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Hmmer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstag» mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.
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Montag den 30. Oktober.
1876.
BekauntmachMgr« Königl. LandrathSamtS dahier.
Unter Bezugnahme auf §. 11 der Verordnung vom 22. September 1867, die Polizeiverwaltung betreffend, erlassen wir hierdurch für den Umfang deS Regierungsbezirks nachstehende polizeiliche Vorschrift:
In denjenigen Ortschaften, bezüglich welcher daS Herrschen ansteckender Krankheiten, wie Menschendlattern, Cholera, Ruhr, Typhu» amtlich konstatirt und durch die Ortspolizeibehörde bekannt gemacht ist und zwar bis zum Ablauf eines Vierteljahres nach dem festgestellten und ebenmöß'g publizirten Erlöschen der Krankheit, dürfen Lumpen aller Art nur dann aufgetauft resp, verkauft werden, wenn eine gehörige DeSinfizirung derselben unter Controls der Ortspolizeibehörde mittelst ChlorgaS erfolgt ist und nachgewiesen werden kann. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Geldstrafen bis zu 5 Thaler oder im Falle Unvermögens mit entsprechender Haftstrafe geahndet.
Cassel am 11. Januar 1873.
Königliche Regierung, Abtheilung deS Innern.
Wird hiermit publizirt mit dem Bemerken, daß in der Stadt Hanau das Auftreten der Blatternkrankheit konstatirt ist.
Hanau am 26. Oktober 1876.
Der Landrath.
Gefunden: Ein Siegel mit der Inschrift: „Königl. Preuß. Steuer Controle Nr. 1317".
Zugelaufen: Ein junges Huhn. Eine Gans. Ein gefleckter Hofhunv.
Hanau am 30. Oktober 1876.
Der Rücktritt des Oberpräsidenten von Schlesien, Grafen Arnim, ist ein sehr bemerkenSwerthes Anzeichen. Graf Arnim uvurde zu seinem jetzigen Posten von dem Fürsten BiSmarck im Sommer 1874 empfohlen, als der Streit zwischen dem Kanzler und dem Grafen Harry von Arnim in hellen Flammen aufloderte. Der BreSlauer Oberpräsident hat der Prozedur gegen seinen Schwager mit Erbitterung zugesehen, (wie auch ein großer Theil des Adels) und das letzte Kontumazialurtheil hat dem Faß den Boden ausgestoßen. Man darf die Unterstützung nicht unterschätzen, welche die unversöhnlichen Gegner deS Fürsten BiSmarck, die vor keinem Mittel, ihn zu stürzen, zurückscheuen, dadurch erhalten.
csqw. wett.;
— Berlin, 28. Okt. DaS Ergebniß sämmtlicher 433 Wahlen ist jetzt bekannt. Von den Gewählten gehören 177 der nationaUibera« len Partei, 86 dem Zentrum, 66 dem Fortschritt an, 36 sind Freikonservative, 34 Konservative verschiedener Schattirungen, 15 Polen, 14 von unbestimmter Parteistellung und 5 Partikalaristen.
— Durch Beschluß vom 19. Februar v. I. hatte der BundeSrath sich damit einverstanden erklärt, daß über die Verhältnisse der Leh'linge, Gesellen und Fabrikarbeiter nach Maßgabe eines durch den Beschluß fest- gestellten Programmes eine Enquete verstaltet werde. ES haben demgemäß im Larfe deS vorigen Jahres an einer großen Zahl von Orten Erhebungen stattgefunden; die Ergebnisse sind in Protokollen viederge- legt und letztere dem Reichskanzler Amt eingesendet worden. Dasselbe hat eine Zusammenstellung bei Ergebnisse, welche auf Grund der Protokolle angefertigt worden ist, dem BundeSrath zur weiteren Beschlußfassung vorgelegt.
— In Caub wüthete seit dem 26. Morgen» 6 Uhr ein bedeutender Brund in der Umgebung der dortigen Kirche. Bis 9 Uhr sollen bereits 6 Häuser vernichtet gewesen sein.
— Bern, 26. Oktbr. Vorgestern, so berichtet man der „Köln. Zig." aus dem Kanton Tessin, haben zu Magliaso und Tesserete bewaffnete Versammlungen Ultramontaner stattgefunden, während dies ; Seitens der Liberalen in Mendrisio und Lugano der F»ll war. In letzterer Stadt haben liberale Freiwillige behufs Aufrechterhaltung^,der
— Berlin, 27. Oktbr. Die Eröffnung des zum 30. b. MtS. einberufenen Reichstags findet an diesem Tage um 1 Uhr Nachmittag» im Weißen Saale deS Königlichen SchlosstS statt.
