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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenr.
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Dienstag den 19. September.
1876
Tagersch«».
Die Vorbedingungen der Pforte.
K. d. Sch«. Mrrk.
Wort: daß der Krieg zunächst fortdauert. Je länger aber der Krieg dauert, um so wehr steigt die Gefahr weiterer und ernsterer Verwicklungen. Noch eine Weile, und diejenigen, die aus Furcht vor Rußland der Türkei die Stange halten, werden anerkennen, daß sie lediglich für Rußland gearbeitet haben.
Die Pforte hat Zeit gebraucht um ihre Wünsche in Betreff des künftigen FriedenS zu formuliren. Am 24. August, also gerade vor drei Wochen, war eS, daß die serbische Regierung den Vertretern der Großmächte ihren Wunsch, Frieden zu machen, anzeigte und die guten Dienste derselben zu diesem Werke anrief. Am 4. Septbr. setzten die Großmächte die Pforte von diesem Wunsch der serbischen Regierung in Kenntniß und sprachen zugleich einmüthig den Wunsch nach Herstellung einer vorläufigen Waffenruhe aus. Am 7. September entgegnete die ’ Pforte, daß sie einen Waffenstillstand nicht als ihren Interessen ent- i sprechend erachte, dagegen zu einem definitiven Friedensschluß bereit sei i und die von ihrer Seite gewünschten Bedingungen desselben demnächst i den Mächten mittfeilen werde. Diese Mittheilung ist nun endlich am ; 14. d. erfolgt. Ihr Inhalt ist, um es gleich zu sagen, eine Enttäu- ; schung für diejenigen, welche den Frieden nahe glaubten. Die Pforte hat über die Gesinnungen Europas nicht im Zweifel sein können; zuletzt mußte ihr der Aufschrei des englischen Volksgewissens eine verständliche Mahnung sein; sie kann sich die Gefahren, die bei längerer Dauer des Kriegs von Seite Rußlands drohen, unmöglich verbergen: dennoch entschließt sie sich zu einer wohlüberdachten Antwort, welche im günstigsten Falle ein weiteres Hin« und Her verhandeln erheischt. Vor allem also wird die Absicht der Mächte, aus Gründen der Menschlichkeit dem entsetzlichen Blutvergießen ein Ende zu machen, nicht erreicht. ; Allein die Pforte stellt auch nicht solche Bedingungen auf, welche ein baldiges Aufhören der Kriegsfurie in Aussicht stellen; vielmehr weiß ' sie selbst, daß ihre Bedingungen unannehmbar sind. Sonst würde sie ) ihre Mittheilung nicht in die Form kleiden: dieses sind meine Forderungen, im Uebrigen mögen die Mächte selbst sich über die Bedingungen des Friedens verständigen. Die Pforte antwortet also ausweichend, ; sie scheint auf die Uneinigkeit der Mächte zu rechnen, sie verlängert auf ' alle Fälle den Krieg. Darüber, daß die Bedingungen der Pforte un- i annehmbar sind, braucht man kein Wort zu verlieren; die Forderung der Wiederbesetzung von Belgrad grenzt geradezu an Hohn, wenn man die mäßigen Erfolge erwägt, zu denen es die türkische Armee in einem Feldzuge von 2^2 Monaten gebracht hat. Dem Fürsten Milan gegen- über seiner R<sidenz wieder türkische Truppen in die Kasernen zu legen, 'st eine Zumuthung, die man ihm doch nur nach völliger Niedertretung des Landes stellen könnte. Auch ist es selbstverständlich nicht im Sinne der europäischen Mächte, auch Englands nicht, die Herrschaft des Halbmonds wiederum auSzubreiten, ihn dahin zurückzuführen, wo er bereits glücklich beseitigt ist, kurz daS Rad der Geschichte künstlich wieder zu- rückzudrehen. Vergebens besinnt man sich, was die Pforte nach viertägiger U-berlezung zu einem solchen Auftreten veranlaßt. Ist es Ver- blendung, Selbstüberhebung, durch die mageren Siege Abdul Kerims veranlaßt, oder will sie die Fortsetzung des Kriegs in Hoffnung auf größere Erfolge, oder aber hält die Pforte den Krieg mit Rußland bereits auf alle Fälle für unabwendbar? Die mildeste Annahme ist noch die, daß die Pforte zwar einen hohen Preis ansetze, aber im Vor- ang entflossen sei, mit sich handeln zu lassen. In diesem Ginne sagt die N. Fr. Pr., dieser beredteste Anwalt der Türkei: „In Wirklichkeit wird bei j bem Friedensschlüsse so gut wie bei einem kaufmännischen Geschäfte gefeilscht und gemarktet, denn der Friede ist thatsächlich eine ^raare, welche der Sieger verkauft, der Besiegte bezahlt. Der Verkäufer M den Preis erst höher als nöthig, dann läßt er etwas nach. Selbst ^ dem unter allen lebenden Staatsmännern am schwersten zu handeln ist, ging von den 6 M'llmrden, die er anfangs Frankreich murehmen wollte, auf 5 herab. Warum sollte die Pforte allein den Frieden nur zu fixem Preise geben?" Allein Jedermann empfindet die Frivol,!at einer Anschauungsweise, die den Abschluß eines entsetzlichen Kriegs auf die Stufe eines Handels mit alten Kieidern setzt, unbeküm- mert darum, daß jede Stunde, um die der Krieg verlängert wird, die Fortsetzung unnennbarer Greuel und Schandthaten bringt. Was aber aud) die Beweggründe der Pforte sein mögen, der Befürchtung kann
Mcyt langer verfliegen, daß sie von ihren Freunden übel nu emieu ^ u n c i jui «xeuciwuyi unseres ]nuj engen oewayrren uo»
eratgen ist. Lie eine sichere Folge hat die ausweichende türkische Ant- geordneten Herrn H. F. Zieg le r definitiv constituirt. Dasselbe be-
— Nach dem „R.° u. St.>A." ist der Bundesrath auf den September einberufen.
