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Firma die Ausstellung in der That stets und bis zuletzt allüberall an ihrer Stirne trug, in vielen Punkten zu den kundgegebenen Klagen be­rechtigt sein mögen, so hofft man doch, daß Angesichts des glänzenden und auch für den Verein ehrenvollen Erfolgs sie nicht hinterher einen bleibenden Mißklang in das bis nun so zufriedenstellend verlaufene Unternehmen bringen, daß sie nicht auf demSchein" ihrer Vereins' statuten bestehen, sondern sich beschwichtigen lassen, und daß sie um der großen Verdienste willen, die ihr Vorstand, der zeitweilige Präsident des AuSstellungskomite's, Erzgießer Miller, auch um ihren Verein und dessen Bestrebungen und Wirken von je sich erworben, fernerer Oppo sition sich entschlafen werden. Daß die peinliche Anregung und Ver­handlung in diesem Sinne enden werde, dafür darf man nicht am we­nigsten in der persönlichen Liebenswürdigkeit und Anspruchslosigkeit des dadurch am meisten angegriffenen Erzgießers Miller selber Anhaltspunkte finden.

Würzburg, 21. Okt. Heute Mittag gegen 113/* Uhr wurde die hiesige Bevölkerung durch die Nachricht von einem Haus­einsturz in Aufregung versetzt. Die Vorderseite des von Schreiner Schnabel durch Maurer Fatzauf Spekulation" erbauten 4stöckigen Hauses in der Bahnhofstraße war eingestürzt. Leider ist dabei der Verlust von 2 Menschenleben und mehrere Verwundungen von Arbeitern zu betrauern, welche bei dem Bau beschäftigt waren. Ein Glück ist es noch zu nennen, daß der Sturz in der Mittagszeit erfolgte, wo die meisten Arbeiter nicht am Bauplatz waren, sonst hätte die Ka­tastrophe bedeutend mehr Opfer gekostet. Auf der Giebelwand des Ge­bäudes prangte bereits der übliche Baum, da Abends der sog.Nieder­fall" stattfinden sollte. Zwei Stunden später um 21/» Uhr fiel ein großer Theil der Balkenlage und inneren Wand und durchbrach das Kellergewölbe, und steht in Folge dessen der Einsturz des ganzen Hauses bevor.

Aus Speyer, 23. Oktober, meldet eine Privaldepesche der Allg. Ztg." In der römischen Kurie nahestehenden Kreisen wird als Thatsache erzählt, daß Stiftsdekan Enzler seine Resignation auf den hiesigen bischöflichen Stuhl erklärt habe. Von derselben Seite verlautet auch, daß der zum Bischof von Würzburg ernannte P. Ambrosius KaeS für Rom nicht als persona grata gelte. Für die bayerische Kirchenge- schichte scheint sich ein interessantes Kapitel zu eröffnen.

Wien, 24. Oktbr. Die Nachricht des gestrigen Abendblattes derDeutschen Zeitung" von der bevorstehenden Entlassung des Grafen Andrassy findet in keinem einzigen anderen Blatte Bestätigung.

Wien, 24. Oktober. Der Kampf an der Morawa hat, dem Tagblatt" zufolge, am Sonnabend und Sonntag fortgedauert. Die Türken rückten vor und besetzten abermals Sllj-gewatz uns Gredetin, auch Crevet befindet sich in den Händen der Türken. Nach einer Mel- dung der Deutschen Zeitung" aus Paracin haben die Serben Crevet aus strategischen Gründen freiwillig geräumt und stehen die Türken unmit. telbar vor Deligrad. Die Serben halten die Positionen von Deligrad bis Svetinestor besetzt.

Amsterdam, 19. Oktober. I» der niederländischen refor- mirten Landeskirche ist nach derKöln. Z." ein Streit ausgebrochen, der eine Trennung zwischen der liberalen und orthodoxen Richtung her- beizuführen droht. Seit dem Entstehen der sogenannten modernen Richtung hatte sich die allgemeine Landessynode in Betreff der Auslegung der Bekenntnißschriften und Formeln den Liberalen gegenüber nachgie- big gezeigt. Im vorigen Jahre hatte sie noch auf Ansuchen von etwa 400 Pastoren die Bekenntnißformel bei der Konfirmation der Jugend tn liberalem Sinne für diej-nigen Geistlichen abgeändert, welche die alte Formel gegen ihr und ihrer Zöglinge Gewissen hielten. Die diesjährige Synode hat nun den Beschluß der vorjährigen vernichtet und die stren« gere dogmatische frühere Formel verpflichtend gestellt, so daß sich sehr viele Pastore in der Unmöglichkeit sehen, künftig noch Konfirmationen vorzunehmen. Diese Geistlichen haben sich nun hier versammelt und vorläufig beschlossen, sich nochmals an die Synode zu wenden, damit der vorjährige liberale Beschluß wieder hergestellt werde. Ob dieser Schritt helfen wird, ist zweifelhaft, denn die Orthodoxen haben schon lange daran gearbeitet, daß sie die Mehrheit in der Synode erhielten, und zwar aus dem alleinigen Grunde, um die Liberalen zum Austritt aus der reformirten Kirche zu zwingen.

