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M 212,
Dienstag den 12. September.
1876.
Bekanntmachungen Königl. LandrathSamts dahier.
Entlaufen: in der Nacht vom 10. bis 11. d. MtS. zu Eichen ein Pferd — Rappe ohne Abzeichen, Wallach, 6 Jahre alt — von der 3. Batterie Hessischen Feld-Artillerie Regiments Nr. 27.
Hanau, am 11. September 1876.______________________________
L k ß e S ? ch « m.
England.
A. d. Schtv. Merk.
Das eindringliche Wort Gtadstone's über die orientalisch KrifiS ■ wird den lebhaftesten Eindruck auf seine Landsleute machen. Die so ; warm als schneidig geschriebene Flugschrift trifft bereits empfängliche s Gemüther und wird die Bewegung verstärken, in welcher die öffentliche ; Meinung Englands begriffen ist. Wie Lief diese Bewegung geht, ist - freilich schwer zu beurtheilen; die Meetings mögen zum Theil Mode- ; sache sein, Parteirücksichten gegen das Torykabinet sind mit rm Spiele; ‘ es wird versichert, daß das letztere trotz dem Lärmen sich stark genug j fühle und nicht an die Einberufung bei Parlaments denke. Allein der : Widerspruch gegen die überlieferte Orientpolitik Englands tritt doch mit * einem Freimuth und mit einem täglich verstärkten Nachdruck auf, die s von einem allmäligen Umschwung der Bolksmeinung zu reden erlauben. ; Der Tag für Tag erneuerten Polemik der Times tritt die Autorität von Führern, wir Bright, Gladstone, Hartington, tritt das Gewicht der Volksbewegung zur Serte. Die Tories mögen sich am Ruder halten, aber ihre Politik kann von dem anwachsenden Strom des öffentlichen ; Geistes nicht unberührt bleiben. Es ist denn auch die Wirderannähe- s rung Englands an die Politik bet Großmächte bereits uuoeiteanbar, und durch die schroffe Haltung der hohen Pforte kann diese Annäherung nur ße'öibftt und gestärkt werden. Damit verliert aber die diploma- j tische Lage viel von ihrer seitherigen Spannung. Die Trennung Eng- lands von den anderen Mächten tat die KnegLfurie an der unteren ; Donau entfesselt; seine Wiederannäherung gilt wenigstens die Beruhig- ; ung, daß der Kamps sich nicht writer verbreite. Bis wann ek wieder ' beschworen werderr sann, ist freilich eine andere Frage. Die Mächte ; scheinen entschlossen, noch weiter Geduld zu üben. Ihre Absicht, aus i Gründen der Menschlichkeit dem Krug und seinen Gräueln ein Ende zu machen, ist vereitelt, und wenn sie vierzehn Tage gebraucht haben, s um sich auf den Waffenstillstand-vorschlag von der H. Pforte einen { Korb zu holen, so mag man ermessen, wie lange sie brauchen werden, s bis sie sich mit der Pforte über die Bedingungen des Friedens geeinigt haben. Möglich, daß ihnen inzwischen doch die Geduld reißt. Aber auch für diesen Fall erlaubt daS Einlenken der englischen Politik, mit Gleichmuth in die Zukunft zu sehen. Es wird die Pforte selbst sein, i auf welche die Folgen ihres Uebermuths zurückfallen. Darf man einem ‘ Wiener Brief der Times Glauben schenken, so hat England bereits der s Pforte erklärt, daß, falls die Zurückweisung der Waffenruhe durch die j Türkei, wie eS wohl möglich se,, zu einer fremden bewaffneten Jnter- s vention führen sollte, die Pforte nicht auf die britische Regierung zu j rechnen habe. Angesichts der durch die bulgarischen Gräuel erregten ; Stimmung in England sei es ihr unmöglich, jener Intervention vorzu- - beugen. Vielleicht wäre eS heilsam gewesen, wenn England schon früher eine ähnliche Sprache sich befleißigt hätte. Hoffentlich ist es auch jetzt nicht zu spät, um die Staatsmänner im Stambul zur Vernunft zu bringen.
