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Hanmier Anjeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 10. Oktober.
18704
ZManutPLchuMR KZmßl. LKAdraLtzsaMts dahier.
Dn Herren OrtS-Vorständen der Gemeinden: Großauhrim, Groß- krotzenburg, Dörnigheim, Hochstadt, Kilianstädten, Bergen, Bischofsheim, Fechenheim, Srckbach, Eckenheim Eschersheim, Ginnheim, Praunheim, Langenselbold, Langendiebach, Windecken und Oftheim werden die Ur- wählerlisten der betr. Urwahlbezirke (per Couvert) mit der Weisung zu- fertigt, sofort die AthnlungSlisten aufzustellen, nach ortsübl. Bekanntmachung drei Tage öffentlich auSzulegen und spätestens bis zum 15. d. M. bei Meldung kostenpflichtiger Abholung hierher einzusenden. Wahl-Reglement 77 ist beigefüzt. Außerdem wird auf §. 5 u. ff. des Regl. vom 23. August er. (Amtsblatt Nr. 44) hingewiesen.
Ha?.au, am 9. Oktober 1876.
Gesunde»: Ein Terzerol. Eine Häckelnadel mit Horngriff und Schraube. Drei Mark baar. Ein Kinderspazierstock mit weißem Knopf.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund, w. Geschlechts, mit gelben r/äufen.
Verloren: Ein schwarzes Tibeträdchen mit seidenen Franzen. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine rothe Corallenkette mit goldenem Schlößchen. Eine goldene Panzerkette mit Schlüssel und Carabiner- hacken.
Hanau am 10. Oktober 1876._____________________________
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Zwischen Krieg und Frieden. ------- A. d. Schw. M-rl.
Ein so ernstes Gesicht auch die orientalische Frage derzeit trägt, befestigt sich dennoch die Hoffnung, daß der Frieden unter den europäischen Mächten erhalten bleibt. Die mäßigende Einwirkung, welche die deutsche Politik auf die beiden anderen Glieder des Kaiserbündnisses ausübt, ist unverkennbar, und obwohl es in der Presse, merkwürdigerweise auch der deutschen, nicht an sehr eifrigen Stimmen fehlt, welche das Mißtrauen zwischen Oestreich und Rußland aufzuhetzen beflissen sind, halten sich doch die Kabimte glücklicherweise hoch über den Leidenschaften, die dort zum Ausdruck gelangen. Noch hat keine der Mächte Anstalt gemacht, sich von den anderen zu trennen und eigenmächtig ein» zugreifen, noch geschehen die. Schritte, durch welche die Katastrophe beschworen werden soll, gemeinschaftlich, noch sind die Mächte, was im Uebrigcn ih e Neigungen und ferneren Ziele sein mögen, für jetzt darin einig, daß das osmanische Reich erhalten, dagegen den im Aufstand begriffenen Provinzen eine Sonderstellung mit eigenthümlichen Rechten verliehen werden solle. Die Spekulation Serbiens auf den Eigennutz Rußlands ist ebenso mißlungen, wie die Spekulation der Türkei auf die Zwietracht und Eifersucht zwischen den Mächten. Im Gegentheil hat dee Hartnäckigkeit der Türkei, die erst den Waffenstillstand zurück« wies und jetzt das Friedensprogramm ablehnte, beidemal dem vereinigten Willen der sechs europäischen Mächte trotzend, die letzteren nur wieder enger an einanderschließen müssen. Dieser engere Zusammenschluß zugleich und ihre schärfere Stellungen gegenüber der Türkei charakterifirt die heutige Lage. Auch in Serbien wird sich das verstärkte Gewicht der Mächte geltend zu machen haben, auch dort ist eine unfügsame Partei unschädlich zu machen, der Zweideutigkeit in Belgrad, der Nc« benregierung in Deligrad muß ein Ende gemacht werden, Rußland ist es sich selbst schuldig; auch der Schein, als begünstige es das revolutionäre Treiben, ist eines großen Reiches unwürdig. Aber einen noch stärkeren Hebel werden die Mächte in Stambul einsetzen müssen, um der hohen Pforte endlich zur vollen Besinnung über die eigene Lage zu verhelfen. Die Sommation, welche die Mächte dem Großvezier einzu- händigen im Begriff sind, verlangt nochmals einen Waffenstillstand, und zwar auf^längere Dauer, damit in der Zwischenzeit die Pforte Proben Geschicklichkeit und ihrem guten Willen ablege, das LooS der christlichen Bevölkerung zu verbessern. Dqß zur Unterstützung dieser Sommatron dre Kriegsschiffe der Mächte sich bereits gegen Konstanti« nopebnn B.w-gung setzen, ist eines jener aufregenden Gesichte, die Tag um Hag in neuen Verwandlungen dem europäischen Publikum vorge
führt werden. Auch die Flottendemonstration gehört bis jetzt lediglich den erfindungsreichen Köpfen an, welche kürzlich die Idee einer gemeinsam militärischen Intervention Rußlands und OrstreiAs in die Welt gesetzt haben. Es kann freilich zu solchen verstärkten Mitteln kommen. Der Pforte ist nochmals Bedenkzeit gegeben. Sie kennt den Preis, um welchen Europa die Existenz des Osmanenreichs abermals verlängert. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, ob sie den Preis für annehmbar hält.
