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— Der frühere StaatSanwalt am rumänischen KassationShofe, Alexander Degre, ist vom Fürsten Carl von Rumänien zum diploma­tischen Agenten in Berlin bestellt und hat am 27. d. M. dem StaatS- Sekretär, StaatS-Minister von Bülow, sein von dem rumänischen Ministerium in dieser Veranlassung auSgefertigteS Beglaubigungsschrei­ben überreicht.

— Stuttgart, 27. September. Ein königliches Dekret ver­fügt den Wiederzusammentritt der vertagten Ständekammer auf den 9. Oktober.

— München, 27. September. Die Einjährig-Freiwilligen- Prülung dahier ist nach dem soeben bekannt gegebenen Resultat sehr ungünstig ausgefallen. Von 35 Geprüften haben nur 7 bestanden.

— Bayreuth, 26. September. Bon den 65 Theilnehmern an der Einjährig-Freiwilligen-Prüfung in Ansbach haben 29 die Prü­fung bestanden.

— Paris, 26. Septbr. Der KriegS-Minister hat, wie die „K. Ztg." hört, ein Cirkular an die Armee Corps-Kommandanten erlassen. Dasselbe gibt die Regeln an, welche bei den Civilbegräbnissen zu be­folgen sind, und fordert alle Mitglieder der Armee auf, sich der reli­giösen und politischen Streitigkeiten und Diskussionen streng zu enthal­ten. DaS Rundschreiben soll ein rein vertrauliches sein und folglich im Amtsblatt veröffentlicht werden. Der Minister des Innern soll sich mit diesem Vorgehen einverstanden erklärt haben. — Alle zur Klasse von 1867 und 68 gehörenden, aus besonderen Gründen zurückgestellten Militärpflichtigen, wie die ältesten Söhne von Wittwen, die Geltesten von Wmftokmdern u. dgl., die während des KriegeS von 1870/71 in ihrer Heiwath gelassen wurden, sind vom 17. Oktober d. I. an für 28 Tage als Reservisten zu den Fahnen berufen. In Friedenszeiten von jedem Kriegsdienste befreit, bleiben sie doch immer zur Verfügung leg Kriegs-MinisterS und können zu Uebungen einberufen werden.

— Brüssel, 27. September. Der internationale Kongreß für Gesundheitspflege und RettungSwesen ist heute Nachmittag hier eröffnet worden. Der König, mehrere Mitglieder deS diplomatischen CorpS, sowie die Minister, wohnten der Feierlichkeit bei. — Der Kongreß wählte Bervoort zum Präsidenten.

— Konstantinopel, 27. September. Die Militärbehörde« melden vom Kriegsschauplätze neue Verletzungen der Waffenruhe Seitens der Serben. In der Nacht des 24. haben sie das muselmanische Dorf Kerdja, gegenüber von Dogbolan, überfallen und daselbst Vorräthe ver- nichtet; zu gleicher Zeit hat eine serbische Abtheilung daS Dorf Per- nitza angegriffen. In all diesen Orten wurde geplündert. Die christ­lichen Einwohner der Dörfer Schtadeowa, Tocodora und Tiffovitza in BoSnien wurden gewaltsam nach Serbien mitgeschleppt. Die Montene­griner ihrerseits haben mehrere Häuser bei Kolaschin angezündet und die Lebens Mitteltransporte für das ottomanische Heer zwischen Brana und Rogora angegriffen. Die Angriffe blieben ohne Erfolg. <«. -. st..»)

— New-Aork, 27. Septbr. Die UnionSregierung hat mit den unter den Häuptlingen Spotted Tail und Red Cloud stehenden auf­ständischen Sioux-Jndianern einen Fiiedensvertrag abgeschlossen.

Wahlangele genheiten.

