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kreise siegte der deutsche Botschafter am Wiener Hofe, Graf Otto zu Stolbera Wernigerode, welcher der freikonservativen Partei angehört, mit 5273 St. über den altkonservativen Gegner, welcher nur 1729 St.

erhielt. Der von der Linken des Berliner StadtverordnetenkollegiumS ausgeschriebene Stadtverordnetenkongreß kommt doch zu Stande, wie die „Magdeb. Zig." schreibt, trotz des schlechten Prognostikons, welches ihm von einigen Seiten gestellt wurde. Aus den meisten Theilen Preußens sollen ZusagenAingegangen sein, bis jetzt mehr als hundert. Der Kon­greß soll am 24 —28. September stattfinden.

Im czechischen Böhmen, in Italien (Neapel, Turin, Florenz)zund in England hat die Meeting-Bewegung zu Gunsten der Südslaven ihr Ende noch nicht erreicht. Man hat dort auch Sammlungen für die beraubten und verarmten Bulgaren veranstaltet und schon bedeutende Summen erzielt, namentlich in England. Auch in London fand in den letzten Tagen ein großes Meeting statt, welches die Befreiung der Bal­kanvölker vom Türkenjoche verlangte. Gladstone hat sich jetzt ebenfalls für die baldige Einberufung des Parlaments erklärt.

Die spanische Regierung und ihre Beamten thun sich inzwischen viel zu Gute in der Verfolgung deS Protestantismus. Dem bekannten Verbote gegen den Protestantismus betr. öffentliche Anzeigen und Maueranschläge sind Ausschreitungen von Präfekten gefolgt, die wohl ein diplomat. Einschreiten der Protestant. Mächte zur Folge haben wer­den. Denn die Regierung begünstigt diese Intoleranz, steht dieselbe doch im Einklänge mit dem Art. 11 der Verfassung, wie der Premier Canovas soeben erst wieder in einem Rundschreiben an Epanien'S Ge­sandte auseinandergesetzt hat.

— Berlin, 22. September. Der BundeSrath hielt, wie man uns berichtet, gestern Nachmittag um 2 Uhr die erwähnte erste Plenar­sitzung unter dem Vorsitz des ReichSkanzleramtS-Präsidenten, StaatS- ministerS Hofmann. ES wurden zahlreiche Substitutionen verkündet, der Protokollführer gewählt, die Ausschüsse festgestellt und wie in frü­heren Jahren auch besondere Ausschüsse für die Verfassung und die Geschäftsordnung beliebt. Die eingebrachten Vorlagen, welche an die Ausschüsse gingen, sind nicht von Erheblichkeit. Mittheilungen wurden u. A. über eine mit Großbritannien getroffene Vereinbarung wegen deS „Strandrechts auf Helgoland" gemacht. Unter den eingegangenen An­trägen, mit denen sich die Ausschüsse noch zu beschäftigen haben werden, befindet sich auch einer über den Abschluß einer Vereinbarung mit Bel­gien wegen gegenseitigen Musterschutzes. — DaS erwähnte Reglement für die Konstruktion und Ausrüstung der Eisenbahnen Deutschlands setzt u. A. fest, daß das Bauprojekt für eine Eisenbahnlinie, bei welcher die Anlage eines zweiten GeleiseS späterhin zu erwarten steht, von vorn­herein auf zwei Geleise einzurichten ist. Von Interesse ist die Bestim- mung, daß zwischen Bahnhöfen, die über 8 Kilometer von einander entfernt liegen, auf Erforderung des ReichSeisenbahnamtS in Entfernung von höchstens 8 Kilometer telegraphische Meldestationen und bei einge- leisigen Bahnen außerdem AuSweichgeleise anzulegen sind. Allen diesen Anordnungen liegen die Vorschläge deS „VereinS deutscher Eisenbahnen" zu Grunde, welche sich auf langjährige Erfahrungen und Erhebungen

stützen.

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— Berlin, 22. September. Die vereinigten Ausschüsse des BundeSrathrS für das Seewesen, für Handel und Verkehr und für Justizwesen versammelten sich gestern zu einer Sitzung.