— Die Entsendung eines englischen, deutschen und italienischen Geschwaders nach dem Mittelmeere hat vielfache Gelegenheit zu ausgedehnten und umfassenden Beobachtungen und Erfahrungen über die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Gattungen von Panzerschiffen geboten. Man berichtet, daß sich die nach dem Kasemattschifs ystem gebauten beiden neuen deutschen Panzer. Fregatten Kaiser und Deutschland rn jeder Beziehung vortrefflich bewährt haben. Gang das Gegentheil schernt hingegen für die mit 20 bis 22 Zoll Eisen gepanzerten Schiffe der englischen DevastationSklaffe obzuwälte«, von welchen sich die Dr- Vastation selbst und die Inflexible der englischen Eskadre zugetherlt befinden. Der Aufenthalt in diesen bei nur einigermaßen bewegter See |
stets auf ihrem Vorderdeck von b^n Wellen überspülten Panzerkolossen wird in einer Korrespondenz der Army and Navy Gazette als geradezu unerträglich bezeichnet, und wenn beide Schiffe auch die Fahrt nach dem Mittelmeer glücklich zurückgelegt haben, so sollen dieselben dabei doch nicht nur eine sehr bedingte Lenksamkeit auSgewiesen haben, sondern im Ernstgebrauch auch sehr beträchtlich hinter ihrer bei den Probefahrten konstatirte« Fahrgeschwindigkeit zurückgeblieben sein. Ob Italien, daS seine muen größeren Panzerschiff-rbautin nur nach diesem vor nicht langer Zeit noch als.unübertrefflich gerühmten Schiffsbausystsm auszu- führen beabsichtigte, auch nach dem hierbei noch verharren wird, dürfte im hohen Maße zweifelhaft erfch-inen. Entgegengesetzt hatte der Chef der deutsch,» Admiralität vor länger als Jahresfrist im Reichstag« über diese Schiffe bereits ein Urtheil abgegeben, das nach den neueren englisches Berichten als bemahne in allen Einzelheiten als zutreffend ertönst werden muß. css». stet«
— Des sämmtlichen Post- und Telegraphen-Brasten, welche ihrem Chef, dem Ttneral-Postmeistkr Dr. Stephan, aus Anlaß seiner Ernennung zum Wirklichen Geh imenrath gratulirt hatten, ist folgmdes Antwortschreiben zugegangen: Ew. ..... sage ich für den aus Anlaß meiner ErnenusnL zum Wirklichen Geheimmrath nur in so freundlicher Weise hergebrachten Glückwunsch meinen herzlichen Dank. In der Allerhöchsten Autzüchnung erblickt ich vor Allem einen huldreichen Beweis der Zufriedenheit Sr. Majestät unseres Alle-gnädigsten Kaisers und König» nut den Erfolgen der Reichs Post- und Telegroptzm-Ver- toaltung, welche unser Aller gemeinsames Werk sind und an denen jeder brave Be«»te feisen wohlverdienten Äniheil hat. Mözr der Geist treuen Zusummenwirkir-s und rüstigen VorwärtsstrebenS, der unS bei Erfüllung der Aufgaben m.srres schönen Berufes bisher beseelt hat, auch ferner uns. geleiten, der Verwaltung zur Ehre, dem Baterlande zum Nutzen, jedem Einzelnen zur eigenen Befriedigung! Ich verbleibe mit aufrichtigsten Wünschen für Ihrer Aller Wohl Ihr ergebenster Stephan.
— Die Nat.-lib. Korr. schreibt: In der Presse taucht der Borschlag auf, für die benot st h-nden Reichstagswahlkn einige Kandidaturen von gemäßigten Elsäffern in altdeutschen Wahlkreisen auszust.llen, damit auf diese Weise gegen eine etwaige Wiederholung des rein oppositionel- len Ausfalls der Wahlen im Reichslande selbst für alle Fälle ein Gegengewicht geschaffen würde. So gut gemeint dieser Gedanke ist, so halten wir doch seine Ausführung für schlechterdings unmöglich. Mag sich die Ernüchterung der Gemüther und die Klärung der Köpfe im RiichSlav.de bis zum nächsten Januar noch so günstig entw-ckeln, so objektiv wird die Stimmung sicherlich noch bei weitem nicht sein, daß diejenigen Männer, welche eine Wahl in Altdeutschland an nehmen, daheim nicht einem allgemeinen Mißtrauen aukgesetzt sein sollten. Vollends aber, wenn die elsaß-lothringischen Wahlen selbst wieder durchweg x eisen oppositionellen Charakter trugen, würden solche Männer als Ueberläufer vernehmt werden und in ihrer Heimath allen Boden verlieren. Wie es scheint, hofft die sog. elsässische Partei mit Bestimmtheit, diesmal wenigstens einige ihrer Kandidaten durchzüsetzm. Mit dieser Aussicht wird man, glauben wir, einstweilen zufrieden sein müssen. Künstliche Experimente, welcher Art sie auch seien, würden nur schädlich wirken.
— Nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 20. April 1876 kann neben der DefraudationSstrafe auf eine Ordnungsstrafe erkannt werden, wenn die zur Bierbereitung verwendrte Biercouleur an einem der Steuerbehörde, mchi angemeldeten-Orte aufbewahrt war.
— S. M. S. „Vineta" beabsichtigte am 25 Jnli er. von Hon- kong nach Chefoo zu gehen. — S. M. S. .Victorm" hat am 17. Juli er. St. Thomas verlassen, traf am 20. desselben Monats in Bar- badoe» ein. ging am 23 wieder in See und ankerte am 12. August er. auf der Rhede von Bahia. — An Bord Alks wohl. — S. M. Schiffe .Friedrich Carl" und „Kronprinz" sind, telegraphischer Nachricht zufolge, am 9. d. MtS. Mittags in Smyrna angdommett, — S. M. Kanonenboot „Pommerania" wirb daselbst am 1Ö. erwartet. — S. M. S. „Medusa" ist am 7. September er. auf der Rhede von Piymouth zu Anker gegangen.