— Berlin, 9. Oktober. Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine, im Reichseisenbahn-Amt aufgestellte Denkschrift, betreffend die Abänderung der im §. 48 des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands enthaltenen Vorschriften über die Beförderung chargirter, schwarz gefärbter Seide und der daraus gefertigten Gewebe zur Beschlußnahme vorgelegt. — Nach über Konstantinopel hierher gelangten Nachrichten hätte sich unter der muselmanischen Bevölkerung von Salonichi in letzter Zeit wieder erneuerte Erregung bemerklich gemacht und die Besorgniß vor Exzessen, namentlich für die Tage des am 20. d. Mts. beginnenden türkischen Bairamfestes entstehen lassen. Unter diesen Umständen hat Sr. Majestät Panzerschiff „Friedrich Carl" Befehl erhalten, nach Solonichi zurückzukehren, und ist dasselbe am 5. d. M. von Smyrna dahin abgegangen. (R. u. st»)
— Das am 1. d. M. in Kraft getretene Gesetz vom 26. Juli d. J., betreffend die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und Ver- waltungsgerichtsbehörden im Geltungsbereich der Provinzialordnung vom 29. Juni 1875 enthält besondere Vorschriften für die einem Landkreise angehörigen Städte mit mehr als 10,000 Einwohnern. Insbesondere treten die Magistrate dieser Städte für die in den §§. 123 und 128 des gedachten Gesetzes bezeichneten Angelegenheiten an Stelle der Kreisausschüsse in Funktion. Mit Bezug auf diese Brstimmnnzen werden jetzt in den Amtsblättern die Verzeichnisse der betreffenden Städte veröffentlicht. (R. u. st^i«.)
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 30. September 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,089,684,440 Markj Doppelkronen» 332,425,380 Mark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,345,164 Mk.; an Silbermünzen: 66,970,450 Mark 5-Markstücke, 35 537,954 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. 1-Markstücke, 38,584 350 Mark — Pf. 50-Pfennigstücke, 32,875,083 Mark 80 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 21,994,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,187,378 Mk. 60 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 5,824,204 Mark 16 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,332,498 Mark 97 Pfennige 1-Pfennig. stücke, Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,422,109,820 Mark; an Silbermünzen: 317,480,002 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 83,181,909 Mark 30 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,156,703 Mark 13 Pf.
— In Magdeburg hat die Polizei in der Person eines heruntergekommenen Goldschmiedes einen Falschmünzer entdeckt. Derselbe hat Markstücke aus Zink fabrizirt. Sein Sohn suchte dergleichen auf der Messe anzubringen, wobei er angehalten wurde.
— Die Handelskammer in Darmstadt hat, wie die Mn-Ztg. berichtet, in ihrer Sitzung am 4. ihre Berathungen über die Reichseisenbahnfrage zu Ende geführt. Die Veranlassung hierzu bot ein Ausschreiben, in welchem der bleibende Ausschuß des deutschen Handelslager sämmtliche deutsche Handelskammern aufgefordert hatte, sich über eine von dem Referenten jenes Ausschusses vorgeschlagene Resolution in der Reichseisenbahnfrage auszusprechen. Die Resolution gipfelt darin, daß der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstages erklärt, wie nach seiner Ueberzeugung die allgemein gefühlten Mißstände des deutschen Eisenbahnwesens nur mittelst einer thatsächlichen Beherrschung des Verkehrs auf Den wichtigsten Linien durch das Reich gehoben werden könnten, daß vor Allem der deusche Handelsstand die Pflicht habe, die Reichsregierung in ihren Bestrebungen zur Erreichung dieses Zieles zu unterstützen, daß indessen eine gerechte Rücksichtnahme auf die wohlerworbenen Rechte der gegenwärtigen Eisenbahneigenthümer ebenso geboten erscheine, wie die Verwaltung der zu erwerbenden Reichseisenbahnen