Zuvor wird ein Gottesdienst, und zwar: für die Mitglieder der evangelischen Kirche in der Schloßkap lle um 12 Uhr, für ine Mitglieder der katholischen Kirche in der St. Hedwigtkwche um 121/* Uhr ab. gehalten werden.
Die weiteren Mittheilungen über die Eröffnungssitzung werden in dem Bureau des Reichstags, Leipzigerstraße Nr. 4, am 29. Oktober in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 30. Oktober Vormittag» von 8 Uhr ab offen liegen.
In diesem Bureau werden auch die LegitimationSkarten für die Eröffnungssitzung auSaegeben.
— B erlin, 25. Oktober. In einer Wiener Korrespondenz der Nat.° Zeit, findet sich eine Nachricht, welche mit allen übrigen Symptomen der von der deutschen Regierung beobachteten Politik in der orientalischen Frage vollkommen übereinstimmt, nämlich daß die deutsche Regierung mit ihrer Ansicht über den Status quo im Orient durchaus mcht hinter dem Berge halte. Wenn man sich die Vorgänge deS Jahres 1856 zurückruft, so wird man Überall Analogien für den heutigen Parteikampf finden. In einem Theil der deutschen Presse wurde damals lebhaft für die „Integrität" der Türkei gesprochen und die LoSlösung der Moldau und Wallachei, die sich damals erst anbahnte, scharf angegriffen. Heute existirt ein Fürstenthum Rumänien und wenn die bot* Eigen Zustände auch noch viel zu wünschen übrig lassen, so wird doch gewiß weder ein Bewohner des Fürstenthum» das alte AbgränzungS- ^ältniß zurück wünschen, noch wird J-mand leugnen können, daß olese Länder verhältnißmäßig sehr große Fortschritte gemacht haben, seit sie von dem türkischen Joche befreit wurden. Die zentrifugale Bewegung der südeuropäischen Provinzen der Türkei ist so urwüchsig, daß sie keine Kraft aufhalten kann und daß Rußland sie benutzt, ist, war ihm heute ein so außerordentliches Uebergewicht gibt. Daß dieser Punkt mit so manchem andern nicht in der deutschen der RegierungSpolnik freundlichen Presse erörtert wird, hat seinen Grund offenbar leotglich dann, daß man Erörterungen unterläßt, welche so lange keinen Nutzen
die Westmächte jedes eigene Engagement sorgfältig vermeiden und leoiglich Deutschland ihre Interessen wahrnehmen lassen wollen. —
i Ruhe und Ordnung die Kaserne besetzt, von wo aus auf Tesserete zu ' fleißig patrouillirt wird, ohne daß jedoch bis jetzt ein Zusammenstoß mit den Ultramontanen erfolgte. Gestern traf übrigens in Lugano auch der eidgenössische Kommissar Bavier ein, welcher jetzt im Besitze bundeS- i räthlicher Vollmacht zum sofortigen Truppenaufgebot ist, ohne daß er nöthig hat, vorher nach Bern zu berichte». Mit ihm kam gleichzeitig ; Oder st Mola an, dem bereits zwei Compagnien reguläres Militär unterstellt sind.
— London, 26. Okt. Wie der „Köln. Ztg." geschrieben wird, ist durch eine Verordnung bestimmt worden, daß die Beschränkungen für die Dienstfährgkeit nach allen Richtungen hin erweitert werden sollen. ■ DaS Alter wird bis zum 30. Jahre ausgedehnt, das Höhemaß ist von 5 Fuß 5 Zoll auf 5 Fuß 41/» Zoll (1,«m M.) herabgesetzt worden, die Brustmessung auf 33 Zoll.
— London, 27 Okt. AuS Valencia (Irland) wird gemeldet: Die britische Nordpolexpedition unter Kapitän NareS ist hierher zurückgekehrt, nachdem die Unmöglichkeit erkannt worden ist, den Nordpol zu erreichen. Die Expedition hat den Winter unter 82 Grad 27 Min. nördl. Breite zugebracht. Die Sonne wurde daselbst während 142 Tage nicht gesehen. Eine Abtheilung drang bis 83 Grad 20 Min. vor. Die Expedition hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der bekannte Führer Hans Christian Petersen und zwei andere Mitglieder haben ihren Tod in Folge der ungeheuren Kälte gefunden. Jenseits 81 Grad 52 Min. hörten die Spuren älterer Expeditionen gänzlich auf.
—. London, 28. Okt. Nach einer hier eingegangenen Meldung aus Nerv-Dock vom 27. d. Mts haben in Central-Amerika am 3. und
4 d. MtS. heftige Stürme gewüthet. Durch dieselben ist die Stadt
5 Managua unter Wasser gesetzt worden. Circa 400 Häuser sind zerstört worden. Viele Personen sind umgekommen. Der angerichtete Schaden j wird auf 2 Millionen Dollars geschätzt. Der in Biucfields bei der