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Hlinmer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint tüglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und SamstagS mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Donnerstag den 19. Oktober.

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Deutschland und die Times.

A. b. Schw. Merk.

Die Times stößt einen angstvollen Hülferuf an die Adresse Deutschlands auS, der aber diesseits oes KanalS eine ziemlich kühle Aufnahme finden wird. Die unparteiische Haltung, welche die deutsche Reichspolitik bisher eingenommen bat, einzig auf die Erhaltung deS Weltfriedens bedacht und eben deßwegen für keine der im Orient sich bekämpfenden Mächte sich verpflichtend, bat durchaus die Zustimmung des deutschen Volkes gefunden. Die Versuche, dasselbe für eine einsei­tige Parteinahme zu gewinnen, wie das zu den Zeiten des Krimkriegs der Fall war, sind völlig mißlungen. Zum ersten Mal hat der Deutsche m einer großen weltgeschichtlichen Verwickelung das Gefühl, daß er nicht Ursache habe, sich in eine außergewöhnliche Aufregung zu versctzin. Das Schicksal der Türkei liegt uns ohnedies weniger nahe als anderen Völkern, zudem gibt uns daS Vertrauen auf die bewährte Politik des Reichskanzlers ein angenehmes Gefühl ter Sicherheit; wir empfindcn, daß Deutschland, seitdem es eine entsprechende staatliche Form gefunden hat, auf seiner eigenen Schwerkraft ruht und uns der früheren Gewohn­heit, für fremde Interessen uns zu erhitzen, glücklicherwrise enthebt. Aus dieser Stimmung wird uns auch der bewegliche Anruf der Times nickt herauszutreiben vermögen. Mit einemSamuel, hilf", wendet sich das englische Blatt an BiSmarck, von dessen Macht eS abhänge, d:e Welt von einem furchtbaren Kriege zu retten; er möge seine Macht brauchen, Rußland den Besitz der Donau verbieten u. s. w. Auf Deutschland also wird die Verantwortung gewälzt, wenn der Zusam­menstoß der Mächte nicht zu verhindern sei. Diese Ansicht der T meL ist zwar einigermaßen schmeichelhaft, aber neu. Wollten wir ein paar Wochen zurückblättern, so ließe sich eine ganze Reihe von TimeSartikeln zusammenstellen, worin die Verantwortung für den Fall, daß es schief aehe, auf das Torykabinet gewälzt wird, das heute freilich bei der Times wieder mehr in Gunst steht, als zur Zeit, da die Entrüstung des britischen Volks über die türkischen Greuel noch frisch, schamauf- regend und durch die Meetings noch nicht abgenutzt war. ES war da­mals für die Times eine leichte Mühe, ihre Vorwürfe gegen die eigene Regierung zu begründen. War doch die Ablehnung des Berliner Me­morandums durch England der eigentliche Wendepunkt, der die orienta- lische Frage den Waffen übergab. Bis dahin waren sämmtliche euro­päische Mächte Hand in Hand gegangen, von da an ersah die Pforte, daß sie wieder auf dm Zwiespalt Europas rechnen dürfe. Bis dahin waren «Serbien und Montenegro gezwungen gewesen, ihr Schwert in der Scheide zu halten, denn die Mächte selbst hatten sich der Beschwerden der christlichen Bevölkerung angenommen. Erst als das Berliner Me- i morandum durch England vereitelt wurde, und damit die gemeinsame , Fürsprache für die Christen sich auflöste, traten Serbien und Monrene- f gro an die Stelle, und es begann der Krieg, den zu verhindern leichter gewesen wäre, als ihm jetzt Einhalt zu thun. So viel, was die Ver­antwortung für die Vergangenheit betrifft. Und was die Zukunft an« geht, so mag nur erst England selbst die Mittel, die in seiner Hand sind, erschöpfen, bevor es unbetherligte Mächte auf den Kampfplatz ruft, die von keinem Bündniß, weder mit dem einen Theil, noch mit dem - andern, etwas wissen wollen. Man begreift im Grunde nicht, weßhalb Rußlands Widerspruch gegen den halbjährigen Waffenstillstand so großen Lärm verursacht. Indem eS den türkischen Gegenvorschlag zurückwerst, Art es nur zum Ausgangspunkt zurück, d. h. zu bin Vorschlägen ; Alands, die den einstimmigen Beifall aller Mächte gesunden hatten.

^»t darin Aufregendes gerade für England! Warum bleibt nicht i auq England bei seinem eigenen Programm und zwingt die Tüikci, Demselben fic^ $u unterwerfen? In der That wäre dies das sicherste j MMel, dre aufgestiegenen Wolken wieder zu verscheuchen. W-nn die ."VU etnem Omonatlichen Waff nstillstand bereit ist, warum nicht vorläufig zu einem stwöchentlichen? Sie würde mindestens damit einen Beweis von ihrem guten Willen geben, und sie würde auf alle Fälle Jiufjlanö ins Unrecht setzen, wenn dieses gleichwohl zum Kriege hin-

