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der leidigen Arbeitslosigkeit abzuhelfen. Die ministeriellen Antworten waren ziemlich nichtssagender Natur.
Der englische Premier DiSraeli, jetzt Carl of BeaconSfield, hat auf einem Bankett seiner Übeln Laune über die a«titürk. Bewegung im Volke Luft gemacht, seinem Gegner Gladstone vorgeworfen, daß er auS «nlautern egoistischen Absichten diese Bewegung hervorgerufen, welche eine unsinnige sei, — dem englischen Volke, daß es daS enthusiastischste in Europa sei und von der serb. Kriegserklärung gesagt, daß sie die ungerechteste und verwerflichste von allen sei. Diese Trivialitäten haben nun selbst viele konservative Engländer gegen ihren Führer auf- gebracht unb der Bewegung nme Anhänger zugeführt. Die liberalen Führer rufe» dem Volke zu, nicht abzulassen von dem Rufe nach Abänderung der auswärtigen Politik, bis entweder diese geändert werde oder das Kabinet zurücktrete. Die Meeting-Bewegung nimmt ennd auch ihren Fortgang, um namentlich jene „ungerechte» und unedlen* Behauptungen DiSraeli'S in's richtige Licht zu stellen. Dem Ministerium geht eS zweifellos an'S Leben; das zeigte schon die vorige Woche vorgenommene Ergänzungswahl in Buckinghamshire, dem Dir- raeli'schen Wahlbezirke Englands, wo der DiSraelianer mit nur 2700 gegen 2500 St. siegte. Der Gladstonianer erhielt diesmal 800 St. mehr alS das vorige mal.
In Bezug auf die balkan. Händel ist das Neueste, daß die Pforte sich durch das einmütige Drängen der Mächte hat bewegen lassen, die Waffenruhe zu verlängern, aber nur bis zum 2. Oktober, daß ferner die Mächte sich dem brit. Vorschläge angeschlossen haben, welche den Status quo ante bellum für Serbien und Montenegro und die admi»i- strative Autonomie für Bulgarien, Bosnien und die Herzegowina verlangen.
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— Berlin, 28. September. Gerüchten über eine angebliche anderweitige Mission des Generalfeldmarschalls von Manteuffel gegenüber ist zu konfiatiren, daß derselbe am 25. September zu mehrwöchent- lichem Surgebraudi in Gastein nn^etroffen ist.
— Die Berufung des Reichstags scheint nach der letzten Pro- vinzial-Correspondenz selbst für den Monat Oktober noch in Frage zu stehen, wobei es sich freilich nur um Tage handeln kann. Aber auch so ist kaum möglich in der Zeit bis etwa zum 15. Dezember — und länger soll die Session keinesfalls dauern — irgendwie mehr zu erledigen, als den Etat und die Justizgesetze. Auffällig ist eS, daß der Militäretat noch immer nicht erschienen ist. Es wird bei dieser Verzögerung vermuthet, daß in den Etatsaufstellungen doch wesentliche Abänderungen gegen den diesjährigen Etat zu erwarten sind. — Die Conferenz der Fabrikinspektoren, welche der Handelsminister einberufen hat, wird, wie wir hören, nicht nur den Zweck verfolgen, weiteres Material für die Hebung der Lage der arbeitenden Classen zu liefern, sondern es soll auch ein Meinungsaustausch herbeigeführt werden, über die bisher gewonnenen Erfahrungen, um einen Anhalt dafür zu gewinnen, wie weit es zweckmäßig erscheint, eine Ausdehnung des Instituts der Fabrikinspektoren ins Auge zu fassen und dasselbe da ein- zuführen, wo.es zur Zeit noch nicht besteht. crrib.,
— Aus einer neuen Verfügung des Kultusministers an die wissenschaftlichen Prüfung« Kommissionen wird der „Voss. Ztg." folgender PassuS mitgetheilt: „Die Häufigkeit, mit welcher seit Jahresfrist von solchen jungen Männern, welche keine ausreichende Schulbildung nachweisen können, das Gesuch gestellt wird, zur Lehramtsprüfung zugelassen i zu werden, behufs Erlangung der Lehrbefähigung in neueren Sprachen (seltener i» Natur w ssenschaften) an Realschulen, macht die größte Strenge in Prüfung der Gesuche zur Pflicht. Je bedeutender die Stellung ist, welche die neueren Sprachen und die Naturwissenschaften für die auf Realschulen zu erlangende höhere Gesammtbildung einnehmen, desto mehr muß ich darauf bedacht sein, daß die Lehrer dieser Fächer durch die sichere Grundlage allgemeiaer Bildung befähigt seien, ihren Unterricht in den richtigen Zusammenhang zu der allgemeinen Aufgabe der Schule zu setzen; selbst die zeitweise Schwierigkeit, geeignete Lehrer für die fraglichen Schulen zu finden, ist ein geringeres Uebel, als wenn durch nachsichtige Zulassung zur Lehramtsprüfung auf ein Lebensalter hinaus die Bildungthöhe der dadurch betroffenen Schulen gefährdet wird."