General Jgnatieff wird erst am Dienstag die Audienz haben, in der er dem Sultan seine neuen Beglaubigungsschreiben und das rus­sische Ultimatum überreicht. Die Entscheidung ist also noch um ein paar Tage verschoben, und dieser Aufschub hat die Hoffnungen auf Er­haltung des Friedens wieder einen Augenblick aufleuchten lassen, obwohl man kaum sieht, worauf sich diese Hoffnungen stützen. ES heißt zwar, die Pforte, die sich von England verlassen, jetzt auch von Rumänien und Griechenland bedroht sieht, sei zu möglichster Nachgiebigkeit geneigt. Allein eine solche Versicherung will in dem vorgerückten Stadium, in dem sich heute die Sache befindet, wenig mehr besagen, und inzwischen treten die Nachrichten von der Zusammenziehung russischer Korps, von Verernbarungen wegen Durchzugs derselben durch Rumänien mit wach­sender Bestimmtheit auf. In der Londoner City gilt die Thatsache,

daß Rothschilds seit mehreren Tagen eine Unmasse Fonds verkaufte« während Leder, Talg, Salpeter gleichzeitig stiegen, als untrügliches Zeichen des bevorstehenden Kriegsausbruchs. Indessen haben die Be­schlüsse des englischen Ministerraths viel zur Beruhigung der Gemüther beigetragen. Man weiß jetzt, daß, wenn der Krieg zwischen Rußland u«d der Türkei ausbricht, die anderen Mächte vorläufig unbeteiligte Zuschauer bleiben w'rdm. cSchw. anu

Madrid, 23 Okt. Die amtlicheGaceta" schreibt: Bereits seit längerer Zeit überwachte die Regierung eine sozialistische Verschwö­rung, welche von Ruiz Zorilla und S almeron mit Unterstützung einiget föderalistisch gesinnter Militärs orgarnfirt worden war. Nachdem nun der Behörde an der Grenze ein Schreiben Zorilla's in die Hände ge­fallen, worin derselbe die Weisung zum sofortigen LoSbruch ertheill, entschloß sich die Regierung zum Handeln und ließ die Verhaftungen Hauptschuldigen vornehmen. Unter denselben btfiiben sich die General! Merelo, Arry-o, Patino und Acosta, welche nach dem M litärgesetz be- straft werden sollen, sowie einige ehemalige Dkputirte föcderalrstischn Richtung. Mehrere Verschworene haben die Flucht ergriffen.

K o n st ant in opel, 24. Oktbr. Die Regierung hat an ihn Vertreter im Auslande über das bereits entdeckte Komplott gegen dar Leben des Großveziers und Midhat Paschas eine Mittheilung gelangen lassen, in welcher hervorgehoben wird, daß die Ruhe in Konstantinoprl der der Entdeckung der Verschwörung und den darauf folgenden Ber- Haftungen nicht gestört worden sei.

Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.

Hanau, 25. Oktober 1876.

Eingesandt.

rr. (Theater.) Je mehr das Bestreben der Direktion unseres Stadttheatns, den Wünschen und Ansprüchen der Theaterbesuchern gerecht zu werden, zu Tage tritt, desto mehr bedauern wir constatiren zu müssen, daß derselben dies Bestreben, wel­ches sie besonders durch Vorführen neuer resp, hier noch nicht gesehener Stücke bocn« mentirt, bis jetzt wenig gelungen ist.

Das Publikum ist im Allgemeinen von dem bisher Gebotenen nicht sehr be­friedigt. Ein Hauptgrund dafür ist vor allen Dingen darin zu finden, daß an m- serer Bühne einzelne Kräfte engagirt sind, welche wegen Mangel der nöthigen Rou­tine und wohl auch des Talentes den Anforderungen nicht entsprechen können, welch wir in früheren Jahren an die Vertreter der betreffenden Fächer stellen konnten?)

Am vorigen Sonntag ging ein neues Lustspiel von ®. zu Putlitz:Spiel! nicht mit dem Feuer" über die Bretter.

