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Erscheint täglich mit Au«nahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstag« mit der Berliner Provinzial-Eorrespondenz.

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Freitag den 29. September

1876.

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Der Kaiser im Elsaß.

A. d. Schw. Merl.

Zweck der nachfolgenden Zeilen ist es nicht, mit etiquetemäßiger Genauigkeit alle die höfisch-n Einzelnheiten der Reise deS Kaiser- her­zuzählen. Dieselben kehren ja mehr oder minder in derselben Weise wieder; und Ihre Leser insbesondere werden mich dieser Geschäft- um so mehr überheben, als sie den äußerlichen Apparat der Kaiserreise (Gefolge rc) vor ein paar Tagen erst in Stuttgart zu sehen Gelegen­heit gehabt haben. Ebensowenig bin ich in der Lage, ein genaue-, auch den Sachverständigen befriedigendes Bild der militärischen Uebungen zu geben, welchen beizuwohnen der Kaiser einzig und allein nach Weißen­burg gekommen war. Insbesondere von Kavallerieübungen ist r« nicht möglich, eine ausreichende Erklärung zu geben, da die Bewegungen sehr schnell sind. Da» muß den Fachblättern überlassen bleibe». WaS ich als Augenzeuge der Tage von Weißenburg berichten möchte, ist nur die Art, wie die Bevölkerung den Kaiser ausgenommen hat, und auch die« mit der Einschränkung, daß ich mich nur an selbst Gehörte» und Ge­sehenes halte. In dieser Beziehung kann ich aber auch für die Wahr­heit des Erzählten einflehen. Wie wenig Nachrichten ans dritter Hand zu trauen ist, hat Ihr Berichterstatter in Weißenburg mehr als einmal erfahren. Mit Uebertreibungen der wirklichen Vorgänge kann dem deutschen Publikum aber nicht gedient sein. Nun, unter diesen Vor­aussetzungen darf ich sagen, daß Kaiser Wilhelm für hiesige Verhältnisse in Weißenburg recht gut empfangen worden ist. Von einem so groß­artigen Empfang freilich wie in Stuttgart ist keine Rede. Dazu ist der Ort zu klein, selbst wenn die sonstigen Bedingungen alle vorhanden gewesen wären. Indeß trug jede Berührung de» Kaiser» mit der Be­völkerung, namentlich auf dem Lande, den Stempel aufrichtiger Herz­lichkeit von beiden Seiten. Die Ankunft des Kaisers war vom Wetter nicht begünstigt. Gerade bei seinem Einzug fiel der Regen in Strömen. Trotzdem war die Straße vom Bahnhof bis zur KreiSdirektion mit Harrenden dicht besetzt. Ueberraschend war es für mich zu sehen, wie fast die ganze Stadt festlich geschmückt war. Das thut mau doch nur einem nicht ungern gesehenen Gäste zu lieb. Und wenn diese Erschei­nung für die Beurtheilung der unter der Weißenburger Einwohnerschaft herrschenden Besinnung einen Anhaltspunkt gibt, so muß man sagen, sie war dem Kaiser freundlich. Uebelwollende freilich, dar habe ich au» dem Munde einer Eingeborenen, behaupteten, der Präfekt (so nennt man den Kreisdirektor) sei von Haus zu HauS gegangen und habe die Leute zwar höflich, aber bestimmt ersucht, keine Demonstrationen zu machen, sondern zu flaggen und die Häuser zu bekränzen, sonst rc. Dies ist an sich schon ganz unwahrscheinlich und, wie ich au» sicherer Quelle er­fahren habe, auch positiv unwahr. Im Gegentheil, der Kreitdirektor hat sich, wie natürlich, jeder Einmischung in dieser Beziehung enthalten, eS ganz dem freien Willen der Einwohner überlassen, ihre Häuser zu schmücken. Jene hämische Behauptung ist nur der Ausfluß de« UnmuthS der Minderheit, welche von der freiwilligen Entfaltung bei FestgewandeS unangenehm überrascht war und sich um die Hoffnung betrogen sah, daß die Stadt Weißenburg einen kleinen Protest in Szene setzen werde. An der Stelle, wo ich stand, begrüßten die Harrende», Pfälzer und Eingeborene vermischt, den Kaiser und den Kronprinzen mit herzhaften Hochrufen. Ein Herr auS Riedselz im Elsaß äußerte sich mir gegen­über, den Napoleon habe er auch mehrmals im Elsaß gesehen. Sein Wagen sei aber stet« so sehr mit Gendarmen und anderer Eskorte um­geben gewesen, daß man ihn selbst kaum habe erblicken können. Da sei es bei Kaiser Wilhelm doch ganz anders. Derselbe fuhr nämlich ohne alle Bedeckung, nur unter Vorritt von 2 GenSdarmeu. In recht nahe Berührung mit der Bevölkerung kam der Kaiser nach Beendigung des glänzend verlaufenen Manövers am Montag im Dorfe Oberseebach. Dir Bauern bei großen und freundlichen Orte» hatten ihre Häuser ebenfalls geschmückt und eine Ehrenpforte errichtet. Als der Kaiser mit dem Kronprinzen an der Seite, und begleitet von einer starken Kaval­kade elsässischer Bauerubursche inS Dorf einfuhr, wurde er mit allge­meinem uugetheiltem Jubel von der ganzen Einwohnerschaft empfangen. > Die hohen Gäste wurden mit Blumen und Kränzen wahrhaft über­schüttet. Der katholische Pfarrer und der Bürgermeister hielten An- I

