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1 Mari •» Piz. Für auswärtige Vtbvunenteii tatt dcm betreffen» -en Postaulschlag. Me einzelne Nummer 10 Psg.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und SamstagS mit der Berliner Proviuziab Lorrespondenz.
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Die Sspalt. Aeür
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Die ZspaltigeZeile 80 Pfg.
M 211.
Montag den 1L September.
1876.
Bekauutmachuugen Köuigl. LandrathSamLS dahier.
Gefuudeu: Ein goldener Trauring, B. K. gez. Eine Mark. Eine Schnupftabaksdose. Ein schwarzes Kinderjäckchcn. Ein defektes seidenes Sonnenschirmchen. Ein Milchkännchen.
Entlaufen: Ein kleiner graugelber Rauhpinscher. Ein brauner Jagdhund mit langer Ruthe, die Vorderpfoten etwas weiß.
Verloren: Ein kleines Portemonnaie, enth. eine Anzahl 10 und 20-Markstücke; dem Finder 20 Mark Belohnung.
Hanau am 11. September 1876.
Wochenschau.
H. H. in C. Der 2. (September ist also wirklich zum nationalen Festtag erhoben worden, wie aus den Berichten, welche aus allen Theilen Deutschlands gekommen sind, hervorgeht. Allüberall wurde der - große Sieg von Sedan von allen Klassm des Volkes festlich begangen, als der glänzendste des ganzen Feldzuges, den wir durch die Frechheit des Feindes zu führen gezwungen waren, — als der Sieg, der den Triumph der deutschen Waffen sicherstellte und somit die hauptsächlichste Vorbedingung des Wiederaufbaues des deutschen Kaiserreichs war. Der 2. September wird der Deutschen nationaler Festtag bleiben für alle Zeit. — Der deutsche Kaiser begab sich am 4. d. MtS. nach Sachsen, um den bei Leipzig stattfindenden Manövern beizuwohnen. Der Empfang, der dem greisen Monarchen von den Bürgern genannter Stadt bereitet wurde, war der denkbar glänzendste und enthusiastischste. Der Kronprinz des deutschen Reichs, der den bayerischen Manöver« beigewohnt hatte, begab sich ebenfalls nach Sachsen, dergleichen der Feldmarschall v. Moltke. — Die Reichteisenbahnfrage hat neuerdings wieder von sich hör-n lassen. Die Eisenbahnkommission der Elberfelder- Handelskammer hat nämlich für den Ausschuß bei deutschen Händel-- tages einen Borschlag ausgearbeitet, nach welchem sämmtliche wichtigere Eisenbahnen Deutschlands einem durch ReichSgesetz zu gründenden ' Aktienunternehmen zu übertragen wären, welches unter der Leitung bei Reiches stehen würde. Das durch diese Organisation zu kreirende Papier, welches sich allmählig au die Stelle der Aktien und Prioritäten einschieben würde, soll eine mäßige, vom Reiche zu gewährende Garantie (3%), neben AuSsicht auf Dividende, erhalten. Man ist gespannt, was die Eisenbahnparteien und die Sachverständigen zu diesem Vorschlag zur Güte sagen werden. — Die Linke des Berliner Gemeinderathes hat einen Aufruf zu einem Kongresse preuß. Stadtverordneten erlassen, der die in nächster Session des preuß. Landtags zur Berathung kommende Städteordnung prüfen und event, sich über Abänderungsvorschläge einigen soll.
In der Haltung eines Theiles der deutsch-österreichischen Zeitungen betreffs der balkanischen Frage ist in letzter Zeit eine erfreuliche Wandlung eingetreten. So betont z. B. die „Constitutionelle Bor- stadtztg." als Europa« Pflicht, dafür zu sorgen, daß das viele Blut nicht umsonst geflossen, kein nothdürftigeS Provisorium be* Jammer verewige; ei müsse eine Lösung erzwungen werden, die nicht nur für; den Augenblick menschlichkeitShalber die Blutarbeit hemme, sondern die gerechten Forderungen der Balkan-Christen dauernd befdebtge; könne Europa dieser Pflicht nicht genügen, dann werde man den russischen Plänen in die Hände arbeiten. Und die offiziöse Wiener „Polit. Cor- respondenz" spricht ganz ungenirt von der Nothwendigkeit, der Herze- gowina, Bosnien und selbst Bulgarien die Autonomie zu gewähren, da »bie Gleichheit der Rechte, von welcher man für die Christen in den mohamedanischen Ländern träumt, Chimäre ist; da ferner, so lange die Türken Muhamedancr bleiben, keine menschliche Macht sie zur Anerkennung bringen wird, daß Christen ihre« Gleichen seien." Dieses Zu- gefiandniß ist überaus wichtig.
