Weenifa«»»-
BretS: '
SrNch 9 Mark
>j. «MSS P. fcterttiiäbrHti
8 Start U Hf,. EWr auswärtigi Htsnnenten
E Hern betreffen» SÄ P»staufschla,. «x-in,eine Rum« rett 10 PS«.
Ijmucr AÄti
Zugleich AmtlicheL Organ für Kreis nnd Stadt Harm«.
Erscheint täglich mit AnSnahme der Sonn- und Ieirrtage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner PrsKinzisl-Torre^pondenr.
ScicT.-jtotifc d«Ar
W !>M^ eSeKactoyiS eJ, bette» WWW-
w M.
M- spult SEI so 'Stss.
«e»SEKL^-F
OT w
M 250.
Donnerstag den 26. Oktober.
1876.
BeLanntWachnngen KöRigl. LMdrsLhskMtK dchier»
Gefunden: Ein goldener Ring, darauf der Buchstaben B., der » zweite Buchstaben unleserlich. Ein gehäckrlteS weißes K nd?rmützchen. Ein Söckchen mit Kartoffeln, am 21. d. M. auf dem Wochenmarkt stehen geblieben. Ein Portemonnaie mit Geld.
Verlöre«: Ein Paar goldene Ohrringe. Ein Not'zbuch.
Hanau am 26 Oktober 1876.
T K 8 e K s, ch K A. ä
— (Die russische Orientpolitik.) Die Polit. Korrelp. des Oktoberheftes der Preuß. Jabrb. enthält u. A. eine unbefangene Besprechung deS gegenwärtigen Standes der orientalischen Fratze, welcher wir falzende Betrachtungen entnehmen: Trotz der außerordentlichen ? Zurückhaltung, welche die deutsch- Politik bis heute dieser Bei Wicklung gegenüber beobachtet hat, gibt es doch übet feine Leute, welche meinen, j der Reichskanzler habe auch hier alle Fäden, wie bei einem Manonet- ; tentpiel in der Hand. Wir glauben das nicht, denn so? st wä^e bei dem Spiel wohl schon mehr herausgekommen, es ließe sich ein fester Plan bemerken, nach dem die Dinge sich gestalteten. Eimn solchen zu sehen, sind wir außer Stande. Die russische Politik lebt von der Hand in | den Mund, und sie scheint von den Strömung?» ob Parteien mehr | geschoben zu werden, als sie zu schieben und zu bch-rrschen. Thatsache ist, daß die orientalische Krisis im Juni vorigen Jahres mit dem Aufstand von einigen Jnsurgentenbavden anfinx, und daß während diesen lVs Jahren ade Berathungen von Gesandten und Ministern, alle Re- formprojekte, alle ostmächtlichen ober gesammteuropäischen V rständigun- gen nur den Ei folg gehabt haben, daß die kranke Stelle imm-r größer und die Heilung «mmer schwieriger wurde. Man kann sagen: das war es eben, was Rußland wollte, das war die berechnende Weisheit des Fürsten Gortschokoff, die Dinge bis zu dem Punkte zu treiben, wo die LoSreißung von den Nordgrevzm der Türk-i, die Bildung eines groß- ; serbischen, eines bulgarischen u. s. w. Staates zur Nothwendig! it wurde. Aber wenn dies fein Zw ck war und Serbien nicht ohne Zustimmung Rußlands zum Kriege sich entschloß, warum hat man dann so schlecht! die Mittel für den Zweck berechnet, warum kam die Hülfe an russischen Offizieren und sogen. „Freiwilligen", an Waffm und Geld so spät, daß die Serben, weit entfernt, nach Sofia vorzudruigem nur mit M^-He dem Untergang entrissen werden konnten. Man hat es zur Zeit nun dahin gebracht, daß die Türkei, trotz der unendlich n Elendigkeit chrer Zustände, trotz des völligen Bankerottes und eines dreimalige» Thronw chstls als Siegerin auf bim Schlachtfeld« dasteht, daß ihre Offerte des Status quo ante und eines längeren Waffe? st llstandes wie ein großmüthiges erbieten erscheint, und daß alle Däume von neuen südslavischen Königreichen v rflogen sind. Allerdings, sie können sich noch immer erfüllen; aber nicht mit Hülfe dessen, was bisher geschehen ist, sondern nur durch eine ganz neue Aktion, durch den Entschluß Rußland», der Pforte nicht i unter der Maske der nach Serbien strömenden Freiwilligen, sondern j direkt den Krieg zu erklären. W-lches ist daS nächste Ziel der rufst- : schen Politik? Will sie wirklich keine eigenen Eroberungen an der Donau machen, w ll sie die Balkanhalbinsel nur, im Norden durch die Neubildung selbstständiger slavischer Staaten, im Süden vielleicht durch Erweiterung des hellenischen Königreichs aufzehren lassen, in der Hoff- l nung, daß diese Kleinstaaten von ihr abhängig bleiben? Wenn dies f ihre Absicht wäre, so würden wir ihr alles Gedeihen wünschen, denn an ■ eine Regeneration des türkischen StaateS, an ein friedliches Zusammen- ' leben der Raja und der OSmanli unter gemeinsamen Gesetzen ist schwerlich mehr zu denken. AVer dann ist der Fehler doppelt groß, daß man - Die Serben los ließ, ehe sie Offiziere und diSziplinirte Mannschaftenf hatten, daß man die Bulgaren zum Aufstand trieb, ehe eine Aussicht i War, sie vor den Verheerungen der Zurkafsier und der Bafchi-Bozuks; zu schützen. Oder wollte Rußland die Serben ihre Schwäche fühlen lassen? Will eS direkt in den Krieg eintretett und selbst erobern? Will eS, was die nothwendige Folge wäre, den rumänischen Staat wieder umstoßen, ihn sich einverlerb>n? Südwärts weitere Erwerbungen machen? Ein solches Ziel ist unmöglich ohne einen großen europäischen Krieg, und wir glauben nicht, daß Rußlands Klüfte demselben gewachsen sind. Arme Laien, wie wir, die nicht einmal wissen, was General
