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Hanau er Ämtigtr.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis «ud Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.
Samstag den 16. September.
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1876.
BskauntWachnugeR Kömgl. LandrathsaMs dahier.
Die Herrn OrtSvorstände werden benachrichtigt, daß bei Berechnung der z» Pacht-LicitationSprotokollen zu verwendenden Stempel die von demselben Licitanten für verschiedene Pachtobjekte gebotenen Pachtzinse zusammen zu rechnen sind. Die von demselben Bieter in einer Verhandlung offerirten und Seitens der Gemeinde-Verwaltung acceptirten Pachtzinse sind daher ferner nicht einzeln in Betracht zu ziehen.
Hanau am 14. September 1876.
Ueber die während des diesjährigen Herbstmanövers vorgekommenen Flurschäden haben die Herren OrtSvorstände, soweit nicht bereits geschehen, ungesäumt die nach der diesseitigen Verfügung vorgischrie- bene Nackweisung vom 28. August er. — „Hanauer Anzeiger" Nr. 203 — hierher einzureichen. Sind keine Flurschäoen vorgekommen, so ist dies ebenfalls bis zum 18. d. M. hierher anzuzeigen.
Hanau, am 16. September 1876.
Wochenschau.
H. H. C. Während der deutsche Kaiser mit großem glänzenden Gefolge an Fürstlichkeit'v und ausländischen Offizieren den Manövern des IV. und XII. Armeekorps (zwischen Leipzig und Merseburg) bei» wohnt und der Reichskanzler in gänzlicher Zurückgezogenheit in Barzin weilt, ist man doch deutscherseits auf dem Gebiete der hohen Politik überaus thätig. Wichtige und ernste Verhandlungen fanden zwischen den Ostmächten in der letzten Woche in Sachen der oriental. Frage statt; namentlich zu der Zeit, in welcher der russische Kaiser sich in Warschau befand. Man verkehrte mit Letzterem dort weder telegraphisch noch etwa durch die Botschafter, sondern durch eigens zu dem besondern Zweck dahin abgesandte Würdenträger. Deutscherseits war der beim Czaren in großer Gnade stehende Generast Feldmarschall von Manteuffel in der polnischen Hauptstadt erschienen. Was man in Warschau verabredet, was das Resultat der Besprechungen war, darüber verlautet gar nichts. Man weiß nur, daß Manteuffel nach Beendigung seiner Mission direkt dem Kaiser bei Merseburg seine Aufwartung wachte, mehrere lange Unterredungen mit demselben hatte — man will auch wissen, daß er seinem Kriegsherrn ein Handschreiben deS Czaren überbracht habe — und daß er sich sodann unverzüglich nach Varzi« begab. Es scheint, daß die 3 Ostmächte Beschlüsse für den Fall gefaßt haben, daß die Pforte sich weigern würde, unter loyalen Bedingungen sich in FriedenSunterhandlungen einzulassen, ja, daß man sich zur event. Vornahme der energischsten Maßregeln geeinigt habe, und eS scheint ferner, als ob auch diese Einigung wesentlich der klugen Vermittelung der deutschen ReichSregierung zu verdanken wäre. — Die Wahlbewegung in Preußen ist in letzterer Zeit sehr lebhaft geworden. F-eilich beschränkt sie sich immer noch auf Zeitungsartikel und BertrauenSmän- nerversammlnngen. BemerkenSwerth ist dabei, daß eine in Berlin statt- gehabte Versammlung von Vertrauensmännern der nationalliberale« Partei > beschloß, bei den Landtagswahlen mit der Fortschrittspartei Hand in Hand zu gehen, so weit dies möglich sei. Aus diesem Nach- satze scheint entnommen werden zu müssen, daß man auch diesmal der Wiederwahl der radikalen äußersten Linken, der Herren Duncker, ParisiuS rc., entgegentreten will. Betreffs der Zollfrage verlautete in den letzten Tagen, daß die ReichSregierung beschlossen habe, im Reichstage die Hinausschiebung der AuSführungSzeit des Gesetzes vom 7. Juli 1873
2 Jahre zu beantragen. Nach diesem Gesetze sollen nämlich die Schutzzölle auf Eisen- und Stahlwaaren mit dem 1. Januar 1877 aufgehoben werden. Die in solchen Dingen sehr glaubwürdige „Post" lr es, welche diese ^Nachricht brächte.
