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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- imb Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzisl-Korrespondenz.
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M 237. Mittwoch den 11. Oktober,
187H.
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— Berlin, 6. Oktober. Das Reichskanzleremt hat dem Bundesrath eine von dem mit der Oberleitung der Ausgrabungen auf dem Boden des alten Olympia betrauten Direktorium unter dem 18. Aug. d. I. verfaßte Denkschrift über den bisherigen Verlauf und Erfolg des Unternehmens zur Kenntnißnahme mitgetheilt. Der Bericht über die Ausgrabungen betrifft zunächst den bisherigen Verlauf der Arbeiten, dann aber auch die Einleitung der ferneren Ausgrabungsarbeiten der nächsten Kampagne, welche mit gesteigerten Kräften in Angriff genommen find; weiter auch über den Kostenbetrag, der sich bislang auf rund 120,000 Mark beziffert und für die weiteren Schritte 340,000 Mark noch betragen wird. ($r. «d
— Im Kriegsministerium ist, wie der „Trib." geschrieben wird, ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden, welcher auf Grund des Artikels 47 der Reichsverfassvng (der von der „Benutzung der Eisenbahnen zum Zweck der Landesvertheidigung" handelt) die bisherigen Bestimmungen über die Kriegs- und Friedensletstungen der Eisenbahnen erheblich erweitert. Der Verein der Privat-Eisenbahnen, dem der Entwurf mit* getheilt worden ist, hat darauf mit einer Denkschrift geantwortet, die an den starken Rückgang anknüpfend, in welchem sich gegenwärtig die Rentabilität der Bahnen befindet, gegen die geforderten unentgeltlichen Leistungen Einwendungen erhebt und auf die Ungleichmäßigkeit aufmerksam macht, die darin besteht, daß besonders diejenigen Eisenbahnen Ausfälle zu erleiden haben würden, an deren Strecke große militärische Depots, Fabriken oder große Festungen liegen, wenn künftig der ganze Materialbedarf derselben unter dem Kostenpreise spedirt werden müßte.
— Die beiden Abtheilungen des Strafsenats des Königlichen Ober- Tribunals vereinigten sich am 9. d. Mts. unter dem Vorsitz des Vize- Präsidenten, Wirklichen Geheimen Rath Dr. Grimm, zu einer Plenar- verhandlung, in welcher die Frage zur Entscheidung gelangte: „Kann dem verantwortlichen Redakteur einer periodischen Druckschrift, welcher in Gemäßheit des §. 20, 2 des ReichSpreßgesetzes vom 7. Mai 1874 we- gen eines darin aufgenommenen strafbaren Artikels als Thäter zur Untersuchung gezogen ist, der Einwand zu Stätten kommen, daß er das Vorhandensein eines Thatumstandes nicht gekannt habe, welcher zum ge- setzlichen Thatbestände der zur Anklage gestellten strafbaren Handlung gehört?" (§. 59 des Str.-G.-B) Der Gerichtshof bejahrte diese Frage.
o ~ S. M. S. „Ariadne" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 8. Oktober cr. in Lissabon angekommen. An Bord Alles wohl.
Briefsendungen für S. M. S. „Friedrich Carl" sind von heute ab bis auf Weiteres nach Salonichi zu dirigiren.
— Vom Reichsgesundheitramt, welches nun schon seit einiger Zeit feine Wirksamkeit begonnen hat, ist bis jetzt noch wenig zu hören. Allem Anscheine nach wird sich die Thätigkeit dieses Amtes zunächst darauf richten, eine Medicinal- Statistik für das Deutsche Reich in dem Umfange in das Leben zu rufen, wie ihn die Sprcial- Commission, die vor Jahr und Tag in Berlin zusammengetreten war, als nothw-ndia und wünschenswerth bezeichnet hat. Von dem Entwürfe eines Gesetzes über die Leichenschau, sowie über die Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten ist bis jetzt noch nicht die Rede gewesen, doch geht man damtt um, diese Dinge für die erste Session des nächsten Reichstages fertigzustellen. ^7
„ ~ Wenn die „Allgemeine Zeitung" mit einer ihr angeblich „aus vollständig unterrichteter Quelle" zugegangene Nachricht Recht behält, so wäre dre Opposition, welche bisher in Preußen gegen einen „ein- K1^ E'senbahntarif" bestanden hat, glücklich beseitigt und über ein «nheitliches Tarifsystem eine Einigung aller deutschen Eisenbahnver- S"Ä' und zwar auf Grund der Beschlüsse der Dresdener Bl»l? v^^^bner Konferenzen. Man hofft nach dem AugSburger vÄ!'? ? ^ einheitliche Tarif mit dem 1. Januar 1877 wird in Kraft treten können.
