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Freitag dm 13. Oktober.
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Zur Lage.
A. d. Schw. Merl.
Ein wv«schknswerihes Ziel scheint jetzt erreicht: die Eirstellung der Feindseligkeiten. Die Pforte ist geneigt, den WaffenstillstandZvor- schlag, den sie das erstemal abgelehnt, nunmehr anzunehmen. Ein Ministerrath, der am 10. C!L gehalten wurde, hat in diesem Sinne entschieden. Man kennt freilich noch nicht die Bedingungen, welche die Pforte gleichzeitig für den Waffenstillstand ausgestellt hat, auch ist auffallend, daß sie sich plötzlich zu einer Waffenruhe von 6monatlicher Dauer bekehrt, also abermals das Ansinnen der Mächte anscheinend ■ übertrumpft hat. Leicht möglich, daß daraus neue Anstände sich erge- ben, wie denn die Pforte bisher in der Verlängerung nutzloser Ver- i § ant hin gen die Hauptstärke ihrer Politik gesucht zu haben scheint. In- ; dessen mögen die Vorstellungen der diplomatischen Vertreter diesmal ■ dringlich genug gewesen sein, um die Pforte endlich doch zum wirklichen ■ Eingeh-n auf die Wünsche der vereinigten Mächte zu bewegen. Be- ; kanntlich ging der Vorschlag zum Waffenstillstand von Rußland aus, i nachdem die Pforte das Friedensprogramm der Mächte abgelehnt hatte. 1 Und zwar trat der Vorschlag mit dem Charakter einer Art von Ulti- = matum auf. Die diplomatischen Vertreter eröffneten Sofort Pascha, daß die Verwerfung des WeffenstillstandSantragS die Unmöglichkeit des - ferneren diplomatischen Verkehres mit der Pforte nach sich ziehen würde. ! Rußland seinerseits soll erklärt haben, daß es, wenn die Pforte den ! Vorschlag ablehne, den Versuch einer Mediation als beendigt ansehe. : Das waren Drohungen, denen die Pforte um so weniger ihren alten ; Trotz entgegensetzen konnte, als sie sich nicht Rußland, sondern der ge« > schlossenen Reihe der europäischen Mächte gegenüber sah, deren gemein- j James Friedenkprogramm sie soeben zurückgewiesen hatte. Die Verwci- : gerung des Waffenstillstandes würde ohne Zweifel Rußland den will- > kommenen Vorwand gegeben haben, zur Exekution zu schreiten; umge- ; kehrt nimmt die Pforte, mit Annahme des VorschlagS, Rußland beim > Wort, und letzteres wird auf die Probe seiner wahren Absichten gestellt, s DaS ist daS Interesse, daS sich an die Annahme deS Waffenstillstandes von Seiten der Pforte knüpft: Rußland muß Farbe kukennen, es ist gezwungen, sein doppeltes Spiel aufzugeben, es muß in Belgrad ebenso i darauf dringen, daß sein eigener Vorschlag angenommen wird wie in Stambul. Die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen freilich erst dann, wenn während des Waffenstillstands das FriedenLprogramm zur Verhandlung kommen kann. Es versteht sich von selbst, daß die Mächte, die unter dein Vortritt Englands Autonomie für die aufständischen Provinzen verlangen, nicht mit dem konstitutionellen Schwindel sich abspeisen lassen, der jetzt in Konstantinopel mit Dampfkraft betrieben wird. ------------.
—• Die Institution der Rittergüter ist durch die neuere Gesetzgebung nicht völlig beseitigt, die Rittergutkqualität vielmehr auch jetzt noch in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung, namentlich für die Theilnahme an verschiedenen PräsentationSwahlen zum Herrenhause, an kom- munMändischenj landwirthschaftlichen Kredit- Md VersicherungS-Ber- Handen. Nach einem Cirkularerlaß des MinisterS des Innern vom 9. August d. I. ist es deshalb nothwendig, die Rittergutsmatrikeln in Be- treff des Bestandes der Ritterguts.EigensHaft der darin eingetragenen
Herrenhaus befugt sind. Hinsichtlich der Führung dieser Verzeichnisse, sowie der Auffüllung und Einreichung der Veränderungsnachweisungen behält eS bei den Cirkularverfügungen vom 25. November und 20. Dezember 1865 sein Bewenden.
— S. M. S. „Augusta" ankerte am 6. Oktober cr. auf der Rhede von Plymouth und beabsichtigte am 10. desselben Monats wieder in See zu gehen.
