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Frl. Rionds (Gräfin Danischeff) war wie immer wacker am Platze, nur Mrfte sie nach ihrer eigenen Schilderung wohl etwas älter erscheinen. — Ihr Sohn Wladimir, Herr Geh ring, ein talentvoller junger Mann, verstand es mit der Rolle des feurigen jungen Grafen sich recht gut abzufinden. — Paul Boura- movsky, Herr Herrmann, zeigte den routinirten Schauspieler in dieser eigenthümlichen Rolle. — Fürst Boris Walanoff, Herr Gärtner, lieferte eine recht hübsche Zeichnung dieses verlebten Edelmannes, jedoch konnten wir in seiner Tochter Lydia, Fränl. Dreesen, nicht die russische Edeldame erblicken, deren Hauptwaffen Esprit und SarkasmuS sein sollen; gespreitzt waren Spiel und Haltung und unnatürlich die Sprache. — Der leichtlebige Franzose Roger von Taldü wurde durch Herrn Bergmann recht gut verkörpert. — Als Anna, Mündel der Gräfin Danischeff, zeigte uns Frl. Röttger ganz das liebende, verzweiselnde Mädchen, welches eher sterben als seiner ersten Neigung entsagen will. — Osip, Kutscher der Gräfin, ein trefflich gezeichneter Charakter, fand in Herrn Berthold die beste Vertretung; derselbe spielte den hochherzigen Leibeigenen mit viel Verständniß und Feuer und machte in dem kleidsamen Costüme einen guten Eindruck. Den gespendeten Beifall, haben sowohl die Herren Berthold, Gehring und Bergmann, wie auch die Damen Frl. Riondö und Röttger wirklich verdient. — Die kleineren Partien waren nicht schlecht vertreten, so daß mit dem Zusammenspiel das Publikum zufrieden sein konnte. Nicht soll zu erwähnen vergessen werden, daß die neue Saaldekoration aufs Beste gefiel.
— Gestern Abend fand die Musik Saison ihre osficielle Eröffnung durch ein brillantes Concert des BereinS „Museum" im Centralhallen- saale. Zu demselben hatten sich so viele Zuhörer eingefunden, daß der große Saal lange nicht alle fassen konnte. Hoffentlich gelingt es uns eine eingehendere Besprechung dieses genußreichen Abends zu erhalten.
— Durch einen mit Dielen beladenen Handwagen wurde gestern Abend ein Kind überfahren und an den Beinchen schwer verletzt. Wenn auch durchaus nicht anzunehmen ist, daß dem Fuhrmann bei dieser Gelegenheit eine Schuld zuzuschreiben ist, so dürfte doch zu empfehlen sein, Handwagen nicht zu hoch zu laden, damit der Fuhrmann die vor dem Wagen auf der Straßen sich bewegenden Personen überblicken, und wenn sich Kinder in Gefahr befinden, entweder auswrichen oder einhalteu kann.
Ö — Für heute. Bezirksverein für hessische Geschichte und Landeskunde: Abends 7 Uhr Monatsversammlung im Gasthaus zum Riesen; Tagesordnung: Bericht über die Jahresversammlung der deutschen Ge- schichtSvereine zu Wiesbaden. — Kranken- und Sterbekasse im Lokale des Herrn I. Kaiser: Abends 8 Uhr Generalversammlung.
— Groß, Rendant der Pulverfabrik in Neisse, ist in gleicher Eigenschaft zur Pulverfabrik bei Hanau versetzt.
— DaS „Amtsblatt" Kgl. Regierung macht unterm 2. Oktober bekannt: Der katholische Bischof Dr. ReinkenS hat den zum Seelsorger der Altkatholiken-Gemeinschaften in Boppart und Coblenz ernannten Priester Dr. NicolauS Mosler unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften ermächtigt, auShülfsweise auch bei den Altkatholiken der Provinz Hessen-Nassau geistliche Funktionen vorzunehmen. Nachdem von dem Herrn Ober-Präsidenten hiergegen Einspruch auf Grund der §§.