— Hanan, 29 Sept. Die gestern Abend ausgegebene Nr. 227 der „Han. Ztg." enthält einen fortschrittlichen Wahlartikel, in welchem gegen den Unterzeichneten wegen einer der „Hess. Morgenzeitung" ein- gesandten, in Nr. 225 des „Han. Anzeigers" mit einigen Bewerkunzen abgedruckten, rational-liberalen Cocrefpondenz gröbliche Schmähungen ausgestoßen worden sind. Wäre man der Meinung, daß jedes schlechte Mittel zu billigen sei, durch welches eine gute Sache gefördert werden kann, so müßte man wünschen, daß das Organ der hiesigen Fortschritts­partei noch mehr solcher Schmähartikel brächte: Der neu gebildete Fort- schrittSverein würde dann eben so schnell, wie er aufgetaucht ist, in daS Reich der Vergessenheit zurücksinken. In einem ehrlichen Parteikampfe kann man es aber nicht gut heißen, daß auf solche Weise ein an sich achtbarer politischer Gegner, wie die Fortschrittspartei unzweifelhaft ist, zu Grunde gerichtet werde. Der Unter;-ichnete muß eS sich daher lei­der versagen, auf die mehrfachen Entstellungen und Verdrehungen zu antworten, mit deren Hilft die „Han. Ztg." einen die Exiftenzberech- tigung der hiesigen Fortschrittspartei und ihr Verhältniß zur Alt-De- mokratie rein sachlich beleuchtenden Artikel angegriffen hat; denn mrt einem Blatte, daS einen solchen Ton anschlägt und Ausdrücke wie „verlogen" und „Ungezogenheit" gebraucht, ist eine Polemik selbstver­ständlich unmöglich. Und mit um so leichterem Herzen kann der Un­terzeichnete eine Erwiderung unterlassen, als der gereizte Aufschrei deut­lich erkennen läßt, daß der wunde Fleck getroffen ist. Wenn er sich nrchtsoestoweniger genöthigt sehen wird, wegen der auSgestoßenen Schimpfwort« gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, so geschieht bieg weniger um eine persönliche Genugthuung zu verlangen, als deßhalb, weil es ihm im Interesse der Bürgerschaft nöthig erscheint, dem Redak- Uur, ^r „Han. Ztg." eine L ction über publicistischen Anstand ertheilen zu lassen.

, ^n“ Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des natio«

h. ih ü ’.n ^°rm^ erlaubt sich der Unterzeichnete an diese Erklärung die Bemerkung anzuschlretzen, daß die auf morgen den 30. Eept. in den

I Saal der „großen Krone" anberaumte öffentliche Versammlung, in wel-

I cher unser bisheriger Abgeordneter, Herr H. F. Ziegler, über die

letzte LandtazSperiode Bericht erstatten wird, nur auS Rücksicht auf die Landbevölkerung zu der dem Städter, wie es scheint, etwas ungelegenen Stunde — rV, Uhr Nachmittags — eingeladen worden ist. Das Co- mitö hofft gleichwohl auf eine zahlreiche Betheiligung der freisinni­gen Wähler aus der Stadt und ganz insbesondere auf das Er­scheinen der Mitglieder des hiesigen FortschrittSvrreinS, denen die Ge­legenheit geboten ist, in öffentlicher Discussion, an welcher sich der Un­terzeichnete gerne betheiligen wird, ihren Standpunkt zu vertreten und entweder unS National-liberale zu bekehren oder sich seihst bekehren zu lassen. W. Osius.

— Morgen (Samstag) Nachmittag 21/« Uhr findet im Saale der „großen Krone" eine Versammlung statt, in welcher unser LandtagS- Abgeordneter Herr H. F. Ziegler über die überlaufene Landtagspe­

riode Bericht erstatten wird und zu der alle freisinnigen Wähler deS LandtagS-WahlbezirkS Hanau eingeladen sind.

Lokales von hier «nd Umgegend, sowie Provinzielles.

Hanau, 29. September 1876.

Eingesandt.

—b— Dem Vernehmen nach beabsichtigen die Vorstände der in Hanau noch bestehenden kleinen Krankenkassen sich zu einer Kasse zu vereinigen und haben dieselben dieserhalb zusammen conferirt. ES soll der Beschluß gefaßt sein, am 12, Oktober d. J. die Vereinigung zu vollziehen.

