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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sons- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Mittwoch den 20. September.

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1876.

DerR. u. St.-A." enthält: 1) Gesetz, betreffend die Geschäfts­sprache der Behörden, Beamten und politischen Körperschaften des Staats. Vom 28. August 1876. 2) Verordnung, betreffend die Bestattung des Gebrauchs einer fremden Sprache neben der deutschen als Geschäfts« spräche. Vom 28. August 1876.

S. M. SchiffeKaiser" undDeutschland" sind, telegraphischer Nachricht zufolge, am 18. d. Mts. früh in Wilhelmshafen eingetroffen. t S. M. S.Medusa" hat am 14. d- MtS. Plymouth verlassen und ist nach Kiel in See gegangen. S. M. S.Nymphe" ist am 2. d. Mts. in den Cap Verde'schen Inseln ringe troffen.

Berlin, 19. Sept. Auch von derWes. Ztg.", einem ent­schieden freihändlerisch gesinnten Blatt, wird gemeldet, daß die Regie­rung die Einbringung eines Gesetzentwurfs wegen provisorischer Ver­längerung der Eisenzölle mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage der Industrie und die bevorstehende Erneuerung der Handelsverträge beab­sichtigt. Durch ein rheinisches Blatt war unlängst die Nachricht ver­breitet worden, die Reich?post>Verwaltung beabsichtige 'eine Erhöhung des ZeitungS Portos für alle täglich zweimal zur Versendung gelangen­den Journale DieKr.-Ztg." erfährt dem gegenüber, daß eine solche Absicht nicht bestanden hat; die bisherigen Portosätze bleiben einfach in Kraft. Es sind vielmehr dem genannten Blatte zufolge eingehende Er­hebungen darüber im Gange, in wie weit sobald wie möglich einem Anträge des Reichstages Folge zu geben sei, der für den Betrieb pe­riodischer Zeitschriften Erleichterungen bezweckt. (Tris;

Man telegrophirt derN. Fr. Pr." aus Berlin, 17. Sep. tember: Entgegen vielfachen allarmirenden Nachrichten wird von ange­sehener Seite versichert, man vertraue in den hiesigen Regierungstreuen aus eine friedliche und baldige Lösung der orientalischen Verwicklung. Man leg erwehr auf den entgegenkommenden Inhalt des die türkischen FliedenSbedingungm Begleitenden MemoireS Gewicht als auf jene selbst. Das definitive Resultat der Mission Manteuffel's bestehe in der Ruß­land gemachten Zusicherung strengster Neutralität auf Seite Deutsch­lands.

Der Kronprinz hat den Geh.-R. Pros. Reuleaux empfangen. Es heißt, Reuleaux habe die Propaganda für eine in etwa 5 bis 6 Jahren in Berlin zu verunstaltende Weltausstellung in die Hand ge- nommen, welche er für das geeignetste Mittel halte, um das schwer ge­schädigte Rerwmm6 unseres Gewrrbefleiß-s vor dem Auslande wieder aufzurichten. In der Nat.-Z. st llt Reuleaux für die kommenden Mo­nate e ne Reihe von Stufen in Aussicht, in der er dir wirthschaftliche Lage von Deutschland, wie die des AuSlandeS einer eingehenden Revi­sion unterziehen wll. Die technisches und GeschäftSmaximen der Fa- bnlanten, die Stellung des Arbeitdrstandes und der Einfluß der sozial- demokratischen Agitation auf denselben, der Zwischenhandel wie die Eigenarten des deutschen Publikums sollen zur Besprechuvg kommen.

In den deutschen Münzstätten sind bis zum 9. September 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,089,621,220 Mark Doppel- krönen, 330,536,650 Rark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,3457164 Mk.; an Silbermünzen: 65,228,090 Mark b-Markstücke, 23.829,476 Mk. 2-Markstücke, 143,412,165 Mk. 1-Markstücke, 35,948 910 Mark 50 Pf. 50-Pfennigstücke, 31,635,021 Mark 40 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 21,010,687 Mark 80 Pf. 10-Pfenniastücke. 10,994,07-6 Mk. 55 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen : 5,790,719 Mark 98 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,294,857 Mark 98 Pfennige 1-Pfennig. ftude^ Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,420,157,870 Mark; A L^rmünzen: 302,053,662 Mark 90 Pf.; an Nickelmünzen