Berlin, 18. Oktaler. DieProvinz'al-Correspondmz" schreibt: es gehe durch die Wahlbewegung ein Zug lebhaftester Beforg- niß in Betreff der nächsten wirthschaftlichen Entwicklung. So schwer e aber der jähe Umschlag von dem vorherigen kurzen Aufschwünge zu dem e jetzigen Druck fast alle Schichten der Bevölkerung betroffen habe, so sei e doch daS Vertrauen unerschüttert, daß Preußens Könige ein klares Auge ; und ein warmes Herz für die Bedürfnisse des Landes haben und daß j die Regierung auch jetzt Alles daran setzen werde, daS Land, soweit s dies die staatliche Fürsorge gestalte, durch die augenblicklichen Wirth« , schaftlichen Nothstände zu einer gewerblichen Blüthe hindurchzuMren. ; <azu ist aber nöthig, daß die Landes Vertretung aus Männern bestehe,

> die von schroffen Parteiwesen fern, entschlossen seien, in vertrauemvol- ; lern Zusammenwirken mit der Regierung des Landes Wohl und Ge- : deihen zu fördern. Das B'att bestätigt die bereits erfolgte Tiv.be- ( i rufung des Re chstagS zum 30. Okt. In Betreff der Reichs Justizge- , setze bemerkt diePcovinzial-Correspondenz": eine Vereinbarung über , die bestehenden Dss-renzpankte werde nach der Lage der Verhä tnisse t erst im Reichstage angestrebt werden können. Auf Erzielung derselben und auf einen erfolgsamen Abschluß dieser bedeutsamen Arbeit werde nach wie vor das gemeinsame Streben zu richten sein. (F. Z.)

Der Verein Berliner Judust ieller hat sich in einer kürzlich statt« gehabten Sitzung mit der Frage wegen Beschickung der für 1878 pro« jetiirten Pariser Meltaue stillung beschäftigt. Das Resultat der Bera- : ' thung war, daß im Allgemeinen die häufige Wiederkehr derartiger Aus- i firllungen nicht wünschenSwerth erscheine, daß aber kaum ein AndereS übrig bleiben werde, als eine lebhafte Betheiligung Deutschlands an der ; Ausstellung zu empfehlen.

- Dieser Auffassung tritt teilweise ein Aufsatz in derNational- Zeitung" vom 11. b. M. gegenüber, der bereits vielseitige Beachtung j gefunden und in welchem ein bewährter Kenner unserer Gewerbe, Dirck« s tor Lessing, die Gründe entwick It, welche für und wider die Betheili­gung sprechen. Der Verfasser legt dar, daß fern Bedürfniß dazu vor- i liege, daß Frankreich keinen stichhaltigen Anlaß dafür angeben könne, : daß für Deutschland kein Nutzen davon zu erwarten, daß die darauf zu verwendenden Kosten in keinem Verhältniß zu dem zu erwartenden Er« i folg stehen würden, ferner daß es ganz ähnlich mit den Anschauungen ; und Stimmungen in anderen Ländern stehe, endlich, daß es wohl er­laubt sei, die Frage aufzuwerfen, ob einer Nation das Recht zusthe, ohne Weiteres, zu jedem ihr beliebigen Zeitpunkt und ohne vorgängigeS Einvernehmen, mit dem Projekt einer solchen, alle Interessen der Aus­landes berührenden Ausstellung vorzugehen; eine Frage welche bei Aus­stellungen in der That nicht anders liege, wie bei statistischen Kon­gressen, bei Post- und Telegraphen Konferenzen und bei ähnlichen inter­nationalen Zusammenkünften.

Metz, 14. Oktober. Gestern Abend 8 Uhr versammelte sich ; in der evangelischen Stadtkirche eine zahlreiche Zuhörerschaft, um den auf der Reife von Madrid nach Deutschland begriffenen Hülfsprediger Fliedner, jüngeren Bruder des seit 6 Jahren in der spanischen Haupt­stadt thätigen Pastors Fliedner, in einem Vortrag über die Zustände s der Protestanten in Spanien zu verruhmen. Der Redner schilderte in ; lebhafter und ausdrucksvoller Weise die jetzige Lage derkleinen H erde" i der spanischen Protestanten, wie dieselben durch die neulichen Maßregeln ; der Regierung in der freien Entfaltung ihres Kultus beengt, auderer- i seits in ihrer Propaganda für Bibelverbreitung durch den fanatifirten : katholischen Klerus vielfach gestört, dem och mit Muth und Treue aus­harren und täglich die Zahl ihrer äfhtclieber sich mehren sehen. Der i Redner erzählte viele einzelne Beispiele von GlaubenSeifer und gab folgende statistische Notizen an: Dre Zahl der protestantischen Gemein­den in Spanien ist 30 (davon 5 in Madrid) die Zahl der Mitglieder i etwa 30,000, die der die Schulen besuchenden Kindcr von 78000. ; Außerdem leben Angehörige des evangelischen Bekenntnisse einzeln zer- ; streut in biebn Städten. Das Organ der spanischen Protestanten ist das Blatt: El Cristiano, für die Zwecke der Propaganda ausserhalb Spaniens werden sie-pantschen Brätter" herausgegeben. Der Redner [ fchloß mit der Aufforderung an die Anwesenden durch Fürbitte und