— Zum Rücktritt des Ministers Jolly schreibt der „Schwäb. Merkur". „Man schreibt uns aus Baden den ,27. Sept. In Norddeutschland und bezw. in der norddeutschen Presse macht man sich allerlei ängstliche Sorgen um den badischen Ministerwechsel und daS ist kein Wunder, wenn man bedenkt, daß Staatsminister Jolly seit 1866 der Träger der badischen Politik war und daß er den deutschen Staaten darin mit Einwilligung des Großherzogs, dessen eigene Ueberzeugung dahin drängte, Baden als leuchtendes Beispiel voranführte. Von Baden wesentlich find alle Sonderbildungsgelüste der Mittelstaaten, denen sich E Preußenhaß und Angst vor einer starken deutschen Staatsbildung ( Jcmwijie) die Demekratie anschloß, gründlich verhindert worden und ril diesem Sinne hat Baden bei der Gestaltung des deutschen Reichs
eine seine geographische und materielle Bedeutung weit überragende,' man darf vielleicht sagen geschichtliche Rolle auch in der Vorgeschichte des neu erstandenen deutschen Reichs gespielt. Wer die Tage vor und in dem Krieg von 1866, wer jene Juli- und Augusttage von 1870 miterlebt hat, als an das schwache Baden die Mac-Mahon'sche Armee mit ihren Turkos sich auf eine Meile Entfernung herandrängte und die französische Diplomatie dazu jenes berüchtigte „meme les femmes“ auS- sprach, der wird nicht in die Gefahr kommen zu unterschätzen, was an der Seite seines Fürsten der badische Staatsminister Jolly an kühnem Entschluß, an vertrauendem Muth geleistet und an Verantwortung getragen hat, getragen hat für Deutschland. Für Deutschland hat auch das kleine Baden den „Kulturkampf" begonnen und geschlagen und was Jolly (hierin der Nachfolger Lameys) an eminenter Begabung und rednerischer Kraft bethätigt hat, das können die Feinde noch besser erzählen, als die Freunde, beide aber können wohl nicht die inneren Kämpfe und die geistigen Mühen, die der badische Minister vor, bei und nach diesen glänzenden Kundgebungen seines Talents zu bestehen hatte. Inmitten gewaltiger Geistesströmungen gestellt, die weit über Baden hinaustragen und von mehr als einer Seite „bestverleumdet", wie es ja Größeren als er auch ergeht, hat doch Jollys Charakter, so wenig er sich zu vertrauter, gewinnender Geselligkeit neigt, keinen ernsthaften Zweifler, hat seine ganze eminente Begabung nur die allseitigste Anerkennung finden können. Wohl hat es der Landesherr verstanden, schon in der ersten Kundgebung seiner Entschließung die Sorge für fein Land, für Deutschland und für das öffentliche Vertrauen und Wohlergehen durchleuchten zu lassen und sofort mit dem Namen des hochbeliebten Handelspräsidenten Turban auch zu bethätigen, aber ein Gefühl der Befremdung ist doch dem Lande nicht erspart worden und bis heute geblieben darüber, daß es unumgänglich erschien, aus dem Rathe der Krone den Mann ausscheiden zu lassen, dessen Namen mit der badisch-deutschen Politik untrennbar und an leuchtender Stelle verbunden und dessen Verlust als parlamentarischer Vertreter der Regierung unseres Erachtens unersetzlich ist.