Mark 35 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,085,577 Mark

p*euß. Blätter sind voll von Sensationsgerüchten. Die Kln. Z. schrnbt aus Berlin:In hiesigen militärischen Kreisen, nament- unter Men Offizieren, welche sich bei den Manöver» des 4. Ar« i wachsen) in der Umgebung des Kaisers befunden haben, ist das Gerücht verbreitet, man stehe unmittelbar vor der KrieaSerklä- rung Rußlands an die Türkei. Generalfeldmarfchall v. Manteuffel habe

eine Erklärung des Kaisers von Rußland überbracht, wonach derselbe dem^Verlangen seines Volkes nach Rache für die Grausamkeiten der Türkei gegen die Christen nicht widerstehen könnte und vorgehen müßte, sobald die Pforte den biUt^e« Friedensforderungen Widerstand entgegen« setzen würde." Die Nat.-Ztg. schreibt:Es ergibt sich uns aus wohl« verbürgten Mittheilungen, daß Rußland zu Ende der Woche vom 3.-9. S« pt. die Mächte davon in Kenntniß gesetzt habe, es werde gezwungen sein, allein vorzugehen, wenn die erneuten Kollektivschritte der Mächte wieder einer Weigerung der Pforte begegnen würden. ES liest nahe, anzunrhmen, daß diese Erklärung das Ergebniß eines Entschlusses war, der gefaßt wurde, als Hr. V. Manteuffel in Warschau weilte und ein östreichischer Diplomat gleichzeitig daselbst anwesend war." Die Nordd. A. Z. (bekanntUch als Organ des auswärtigen Amts längst desavouirt) findet in den türkischen Frudensbedingungen denFehdehandschuh, der die Mächte von allen Rücksichten entbindet, welche sie aus Gründen politischer Delikatesse bisher der Pforte gegenüber beobachten zu müssen geglaubt haben möchten." Alle diese Aeußerungen und Ausstreuungen der Presse sind ohne Zweifel dazu bestimmt, in dem entscheidenden Stadium, in welches die orientalische Kriegs- und Friedensfrage jetzt getreten ist, einen btzien energischen Druck auf die Pforte auszuüben.

Kiel, 14. September. Demnächst werden unterseeische Schieß- nbungm mit dem Whithead'fchen Fisch-Torpedo bei FrredrichZort ge­halten werden. In den hiesigen Marinstreisen sieht mau mit großer Spannung entgegen. Der Erfitider d.s Fisch Torpedo, Whitbead, ist von Fiume in Italien, woselbst die neuen unterseeischen Geschosse ange­fertigt worden, nach Wsthelushaven gekommen und hat das Einsetzen der Laucierapparate auf dem Ziethen persönlich geleitet und überwacht. Der Ziethm ist von Wilhelmshaven nach Kiel gegangen, woselbst in nicht zu langer Zeit der Spieren-Torpedo-ampfer Ulan, welcher in Stettin gebaut ist, zu seiner Gesellschaft eintreffen wird. In Fried­richsort ist man gegenwärtig mit der Zusammensetzung 'der Fisch» Toipedoköiper eifrig im dortigen Fifch-Torpstogebäude beschäftigt.

(Köln. Ztg.)

Kiel, 15. Sept. Die KorvetteFreya" wird, nach derK. Ztg.", am 1. October cr. in Kiel in Dienst gestellt werden und findet eine Uebelführung derselben nach Wilhelmshavens nicht statt.

DieA. Postztg." bringt über die neuernannten Bischöfe folgende biographische Notizen: Herr Dr. Enzler ist 13. April 1817 geboren, war lange Jahre hindurch Religionslehrer in der Familie des Herzogs Maximilian, dann einige Jahre Pfarrer zu Feldaffing am Starnbergerfee u*b ist seit nun 6 Jahren Stiftsdekan zu St. Kajctan. Er hat den ehrenvollen Auftrag gehabt, die Herzen der verstorbenen Könige Mox II. und Ludwig I. nach Altötting zu geleiten. Literarisch hat er sich durch hervorragende Betheiligung an der Herausgabe des Werkes über die Schätze derreichen Kapelle" bekannt gemacht. Der zum Bischof von Würzburg ernannte Würzburger Karmeliter« Prior P. Ambras Kaeß ist der Sobn des Oberzoll- und Hollamts« Kontroleurs Kaeß und wurde am 24. Oktober 1815 zu Untergünzburg geboren. An seiner Wiege ward ihm nicht das Lied gesungen, daß er dereinst eine Zierde des Ordensstandes und nunmehr sicherlich auch des bischöflichen Stuhles von Würzburg werden foflte und Neigung wie Studien steckten dem lebhaften Knaben ein ganz anderes Lebensziel. Der Studiosus Kaeß warf sich mit allem Eifer vor Allem auf Mathe­matik und Naturwissenschaft und dachte nichts Anderes, als dereinst ein tüchtiger Artillerieoffizier zu werden. Eine sehr langwierige Kränk­lichkeit machte ihm die Erreichung dieses Lebenszieles unmöglich, ja sie wurde ihm der Weg, auf dem er nicht blos zur Theologie, sondern zur Pforte eines der strengsten Orden gelangte. Als beliebter Prediger und Beichtvater kam er in stetige Berührung mit allen Klassen der Bevölke­rung vom Hofe bis zur Hütte; er lernte als zeitweiliger fchlichter Untergebener was und wie man als Oberer P. Ambros war No- vizenweister, mehrmals Prior und Provinzial des Ordens zu be­fehlen habe; seine Reisen und sein längerer Aufenthalt in Rom, in Prag, in Graz «. f. w. bereicherten seine Erfahrung und Menschen- kenntniß und gaben ihm den ihm eigenen weiten und praktischen Blick.