sprachen. Kaiser und Krouprirz waren von der Bezeugnug herzlicher Freude sichtlich sehr angenehm überrascht. In Altdeutschland selbst hätte diese Freude aber auch nirgends herzlicher sein könne». Wie in Ober­seebach wäre e» in sehr vielen Dörfern des Elsasse« gewesen. So recht ohne Scheu bewegten sich dann Kaiser und Kronprinz am Nachmittag unter der Einwohnerschaft bei dem ihnen zu Ehren veranstalteten Wett­rennen elsässischer Landwirthe. Der Kaiser und der Kronprinz unter­hielten sich in ungezwungenster Weise mit vielen Einheimischen, welche sich über die leutselige Art der beiden hohen Herren sehr erfreut zeig­ten und auch äußerten. Damit schließt, was ich persönlich in Weißen- burg erlebt habe. Man darf, um die politische Bedeutung der Kaiser­reise nicht zu überschätze», nicht übersehen, daß dieselbe nur die nörd­lichste Grenze bei Elsasses berührt hat. Allein der gute Eindruck, welchen die Bevölkerung auf den Kaiser und der Kaiser auf die Be­völkerung dort gemacht hat, ist als eine sichere Bürgschaft zu betrachten, daß die« auch sonst im Reichslande der Fall gewesen wäre. Die Leute wissen, daß zwischen dem französischen empereur und einem deutschen Kaiser ein bedeutender Unterschied ist. Von Norden her, gerade bei Weißenburg hat im Jahr 1870 die Rückeroberung bei Elsasses mit den Waffen in der Hand begonnen. Möchte die Eroberung der Herzen, zu welcher der Kaiser gerade wieder bei Weißenburg einen siegreichen An­fang gemacht hat, weitere günstige Fortschritte machen I Wir wollen sehen, wie eS in Straßburg gehen wird, das der Kaiser, wie ich eben noch erfahre, nächstes Jahr besuchen will.

Berlin, 25. September. Gegenüber der Thatsache, daß der Bischof von Münster hart vor seiner Absetzung steht, beeilt sich da» Domkapitel, das bischöfliche Vermögen vor den Händen deS Staates zu retten. Bereits liegen zwei Verträge vor, welche der jctzt steckbrieflich verfolgte Generalvikar Giese mit hervorragenden katholischen Bürgern Münsters abgeschlossen hat, und wonach mehrere Grundstücke den Letz­teren für ein Spottgeld auf 10 Jahre vermietet werden, unter der Bedingung, den bisher darin wohnenden bischöflichen Beamten auch ferner freie Wohnung zu gewähren. Man fragt sich, ob dem Staate gegen solche ultramontane Kniffe Line Mittel offen stehen. ($r. »d

Berlin, 28. September. Sehr lebhaft wird hier der Be­schluß besprochen, den gestern der hannöversche Provinzial-Landtag, be­treffend die Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens de« ehema­ligen König« von Hannover, gefaßt hat. Der Antrag ist von den Vertretern der drei Curien des Landtages: der Ritterschaft, der Städte und bei Landes mit den Namen Graf Knyphausen, Fromm und Rudolf von Bennigsen unterzeichnet. Die Unterschrift bei LandeSdirek- tor» wird als ein Anzeichen des EinveiständniffeS der Regierung mit diesem Anträge angesehen, dem der preußische Landtag angesichts der jetzigen Zeitverhältnisse ganz sicher seine Zustimmung nicht versagen wird. ctrtt.)

Die Wahlen zum Abgeordnetenhause werden, wie die Prov.- Corr. meldet, im letzten Dritttheil bei Monats Oktober statlfinden; die Wahlen der Wahlmänner in den ersten Tagen nach dem 20., die Ab­geordnetenwahlen in den letzten Tagen bei Monats.

In einem Civilprozesie eines kreiSgerichtlichen DepositoriumS gegen den Direktor desselben GerichtS,durch dessen Versehen die im Depositorium befindliche AmtSkaution eines Subalternbeamten zum Schaden des DepositoriumS auSgezahlt worden, hat das Ober-Tribunal, I. Senat, in einem Erkenntniß vom 11. September d. J. folgenden Rechtssatz ausgesprochen: Die Amtskaution hastet unmittelbar den Pri- vatinteressenten wegen ihrer Schaden-ansprüche aus der Verwaltung bei Besteller-, sie haben ein Pfandrecht an der Kaution erworben und kön­nen dieses Recht auch gegen den Dritten verfolgen, welcher durch eine vertretbare Handlung die Kaution ganz oder theilweise dem Pfandrechte entzieht.

Auf Grund deö Gesetzes vom 23. Juni b. I., betreffend die Vereinigung bei HerzogthumS Lauenburg mit der preußischen Monarchie (Ses.'Samml. S. 169) ist die Ausübung der staatlichen AufsichtSrechtS über die im Kreise Herzogthum Lauenburg belegenen Eisenbahnen vom 1. Oktober b. I. ab dem Königlichen Eisenbahn. Kommissariate zu Ber­lin übertragen. («. =. st-anM