15 und 16 deS Gesetzes vom 11. Mai 1873 nicht erhoben worden ist, so wird dies hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
— Kassel, 7. Okt. Dem Programm gemäß wurde der hessische Lehrertag am Montag den 2. Oct. Abends mit einer Vorversammlung auf dem JohanniSberg eröffnet und in derselben die Tagesordnung für die am Dienstag Morgen 9 Uhr im Rathhaussaal begonnene Hauptversammlung festgesetzt. Zuvor hatten sich die Sänger zusammengefunden, um den wichtigen Verhandlungen durch Bortrag eines ChoraleS die wahre Weihe zu geben. Begrüßt wurden die Gäste der Stadt Witz-n- Hausen durch Herrn Bürgermeister Müller, welcher mit tiefempfundenen Worten den Gefühlen der Bürgerschaft Ausdruck verlieh. Hierauf ergriff Herr RegierungS- und Schulrath Dr. Falckenheiner das Wort, um die Stellung der Königl. Regierung den Bestrebungen des BereinS gegenüber zu kennzeichnen und das lebhafteste Interesse derselben für dessen gedeihliche Entwickelung zu betonen. Herr Liebermann—Kassel erstattete alsdann ausführlichen Bericht über die Wirksamkeit des Vereins, dessen ersprießliche Thätigkeit sich auch auf Unterstützungen unter dem Voisitz des Herrn Bachmann—Kassel und Brandversicherungen unter demjenigen des Herrn Peter—Kassel erstreckt. Eine animirte Debatte entspann sich nun bei Berathung der von Herrn Neumann—Neu« stadt-SberSwalde ausgestellten und von ihm selbst vertheidigten 15 Thesen, betreffend die allgemeine Volksschule, mit welchen man sich schließlich im Allgemeinen einverstanden erklärte. Die Beschwerden bezüglich der Alterszulagen riefen ebenfalls eine eingehende Diskussion hervor, in welcher namentlich auf das Mißverhältniß, unter welchem die vor 1866 angestellten hessischen Lehrer zu leiden hätten, hingewiesen wurde. Herr RegierungSrath Dr. Falckenheiner empfahl in Bezug hierauf eine Eingabe an die Regierung, deren Berücksichtigung er glaubte versprechen zu können. Hinsichtlich der Befreiung vom niederen Küsterdienst beschloß man auf eine unabhängige Dotirung jener Stellen vom Gehalte der Lehrer in den Städten hinzuwirken und in den Dörfern eS bei der gegenwärtigen Einrichtung zu belassen. Ein Vortrag deS Herrn Coor- de2—Kassel über die Naturheilkunde in der Volksschule fand gerechten Beifall. Der Lehrmittel-AüSstellung, welche alle zur Schule nothwendigen Gegenstände umfaßte, zollte Jedermann große Anerkennung und heben wir gern die von Fräulein Legorju an der höheren Töchterschule zu Kassel ausgestellte» Handarbeiten nach Schallenfeld'schem System, so
wie die Schriften von Junemann u. Comp. in Kassel hervor. Nachmittags 5 Uhr vereinigte ein wohl arrangirteS Festessen auf dem JohanniSberg die Theilnehmer der Versammlung, während welchem der ungezwungenste Ton, man kann sagen, allgemeine Fröhlichkeit herrschte. Der Toaste wurden viele ernsten und heitern Inhalts gebracht und man trennte sich erst spät und nur ungern. Mittwoch Morgens 8 Uhr fand eine Besprechung der Bezirksvorsteher statt, und von 10 bis 1 Uhr wurde die Verloosung der zu Gunsten des UnterstützunasvereinS hessischer Lehrerwittwen und Waisen angekauften Jugendschriften und Lehr- apparate vorgenommen. Den Schluß bildete ein vortrefflich auSgeführ« teS Conzert auf dem JohanniSberg. Die außerordentlich herzliche Aufnahme, welche die Einwohner WitzmhausenS den 250 anwesenden Lehrern bereitet und die liebenswürdige Bereitwilligkeit, den Aufenthalt in der freundlichen, festlich geschmückten Stadt zu einem unvergeßlichen zu machen, können nicht dankbar genug anerkannt werden und müssen in glücklicher Erinnerung stets fortleben. Der nächste Vereinstag soll in Bockenheim abgehalten werden. (Sr. H-ü-Ltg.)