. _ ~ Die neuliche Verhandlung des hannoverschen Provinzialland- b«8»ntrfl?S^e^ Hut zu der Frage Veranlassung gegeben, ob r Antrag Bennigsen s, der von dem Provinziallandtag angenommen
wurde, in Fühlung mit der Regierung gestellt worden sei oder nicht. Die Nat.-Lib. Korr. antwortet darauf: Wir glauben, daß eine einfache Ueberlegung der Sache die letztere Annahme als die richtige erscheinen lassen muß. Es ist einfach die überwiegende Stimmung der Hanno er- schen Bevölkerung, welche in dem Antrag zum Ausdruck kam. Seit dem deutsch-sravzöf. Krieg hat die Hannovrische Dynastie, wenn auch schwerlich alle Hoffnungen, so doch in der Zeit von 1867 bis 70 lebhaft betriebene Agitation aufgegeben. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Hannovers^ e Königsfamilie sich unter thatsächlichem Verzicht auf ihre frühere Stellung in Deutschland nach England zurückziehen will, wenn sie die Mittel besäße, dort standesgemäß zu leben. Die Mittel sind durch die großen Geldsummen, welche bis 1870 für Agitatoren aller Art, für die Gründung von Blättern, für die Welfenlezion u. s. w. ausgegeben worden, sowie durch vrrfehlte Spekulationen, zu denen der vormalige König in der Wiener Schwindelatmosphäre von gewissenlosen Rachgebern verleitet wurde, nach Allem, was man hört, sehr zu- sammengeschmolzen. Eine Uebetfvbelung nach England würde also ohne Freigabe der beschlagnahmten Gelder schwerlich ausführbar sein. Es ist natürlich Sache der preuß. Regierung zu überlegen, ob sie den von dem Hannoo. Provinziallandtag ausgesprochrmn Wunsch bedingungslos gewähren oder ob sie ihn an Bedingungen knüpfen will. Ein Verzicht auf alle Thronaniprüche in Hannover, sowie auf die Nachfolge in Braunschweig würde natürlich jede Schwierigkeit heben. Ob ein solcher Verzicht in aller Form ausgesprochen werden muß, oder ob man hier einen Mittelweg emschlagen kann, ob man vielleicht noch eine Zeit lang das Kapital festhalten, die Zinsen aber an die drpofjetirte Famile ab« liefern soll, das sind Fragen, weiche die preuß. Reg^rung zu erwägen haben wird. Gewiß ist, daß die g'vße Mehrzahl des hannoverschen Volks an die Wiederherstellung eines selbstständigen Königreichs Hannover nicht denkt, daß die Bestrebungen der Welfenpartei in dieser Beziehung von Jahr zu Jahr mehr an Einfluß verloren haben, und daß - gerade diese Machtlosigkeit aller Restaurationsgedanken in dem Hanno- ! bersten Volke den Wunsch hervorgerufen hat, dem ehemaligen Fürsten- > Hause möchten die bisher vorenthaltenen Mittel nunmehr gewährt ’ werden. (Echw. Merk.)
i — Von deutschen Seestreitkräften befinden sich gegenwärtig im Mittelmeer: Bei Smyrna die Panzersregatien Kronprinz und Friedrich Karl (letzterer neuerdings nach Salonichi entsandt) sowie der Aviso Pommerama, bei Konstantinopel das Kanonenboot Meteor. Außerdem - passiren gegenwärtig mehrere Korvetten auf der Reise von und nach - Asten das mittelländische Meer.
i — München, 8. Oktober. Bei den Landtagswahlen im Juli ; v. I. ist von seinen Anhängern und Verehrern, deren er in der That > nicht wenige hat, Dr. Sigl im Wahlkreise Stadtamhof als Kandidat i aufgestillt, seine Erwählung aber mit Rücksicht auf seine damals noch i fortdauernde Gefängnißhaft unterlassen worden. Statt seiner wurde i dann ein gewisser Bezirksgerichtsassessor Walter erkoren, ein Mann, der i sich denn auch während der Session als ein heißblütiger Kämpfer für römische Interessen bewährte. Sigl aber kann seinen Ersatzmann den Sitz auf den rothen Bänken im Ständehaus nicht ruhig genießen lassen: er nörgelt und krabbelt an ihm und sucht ihm allerlei, dabei auch ziemlich ehrenrührige Dinge aufzuhängen. Hr. Walter erließ nun eine öffentliche Erklärung zu seiner Rechtfertigung, worin er u. A. zugesteht, daß die „Denunziationen" Sigl'S bereits zur Einleitung einer Disziplinaruntersuchung wider ihn geführt hätten. Was endlich den Parksteimer Wahlaufruf mit seiner vernichtenden Kritik der Thätigkeit der ultra- montanen Kammermehrheit betrifft, so hat nicht nur eine zahlreiche Ur- Wählerversammlung in Schwirmitz (im Wahlkreise Sulzbach gelegen), ihr Einverständniß erklärt, sondern auch anderweite Kundgebungen bezeugen, daß damit die Volksmeinung Ausdruck gefunden habe. Am Dienstag findet dort die Wahl statt und sie wird das Weitere lehren. Als äußerlich erkennbare Symptome der Zugeständnisse innerhalb der ultramontanen Partei sind alle diese Vorgänge gewiß beachtenswerth.
— München, 9. Oktober. Mehrere Armeen, und ganz besonder« die französische, haben mit der Nachahmung des deutschen Jnsti-