21.
— Brikfsendungen für S. M. Torpedodampfer „Zielen" vom 18. September ab nach Kiel, für S. M. Schiffe „Kaiser" „Deutschland" nach Wilhelmshaven zu dirigiren.
— Berlin, 15. September. Dieß Reichsregierung hat Druckerei der verst. Buchdruckereibesitzers Sittenfeld übernommen, dieselbe ausschließlich für die Druckarbeiten des Reiches zu benutzen. Es ist bereits ein Grundstück in der Mauerstraße gemiethet worden, um die Reichsdruckerei dorthin zu verlegen. Ueber die Erwerbung eines
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zweiten Grundstückes in der Königgrätzerstraße gegenüber der Boßstraße verhandelt die Reichsregierung mit einer LebensversicherungSgesellschaft in der Absicht, dahin die Abtheilung für Elsaß'Lothringen und daS ReichSjustizamt zu verlegen. — Die Kommission zur Berathung des deutschen Zivilgesetzbuches wird in rarster Zeit hier zusammentreten und theils in Sektionen, theils in Plenarsitzungen hier in Berlin ihre Arbeiten fortsetzen. Auch für diese Zwecke waren im ReichSkanzieramt keine Räume disponibel; man hat deßhalb in dem benachbarten Decker'- schen Gebäude eine Reihe vox Zimmern gemiethet und ist damit beschäftigt, dieselben mit möglichster Beschleunigung für den gedachten Zweck herzurichten. " (Pr. bo
— München, Montag, 18. September, Mittags. Der König Hat nunmehr nach dem „R.- u. St.-A." den Stiftsdekan Enzler zum Bischof von Speyer und den Pater Ambrosius zum Bischof von Würz- bucg ernannt.
— Wien, Montag, 18. September, Mittags. Wie von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird, hat die Pforte den Mächten noti- fizirt, daß sie ihre Truppen-Kommandanten angewiesen habe, sich fortan auf die Defensive zu beschränken. <R. a i?t.»Sn»>
! x — Dem „Wien. Fremden bl." wird von Konstantinopel telegra- Phirt: An eine Fortsetzung des Krieges wird hier nicht mehr gedacht, ) ebenso wenig an den Rücktritt deL Großveziers, falls Serbien die Frie- denSbedingungen der Pforte ablehnen sollte. In? Gegentheile, man hegt ; sogar die Hoffnung, daß, falls die Großmächte die türkischen Friedensbedingungen unannehmbar finden sollten, sie zu einer Berathung zusammentreten und den kriegführenden Parteien die von ihnen (den Groß-
> machten) selbst entworfenen Friedensbedingungen unterbreiten werden.
— London, Montag, 18. September, Morgens. Die „Times" setzt ihre Besprechung der türkischen Friedensbedingungen fort und hält daran fest, daß dieselben nicht annehmbar seien. Eine Wiederbesetzung der serbischen Festungen durch türkische Truppen sei rein unmöglich, weil dieselbe eine ständige Drohung für den europäischen Frieden bilden
würde. Die „TuneS" plaidirt für eine Regelung der Fnedensbedingun gen durch eine Konferenz der europäischen Mächte.
— Die Aeußerungen der Intoleranz, denen die Protestanten in Spanien trotz der bestimmten, sie schützenden Abmachungen ausgesstzr waren, bildeten, wie die Nat.-Z. berichtet, in den letzten Tagen den
i Gegenstand lebhafter schriftlicher Kommunikation zwischen der deutschen i und englischen Regierung. Es liegt im Werke, eine Vorstellung an die i spanische Regierung zu richten, um dieselbe zu einem ihren eingegam enen Verpflichtungen entsprechenden Verfahren aufzufordern.
— Paris, Montag, 18. September. Nach einem dem „Sonnt, des Teb." ^gegangenen Telegramme soll eine zehntägige Waffenruhe aus dem Kriegt schauplatz vereinbart sein. Anderweite Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.
Wahlangelegenheite».
—r. Hanau- 19. S,pt. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mit- getheilt wird, hat sich gestern Abend das ComitS der national-
lib eralen Partei zur Wiederwahl unseres seitherigen bewährten Ab