— Kassel, 9. Oktober. Gestern feierte nach der „Fr. Hess. Ztg.„ der General der Infanterie und kommandirende General deS XL Armeekorps von Böse sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Die städtischen Körperschaften verliehen demselben das Ehrenbürgerrecht und sollte daS bezügliche Diplom, durch dessen wahrhaft kunstvolle und brillante Ausführung sich der Zahlmeister a. D. Herr Trautermann, Hof-Kalligraph des Großherzogs von Sachsen ausgezeichnet, dem Jubilar durch eine Deputation überreicht werden.
— Marburg, 7. Oktober. Heute Vormittag wurde nach dem „M. T." eine Frau in hiesizer Stadt wegen Verdachts des KindeS- mordes verhaftet. Bei der Haussuchung fand sich die Leiche deS neugeborenen Kindes, schon mehrere Tage alt, in einer Schachtel im Wäschschrank- vor.
— Marburg, 9. Oktober. Nach der offiziell veröffentlichten summarischen Uebersicht der im Prüfungsjahre 1875/76 bei der Ober- ExaminationS-Commission rc. geprüften Doktoren und Candidaten der Medicin und Candidaten der Pharmacie haben die Prüfung überhaupt bestanden: als Arzt 292, als Apotheker 114, in Marburg als Arzt 25 (20 gut, 4 sehr gut, 1 vorzüglich gut), als Apotheker 17 (6 genügend,
9 gut, 2 sehr gut). (an. saget)
- Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 9. Oktober auS Frankfurt am Main: Gestern Nachmittag um 5 Uhr stieg der Luftschiffe! H. Beudet von der „Neuen Mainlust" in der Absicht auf, bei einer Höhe von 4000 Fuß an dem Fallschirme sich herabzulassen. In einer Höhe von 600 Fuß erhielt der Ballon Risse und sank schnell zur Erde; etwa 100 Fuß vom Boden entfernt kippte er um, so daß Beudet seitwärts am Trapez zu hängen kam. Glücklicherweise blieb der Ballon an einem Baum des BlittersdorfsplatzeS hängen, der Luftschiffer verletzte sich beim Fallen durch eine eiserne Stakete im Oberschenkel. Die Wunde soll ungefährlich sein. — Heute Morgen fiel am Theater- neubau ein Zimmermann aus beträchtlicher Höhe herunter. Der Tod erfolgte sofort.
— Offenbach, 8. Oktober. Wir berichteten neulich, daß heute vor 14 Tagen auf der Sprendlinger Chaussee ein Mädchen angefallen und seiner Baarschaft beraubt worden sei, und heute können wir mittheilen, daß es durch unausgesetzte Recherchen unserer Polizei gestern gelungen ist, auf Grund des gegebenen Signalements den Räuber in der Person eines Dietzenbacher Maurers zu ermitteln und dingfest zu machen. Der Bursche arbeitete früher in Straßburg, später in Holland, treibt sich nun seit einigen Wochen arbeitslos hier herum und hat dadurch das Auge eines Schutzmanns speziell auf sich gerichtet, der ihn gestern auf das Polizeibureau brächte, wo sich herauSstellte, daß er der Räuber ist.
Eingesandt.
Zur Aufklärung!
Mitte Juli übernahm ich, der Unterzeichnete, die Vertretung der Hanauer Collectivausstellung und habe mit Herrn Fabrikant Hertel die einzelnen Gegenstände genau nach übernommener Faktura collationirt. Mitte September erhielt ich ein Schreiben der Herrn Hertel, Recherchen über den Verbleib der Broche (Emailmalerei) des Herrn G o lne r anzustellen und begab ich mich nun sogleich zu Herrn Palastmeister Klein, der mit mir den ganzen Vormittag in den sämmtlichen Kisten nachsuchte, jedoch ohne Resultat.
Einige Tage später wurde die erwähnte Broche im Zimmer deS Herrn Geheimrath 2über2 verpackt in der Tischschublade mit dem Schildchen des Hcrrn Krug gefunden.
Eine in den Fakturen vorgenommene Recherche ergab nun folgendes: „Die Broche ist von Herrn D unk er aus Hanau abgeholt worden. LüderS 11/7.
München, 6. Okt. 1876.
Carl Haym ann,
Vertreter der Hanauer CollektivauSstellung.