— Berlin, 12. Okt. Nach den vervollständigten Listen der in Philadelphia ausgezeichneten Aussteller entfallen auf etwa 1000 deutsche Aussteller 627 Medaillen. (R. u. St.-A.)
— Dresden, 10. Oktbr. Der Rücktritt des Finanz-Ministers, i Frhr. v. Friesen, erfolgt nunmehr bestimmt am 18. b. Mts. und wird i bis zum Antritt seines Nachfolgers interimistisch ein Ministerial-Direk- ; tot die Führung der Geschäfte übernehmen. Der Kriegs-Minister, General der Kavallerie v. Fabr'ce, hat bereits am Sonnabend zu Ehren ; des scheidenden Minister-Präsidenten ein Diner verunstaltet.
— Aus Mecklenburg, den 8. Oktober. Professor Baum- . garten hat mit Beziehung auf den b- kannten Schluß feiner Heidelberger
HM Veränderungen, sowie der bezüglichen Verände-
iesitzeS oder in !rtchts für das
I Protestantentagrpredigt eine Schrift herausgegeben, „Eine Krisis inner- t halb des deutschen Protestantenvereins" betitelt. In derselben wird : zunächst ein Artikel aus dem 3. Heft der ehemaligen Schenkel'schen allg. kirchk. Zeitschrift 1869 angeführt, welcher unter der Ueberschrift ; zur Lehre von der Toleranz die Gründe angibt, warum die Heidelberger ; Kirchengemeindeversammlung die Bitte der positiven Gemeindemitglicder ; um Ueberlassunz einer Stadtkirche zum Zwecke regelmäßiger Gottesdienste : abgeschlagen. Sodann bringt Baumgarten seine Predigt und zuletzt ; seine Vertheidigung. Daß diese Vertheidigung gelungey wäre, wird ; Niemand behaupten, obgleich Baumgarten sich auf Paulus beruft, der : einst in Antiochia vor versammelter Gimeinde dem Petrus Judenfurcht und Heuchelei vorgeworfen, obgleich er Citate aus griechischen und römischen Schriftstellern anführt, die ihn zu solchem Auftreten berechtigen sollen. Man mag von dem Vorgehen der Heidelberger Kirchengemeindeversammlung halten, was man will, jedenfalls waren Ort und Zeit nicht geeignet zu Baumgarter'schen Auslassungen, und am allerwenigsten durfte der „positive" Rostock-r Professor den liberalen Heidelbergern Vorwürfe machen. Wenn Baumgarten glaubt, es werde der Vorgang zu einer Krisis im Prot.-Verein führen, so dürfte dieser Glaube nur ein Wahn sein; für den Prot.'Verein ist die Sache durch die noch in Heidelberg erfolgte Erklärung des Präsidenten Bluntschli erledigt. (g^w. Merk.»
— AuS Thüringen, den 9. Oktober. Nachdem im Sommer l. I. verfrüht berichtet worden, die Unterhandlungen über den Ankauf der thüringischen Eisenbahn Seitens des preuß. Staates seien bereits in vollem Gange, hört die halbamtliche Weimar. Z. p§t, daß die Verhandlungen mit der Thüring. Bahngesellschaft begonnen haben und guten Fortgang nehmen. Ueber die Modalitäten des Ankaufs ist der gen. Zeitung nichts bekannt, sie erklärt aber die eben wieder auftauchende Angabe, als sei bereits ein Einversiändniß erzielt, für verfrüht.
— Straßburg, 9. Okt. Die Erdarbeiter» zum Bau des dreizehnten Forts am oberen Rhein beim Altenheimer Hofe sollen, nach der „Köln. Ztg." noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden, nachdem nunmehr auch die neu angelegte Militärstraße durch den Rheinwald zwischen Fort Werder und dem Altenheimer Hof fertig gestellt worden ist. Die Specialentwürfe sind vom KriegS-Ministerium genehmigt worden und sind die auSzuführenden Arbeiten im Wege der Submission an ein Konsortium vergeben worden; es wird nur noch der Eingang der Bestätigung deS betreffenden Kontraktes abgewartet, um den Bau ungesäumt zu beginnen. Durch die Anlage dieses FortS soll die Verbindung mit den rechtsrheinischen FortS hergestellt werden. Letztere sollen in diesem Jahre bis auf den inneren Ausbau beendet werden.
— Baden-Baden, 11. Oktober. Der^König von Griechenland ist hier eingetroffen und wurde am Bahnhöfe von dem Kaiser Wilhelm und dem Großherzoge von Baden empfangen.