— Von dem Generalstabswerke über den deutsch-französischen Krieg ist soeben daS 11. Hest erschienen. < asselbe enthält die Geschichte deS Krieges auf dem westlichen Kriegsschauplätze von Ende September bis Ende Oktober 1870. In diesem Zeitraum war die Umzingelung von PariS vollendet. DaS für die Franzosen verlustreiche Gefecht von Chevilly (30. September gegen daS VI. Corps) und das von Bagneux (13. Oktober gegen das II. bayrische Corps) waren vom Feinde noch in dkm Glauben, daß es sich bei den Deutschen um einen gewaltsamen Angriff der Hauptstadt handle, unternommen worden. Mit der Er- kenntlich, daß die Aushungerung der Hauptstadt durch Umschließung beabsichtigt sei, begannen die Franzosen DurchbruchSversuche. (Gefechte bei Malmaison gegen das V. Corps, 21. Oktober; von Le Bourqet gegen daS Ga-de-CorpS, 30 Oktober). Deutscherseits wurde gleich, zeuig der artilleristische Angriff der Hauptstadt nach dem Plan der Ge- verale v Hinderst» und v. Kleist ins Werk gesetzt.

Die Erzählung wendet sich dann der Einnahme von Soissons zu und g«ht aus ine Ereignisse im Süden von Pacir, auf die Waffen- thaten oes I. bayerischen Corps und der 22, Division unter Führung der Generale b. d. Tann und v. Wittich über, wrlche Heerestheile zur Bekämpfung der in der Brauer sich ansammelnden neuen französischen Streitkräfte aus der Pariser Umschließuntsarmee.abgesandt, den Feind bei Artenay (10. Oktober) schlugen un) OrleanS eroberten (11. Otto* 'bei). — Der Streifzug der 22. Division gegen Chateaudun und Char>res schließt den Inhalt dieses Heftes, dessen letzte Worte bereits auf die wichtigen gleichzeitigen Ereignisse der östlichen Kriegsschauplatzes,

den beginnenden Feldzug deS Generals Zv. Äerder i und den Fall von Metz, hindeuten.

— Das Betteln um Almosen unter Vorspiegelung falscher That­sachen, welche die Mildthätigkeit besonders wachrufen sollen, ist nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunal«, SenatS für Strafsachen, vom 6. September d. I. als Betrug zu bestrafen.

— S. M. Kanonenboot „Nautilus" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 11. d. Mit. in Singapore angekommen.

S. M. S. „Augusta" ist am 20. d. MtS. in WilhelmShaven in

Dienst gestellt.

— BreSlau, 22. Sept., Mittags. Der Kongreß der Altkatho­liken ist heute mit einem feierlichen Gottesdienst in der den Altkatholiken eingeräumten CorpuS-Christi-Kirchr, welcher auch Bischof Reink-ns bet* wohnte, eröffnet worden. k» ». st..«.,

— Ueber die Beraubung des Postwagen auf der Fahrt Dom Bergisch-Märkischen Bahnhof wird aus Köln unterm 19. d. M. ge­schrieben : „In der vorigen Nacht ist der Postwagen auf der Fahrt vom Bergisch-Märkischen Bahnhöfe zum hiesigen Postgebäude bestohlen worden; jedoch sind die Summen welche das Gerücht angiebt, das von 200,000 Mark bis über 200,000 Thlr. wissen will, höchst übertrieben. Die Sachlage und der Hergang ist folgender: Auf der Brückenrampe in Deutz vernahm ein Brücken-Bediensteter in der vorigen Nacht einen knallähnlichen Ton, bald darauf fuhr der Wagen vorüber. Daß dieser Ton be? der diebischen Manipulation entstanden sein muß, geht daraus hervor, daß die Stange, welche zum Verschluß quer über die Thür ge­legt wird, zum Theil durchgesägt ist, wonach sie vermittelst eines Stemm- oder Brecheisens gewalsam durchgebrochen wurde. Die Personen, welche auf den Bock saßen, erklären, nichts von den Feilen und Durchbrechen gehört zu haben. Bis jetzt ist in Betreff der fehlenden Gelder nur constatirt, daß die für Köln bestimmten Sendungen 15,000 Mark be­tragen und daß außerdem noch einige Beutel entwendet wurden. Die Briefbeutel sind unberührt geblieben.