Hätte der Verfasser sein Stück als einenSchwank" bezeichnet, so würde et damit den Ansprüchen, welche die Kritik unterschiedlich von jenem an ein Lustspi«! stellen kann, von vornherein entgegen getreten fein. Und er hätte daran gut gethan.

Die eigentliche Handlung des Stückes ist im Grunde genommen klein unt schwach. Doch versteht es der bekannte Autor trefflich, den Faden derselben geschick und interessant zu knüpfen. Da er dabei, wie wir das aus seinen früheren Lust spielen gewöhnt sind, mit allen Bühneneffeeten bis ins Geringste vertraut uni solche oft und erfolgreich anzuwenden im Stande ist, wird es ihm leicht, seine 8» Hörer zu erheitern und sie in animirter Stimmung zu erhalten. Bei dem Bestrebt fortwährend zum Lachen anzuregen, laufen freilich einige Effccthajchereicn, wir er­innern nur an den 56 Mal vorgebrachten Witz mit derMillioneserin", unter.

Wir unterlassen es den Gang der Handlung speciell zu erzählen, weil du Stärke des Stückes eben in den mancherlei Verwickelungen und Verwechselungen und Mißverständnissen liegt, welche sich womöglich im nächsten Momente schon und bann immer auf ergötzliche Weise, lösen und aufklären, und weil es uns unmöglich sei» würde, dem Leser durch einfaches Erzählen ein Bild von der Wirkfamkeit dieser Vor­gänge zu geben.

Den Intentionen des Dichters gemäß ist der Hauptheld des Stückes, Capital« Gottfr. Huber, ein bieder-r, einfacher und treuherziger Seemann, wie er allerdings vielleicht mehr in Romanen, als in der Wirklichkeit vorkommen mag. Nebenbei ge­sagt, hat der Autor dieser Gestalt noch eine Portion Weiberschcu zudiktirt. DaS Spiel des Herrn Geh ring in dieser Rolle hat freilich den Charakter in seiner Einfachheit und Biederkeit etwas schroffer zur Darstellung gebracht, als es sein sollte, so daß es Uns besonders im 2. Akte einige Male scheinen wollte, alS spiele Herr Gehring nicht mehr einen einfachen, biederen Naturmenschen, sondern einen - Naturdummen. Dieser Eindruck wurde dadurch noch verstärkt, daß Herr Gehring die Gangart der Seeleute, wenn sie sich auf dem Fastlande bewegen, breitbeinig uni schwankend, nachzuahmen versuchte. Frl. Ri on d e (Nettchen, Dr. Weller's Frau) können wir für ihr Spiel, bis auf das unnatürliche, krampfhaft gezwungene Lache«, vollstes Lob aussprechen, ebenso Herrn Bergmann, der feinen Advokat Winfried mit großer Routine gab. Die Leistung des Herrn Francke (Dr. Weller) war bis auf Einzelnes ganz annehmbar. Frl. Otto (Frau Winfried) zeigte sich als Anfängerin in des Wortes ganzer Bedeutung. Die Dame müßte sich vor alle» Dingen Mühe geben, tiefer in den Geist ihrer Rollen einzudringen und ihren guren durch Geberdenspiel und mehr Modulation ihrer schönen Stimme eine lebhaf tere Färbung zu geben. Frl. Bertholdi brächte unserer Meinung nach die reich Erbin Alice van Molden nicht recht zur Geltung. Im letzten Acte, in Momente«, wo es darauf ankam, das liebende Mädchen zu verkörpern, gefiel sie uns besser. Dasselbe läßt sich von Herrn Gehring mit Bezug auf seine Parthie sagen. W» sahen Frl. Bertholdi zum ersten Mal und glauben, daß sie in Soubretten-Rolle« Besseres leistet. Uebrigens müssen wir der jungen Dame dringend empfehlen, 1 den Wortlaut ihrer Rollen mehr zu eigen zu machen! Lobend zu erwähnen bleib noch Frl. Belgrad als Minchen.

Das Ensemble-Spiel am vorigen Sonntag war gut, bis auf eine Stockn«! im 3. Aufzuge und die Begrüßungs-Scene im 2. Acte, welche letztere zumeist bura das Spiel der Damen Otto und Bertholdi kalt und steif ausfiel.

Ueber das einactige Stück:Er kann nicht lesen", welches noch gegeben wurde, können wir Nichts sagen, da wir gezwungen waren, nach Schluß des obei besprochenen Lustpieles das Theater zu verlassen.

*) Hierzu müssen wir bemerken, daß die Theaterdirektion bestens bestrebt ti derartige Mängel zu beseitigen. So wird an einem der «ächsten Abende, wie W hören, eineerste Heldin und Liebhaberin" hier zum erstenmale auftreten. (D. Red.