nicht einfallen, die Verhängung einer Karzerstrafe gegen eine exzedirende Schulklass- zum Gegenstand völkerrechtlichen Verkhrs zu machen. Et­was Anderer müßte es selbstverständlich sein, wenn die deutsche» Aussteller in Paris oder die Besucher der Ausstellung aus Deutschland zum Gegenstand solcher systematischer Beleidigungen gemacht würden. Durch die geschehene Einladung übernimmt Frankreich, und nicht bloS seine Regierung, eine förmliche und feierliche Verpslich. tung, und man wird wohl jenseits der Vogesen kaum mit dem Ge­danken spielen wollen, man könne Deutschland einladen, um ihm dann angesichts deS versammelten Europas eine moralische Ohrfei-e zu ver­setzen. Das Spiel könnte sich allzugefährlich erweisen. Ein so hervor­ragender Schriftsteller, wie Herr de Sarcey, erklärt in dem von ihm veröffentlichten Artikel über die Mißhandlung eines vereinzelten Deut­schen in einer französischen Schulstube, daß seine und seiner Landsleute Sympathie auf der Seite jenergrünen Jungen" steh?, welche die un­blutige Heldenthat verübten. Ist dies richtig, und Herr v. Sarcey gehört seiner Bildungsstufe nach zu den Franzosen, von denen man am ersten voraussetzen kann, daß er sein Temperament in seiner Gewalt habe, so können wir die französische Regierung nicht von dem Vorwurf großer Leichtfertrgkeit sreisprcchm, indem sie eS unternahm, zwei Nationen in unmittelbare Berührung zu bringen, die nach dem Stand der Gesinnungen in Frankreich wie nach dem Stand der dortigen Gesittung bester noch in kühlster Abgeschlossenheit verharrt hätten. Wir wünschen, daß die französisch« Natron sich zu einem von zwei Dingen entschließen möge: entweder uns mit der Ehre von Einladungen zu verschonen, die uns nur die Wahl zwischen zwei Verlegenheiten dem Abschlagen und dem Kommen, lassen; oder aber in ihrem zurech­nungsfähigen und v rantwortlichen Theil den Volksleidenschaften ent« gegenzutreten und sie zu bändigen. Beharrt man dagegen dabei, da» Eine zu thun und das Andere zu unterlassen, offenbaren Bubenstreiche« seinen Beifall zuzurufei, so können wir nicht ohne ernstere Besorgniß dem weiteren Verlauf der Dinge bezüglich jener unglücklichen Paristt Ausstellung entgegensehen." Der Artikel der Nat.-Z- lieft sich, wir wenn eine höhere Autorität dahinter stünde als nur die Redaktion der Nat.-Z.

Brüssel 3. Nov. DerNord" meldet nachträglich über die dem Abschluß des Waffenstillstandes vorausgegangenen Verhandlungen» daß Oesterreich, Frankreich und Italien bei der Pforte das Zugeständ- niß eines sechswöchentlichen Waffenstillstandes befürwortet hätten. Eng­land habe sich auf die Erklärung beschränkt, daß eS gegen einen solche» Waffenstillstand keine Einwendung zu erheben habe. Ueber daS rus­sische Ultimatum bemerkt derNord" in Uebereinstimmung mit frühere« anderweitigen Nachrichten, daß dasselbe durch die bedränzte Lage Ser­biens veranlaßt worden fei.

Belgrad, 4. Nov. Offiziel wird gemeldet: Die Nachricht, daß auch Deligrad gefallen sei, ist unrichtig. Vor der Publizirung des Waffenstillstandes haben bei den Vorposten vor Deligrad nur Plänke­leien stattgefunden. Alexinatz ist nicht mit Sturm genommen, sondern nach dem Fall von DjuniS geräumt worden, damit die Besatzung nicht von Deligrad abgeschnitten würde.

Southampton, 2. Nov. DaS Postdampfschiff des Nordd. LloydNeckar", Kap?- W. Willigerod, welches am 22. Oktober von Newyork abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Morgens die Reise nach Bremen fortgesetzt. DerNeckar" Verbringt 225 Passagiere und volle Ladung.

Newyork, 29. Okt. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff des Nordd. LloydBraunschweig", Kapt. C. Un« dülsch, welches am 11. Oktober von Bremen und am 14. Oktober von Southampton abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore an gekommen.

New-Aork, 3. Novbr. Der Dampfer des Norddeutschen LloydRhein" ist hier eingetroffen.

Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.

Haua« 6. November 1876.

Die Einweihung der Turnhalle.

Ueber die gestrige Einweihung der Turnhalle, zu welch feierlichem Akte sich außer den städtischen Behörden eine große Anzahl hiesiger Einwohner eingefunden hatte, sei folgendes erwähnt. Die Turner stell­ten sich um 3 Uhr Nachmittags auf dem Platze vor der Halle im Halb­kreise auf. Nach Bortrag des MännerchoresEin Mann ein Wort" durch da» Gesangkränzchen der Turngemeinde hielt Herr Wilhelm