Die französischen Geueralräthe befaßten sich bekanntlich in der jetzt beendeten Session auch mit der Frage des VolksschulwesenS. Er sollen sich dabei nur 16 Departements für den obligatorischen und nur 15 für unentgeltlichen VolkSschulunterricht ausgesprochen haben, also nur s Departements. Die meisten Generalräthe waren der Ansicht, Die VolkSschulfrage müsse durch den Staat erledigt werden,
! da die Bauern von Gemeindeopfern für diese Sache nichts wissen woll- \ ten. Präsident Mac Mahon wohnt augenblicklich den in Südfrankreich ; abgehaltenen Manövern bei. Auf seiner Reise dahin machte er auch der j Stadt Lyon einen Besuch, wobei eS natürlich an republikanischen De- ' monstrationen nicht fehlte. Die Behörden und Korperationen ließen sich dem Marschall Vorsteven und auch der republikanische General- und der gleichgesinnte ArrondissementSrath waren zu diesem Zwecke vollständig erschienen. AuS Abscheu vor den freisinnigen Anreden, welche die Präsidenten dieser beiden Körperschaften an den Marschall richten wür- i den, hatte jedoch „irgend Jemand" der Vorstellung der Letzteren vor- ’ gebeugt. In Fol^e dessen kam es zu einem Skandal, der in ganz ! Frankreich Aufsehen erregte. Die General und Arrondisiementsräthe i verzichtete« inn auf die nachträgliche Vorlassunz und protestirten in : einnn energischen Schreiben an den Prästdeuten der Republik gegen ; diese ihnen emget^axe Beschimpfung und der Vorsitzende des General- raths schrieb Herrn Mac Mahon, daß er angesichts jener Verletzung deS AnstandeS seiner Einladung zu Tischs nicht Folge leisten könne. Man glaubt, daß diese „Anstandsverletzung" von Mac Mahon selbst auSgegangen sei.
Die protestantischen Geistlichen in Spanien sind in großer Auf- regung über daS Regi-rungsverbot, kirchliche Dinge betreff *nbe öffentliche Anzeigen zu erlassen, zumal auch die Zeitungen eine entsprechende Weisung erhielten. Sie haben nun zunächst eine Beschwerde über diele Verfüguxg an die britische Gesandtschaft gerichtet. Das Verbot ist natürlich gegen die öffentlichen Anzeigen, welche den Protestant. Gottesdienst und die Protestant. Schulen betreffen, gerichtet.
Die antitürkische Bewegung in England treibt noch immer hohe Wogen. Die Bewegung ist jetzt geradezu gegen die äussre Politik des konservativen Kabinett gerichtet. Die liberalen Führer haben der Reihe nach, brieflich und mündlich, ihre Uebereinstimmung mit den in den Protestmeetings gefaßten Resolutionen ausgesprochen. Der Expremier Gladstone hat sogar in einer Broschüre die Herstellung der Autonomie nicht blos für die Herzegowina und Bosnien, sondern auch für Bulgarien verlanzt und in einer Volksversammlungsrede die Nothwendigkeit ausgesprochen, daß England in Eintracht mit Rußland, dessen Orient-Politik nicht nur von Ehrgeiz, sondern auch von Humanität geleitet sei, an die oriental. Frage herantreten müsse. Auch Lord Strat- ford Redcliffe, der schon einigemal brit. Botschafter am goldenen Horn war, ruft: Autonomie vom schwarzen Meere bis zur Adria, oder man ändert nichts an den balka«ischen Zuständen. Diese Slimmungsände^ rung in England ist insgemein wichtig, auch wenn sich Disraeli ihr noch nicht sofort anbequemen sollte. Die öffentliche Meinung wird ihn schon noch zwingen, sich der Politik der Ostmächte anzuschliefen, rumal wieder Nachrichten von neuen Gräuelthaten der türkfich-n Horden in Bulgarien anlangen.
WaS die Waffenstillstands- und Friedensfrage anbelangt, so hat die Pforte den Mächten erklärt, auf einen Waffenstillstand nicht eingehen zu können. Sie habe nicht Geld genug, die Armee auch für die Zeit, wo sie «icht kämpfe, zu erhalten; überdies erhalten die freiwilligen Horde« (Tscherkessen, Baschi-Bozüks rc.) keinen Sold und seien auf Kriegsbeute, Raub angewiesen; endlich fürchte sie, daß Serbien die Zwischenzeit militärisch ausnutze. Zum Friedensschluß dagegen hat sich die Pforte geneigt gezeigt. 1 Was nun die von ihr gestellten Friedens« bedingungen anbetrifft, so gehen über dieselben 2 Lesarten um. Räch der einen sollen dieselben unter Anderem die Absetzung des Fürsten • Milan verlangen und unannehmbar sein, nach der andern aber sollen sie von den Vertreter« der Mächte für diskutirbar erklärt worden sein. Alexinatz ist von den Türken noch nicht genommen. Von Belang ereignete sich in der letzten Woche auf dem Kriegsschauplätze nichts. Sultan Hamid hat einen „Hat" erlassen, der den Mächten und seinen Völkern in gewohnter Weise alles Liebe und Gute verspricht.
T a g e S s ch « 8.
— Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht folgenden Allerhöchsten Erlaß: „Es sind Mir im Laufe dieses Sommers wiederum sowohl auS