Wenn Schreiber dieses durchaus keinen Grund haben, an den Mit­theilungen, welche nun ihnen betr. dieser Angelegenheit gemacht hat, zu zweifeln, so mußten sich dieselben doch gleich die Frage stellen, warum nochmals eine größere Kasse gründen, da doch hier schon eine Allge­meine Kasse besteht, an die man sich mit vollem Vertrauen anschließen kann. Ging doch gerade von letztgenannter Kasse schon vor ca. 3 Jahren die erste Anregung auS, die Krankenkassen Hanau'S möchten sich zu einer großen Kasse vereinigen. So klar man aber auch damals den Nutzen einer einzigen großen Kasse barlegte, so konnte man sich doch mit dem Gedanken nicht vertraut machen, Altgewohntes zu opfern, und ist die Vereinigung, — wir können eS offen aussprechen, — an völlig unbegründetem Vorurtheil gescheitert. Allein die Verhältnisse der kleinen Kassen sind heute auch ganz andere gewor­den wie vor 3 Jahren: jetzt ist man vor die Alternative gestellt: „ent­weder eine Bereinigung anzubahnen, oder die mjü tere Existenz jener Kassen in Frage zu stellen."

Wir wollen an dieser Stelle nicht weiter erörtern, warum diese kleinen Kassen auf die Dauer nicht fortbestehen können, nur einen Kar­dinal Punkt möchten wir nicht unerwähnt lassen, eS ist dieses die er­höhte und durch daS einmüthige Vorgehen auch bewilligte Forderung der Herren Aerzte.

Wenn also jetzt die Kassen zu der Ansicht gekommen sind, daß nur durch eine Centralisation dem Uebel abzuhelfen sei, so begrüßen wir dieses mit Freuden, müssen aber die Mitglieder ersuchen, nicht auf hal­bem Wege stehen zu bleiben; Hat man sich erst einmal mit dem Ge> danken einer Bereinigung vertraut gemacht, so vereinige man sich auch ganz.

Noch ist daS letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht gesprochen, das entscheidende Wort haben die Mitglieder zu sagen und so rufen wir ihren zu: Nehmet keine Zwitterstellung ein, sondern schließt Tuch Alle der Allgemeinen Krankenkasse an! Dann, aber auch nur dann habt Ihr Centralisation geschaffen, worauf Ihr stolz fein könnt, welche allein aber auch nur den Anforderungen, die man gerade in neuerer Zeit an eine Krankenkasse stellt, Genüae leisten kann. Mehrere Freunde des Krunkeukaffenwesens.

— Die härteste St-afe auf unsinniger Schießen dürfte gerechtfer- tizt erscheinen, wenn man folgenden Fall, der nur zu leicht ein Unglück im Gefolge haben konnte, in Betracht zieht: Gestern Abend gegen 6 Uhr manipulirten zwei Burschen im Alter von etwa 15 Jahren vor dem Oldenkott'schen Hause in der Sterngasse so lange mit einem gela­denen Revolver, big der Schuß log ging. Glücklicherweise lief die Sache gut ab und ging, so viel man vernehmen konnte, die Ladung in daS Hofthor bei Oldenkott'schen Fabrikgebäudes.

— In der Redaktion der Hess. Morgenzeitung hat sich ein Wechsel vollzogen, indem der seitherige verantwortliche Redakteur Herr Ernst Ficinus ausgetreten und Herr Reimer, bisher am „Braunschweiger TagMatl" beschäftigt, in die Redaktion eingetreten ist. Verantwortlich zeichnen wird jedoch Herr T. E. Jerusalem.

Der „Frankskrier Anzeiger" schreibt unterm 28, September «u^ Frankfurt am Main: Kommenden Sonntag findet der letzte 20- Pfennigtag für dieses Jahr im Zoologischen Garten statt. — Der Mörder Herd soll an Verfolgungtwahnsinn leiden.

Thermometerstand.

28. Sept.: Höchster Stand + 15V?, Abends 7 Uhr + ISWj 29. Sept.: Morgens 7 Uhr + 12'/,", Vormittags 10 Uhr + 12'/?,