Sumarokoff nach Wi-n gebracht und was er von dort mitgenommen bat, können sich nicht auf Prophezeiungen für die Zukunft einlassen. Nur einigen Eindruck von her Be^ana-nbeit könn.n wir allenfalls haben, und der geht dahin, daß das wirklich zivinsirte Europa, dasjenige Europa, welches wirthschaftliche, geistige Knlturinteressen bat, sich recht schlecht bei dieser unendlich schleppenden Behandlung der orientalischen Dings steht. Will Fürst Gortsckwkvff wirklich nichts weiter, als sich durch die Gründung eines bosnischtn oder großferbischen und b«r»arischen HalbstaateS unsterblich machen, so scheint un§, daß der W rth dieser Neubildung schon heute den Verlust nicht mehr auf röte st, kr daS zivilisirte Europa seit anderthalb Jahren in seiner produktiven Thätigkeit durch die unsicheren Vorbereitungen zu jenem Ziel erlitten hat. Gegen ein halbsouveränes BoZmen und Bulgarien ist ja, außer den Ungarn, in Europa kein Mensch. Die Meinung, daß unter oSmänisser Verwaltung die Slaven an der Donau nicht länger existiren können, daß die Fortdauer der heutigen Türkenherrschaft stets neue Ausstände und Beunruhigungen zur Folge haben werde, ist in Europa ganz überwiegend. Aber durchaus nicht klar ist man in Europa darüber, ob Rußland wi-kiich nichts weiter will, als Bulgarien und Bosnien nach Art der Rumänen und der Serben konstituiren. Die Einen meinen, eS wolle die 1856 verlorenen Donaumündungen wieder erobern und dadurch festen Fuß zu künftigen Eroberungen fassen. Die Andern schätzen seinen Ehrgeiz noch höher und fürchten,' daß eS sich der Küsten des schwarzen Meeres, Konstantinopels ob des BsSporuS bemächtigen wolle. Wenn heute in England auf die Aadstone'sche Bewegung eine Gegenströmung folgt, die an die Zeiten des KrimknegeS erinnert, so liegt der Grund in Eier Sorge vor solches ErsberungAplanen. Wenn Rußland dieselben thatsächlich «icht verfolgt, warum haben seine heutigen Geschäftsführer nicht mehr Geschick, die Grenzs ihrer Absichten vor der Wett kiarza-- stellsn? Wir hege» die freundschaftlichsten Gefühle gegen unsern mächtigen Nachbarstaat, wir haben fein loyales Verhalten gegen uns im Jahre 1870 in voller Erinnerunz, aber wir sind der Meinung, daß die deutsche Presse ihm heute mehr Dienste-leisten kann, wenn sie auf die Unverständlichkeit seiner Politik aufmerksam macht, als wenn sie einen Ton asstimmt, als ob das Deutsche Reich im selbstverständlichen Hee- resgefolge Rußlands stünde.______________________ (Schw. M°ri.r
— Berlin, 25. Oktober. Gestern Mittag fand im kaiserlichen Palais ein Ministerrath unter dem Vorsitz des Kaisers statt. Wre nach der Post gerüchtweise verlautet, soll es sich in demselben um die Frage der Verlängerung der Eisenzölle gehandelt haben. Wir lassen die Begründung dieses Gerüchts dahingestellt, können aber auf Grund verläßlicher Andeutungen soviel bestätigen, daß in dem Conseil lediglich Punkte von internem Interesse und keineswegs Fragen der Auswärtigen Politik zur Sprache kommen sollten. Was die Letztem betrifft, so ist bie Diskretion, die von zuständiger Seile beobachtet wird, eine so unbedingte und ausnahmslose, daß man den „Informationen" einzelner Zeitungen und Correspondenten in sonst kompetenten Kreisen nicht anders gegen- übersteht, als im Publikum. Es mag dies ein Wink zur Vorsicht gegen alle „Eingeweihten" fein. crt«.)
— Berlin, 26. Oktbr. Der Diskont der ReichSbank ist heute auf 41/« Prozent und der Lombard-ZinSfuß für Waaren wie Effekten auf 51/» Prozent erhöht worden.
— Berlin, 26. Oktbr. Der hiesige französische Botschafter Vi- comte de Gontaut Btron ist nach längerer Abwesenheit nach Berlin zu- rückgekeht und hat die Leitung der Botschaft wieder übernommen.
— Vom 1. November ab sollen die Lan^briefträger auf ihren Botengängen vom Publikum Telegramme zur Beförderung an die betreffenden Telegraphenanstalten, vorläufig versuchsweise, übernehmen.
— BreSlau, 23. Oktober. Der Ober-Präsivent von Schlesien, Graf Arnim, hat aus Anlaß der Verurtheilung seines Schwagers, des Grafen Harry von Arnim, den Abschied erbeten.
— Bei den diesmaligen Wahlmännerwahlen in Preußen ist der Sieg, der über die Ultramontanen in Düfseldorf, mit einer Mehrheit von 246 gegen 220 Stimmen, errungen wurde, besonders werth- voll. Dieser Wahlkreis war von den Ultramontanen vor drei Jahren erobert worden und ist ihnen nunmehr sicher entrissen. Die Stadt hat aus Freude über dieses Ereigniß geflaggt.