. -Ä.IEerr regte sich endlich auch daS Mitgefühl für die Sache der Südslaven. In Rom fand eine große Versammlung zu Gunsten derselben statt. Dieselbe sprach sich energisch gegen die von den Türken begangenen Grausamkeiten aus, beschloß, die italienische Regierung zur Unterstützung der von der Versammlung geäußerten bezüglichen Wünsche aufzufordern und setzte ein Konnte ein, welches für die Slaven Samm
lungen veranstalten soll. In Mailand und anderen großen Städten Italiens fanden ähnliche Versammlungen statt.
Am 4. September erreichte die dritte französische Republik ihr 6tes Lebensjahr. Der Minister des Innern hatte für diesen Tag jedwede öffentliche Demonstration untersagt. Man fügte sich auch durchweg diesem Verbote, allein die Häuser wurden am frühen Morgen schon i» fast allen Städten beflaggt. Dem früheren Pariser Polizeipräfekten £6un Renault gibt man schuld, er bemühe sich, aus den konservativen Republikanern, den Konstitutionellen und den Orleanistrn eine neue Kammermehrheit zu bilden, welche den Namen „centre droit liberal“ erhalten solle.
Der König von Spanien hat einen sehr einflußreichen Anhänger durch den Tod verlöre», des früheren Carlistengeneral Cabrera nämlich, der sich nötiges Jahr offen dem Alfossismus anschloß und mit ihm viele Karl.steu und Erzkonservative. Auf seine Aufforderung zur Nie- derlegung der Waffen, desertirten Tausendchvon den Soldaten des Don Carlos nach Frankreich. Am letzten Carlistenkriege betheiligte sich Ca- brera im Nebligen nicht.
Auch in England wird die Volksstimmung immer slavenfreund- licher und türkenseindlicher. Die Unmenschlichkeiten der Türken haben namentlich die liberalen Engländer in den Harnisch gebracht. Uetzerall finden in tiefer Angelegenheit Versammlungen statt, und die Führer der Liberalen sprechen er offen aus, daß ei Zeit sei, dem türkischen Barbarismus ein Ende zu bereiten. John Bright meint, England müsse sich von jeder Gemeinschaft mit diesen blutrünstigen Asiareu losjagen und der Expremier Klavpone tritt in einer Broschüre für die volle Autonomie der südslav. Länder ein.
Der Kaiser von Rußland weilte in Warschau, wo er nur von offiziellen Persönlichkeiten begrüßt wurde. Die Großmächte hatten alle Vertreter dorthin gesandt — Deutschland den Feldmarschall von Man- teuffel —, um mit ihm über die acut gewordene oriental. Frage zu unterhandeln.
Acut wurde dieselbe dadurch, daß es den durch ein neues Korps verstärkten Türken gelang, durch eine Umgehung von Alexinatz die Serben derb zu schlagen und aus Alexinatz hinauszumanöverirrn. Serbiens FriedenSneigung ist durch diesen Mißerfolg bedeutend verstärkt worden und soll Fürst Milan die Mächte sogar um Schutz ersucht haben. Die Absetzung deS geisteskranken Sultan- Murad und seine Ersetzung durch den Bruder Hamid (II.) bedingten, daß die Mächte die Pforte erst am 4. September ersuche» konnten, auf einen Waffenstillstand ein* zugrhen. Die siegestrunkene» Tücken möchten aber zuvor noch weitere Stege erringen, bevor sie sich in Friedensunterhandlungen einlassen. Bon türk. Siegen wird auch bald von Montenezro her berichtet werden. Dort haben die Türken von Norden und von Süden her in übermächtiger Stärke die Grenze überschritten.
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— Die in Folge der Ermordung deS deutschen Konsuls Abbot zu Salonichi von der türkischen Regierung gezahlte Entschädigungssumme von 300,000 Franken ist dmch die Kaiserliche Botschaft in Konstantinopel der Wittwe btffelben übergeben worden.
Frau Abdot hat davon Anlaß genommen, in einem Schreiben an den Reichskanzler ihre« herzlichen Dank für die ihr durch Bermittelung deS Reichs zu Theil gewordene Sicherstellung ihrer Zukunft zum Ausdruck zu bringen.
— Nach der „Soff Ztg." dürfte sich die Nachricht, es werde dem Reichstage in nächster Session eine GefetzeLvorlage zugehen, wonach der Termin für die Aufhebung der Eisenzölle auf zwei Jahre hinauSgescho« ben werden solle, nicht bestätigen. Seiten« des Reichskanzieramts oder Seitens der preußischen Staatsrezieru«g sei wenigstens ein dahin zielender Antrag beim Bundesrath nicht zu erwarten. Dagegen meint die „Volks ztg.", nach den Anschauungen, die gegenwärtig am Reichskanzleramte maßgebend sind, sei die Möglichkeit einer Umkehr in der Zollfrage begründet.
— Zur Ausführung deS Gesetzes, betreffend die Ausgabe von