— Stuttgart, 21. Sept. Der Kaiser, welcher gegen 3 Uhr 50 Min. Nachmittags hier eintraf, wurde am Bahnhof von König Karl herzlichst begrüßt. Nachdem die aufgestellte Ehrencompaguie ge­mustert und die Vorstellung der anwesenden Minister und Generale entgegengenommen war, hielt Oberbürgermeister Hack, dem „Schwäbischen Merkur" zufolge, nachstehende Anrede an den Kaiser: Allerdurchlauch- tigster, großmächtigster Kaiser und König, allergnädigster Herr! Von Ew. kaiserlichen Majestät erbittet sich die Stadt Stuttgart die Gnade den Gefühlen des ehrfurchtsvollsten Dankes und der innigsten Freude darüber Ausdruck geben zu dürfen, daß Ew. kaiserl. Majestet der^ Ein­ladung unseres Allergnädigsten Königs und Herrn folgend, dieselbe mit allerhöchst Ihrem Besuche beglücken. Die Stadt ist hocherfreut, Ew. kaiserl. Majestät zum ersten Male seit der Neubegründung des deut­schen Reiches in ihren Mauern begrüßen zu dürfen; ihre Einwohner­schaft, alt und jung, hoch und nieder, jubelt dem Kaiser zu und huldigt dem Oberhaupte des geeinigten Vaterlandes dem Hort und Schirmherr» ihrer nationalen Güter; denn sie hält in dankbarstem Gedächtniß jene großen weltgeschichtlichen Thaten, deren Vollbringer Ew. kaiserl. MajeM geworden sind und durch welche es dem Neubegründer des deutschen Reiches beschieden war, in Eintracht mit dem Bundesgenossen, und unter ihnen mit unserem in Ehrfurcht geliebten König, nicht nur am Grundbau des Reiches thätig zu sein, sondern auch den Ausbau des­selben im Frieden mächtig zu fördern. Mögen Ew. kaiserl. Majestät in diesen Huldigungen, welche, wenn auch weniger glänzend, doch um so herzlicher dargebracht werden, den lebhaftesten Beweis dafür erblicken, daß in Liebe und Verehrung für Ew. kaiserliche Majestät in treuer Hingebung an das geeinigte Vaterland, in ernster Mitwirkung an den großen gemeinsamen Aufgaben, die dem deutschen Volk gestellt sind, unsere Stadt hinter keiner anderen zurückbleiben, der schwäbische Stamm keinem anderen nachstehen will! Der allmächtige Gott gebe, daß Ew. kaiserl. Majestät der herrlichen Früchte höchst-Jhres Wirkens noch lange sich erfreuen! Er schütze und segne immer Ew. kaiserl. Majestät! Der Kaiser, neben welchem der Königstand, erwiderte etwa folgendes: Es ist zum ersten Male, daß ich seit den glorreichen Kämpfen der deutschen Nation Ihre Stadt besuche. Ich nehme den freundlichen Em­pfang, den Sie mir bereiten, gerne an und schließe mich den Wünschen für unser deutsches Vaterland, welche Sie in ihre Begrüßung ausge­sprochen haben, vollkommen an. Wir haben bis jetzt nur gesäet, aber die Saat wird aufgehen. Ich baue dabei auf Ihren König, der mir stets treu zur Seite gestanden ist (dem König die Hand reichend). Versichern Sie die Stadt, daß ich mich freue, in ihren Mauern zu sein. (8ug86. Abdztg.)

— Karlsruhe, 18. Sept. Auf bet vom 24.—27. September in Frankfurt a. M. stattfindenden achten Generalversammlung deS All­gemeinen deutschen Frauenvereins w:rde» nach dem nun ausgegebenen Programm folgende Vortcäze gehalten:

Sonntag, den 24. S ptir., Abends 7 Uhr: Einleitender Voc- trag von Fcl. Auguste Schanit aus Leipzig. Montag, den 25. Septbr., Nachmittag« 3 Uhr: Eröffnung des Frauentags durch die Vor«