— Stuttgart, 28. September. Heute Nachmittag kurz nach 5 Uhr sind der Kais-r, die Kaiserin, der Kronprinz und die groß herzoglich badischen Herrschaften mit Extrazuz nach Baden-Baden abgereist. Am Bahnhof hatten sich außer den Mitgliedern des königlichen Hauses die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden eingefunden. Die kaiserlichen Majestäten nahm-n hier den herzlichsten Abschied von dem würt- trmbergischsn KönigSpaare. DaS dicht gedrängte Publikum begrüßte die hohen Herrschaften sowohl bei der Anfahrt nach dem Bahnhöfe Nie bei der Rückfahrt des KönigSpaareS nach Abgang des Zuges mit stürmischen Zurufen. («ugse. Mdztg.)
— Straß bürg, 29. September. Der Oberpräsident von Elsaß-Lothringen, Hr. v. Möller, gibt folgendes allerhöchste Handschreiben bekannt: „Der festliche Empfang, welcher Mir bei Meiner ersten Anwesenheit im Elsaß bereitet worden ist, zeugte von einer so regen und weitgehenden Betheiligung der Bevölkerung, daß Ich hierdurch auf das Angenehmste berührt und sehr erfreut worden bin. Jh ersuche Sie, Allen denen, die Meinem Herzen durch solchen Empfang wohl gethan haben, Meinen Dank auszusprechen und der B vöckerung auch Meine lebhafte Befriedigung über die gute und entgegenkommende Aufnahme der Truppen in den Quartieren zu erkennen zu geben. Weißenburg, den 27. September 1876. (gez.) /Wilhelm."
— Bremen, 29. September. Im volkswirthschaftlichen Kongreß schloß die Debatte über den Ankauf der Eisenbahnen durch daS Reich mit Ablehnung sämmtlicher Anträge, da die Anhänger und die Gegner des Projekts ziemlich gleich vertreten waren; es wurde nur die Nothwendigkeit der Reform der Eisenbahnw senS anerkannt.
— Wien, 29. Sept., Marge rS. Ein von den türkischen Trup- P» gemachter Versuch, die Morawa zu überschreiten, ist, wie daS „Tageblatt" meldet, gescheitert, da die Serben die Brücke bei Trnjam zerstört hatten. Dasselbe Blatt bestätigt, daß Tschernajeff die Tücken am < Donnerstag früh auf der ganzen Linie angegriffen hat. (R. n. s^«nz.)
— PariS, 29. Sept. DaS „Journal officiel" veröffentlicht ein Dekret, nach welchem die bisherigen Oberbefehlshaber der 18 Acmee- CorpS in ihren Stellungen verbleiven fallen, da noch wichtige Aufgaben hinsichtlich der Reorganisation der Armee zu lösen seien und es alS wesentlich erscheine, daß diejenigen, welche dieses Werk begonnen haben, es auch vollenden.
— Asien. In Sumatra wurde am 12. August im Namen deS KönigS der Niederlande und des General-Gouverneurs von Hallän- disch-Jndien die Emanzipation der Sklaven und Leibeignen feierlich proklamirt.
Wahlangelegenheiten.
Eingesandt.
—o — Auf Ihr Eingesandt auS der „Hessischen Morgenzeitung", welches offenbar von demselben Verfasser herrührt als der beigefügte ZZ-Anhaug möchte ich folgendes erwiedern:
iü Mre national-liberale Partei muß die Aufstellung unseres Candi-